Archiv für November, 2008
22.11.2008, 22:32
Zahlen

Ich weiß, für Euch Normalos ist das nichts. Aber ich, als Mathe-Hysterikerin, quäle mich mit so einem Zeug richtig ab. Ich muss mich korrigieren: Ich quälte mich ab. Ich fange tatsächlich an, eine Art Bezug zu den zerquetschten Insekten auf weißem Papier (=Formeln und Gesetze) zu finden, der mir Sorgen bereitet. Ich habe gestern gemerkt, dass das Lösen von Aufgaben mich beruhigt. (Vor allem jetzt, da ich gemerkt habe, dass Excel auch “rosa” kann) Wie bitte kann das jetzt sein?

(Auszug aus meinen Statistikaufgaben, die ich am Montag auch noch vortragen muss):

Statistik

13.11.2008, 23:37
An solchen Tagen

Kennt Ihr diese Tage, an denen man “Sprachfehler” hat? Man stockt bei jedem Satz – und viele Wörter fallen einem plötzlich nur in der Muttersprache ein (in meinem Fall persisch, obwohl ich eigentlich besser Deutsch rede). Man gestikuliert wilder als sonst und zieht eine Fratze nach der anderen, damit man verstanden wird – doch Deine Gesprächspartner legen simultan ihren Kopf schief und betrachten Dich aufmerksam, um entschlüsseln zu können, was Du da gerade von Dir gibst. An besonders hartnäckigen Tagen schleichen sich bei mir sogar grammatikalische Fehler ein, so richtig banale wie “der die das”, “dem”, “des”… An solchen Tagen fühle ich mich besonders hilflos, aber kann noch über mich lachen.

Aber was ist mit jenen Tagen, an denen Deine Sprache sauber, präzise und klar ist und Dich dennoch niemand “entschlüsseln” kann? Kennt Ihr das? Ihr sprecht, Ihr hört Eure laute Stimme durch die Atmosphäre fliegen, die sich anfangs noch sicher und fest anhört – und je fragender die Gesichter, die in Euch hineinblicken werden, desto unsicherer wird die Stimme – und desto infationärer verwendet Ihr Adjektive, um “die Lage” (oder Euch selbst) zu beschreiben. Aber es kommt nur ein Bruchteil von dem, was Ihr sagen wolltet, bei den anderen an – weil auch nur ein Bruchteil von dem, was Ihr fühlt oder denkt, in die Sprache mit reinge-presst werden kann. Das ist nichts besonderes – aber an Tagen wie diesen, wenn Euch Eure “Rätselhaftigkeit” bewusst wird, wird etwas Alltägliches zur bedrückenden Besonderheit. Zur Besonderheit, obwohl auch ich sicher oft wie ein Fragezeichen in eine flatternde Gestik und Mimik meines Gegenübers schaute. Weiterlesen… »

06.11.2008, 13:13
Grenzen

Ist das nicht faszinierend? Selbst, wenn wir wissen, dass unser Gehirn eine Information völlig falsch verarbeitet – wie z.B. bei optischen Täuschungen – selbst dann können wir unser Gehirn nicht dazu bringen, die optische Täuschung zu “korrigieren” / bzw. das Objekt richtig zu interpretieren. Unser Gehirn ist von vorangegangenen Erfahrungen mit Objekten, Objektstandpunkten, Erfahrungen mit Perspektiven und Formen so sehr determiniert, dass seine Interpretationsweise einfach nicht “umzulenken” ist – trotz das Bewusstsein darüber, dass es falsch interpretiert.

Und dann kommt der Mensch daher und gibt sich voller Inbrust die Fähigkeit des freien, undeterminierten Willens. Wer will hier eigentlich? Wer oder was ist die Konstruktion namens Persönlichkeit, der wir soviel Wert beimessen, soviel Entscheidungskompetenz, freien Willen, Variationsfähigkeit und Flexibilität?

Unser komplexestes Organ ist durch und durch festgefahren und voller Grenzen.

