Ich träume ja täglich, das ist bei mir nichts besonderes, aber ich erinnere mich meistens auch an die Träume. Normalerweise kann ich sie inzwischen schon deuten. Die hier haben aber nochmal Verwirrung bei mir hinterlassen, wenn sie dann doch irgendwie typisch für mich sind und auf meine Persönlichkeitsstruktur passen.

1. Szene: Ich war in einem Raum mit 20 Schlägerweibern, die nur eines wollen: Ärger. Die Anführerin von ihnen schien richtig Lust zu haben, sich mit mir zu prügeln. Ich hatte keine Angst, aber ich fühlte mich unwohl, denn ich wusste, dass ich mich gleich mit einer Frau prügeln würde, von der ich nicht wusste, inwieweit ihre natürliche Hemmschwelle in Sachen “Verletzungen zufügen” überhaupt noch intakt war. Andererseits wollte ich auch keine Frau schlagen, weil ich aus Erfahrung wusste, dass ich stärker bin als die meisten Frauen, aber eben nicht so stark wie ein Mann. Ich stellte mich darauf ein, dass ich genauso ohne Hemmungen zuschlagen musste wie sie, wenn ich wieder heil aus der Situation raus wollte.

Sie kam schnell auf mich zu – gleich mit einem Holsstuhl in den Händen – und schlug auf mich ein. Ich konnte den Stuhl greifen und wegwerfen. Ich war plötzlich total blind vor Wut (wie Hulk), packte sie (ich weiß nicht mehr wohin) und schmiss sie einfach auf den Boden. Sie stand wieder auf, diesmal hatte sie eine Axt in der Hand und wollte hemmungslos auf mich einschlagen. Irgendwie wehrte ich ab und konnte die Axt wegwerfen. Der Gedanke, diese Axt selber zu meiner Verteidigung zu nutzen, kam mir erst gar nicht. Ich zog meinen Stiefel aus und schlug mit ihm einmal auf ihren Rücken und auf ihre Oberarme. Sie lag überraschenderweise sehr schnell müde und kaputt auf dem Boden nach der Attacke. Ich hatte vorgehabt, weiter zuzuschlagen, doch als sie da so lag, packte ich sie einfach an ihren Oberarmen, zog sie hoch, setzte sie auf den Stuhl und zog ihr T-Shirt aus. Ich sah furchtbare Wunden auf ihrem Körper. Narben, blaue Flecken, Prellungen. Und unter jeder stand ein Name oder ein Hinweis geritzt:

“Das hier war Papa, ich war kein gutes Mädchen.” stand auf der größten Narbe.
“Das hier war meine Liebe. Ich war wieder kein gutes Mädchen.”

Es ging immer weiter, sogar ihre Schwester und ihre Mutter waren in ihr eingeritzt. Mein Herz muss in dem Moment sofort zerbrochen sein, denn ich fing an zu weinen, warf meinen Stiefel weg, während sie ihren Kopf schützen wollte, weil sie dachte, ich würde wieder zuschlagen – doch ich nahm sie in den Arm, wiegte sie darin und weinte furchtbar. Sie war irritiert. Noch irritierter war sie, als ich ihre Narben anfing, zu küssen und die ganze Zeit sagte “Es tut mir Leid. Es tut mir Leid, wir bringen das wieder in Ordnung. Du wirst sehen.” Plötzlich platzte etwas in ihr auf, ihre Tränen liefen ungehemmt, ein paar ihrer Wunden gingen auf und der Eiter floss stetig heraus. Ich deutete das als gutes Zeichen.

2. Szene: Diese Szene war wirklich psycho. Ich war Beobachterin (worin ich wirklich Glück gehabt habe, weil ginge es hier um mich, ich wäre noch verstörter aufgewacht, als jetzt). Ein Mädchen war in einem dunklen Raum eingesperrt. Sie saß zusammengekauert in einer Ecke und versteckte ihr Gesicht die ganze Zeit zwischen ihren Beinen. Sie wollte keinesfalls irgendwo hinsehen. Ich erkannte sie. Ein Film spielte sich in meinem Kopf. Sie war auf einer Party und wurde die ganze Zeit von einem anderen Jungen beobachtet. Nicht typisch gesellig beobachtet, wie bei einem Jungen, der überlegte, wie er ein Gespräch anfangen konnte, sondern richtig intensiv mit Röntgenblick in ihr Seelenleben.

