Sie nahm ihr Tagebuch wie so oft mit raus und ging ziellos durch den Lärm der Großstadt. Sie liebte das Treiben der Menschen und die Gesprächsfetzen, die sie mit ihren scharfen Sinnen aufnahm. Jede Belanglosigkeit ihrer Gespräche war wie ein kleiner Hauch auf ihren müden Wangen, die lange nicht mehr gelächelt hatten. Vernahm sie in der Geräuschkulisse Einzigartiges oder auch nur Rares, verfolgte sie die Fährte der Stimmen, näherte sich ihrer Quelle, hielt die Luft an, machte sich unsichtbar und horchte. So lief das immer. Es war ihre scheue Art, mit anderen Menschen zusammen zu sein.
Sie hatte einige Tage in ihrem Schlafzimmer verbracht. Die Fenster waren abgedunkelt, ihr Kopf schmerzte und ihre Erinnerungen ließen nicht von ihr ab. An vielen Tagen war sie sich ihrer selbst so überdrüssig, dass nicht einmal ihre geplante Weltreise ihr genug Zuflucht bot. Sie wusste, egal wohin sie auch gehen würde, ihrer Selbst würde sie sich niemals entledigen können. Doch genau das brauchte sie: Nicht mehr sie selbst sein. Einfach nicht mehr sie selbst sein. Also stürmte sie kopfüber raus aus ihrer Einzimmerwohnung und suchte – ja was eigentlich? Sie wusste es nicht.
Draußen vernahm sie diesmal nichts Besonderes. Vielleicht lag es am Wetter. Es war zu sonnig, die Menschen zu sorglos und die Gespräche zu oberflächlich. Man diskutierte über Bier und in welcher Temperatur es am besten schmeckte. Die jungen Frauen kokettierten mit ihren bunten, kurzen Kleidern und ihren gebräunten Beinen. Eine wohlige Faulheit übergoss sich über ihre Köpfe, man genoss wort- und sorglos, lust- und genussvoll den Tag – und alle dachten, das Leben würde von nun an immer so sein.
Die junge Frau setzte sich müde auf die Bank der kleinen Allee mit den einander überragenden Bäumen. Alte Pflastersteine karierten den Weg der Passanten. Mit ein wenig Fantasie hätte man jeden Moment Pferdehufen und Kutschen erwarten können – und sie hatte viel Fantasie. Sie schloss die Augen und roch statt der Sommerblüten den Herbst. Wie sehr sie sich nach ihm sehnte, dem guten, treuen Herbst. Schwer fallende Blätter knisterten unter ihren Schritten. Sie war in rot, organge und gelb eingehüllt wie eine Waldfee mitten im Oktobergold einer milden Sonne.
Sie erschrak kurz, als eine Gruppe junger Menschen sie freundlich anstubsten und an ihr vorbei gingen. Ihre Klamotten erinnerten sie daran, dass sie sich im Hochsommer befanden. Der Blick eines jungen Mädchens blieb zuerst an ihrem Tagebuch und dann auf ihrem Gesicht haften. Sie hatte lebhafte, dunkle Augen, lächelte sie direkt an und verweilte einen Tick länger als normal auf der jungen Frau auf der Bank mit den seltsam ineinander gefalteten Händen und dem Buch auf ihrem Schoß. Ihre Blicke hingen einander nach, die junge Frau auf der Bank errötete, doch lächelte sie zaghaft zurück und sah ihr und der Gruppe solange nach, bis sie nicht mehr zu sehen war.
