Archiv für März, 2010
31.03.2010, 02:04
Mehrzad und Menowin

Erinnern wir uns kurz zurück an die guten alten Zeiten: Die Sonne der Karibik scheint herzerwärmend. Man hört die Wellen des Meeres, wie sie den weißen Sandstrand streicheln. Eine leichte Brise weht den zwei jungen Männern über das sonnengebräunte, erwartungsvolle Gesicht, die spätestens ab diesem Auftritt als Talente anerkannt werden. Dieter, Nina und Volker sitzen gespannt im Trio auf ihren Plätzen und warten auf den Moment, in dem Mehrzad Marashi (29) und Menowin Fröhlich (22) loslegen. Tak, tak, tak – Mehrzad tippt Menowin an – das ist das Zeichen, auf das er gewartet hat – und er fängt zu singen an „Alalalalalonglonglelonglonglong“ – und die beiden sind nicht mehr aufzuhalten.

In unser aller Ohren ertönt der Gute-Laune-Reggae Rhythmus des 90er Jahre Hits „Sweat – Alalalalalong“ von Inner Circle. Zwei harmonierende Soulstimmen singen lachend und fröhlich einander an und begeistern mit ihren enthusiastischen Hüftschwüngen die Wohnzimmer Deutschlands. Die beiden sind so aufeinander abgestimmt, dass ihr Tanz und Gesang wie ein Frage-und-Antwort-Spiel wirkt, an dem sie großen Spaß haben. Die Jury schaut sich das kleine Fest fasziniert an. Jeder Einzelne wippt seinen Kopf zu den Rhythmen und Bewegungen der beiden Talente. Ihre Mundwinkel zeichnen ein Lächeln ab – und alle sind sich einig: Diese beiden – Mehrzad und Menowin – sind das Dreamteam schlechthin. Beide talentiert, beide willensstark, beide diszipliniert. Sie liefern mit viel Spaß an der Sache den Song fast besser als im Original ab und schenken allen Zuschauern Freude. „Wie die Faust auf’s Auge“, sagt Nina begeistert. „Absolut mega hammergeil!“, lobt Dieter sie.

Millionen Zuschauer – davon viele Iraner – sehen diesen Auftritt von zu Hause aus – und sicher ist: Ich bin nicht die Einzige, die beim Anblick der beiden fröhlich lachen muss und sich sicher ist, dass diese DSDS Staffel eine ganz Besondere werden würde. „Die Beiden da“, denke ich „die werden zusammen halten, auch wenn sie irgendwann Konkurrenten sind. Sie werden schweren Herzens gegeneinander singen. Und sie werden schweren Herzens im Finale einander die Hand nehmen und nicht wissen, wem sie sich den Titel eher gönnen – sich selbst oder dem Freund.“ Weiterlesen… »

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26.03.2010, 07:27
Geschenk

Du bist wie kühles, weiches Wasser an meiner pochenden Stirn, wenn sie von meiner Seele zu zerschmettern droht. Ohne, dass Du es merkst, passt Du Dich der gerechten Stimmung dieser Welt an und wirst zu ihrer größten Emotion. Die Verzweiflung über ihre Regeln, die andere mit hedonistischen Freuden vertreiben, fesselt Dich wie eine Geisel und fordert den Schmerz, der eigentlich von uns allen gefordert wird. Doch während wir uns die Augen verbinden und Feste des Vergessens feiern, stehst Du ungesehen in unserer Mitte und erträgst das Untragbare unsagbar still und allein. Und stolpert mal einer der Feiernden in seinem Rausch auf den Boden und droht, seine Augenbinden zu verlieren, eilst Du in schnellen, sanften Schritten zu ihm hin, setzt sie ihm wieder auf und führst ihn zu seinem Fest zurück, damit er nicht sehen muss, was Du siehst, wenn Du abseits im dunklen Wüstensand stehst und milde lächelnd erträgst, was namenlos ist.

