Archiv für Dezember, 2008

Der Gegenstand meiner Überlegungen in der letzten Zeit waren einige Beobachtungen, die ich im Alltag gemacht habe. Besonders fielen mir einige Situationen auf, in denen immer die selben Personen einen Hang dazu aufwiesen, sich besonders oder in besonderem Maße selbst darzustellen. Fassen wir das Thema in ein grobes Wort zusammen: Die Profilneurose.

Was ist eine Profilneurose? – Diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten für mich, bedenkt man, dass jeder Mensch nach der Aufwertung oder Beibehaltung seines Selbstkonzeptes (=Selbstbild) strebt und versucht, durch die Resonanz seines sozialen Umfeldes dieses Selbstkonzept kontinuierlich bestätigt zu bekommen. Wir suchen oft die Nähe von Menschen, die uns entweder in unseren Einstellungen ähneln oder auch phänotypisch gewisse Merkmale mit uns teilen. Dies gibt uns die Möglichkeit, jemanden sympathisch oder attraktiv zu finden, dem wir ähneln. Und tun wir das, fühlen wir uns selber insgeheim (oder auch nur unbewusst) in unserem eigenen Selbstbild eines positiven Wesens bestätigt.

Wir suchen also nach Bestätigung, nach Anerkennung, nach “innerer Ruhe” in Form von Abwesenheit kognitiver Dissonanzen, die unsere Ruhe stören könnten und uns dazu auffordern würden, zu erkennen, dass wir anders sind als das, was wir denken, zu sein oder auch tagtäglich darstellen, zu sein. Der Übergang zwischen einer Profilneurose und pathologischem Narzissmus kann fließend sein. Der Übergang zwischen unbewusster Selbstdarstellung und bewusster Selbstdarstellung auch.

Manche wissen, dass sie nicht das sind, was sie vorgeben zu sein – andere wiederum empfinden zwar ein gewisses Unbehagen, aber schaffen es, durch radikalere Selbstdarstellungsmaßnahmen und die damit einhergehenden positiven Feedbackreaktionen anderer auf “diese und jene bemerkenswerte Eigenschaft” zu verdrängen.

Jede Person, die ein gewisses “realistisches” und somit gesünderes Selbstbild von sich hat, wird sich in diesen Beschreibungen schmunzelnd wiederfinden und damit klar kommen. Sein Selbstwertgefühl wird durch diese kleinen Wahrheiten nichts ins Wanken geraten. Mindestens ein bis zwei Situationen sollte man hiermit assoziieren können (wenigstens, wirklich mindestens aus der Pubertätszeit!) – und man sollte darüber lachen können. Menschen mit einer Profilneurose jedoch werden sich das hier durchlesen und sagen: “Ich? Ich nicht. Mir ist es s-c-h-e-i-ß-e-g-a-l, was andere von mir denken, ich bin immer so, wie ich bin! Immer.” – Und die Selbstdarsteller, die noch zu retten sind, fühlen sich ganz bewusst angesprochen und fühlen eine ganz bewusste Angst, irgendwann enttarnt zu werden – dabei ist der erste Schritt zu weniger “sozialer Angst” und weniger Kraftaufwand auf Kosten der Selbstdarstellung der, dass man einfach sagt: “Ja, ich vertrete manchmal ostentativ Ideale, denen ich nicht gerecht werde! Und ja, ich will Anerkennung, ich will als etwas besonderes gelten!” (In welcher Form, ist immer individuell. Manche werten sich durch ihr Wider-dem-Strom-Dasein auf, was anfänglich als besondere Autentizität hinweisen könnte). Weiterlesen… »

26.12.2008, 01:16
Jesus!

Ich dachte zuerst, das klingt ab, wenn ich etwas älter und reifer werde, aber es wird immer schlimmer mit mir und dem Kitsch.

Kitsch

Wie soll das bitte zu schaffen sein? Eine kleine Hausarbeit in Sozialpsychologie, eine große Hausarbeit, Statistik-Klausur, Lernpsychologie-Klausur (Hilfe, Behaviorismus!), Methodenlehre-Klausur und Studium-Integrale-Klausur – und das alles bis Anfang Februar. Hallo? Die haben uns sogar für die Weihnachtsferien Statistik-Hausaufgaben gegeben (und das extra viele!). Geht’s noch? Wir sind gerade mal im ersten Semester und die poppen uns den Kopf ins Koma! (Läuft da etwa soetwas wie ein bewusst eingeleitetes Selektionsverfahren?)

Seit dieser Bachelor-Sache kann man einen Studenten nicht mehr einen Studenten “schimpfen” als Synonym für Faulheit und Kiffismus, sondern sollte sich vor ihnen ehrfürchtig verneigen, ja! – Aber wer weiß das schon?

:cry:

14.12.2008, 00:44
Fliehende Farben

Es gab in der letzten Zeit soviele witzige, schöne, intensive, zum tot-lachende Momente, die ich hätte aufschreiben können – aber ich habe es nicht getan. Warum nicht? Weil ich einfach nicht dazu komme, die Dinge ihrer würdig niederzuschreiben. Meine Schreibblockade ist – mal wieder – an ihrem Maximum angekommen – aber diesmal nicht aus belastenden Gründen, sondern aus Gründen der “Überreizung” von Neuem und Schönem. Ich schaffe es einfach nicht, die ganzen Erlebnisse und Eindrücke der letzten Wochen zu beruhigen, um sie endlich in Wörter einzuordnen. Alle Farben und schrilligen Ereignisse prasseln auf mich nieder, bringen mich lauthals zum lachen – und ich entdecke mich dabei, wie ich mich in ihren knalligen Farben und Formen einsuhle, in ihnen rumschwimme, rum-matsche (was für eine Lust!) und in dem Chaos selig einschlafe. “Ordnung? Das kann doch noch warten. Erst einmal genießen…”, höre ich mich oft sagen.

Und was mache ich jetzt? Ich sitze im bunten Chaos und weiß gar nicht mehr, was ich genau erlebt habe – ich weiß nur, alles nimmt einen positiven Lauf – alles ist irgendwie gut. Alles ist plötzlich wieder so spannend und liebenswert – mein ganzes Umfeld hat sich verändert, die alte Umgebung mit all ihren Heucheleien und Intrigen verblasst immer mehr.

Die Menschen, denen ich begegne, sind reich und voll von allem, was ich immer in Freundschaften gesucht habe – das “Überangebot” an Schönheit und tiefen Gesprächen macht mich ganz durcheinander. Ich komme nicht mehr nach.

Ich würde gerne schreiben, was sich ereignete, was hier gerade passiert, sich neu erschafft. Aber die Sache mit den “in Worte fügen” klappt im Moment einfach nicht. Deshalb auch nur dieser kleine Abriss für die, die mich gefragt haben, wo ich denn stecke. Ich will sagen, dass ich noch lebe – und nicht schweige, weil ich mich wieder zurückgezogen habe, sondern weil ich gerade kurz da verweilen darf, wo man in seinem Leben ab und zu immer wieder mal sein will: Bei meinen Freunden… Bei den Neuen und vor allem bei den Alten.

Für die Liebe meines Lebens – Papa & Mama…

Eltern
Quelle: Margitta Freyt, Malerin