Kennt Ihr diese Tage, an denen man “Sprachfehler” hat? Man stockt bei jedem Satz – und viele Wörter fallen einem plötzlich nur in der Muttersprache ein (in meinem Fall persisch, obwohl ich eigentlich besser Deutsch rede). Man gestikuliert wilder als sonst und zieht eine Fratze nach der anderen, damit man verstanden wird – doch Deine Gesprächspartner legen simultan ihren Kopf schief und betrachten Dich aufmerksam, um entschlüsseln zu können, was Du da gerade von Dir gibst. An besonders hartnäckigen Tagen schleichen sich bei mir sogar grammatikalische Fehler ein, so richtig banale wie “der die das”, “dem”, “des”… An solchen Tagen fühle ich mich besonders hilflos, aber kann noch über mich lachen.

Aber was ist mit jenen Tagen, an denen Deine Sprache sauber, präzise und klar ist und Dich dennoch niemand “entschlüsseln” kann? Kennt Ihr das? Ihr sprecht, Ihr hört Eure laute Stimme durch die Atmosphäre fliegen, die sich anfangs noch sicher und fest anhört – und je fragender die Gesichter, die in Euch hineinblicken werden, desto unsicherer wird die Stimme – und desto infationärer verwendet Ihr Adjektive, um “die Lage” (oder Euch selbst) zu beschreiben. Aber es kommt nur ein Bruchteil von dem, was Ihr sagen wolltet, bei den anderen an – weil auch nur ein Bruchteil von dem, was Ihr fühlt oder denkt, in die Sprache mit reinge-presst werden kann. Das ist nichts besonderes – aber an Tagen wie diesen, wenn Euch Eure “Rätselhaftigkeit” bewusst wird, wird etwas Alltägliches zur bedrückenden Besonderheit. Zur Besonderheit, obwohl auch ich sicher oft wie ein Fragezeichen in eine flatternde Gestik und Mimik meines Gegenübers schaute.

Ich bin müde und habe Kopfschmerzen. Manchmal kommen und gehen sie – aber leider gehen sie erst, nachdem ich geschlafen habe. Kennt Ihr das? Ihr habt diese Kopfschmerzen, aber Eure Laune ist nicht wirklich schlecht. Ihr seid nicht genervt oder aufgekratzt, sondern geduldig und ruhig. Heute ist so ein Tag.

Ich habe heute viel geredet, aber selber wenig verstanden. Ich habe heute viel erzählt, aber nicht das, was ich auf dem Herzen habe. Ich habe heute viel gehört, aber nicht zu-gehört. Die Stimmen in meiner Umgebung dienten heute lediglich einer warmen Schmeichelei meiner Hautoberfläche. Ich habe jede Frequenz auf meiner Gänsehaut gespürt, jedes Wort hatte einen bestimmten Klang auf meinem Gesicht, auf meinen Armen, auf meinen Händen – und manche von ihnen hatten Farben oder Licht.

Kennt Ihr das auch? Sich kreuzende Sinneseindrücke? Klänge “fühlen”, Farben “schmecken”, Berührungen fürchten? An manchen Tagen habe ich das. Heute war ein solcher Tag.

Letzte Nacht träumte ich, wie eine harte Karrierefrau zu einer weichen, mütterlichen Freundin wurde, weil ich sie um Trost bat. Es war, als habe sie ihr Leben lang darauf gewartet, dass jemand diese Fähigkeit der Wärme und Geborgenheit in ihr sieht und sie fragt. Das war schön… Sie war sehr schön.