Sie fing an, in ihr Tagebuch zu zeichnen. Ein Lächeln, zarte Grübchen, dunkle, lebhafte Augen umrahmt von dichten, langen Wimpern und einer latenten Güte in ihrer Haltung, die sie irritierte. Vorhin schon, als sie an ihr vorbeiging und auch jetzt, wo sie diese wieder auf ihrer Zeichnung entdeckte. Sie hatte ihre Besonderheit für diesen Tag gefunden, auch wenn ihr nicht das Glück beschert worden war, sie bei einem Gespräch auszuhorchen. Also gab sie sich bei ihrer Zeichnung besonders viel Mühe, um mit ihrer Liebe zum Detail jedes Gespräch zu überbieten, das hätte das Wesen des Mädchens auffangen können. Jede Regung ihrer Grübchen und der freundliche Mund mussten den einen Augenblick festhalten, in dem sie an ihr passierte und sie mit einem Blick beschenkte, der wirklich auf und in sie sah und nicht einfach vorbei.
Als sie fertig war, kritzelte sie wie immer ihren Namen unter das Bild und schrieb einen Satz darunter, den sie erst dann zu denken begann, als er schon unter dem Bild stand: “Wenn die Liebe an Dir vorbeigeht und Du sie erkennst, kommt sie zu Dir zurück.”
Sie küsste das Mädchen auf ihrer Zeichnung, legte ihr Buch offen auf ihren Schoß und lehnte sich in einer angenehmen Mattigkeit in die Banklehne zurück. Ihr steifer Nacken lockerte sich allmählich, nachdem sie ihn nach hinten fallen ließ und zufrieden in den blauen Sommerhimmel schaute. Sie lächelte und wünschte sich ausnahmsweise nicht den Herbst herbei. Die sie umarmende Sonne war genau richtig. Sie fuhr mit ihren Fingerspitzen den Spuren ihrer Zeichnung nach ohne drauf zu schauen und versuchte zu erraten, an welcher Stelle des Mädchengesichtes sie sich befand. Als sie ihr Lächeln erreichte, lächelte sie selbst als Antwort noch einmal und schloss die Augen. Einige Augenblicke – oder auch Stunden – vergingen, als eine erstaunte Stimme leise vorlas, was in ihrem Buch stand: “Wenn die Liebe an Dir vorbeigeht und Du sie erkennst, kommt sie zu Dir zurück.”
Die junge Frau setzte sich auf und sah das Mädchen, das sie zuvor gemalt hatte, neben sich auf der Bank sitzen und sie ansehen. Sie blieb sprachlos sitzen und schaute den erstaunten, offen stehenden Mund des Mädchens stumme Fragen stellen.
“Woher wusstest Du denn, dass ich zurückkommen würde?”
Die junge Frau rang nach Luft, ver-atmete sich kurz, versuchte das durch einen noch tieferen Atemzug auszugleichen und sagte dann: “Weil… Ich Dich erkannt habe.”, sagte sie leise, aber so klar wie Kristall.
Beide lächelten erleichtert. Nach einigen Minuten des Schweigens und der neugierigen Erkundung der Augen der Anderen, erzählten sie einander ihr Leben, als hätten sie nur darauf gewartet, endlich die eine Freundin zu finden, auf der sie sich, ihr Leid, ihre geheimen Träume und ihr ganzes Wesen voller Hingabe ergießen konnten, ohne die Angst, jemals zurückgestoßen oder verlassen zu werden. Denn Freundschaft ist Liebe. Und kein Bisschen weniger.


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Hallo Sherry,
beim lesen Deiner Zeilen kam mir dieses Gedicht von Heinrich Heine in den Sinn.
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne,
Die liebt’ ich einst alle in Liebeswonne.
Ich lieb’ sie nicht mehr, ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine;
Sie selber, aller Liebe Wonne,
Ist Rose und Lilie und Taube und Sonne.
Ich liebe alleine
Die Kleine, die Feine, die Reine, die Eine.
Henry
Wunderschön…
So schön…..
Nachts eben…
danke
habe die Geschichte gerade mit einem lachenden und weinenden Auge gelesen…
lachend, weil es wirklich auf mich zutrifft und ich mir während dem lesen oft ähnliche situationen hervorrufen konnte.
Gerade in den letzten Monaten habe ich mir immer wieder Gedanken über Freundschaft gemacht. Über Menschen, diese Besonderheit zwischen zwei Leuten. Etwas was einfach nicht zu greifen ist, aber trotz allem da ist, und wenn man es verspürt ist es ein schönes Gefühl.