Sie saß noch immer da, völlig zusammengekauert. Ich sagte nichts, denn ich war nur Beobachterin. Ich sah aus dem Fenster und erschrak. Vor ihrem Fenster waren ihr Bruder (das wusste ich einfach), ihre Mutter, ihre Familie gefoltert und geschlagen an irgendeinem Stein befestigt und litten demonstrativ. Ich merkte, dass es sich dabei um Doubles handelte, aber nicht um ihre eigene Familie. Doch aus der Entfernung und unter den zermürbten Nerven, die sie hatte, dachte sie jedesmal, wenn sie nach vorne sah, dass ihre Familie dort vor Qualen am Sterben war. Sie schaute nach vorne und schrie wieder auf, weinte, versteckte ihr Gesicht und sagte “Was soll ich tun… Was soll ich tun, was willst Du von mir?”

Ich fragte mich die ganze Zeit, warum sie wie angewurzelt da saß, während sie denken musste, dass ihre kleine Schwester gerade von irgendeinem Psycho das Auge rausgenommen bekam (Ich gehe auf die Folterdetails nicht mehr ein, sie haben mich im Traum seltsamerweise nicht berührt, weil ich wusste, dass das alles inszeniert worden ist und die Doubles selber mit zum schrecklichen Plan gehörten, dieses Mädchen im Raum völlig zu zermalmen) – aber sie war wie gelähmt vor Angst.

Als sie sich rühren wollte, um zaghaft die Entscheidung zu treffen, vielleicht doch wieder einen Versuch zu unternehmen, ihre Familie zu retten, schaute sie ängstlich aus ihren Händen heraus und sah sich um. Ich erkannte in dem Moment, dass sie sich in ihrem eigenen Zimmer befand, das nur völlig verändert war. Dunkel, schmutzig, feucht – kerkergleich mit seltsamen Tieren aller Art, die an ihr, ihren Klamotten, ihren Hautschüppchen nagten und sich dann gegenseitig auffraßen. Alles war trostlos, kahl, zerstört. Sie hörte ihre Familie stöhnen und weinte wieder, wollte sich aber unbedingt zusammenreißen, ihre letzten Kräfte sammeln und aufstehen. Als sie das tat, sah ich hinter ihr hinter einer Glasscheibe ein abgrundtief heftig hässliches Gesicht, das eine Haut hatte wie aus einer Mischung von einem Insekten und eines Reptils. Seine grinsende Fratze hatte längliche, spitze Zähne und seine Augen – die waren am eindrucksvollsten und schrecklichsten – waren groß, leer und mit einem weißen, milchigen Schleier. Dieses Gesicht, obwohl es hinter einer dicken Glaswand war, hielt dieses Mädchen völlig in Schach. Sie starrte diese Fratze an und ließ sich von ihr bezwingen, sich nicht zu rühren. Sie blieb wie angewurzelt sitzen, zuckte nicht einmal mit ihren Gesichtsmuskeln, wagte nicht, zu weinen, hielt die Luft an, starrte in seine Augen und tat nichts. Kurz wollte ich sie berühren, um zu sehen, ob sie zur Statue er-”blasst” war, doch selbst ich traute mich nicht mehr, mich zu rühren.

Doch nach einigen Augenblicken sagte ich ganz leise: “Er ist hinter einer dicken Wand, ihn gibt es glaube ich gar nicht. Dein Zimmer ist bunt, ich habe es gesehen und Deine Familie da draußen, das sind nur Doubles. Der böse Junge, der Dich beobachtete und Dir das Leben zur Hölle machen wollte, das bist Du selbst. Bitte tu’ was gegen Dein Ungeheuer in Dir – Deine Angst.” – Sie hörte mit großen Augen zu und sah mir nach, als ich die Szene verließ. Ich hoffte, sie würde es schaffen.

3. Szene: Ich stand auf einer großen Straße, die Kreuzung muss riesig gewesen sein, es stand für Fußgänger grün und die Massen wechselten die Straßenseite. Mittendrin – humpelnd mit seinem Stock – sah ich Dr. House. Mich packte plötzlich eine unglaubliche Zuneigung zu ihm und ich war mir sicher, er würde mir noch eher helfen können als Gott selbst, weil er wenigstens helfen wollte. Ich lief auf ihn zu – lief und lief – und sprang ihm in die Arme und umklammerte ihn mit Händen und Füßen. Ich gab ihm einen sehr dicken Kuss auf die Wange und fragte:

“House, Du kannst uns doch helfen, oder? Uns diesen einen Wunsch erfüllen, oder? Da ist doch nochwas zu machen? Wenn das jemand kann, dann Du, nicht wahr?”

Er ließ mich runter, kniff mir in die Wange, lächelte traurig und sagte: “Nein, Sherry. Manche Dinge kann nicht einmal ich wieder in Ordnung bringen.” und humpelte weg.