Wenn Du müde bist – und ich weiß, das bist Du oft, mein Herz – hörst Du gespannt auf das natürliche Ticken Deiner inneren Uhr und zählst die Sekunden bis zum Ende Deiner irdischen Reise. Was anderen Angst macht, tröstet Dich. „Nicht auf ewig muss ich ertragen, was namenlos ist.“, flüsterst Du und lässt Dich vom Ticken Deiner Uhr in einen unruhigen Schlaf wiegen. Leise flüsterst Du nachts Deine Bittgedanken in persischen Reimen in das kalte, sternenklare Universum, auf dass sie Gott erreichen – doch weißt Du genau, dass er Dir nur antwortet, wann immer er will und nicht, wenn das Leid am Größten ist.

Als dann auch ich einst ins Stolpern geriet und mich zu Dir verirrte, weil der Rhythmus der Feiernden immer weniger der meine war, halfst Du mir lächelnd auf und sprachst leise, ich solle wieder zurück zu den anderen gehen. Ich jedoch nahm meine Augenbinden ab und wollte das Gesicht hinter der Stimme sehen, die in ihrer Zerbrechlichkeit lauter war als die groben Festlieder der hedonistischen Welt. Ich wollte Dich sehen. Dich und das, was Du sahst. Während ich mit großen Augen in Dein Wesen rein wühlte und fühlte – und beim Anblick Deines Schmerzes neben Dir ewige Wurzeln der Freundschaft schlug, fordertest Du immer lauter und ängstlicher „Nein, nein, geh‘ zurück. Geh‘ zurück. Schließ die Augen, schau‘ hier nicht hin – jetzt geh‘ zurück…“ – doch ich blieb stehen und schüttelte den Kopf. Und als ich dachte, dass meine von Feuer angesengte Seele nicht noch mehr brennen kann, umarmte ich Dich atemlos und weinte raus, was Du seit Unzeiten still ertrugst. All die Jahre still und müde ertrugst. Seitdem stehen wir nebeneinander und teilen. Was auch immer es ist, wir teilen. Weiterlesen… »

22.03.2010, 12:41
Die Eleganz des Pfötchens

Vorgestern habe ich es endlich geschafft, den Babykater meiner Geschwister zu fotografieren. Okay, er ist kein Baby mehr, sondern eher ein enorm genervter und unruhiger Teenager, der ständig nach Abenteuern sucht – aber beim Demolieren sämtlicher Objekte immer noch wunderhübsch aussieht und nicht etwa so picklig – weil hormongepeinigt – wie unsere Spezies. Er hatte einen wirklich harten Abend. Unsere männlichen Familienmitglieder haben ihn total missachtet und seiner Wichtigkeit in ihren Reihen überhaupt keine Anerkennung geschenkt. Sie waren mit der Installation von Rechnern und ihrer Software beschäftigt, sämtliche Kabelsalate im Zimmer meines Bruders mussten entwirrt werden und das quirlige Kerlchen – sich seiner außerordentlichen Rolle bei der Problemlösung bewusst – tapste mit seinen Pfötchen immer mitten ins Kabel-Chaos rein und wollte mithelfen – ganz unbedingt. Seine Taktik schien anfangs ja auch recht effektiv: Kabel auseinander beißen, die Reste wegrollen, auseinanderbeißen, wegrollen. “Das klingt doch vernünftig”, dachte er sich. Das sahen die Männer jedoch anders. Also wurde er mit einem wirklich sehr billigen Trick (der aufziehbaren Spielzeugmaus!) heraus gelockt und ausgesperrt. Die Schmach, mit uns Mädchen abhängen zu müssen, sollte seinen ganzen Abend prägen – und vor allem die hübschen Gardinen meiner Mutter, die er meinte, aus Wut hochklettern zu müssen, um von dort aus für alle sicht- und hörbar seinen Schmerz heraus zu miauwn.

Als ich dann irgendwann – nachdem er sich beruhigt hatte – meine Kamera gezückt habe und ihm die Aufmerksamkeit schenkte, die er die ganze Zeit von den Männern suchte, tat er zwar recht unberührt und machte auch keinen Hehl daraus, dass er mich als Mädchen total uninteressant fand, aber ablichten ließ er sich trotzdem gern. Ein eleganteres Model hatte ich noch nie, wirklich! Auch, wenn er theatralisch und leicht depressiv wie ein missverstandener Held in die Ferne schaute. Fast noch schlimmer als an dem Tag, an dem er aufwachte und entdeckte, dass er keine Eier mehr hat. Hier ist nun das Prachtstück. Also der pubertierende Kater. Nicht die Eier.