04.11.2008, 00:07
Männer und Pzycho[s]

Eine Notiz am Rande: Erdbeermarmelade als Dip für meine nackte Karotte schmeckt lecker! Unglaublich, dass ich es überhaupt gewagt habe, diese Kombination auszuprobieren. So wie als Kind, als ich diese Brotbeilage “Salami mit Nutella drauf” unbedingt probieren wollte und wirklich bis zur Pubertät daran hängengeblieben bin und auch nur deshalb aufgehört habe, weil ich irgendwann anfing, Scham darüber zu empfinden, etwas lecker zu finden, das andere ekelhaft fanden. Dass es viel widerlicher war, sich stinkende Nikotinstäbchen in die Lunge zu pfeiffen oder nach Dünger stinkendem Zeug zu rauchen und dabei wirres Zeug zu reden, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Ich war halt jung, unsicher und hatte sowieso schon genug unter meinen Auswüchsen an waffenscheinwürdigen Kurven zu leiden, mit denen ich einfach (noch) nichts anzufangen wusste, weil ich mich nur für Fußball und delinquente Aktionen interessierte, die darin bestanden, mit meinen Kumpels Einbrüche in Schulen und Schwimmbädern zu planen, ohne dabei etwas mitgehen zu lassen. Nicht einmal die Klassenkasse. (Ja, es ging nur darum, die Aktion “erfolgreich” abzuschließen und dabei in Adrenalin zu ersaufen. Einmal habe ich es bereut, das war damals mit dem pferdegleichen Wachhund – aber das würde hier den Rahmen sprengen). Was ich eigentlich sagen wollte: Karotten / Möhren mit Erdbeermarmeladen-Dip sind eines Geheimtips würdig, nur achtet darauf, dass die Karotten eher süßlich sind – also mit Bitteren geht das ja mal gar nicht.

Jetzt zu meinem heutigen Tag: Als Psychologie-Student/In muss man 30 Versuchspersonenstunden ableisten. Das bedeutet soviel wie, dass man 30 Mal kostenlos als Laborrate für irgendwelche Experimente und Studien herzuhalten hat, um Teilnahmescheine zu sammeln, die man angeblich braucht, weil es ja interessant ist für Studenten, als Teilnehmer (eigentlich VPn = Versuchsperson) die “Methodenlehre” mal von Nahem zu beobachten und sich in die “Lage einer Versuchsperson hineinzuversetzen” – blabla. Kurz gesagt: Die Institute wollen Geld sparen und benutzen uns Studenten dazu, indem sie uns die Teilnahme an Experimente einfach als studienrelevante Pflicht auferlegen. Sie vergüten die Teilnahme meistens mit 3 bis 8 EURO und verschweigen uns, dass das normalerweise mehr gekostet hätte, hätten wir nicht dafür herhaltn müssen. Weiterlesen… »

01.11.2008, 13:14
Durch die Nacht

In der letzten Zeit habe ich wieder sehr seltsame Träume – und ich weiß nicht, was sie zu bedeuten haben. Was um alles in der Welt geht in mir vor, dass ich solche Dinge träume? Eine kurze Traumsequenz werde ich nun aufschreiben:

Ich gehe durch die Stadt und sehe Brigitte Nielson durch die Straße stolzieren. Sie ist so groß und eindrucksvoll, wie ich sie in aus meiner Jugend noch kenne. Ich mochte sie damals schon, weil ich in ihr trotz ihrer kühlen Erscheinung immer viel Wärme und Menschlichkeit gespürt habe.

Im Traum sehe ich sie in ihrer vollen Pracht, so wie sie in den achtzigern war. Ich weiß, dass sie jetzt weit übe 50 sein müsste und eigentlich nicht so makellos und jung sein dürfte – aber das ist mir egal, ich genieße ihren geraden Rücken, ihre hochgenickte Nasenspitze, ihren unnahbaren, kühlen Blick, ihren großen Busen, ihre markanten Kopf. Ich muss gelächelt haben – ich muss lächelnd geschaut haben, als sie plötzlich fällt. Mit voller Wucht fällt sie schrecklich auf ihr Gesicht. Ich schreie auf, aber kein Ton entlockt sich meiner Kehle.

Wie konnte das passieren? Wie konnte das nur…? Sicher ist ihr nichts passiert, sie wird gleich aufstehen und über den Schmutz in ihrem Gesicht und ihren teuren Klamotten fluchen und dann weiter durch die Straße stolzieren. Ganz bestimmt, sage ich mir.

Die Szenerie verdunkelt sich – schwarze Wolken brechen auf, große schwarze Vögel fliegen schreiend-alamierend fort – und Brigitte Nielson bleibt regungslos auf ihrem Gesicht liegen. Die Menschen gehen ignorant an ihr vorbei und gehen ihrer Arbeit nach, als hätten sie die atmosphärische Veränderung in der Luft, die sie atmen, nicht bemerkt. Weiterlesen… »