29.01.2009, 02:19
Mach’ auf…
Ich habe damals immer die “Liebe” gepredigt. Ich war so überzeugt davon, dass jeder Mensch die Liebe verdient hat und Liebe verschenken kann. Ich war davon überzeugt, dass der Kern eines jeden Menschen gut ist und nur die “Umstände” einen Menschen schlecht machen. Ich war damals der Überzeugung, dass jeder Mensch mit einigen innigen, seelentiefen Umarmungen zu ändern ist – einfach zu ändern ist, indem man ihn berührt und ihm sagt, dass er etwas wert ist. Soviel wert ist.
Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich davon überzeugt war. Während manche dachten, ich sei bescheuert, naiv oder leide an einem Helfersyndrom (ich will ja nichts davon leugnen), dachte ich, ich habe die allgemeingültige Wahrheit über das Universum gefunden: Die Liebe. Es ging soweit, dass für mich Gott & Liebe ein und das Selbe waren. Das Leben war damals schön, egal wie schwierig die Phasen sein konnten – mit der Einstellung war alles erträglich. Alles war mit einem Lächeln der Vorfreude auf später zu ertragen. Mein Fundament war so sicher, obwohl es so weich und schwebend war.
Ich war davon überzeugt, dass eines Tages alles gut wird. Ich war davon überzeugt, dass alle Wege zur Liebe (zu Gott) führen werden – manche gelangen durch Umwege dahin, manche direkt, wie in einem Labyrinth – wir suchten alle das Eine, und früher oder später würden wir es finden. Ich war davon überzeugt, dass Menschen nur füreinander da zu sein brauchen – und alles würde gut werden. Ich war davon überzeugt, wirklich davon überzeugt, ich war so überzeugt… Versteht Ihr? So tief darin verankert. Weiterlesen… »
Hatte ich Dir schon gesagt, dass ich Deinen Hals unwiderstehlich finde? Ich brauche ihn nur länger als zwei Sekunden anzusehen und meine Knie werden weich – und wenn ich nicht aufpassen würde, ich würde jedesmal vor Verlegenheit lachen. Ich zeige das nicht, aber Du merkst es immer daran, wenn ich Deine Fragen und Anmerkungen plötzlich nicht mehr beantworte und Dich nur anstarre. “Hallo?” höre ich Dich dann immer von weitem sagen, aber ich sehe Dich nur verwirrt an und reagiere “leicht” zeitverzögert mit einem “Ja?”.
Hatte ich Dir schon gesagt, dass – wenn ich abends auf Deiner Brust liege und ich kurz den Kopf hebe, um in Dein Gesicht zu schauen – ich in einer Perspektive liege, in der Deine Lippen und Deine stolzen Augenbrauen und dichten, geschlossenen Wimpern mir den Atem rauben? Du atmest ruhig und Deine Brust hebt und senkt sich und lädt mich wieder ein, mich drauf zu legen. Du machst die Augen auf und sagst: “Schatz, was schaust Du mich so an?” – Ein leises “Nichts” kommt aus mir heraus – manchmal antworte ich sogar gar nicht und lege mich einfach wieder auf Deine Brust und beschäftige mich mit dem Foto, das ich mit meinem inneren Auge von Dir “geknipst” habe, als ich meinen Kopf noch oben hielt und Deine Lippen, Deine Augenbrauen und diese geschlossenen Augen sah. Während Du schläfst und ich auf Dein Herz lausche, flüstere ich tausend und tausende Liebesschwüre, mache die skurrilsten gedanklichen Höhenflüge und die hellsten Zukunftspläne… Und während ich noch sage “Morgen erzähle ich ihm davon”, schlafe ich ein und erinnere mich am nächsten Tag nur noch daran, dass ich die Nacht zuvor irgendetwas schönes geträumt haben muss. Weiterlesen… »
23.01.2009, 13:23
Selbstgespräche
Mir gehen im Moment ziemlich viele Gedanken durch den Kopf über alle möglichen Themen. Aber die Zeit erlaubt mir nicht, sie zu ordnen und nieder zu schreiben, wir sind in der Prüfungsphase – und mein kompletter “Lernaufwand” war wieder einmal Selbstbetrug.
Ich sage alle Treffen ab, verbuddel mich zu Hause ein, mache einen “Lernplan” (einen sehr strikten) und markiere entschlossen den Soll, den ich schaffen will, aber ich habe danach so sehr das Gefühl, soviel allein dadurch schon gemacht zu haben, dass ich wieder zwei Tage nur “legitimiert” rumwusele und vom Lernen rede und intensiv um meine Prüfungen besorgt bin, aber aktiv werde ich immer erst ein bis zwei Tage vorher. Ein bis zwei Tage vorher reichen aber bei diesem Studiengang nicht aus. Schon gar nicht, wenn ich mein Master machen will.