Baby

20.03.2010, 06:29
Mario und Minou

„Eine deiner angeblich guten Eigenschaften ist doch, dass du ach so einfühlsam bist!“, erhebt Mario seine Stimme und schaut wütend in das Gesicht seiner besten Freundin.

„Ja!“, brüllt sie zurück. „Das ist es. Was willst du mir jetzt damit sagen?“ Ihre Stimme ist unerträglich schrill, wenn sie wütend ist. Mario hält sich die Ohren zu, und am liebsten würde er sich auch die Augen zuhalten, als er die unerträgliche wutverkrampfte Spannung ihrer auf- und ab-bebenden Brust sieht. „Was hast du dir da bloß eingebrockt?“, denkt er sich noch und bereut, sich mit ihr angelegt zu haben. Sie konnte so nerv-tötend sein, dass man bereit war, sogar Verträge mit dem Teufel zu schließen, wenn sie doch nur ihren Drang, desaströs aufzutreten, unterbinden würde.

Sie stampft vor Wut auf den Boden und bringt ein lautes, undefinierbares „Hmmmmmgrrrrrr“ raus. Wie eine verzogene Göre meint sie, so den Lauf der Welt verändern zu können. Mario hingegen zeigt sich erleichtert. Denn seine Erfahrungen haben weitaus schlimmere Prognosen (Horrorvorstellungen) erstellt, die – Gott sei gedankt – nicht zu Stande gekommen sind. Nichts ist zu Bruch gegangen, weder Geschirr noch seine Nase. Sein Trommelfell scheint auch noch unversehrt zu sein, seine Kontrahentin heult nicht unkontrolliert, sein Kanarienvogel zeigt noch keine Anzeichen von Todesangst. Er unterdrückt ein Lachen bei dem Bild, das sie ihm bot. Sie sieht so niedlich aus, wenn sie mit ihren kleinen, herrischen Händen alles nach ihren Regeln anpassen will. Sie merkt es und schaut ihn mit einem vernichtenden Blick an – und Marios Augenbrauen runzeln erneut seine Stirn.

„Mario, so geht das nicht.“, sagt sie ruhiger, aber immer noch mit einem störrischen Unterton.
„Was genau geht nicht? Dass du keinerlei Rücksicht auf meine Gefühle nimmst?“, schleudert er ihr entgegen.

„Mario!“, ruft sie aus.
„Mariooo! Maaarioooo! Ich bin ein sterbender Schwaaaaan! Siehst du, wie ich sterbe, Mario?“, äfft er sie nach.

Sie fuchtelt mit den Armen, winkt ihn ab, macht auf dem Absatz kehrt, geht weg, dreht sich wieder um, geht schnellen Schrittes auf ihn zu und schmettert – Gott sei Dank nur mit Worten und nicht mit der flachen Hand, denkt sich Mario noch – ihm entgegen: „Du willst also, dass ich in unseren abendlichen Runden mit der Clique nicht mehr mit ‚fremden Männern‘ rede? Bitte, Mario. Wie weit soll das noch gehen? In der letzten Zeit behandelst du mich wie jemanden, der ständig mit irgendwelchen Typen ins Bett hüpft. Dabei sage ich nur ‚Hallo, hier, ja, du hast Recht, ich mag Rosa, keinen Fisch, ich, du, echt? Wieso das denn? Aha. Glückwunsch, Beileid, Auf Wiedersehen! Tschö!‘ und noch so uninteressanten Scheiß! Und du springst dem Olaf deshalb fast an die Gurgel? Mario, was kann ich denn dafür, dass du dich in mich…“ sie bricht abrupt ihren Satz ab und hält den Atem an. Das würde zu weit gehen. Sie durfte ihm nicht das Gefühl geben, dass es falsch gewesen war, mit ihr offen geredet zu haben.

„Ja, sag‘ schon. Dass ich mich in dich verliebt habe, Minou!“, beendet er laut ihren Satz. Als sie zur Antwort ansetzen will, hält sie die Luft an und seufzt sie wieder aus. Sie senkt ihren Kopf und schaut traurig umher. Hilflos wartet sie, bis Mario etwas sagt, denn die Stille zerreißt den Raum. Es knistert. Weiterlesen… »