~ Hossein Alizadeh & Djivan Gasparyan – Sari Galin ~
Ich muss eigentlich lernen. Am Montag fängt schon die erste, unmenschliche Klausur an und ich weiß nicht, wie ich sie meistern soll. Aber ich lerne nicht. Ich lerne nicht, weil ich etwas nicht aus meinem Kopf kriege. Denn…
Meine Liebe sitzt gerade nicht nur in meinem Herzen, sondern in meinem Kopf und will mit mir tanzen. Sie zwickt und kneift mich schüchtern und liebevoll und will mit meinen strengen Gedanken Hand in Hand, Eins in Eins zusammen sein und sie aufweichen. Ich lächele sehnsuchtsvoll und streichele den Kopf meiner Liebe. “Weißt Du noch jene Zeiten”, sage ich… “Jene Zeiten, in denen Du nicht im totalen Widerspruch zu dieser Welt standest, weil Du für mich die Welt warst? Weil Du mein Gott warst?” Meine Liebe nickt traurig und hält ihre Augen zu, schmiegt sich an die Grenzen meines Kopfes und klopf hoffnungslos an die gut strukturierten Wände der Logik. “Was hat sich verändert? Bin ich Dir nichts mehr wert?” – Die Stimme meiner Liebe ertrinkt in ihrer eigenen Unschuld. Wie ein Kind, wie ein verlassenes Kind, schaut sie mich an und bittet darum, wieder nach Hause zu dürfen. Ich versinke in Scham vor soviel Schönheit und drücke meine verwahrloste Liebe sanft an meine Brust. “Meine Liebe… Es hat sich nichts verändert. Ich musste nur eine Welt in der realen Welt erschaffen – nur für Dich – um Dich weiter unberührt zu halten. Denn hier passt Du mit Deiner Reinheit nicht hin. Sie besudeln Dich, beschimpfen Dich als naiv, als unwahr, als unmöglich – ja, sogar auf Chemie, Biologie und Evolution reduzieren sie Dich. Du brauchst Schutz. Wir brauchen Schutz, meine Liebe.”
Meine Liebe seufzt und küsst meine Stirn. Jetzt bin ich ihr Kind und sie die große Mutter. “Denkst Du, ich bin so leicht unterzukriegen? Du hast vergessen, wer ich bin und aus welchem Stoff ich bin. Ich gehöre nicht nur Dir, Du kannst mich nicht einschließen. Lass mich überall hin, weil ich alles bin. Genauso gehöre ich nicht nur der Chemie, der Biologie, der Industrie und der Evolutionstheorie. Ich bin der Stoff, der kein Stoff ist, sondern in allem weilt. Ich bin das, was die Welt zusammen hält. Lass mich raus aus Deiner kleinen Welt, schließ mich aus Deinem Kopf nicht aus, ich verweile nicht nur in Deinem Herzen, sondern bin der Grund jedes Gedanken, den Du hegst. Selbst, wenn Du hasst, hasst Du durch mich – Deiner Liebe – heraus.”
Die Stimme meiner Liebe ist wie ein Lied – eine Melodie, mit der ich aufgewachsen bin. Die Melodie, die mit der Stimme meines Vaters, der meiner Mutter, der meines Großvaters, der meines Gottes gesungen wurde. Die Stimme aller Völker und Sternenvölker, die ein und das selbe Gefühl kennen und sich danach sehnen. Ob als Liebespaar, in Freundschaft, in Agape oder in spiritueller Liebe. Ich habe diese Melodie vermisst, denn ich hörte nur noch die Stimme der Vernunft und die Stimme der Verpflichtungen. Und jetzt, wo sie zu mir wieder spricht, schlafe ich gleich auf ihrem Schoß ein und lausche ihrer Sanftmut und Bestimmtheit, anstatt zu lernen. Dabei lerne ich soviel von ihr…
“Eine Form Deiner Kunst”, sage ich leise zu ihr, “ist der Mann, den Du zu mir geführt hast. Du hast zwei Widersprüche – ihn und mich – miteinander in verschlungener Harmonie vereint – und ich frage mich heute noch wie…”
“Nichts einfacher als das…”, summt sie weiter. “Ich bin das, was alles zusammen hält. Selbst, wenn Du hasst, hasst Du durch mich. Und was gibt es Unvereinbareres als Liebe und Hass?”
Ich nicke berauscht und schlafe ein.

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Hast Du das Lied gehört?
Oh so gut- wenn wir das als Warheit erkennen ,dann ist Frieden in mir und Dir-
Der Frieden wird leider ständig durch die Realität gestört…
Oder die Realität kommt in den Genuß Frieden zu erfahren…
Da bist Du ja, Jubin! Schreib’ mir eine PN, ja?
Hallo Sherry,
musste nicht nur über diese Worte „… Genauso gehöre ich nicht nur der Chemie, der Biologie, der Industrie und der Evolutionstheorie. Ich bin der Stoff, der kein Stoff ist, sondern in allem weilt. …“ immer wieder nachdenken. Selber fällt es mir schwer, meine eigenen Gedanken verständlich nieder zuschreiben. Ich las heute von Matthias Gräbner den fantastischen Beitrag „Bestimmt Information das Wesen der Natur?“ ( http://www.heise.de/tp/r4/artikel/31/31348/1.html ).
Wünsche Dir ein schönes Wochenende!
Henry
Hallo Henry,
schön, Dich zu lesen. Tut mir Leid, dass ich so spät erst antworte. Ich habe gerade den Artikel gelesen. Das Thema interessiert mich brennend, deshalb finde ich es etwas schade, dass der so kurz gehalten worden ist und eigentlich ständig in jedem anderen vergleichbaren Artikel steht, dass man immer noch nicht bescheid weiß, sich dieses Phänomen nicht erklären kann – und: Dass das ein Beweis für Seele, Jenseits oder sonst etwas sei.
°oO( Was ich natürlich zu gerne glauben will )
Ich wünsche Dir eine gute Woche!
Sherry
Hallo Sherry,
musste diesmal etwas länger nachdenken.
Meiner Meinung glauben die Menschen auf der einen Seite “Viele Wege führen nach Rom!” :-( und auf der anderen Seite “Vom ich über die Vereinigung der Seelen zum Einklang mit dem Geist!” :-).
Wünsche Dir noch einen schönen Sonntag!
Henry
Wunderschöne Worte. Wahre Poesie!
Danke, Dea Liebes. Schön, Dich hier anzutreffen.
“Lass mich raus aus Deiner kleinen Welt, schließ mich aus Deinem Kopf nicht aus, ich verweile nicht nur in Deinem…” – exzellent! :)
Vielen Dank, “Gegen Schüchternheit”.