Also nochmal, Fräulein: Hier läuft es anders als beim letzten Studium. Es geht hier nicht nur darum, die Scheine zu kriegen und nur zu bestehen, sondern Deine Bestleistung muss her. Dein Master darfst Du nur machen, wenn Du einen bestimmten Notendurchschnitt erreicht hast. Dieser Notendurchschnitt wird nicht etwa vom Psychologischen Institut festgelegt, sondern vom Notendurchschnitt Deines “Jahrgangs”. Dein Jahrgang besteht aus Abiturienten/innen, die ein Einser-Abi im oberen Bereich haben, sonst wären sie nicht für Psychologie zugelassen worden. Diese Abiturienten sind einmal frischer im Kopf als Du, sind einwenig sorgloser als Du und wahrscheinlich neben ihrem Fleiß um Einiges intelligenter und aufnahmefähiger als Du. Zudem haben sie schon in der Schule gelernt, wie man lernt, weil sie’s getan haben, während Du die Schwänzerin No. 1 gewesen bist. Ok?
Dieses Studium bedeutet Dir viel. Zum ersten Mal in Deinem Leben gehst Du zum Unterricht, zur Vorlesung, zum Seminar und kommst befriedigt wieder raus, auch wenn Du denkst “Au Backe, wie krieg ich all das wertvolle Zeug jetzt in mein Gehirn gepresst?” – das ist aber unwichtig und die Tatsache, dass diese Selbstzweifel und das Gefühl von Überforderung Dir Deine Begeisterung für das, was Du täglich lernst nicht nehmen können, ist wertvoller, als Du Dir das jetzt vorstellen kannst. Wenn Du irgendwann hiermit fertig bist und in Deinem Beruf aufgehst und nicht täglich das große Kotzen kriegst beim Gedanken an Deine Arbeit, wie bei vielen Deiner Bekannten, Verwandten und Freunde – erst dann wirst Du verstehen, was ich jetzt zu Dir sage. Ok?
So, nun zum eigentlichen Problem: Ist das Führen von Selbstgesprächen eigentlich krank?
Ihr habt das sicher alle mitbekommen. Ein kleines, türkisches Mädchen – gerade mal acht Jahre alt und am Anfang ihres Lebens – wurde in Paderborn sexuell missbraucht und ermordet. Ich habe es vorhin im TV gesehen, ihre schönen braunen Augen, ihre Unschuld, ihre Jugend, zigtausend unerfüllte Träume – und dann blenden sie plötzlich ihre Eltern bei der Beerdigung ein. Ich habe sie gesehen, diese Eltern, und versucht, mir vorzustellen, wie sie jemals den Gedanken ertragen können, dass ihr kleines hübsches Mädchen von einem Kranken, von einem *** auf eine Art geschändet worden ist, wie wir uns das niemals vorstellen wollen. Erst habe ich mich übergeben, dann sehr lange geweint. Jetzt fluche ich und ersticke an meinen niemals zu realisierenden Rachegelüsten.
Ich will auch nichts von humanistischem Geschwafel hören, ich will diesen und viele andere Dreckskerle in die Finger kriegen und ihnen solange in ihre dreckige Fresse treten und schlagen, bis sie winselnd verrecken! Meine Fantasien haben gerade keine Grenzen, aber ich kann sie hier nicht äußern. Ich weiß nur, dass ich keine Sekunde Mitleid haben werde, sollten die Menschen in so einer Situation Selbstjustiz üben. Wenn die Justiz solchen Tätern auch noch die Eier krault, dann scheiße ich auf diese Justiz. Man wird in Deutschland für Steuerhinterziehung oder Raubkopien härter bestraft als für solche Taten.
Irgendwann kriegt Ihr paar auf die Fresse. Irgendwann kriege ich irgendeinen von Euch feigen Wixern in die Finger. Irgendwann.
Es tut mir so Leid, kleine Schönheit… Es tut mir so Leid.

06.01.2009, 01:27
Kalter Samt
Ich habe extra keine Stiefel und Socken angezogen, damit ich Dich mit meinen Sommerschuhen unter meinen Füßen spüre und auf Dir schreite wie auf kaltem Samt. Ich ging weiße Welten durch – in nur drei Schritten, mal fest mal sanft. Was würdest Du tun? Mich auf Dir ausrutschen oder weiter schweben lassen?
In meinem einzig wachen Augenblick griff ich nach Deiner kalten Weichheit und wollte Dich essen – einfach einverleiben – so atemberaubend schön warst Du. Und als ich dachte, mein Atem stockt mal vor Gier mal vor Glück, rieseltest Du unter’m Halbmond glitzernd, schreiend funkelnd aus meiner Hand auf den Boden. (Ach, wo war der Boden? Da warst nur Du) … Du warst so wach, so hell, als hättest Du vor kurzem das Lächeln eines Sternes geklaut – und mir ins Herz gestochen.
Zwar stand ich schon, doch ich blieb nochmal stehen, indem ich nicht mehr atmete – und horchte, horchte, denn ich wollte Dich unbedingt sehen. Wie können Deine Formen nur so symmetrisch sein? Wie kann Deine Konsistenz so weich und grausam zugleich sein?
Was gibt’s reineres und schöneres als Dich, lieber Schnee? Du bist eine Prinzessin. Meine Prinzessin…
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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