Wenn ich in den letzten Jahren etwas “gelernt” habe, dann das, dass wir nichts haben. Nichts gehört uns, nichts hält ewig (in der selben Form), nichts bleibt, nichts ist beständig, nichts gehört mir – nicht einmal dieser Körper – und wenn es eine Seele nach meiner Definition geben würde, so würde nicht einmal diese mir gehören.

Auf dem ersten Blick scheint das ein sehr erschreckender Gedanke zu sein – denn das hieße, dass nicht einmal meine Gedanken, meine Entscheidungen, mein Wille – ob frei oder determiniert (wie ich denke) – mir gehören würden. Nicht einmal “meine” Familie, mein Mann, mein Kind (sollte ich eines haben irgendwann) würden mir gehören. Alle existenziellen Fundamente, auf denen ich mit meinen nicht-mir-gehörenden-Füßen stehen würde, wären gar nicht existenziell, weil in der Form als “mir-gehörend” gar nicht erst existent.

Wahnwitzig. Was einem im ersten Moment fast wie giftige Panik in Gelb durch die Adern schießt bei dem Gedanken, kann einige Momente später und viele Gedankenspiele tiefer die Befreiung von allen Ängsten bedeuten.

Ich war vorhin komplett angstlos, obwohl ich nichts besaß; oder bessergesagt, weil ich nichts besaß; oder noch bessergesagt, weil ich mir dessen bewusst wurde, dass ich nichts besitze. Und als ich aus der ungewohnten Gedankenschiene wieder raus in die Alte gelangte, fühlte ich mich trotz der sich wieder aufbauenden Verlustängste wieder pudelwohl bei dem Gedanken, so unendlich viel zu haben, trotz des Wissens, all das zu verlieren (in Zukunft) – obwohl’s ja gar nicht mir gehört.

Aber hier hatten wir angefangen, lassen wir das lieber. Ich suche immerhin nach einem Ende dieses Blogeintrages.