Auch weil ich mich oft in letzter Zeit mit den verschiedensten Menschen über genau dieses Thema unterhalten habe, und ich meistens das Gefühl hatte, dass die Leute dachten ich hätt ne Schraube locker.
Die haben mich null verstanden. Sowas würde nicht existieren.
Traurig wenn Menschen so denken. Genauso traurig wenn sie soetwas noch nie in ihrem Leben verspürt haben. Auch im Alter von 30 Jahren.
weinend, weil man das Gefühl hat alleine zu sein. Man sucht nach diesen wenigen Menschen, die leider verdammt schwer zu finden sind.
Das was mir auch ein Lächeln ins Gesicht zaubert, sind die Gedanken an Menschen wie dich. Da weiß man, dass man nicht alleine ist.
Und das ist für mich Gold wert.
Danke für die Geschichte mein Herz…
Du bist nicht gestört, Schatz. Dir reichen lapidare Partyfreundschaften eben nicht. Aber leider tust Du gerade für diese Partyleute soviel, wie es eine Seelenverwandte eigentlich nur verdient hätte – und nicht etwa diese Leute, die einfach nur denken: “Alfie ist cool. Sie tut soviel für einen und verlangt rein gar nichts. Yeah.”
Pass bisschen besser auf Dich auf. Du gehörst zu den wenigen Menschen, die nicht ständig nur sich selbst im Kopf haben.
Oh man… eine unglaublich schöne mit ein Stück Wahrheit, geschriebene Geschichte Sherry…
Ich weiß garnicht, was ich dazu schreiben soll – so fasziniert bin ich von deinen wunderschönen zeilen.
Irgendwie erkenne ich diese Person, die nur darauf wartet, einen Menschen zu finden, der sich Freund/Freundin nennt. Es kommt mir alles so bekannt vor und irgendwie auch fremd.
Wunderschön ♥
Haha. Ich weiß, warum Dir das bekannt vorkommt.
Ohjaaaa ich weiß :D
Aber sehr sehr sehr TOLL!!!
Ich kann grad nix anderes schreiben als:
Als ich den Text grad gelesen habe, lief das http://www.youtube.com/watch?v=Iijklrtljnw bei mir.
Faust aufs Auge, passt. Find ich.
*ZoYphZZZz*
Momo…
Ich liebe dieses Lied. Möchtest Du das Original hören? Es ist von einer türkischen Sängerin und heißt “Cok uzaklarda”, was soviel bedeutet wie “So weit weg”. Ich habe es auch auf Griechisch gehört. Ich weiß jetzt nicht, ob die türkische Sängerin das von der Griechischen hat oder umgekehrt.
Hier ist es.
Nillüfer – Cok Uzaklarda
Hier das Video dazu…
SYzZe, ich kenne die Version von Nilüfer schon von Dir. :o) Ich verstehe da zwar kein Wort, aber das muss man auch nicht bei dem Lied. Es passt einfach, finde ich, zu meiner derzeitigen Stimmung.
Danke fürs Nochmaldranerinnern! Ich mag aber Loreenas Version auch unglaublich gern. Vermutlich weil sie ohne Text auskommt.
*ZoYphZZZz*
Ohne Text, weil sie ihn wohl genausowenig verstanden hat wie wir. Hahaha…
*auch seufz*
Irgendwas stört mich an dem Text, doch ich kann nicht herausfinden was genau – deswegen zögere ich mit dem kommentieren…
Vielleicht liegt’s ja am Thema “Frauenfreundschaften” und die schlechten Erfahrungen damit? Vielleicht, weil es zu “fantastisch” ist und wenig realistisch? Zu idealisiert? So in der Richtung kann ich mir vorstellen!
Ja, Du kennst mich schon ganz gut.
Ich finde das gut geschrieben, doch ich hatte beim Lesen eine starke Aversion.
Ich hab noch was Wichtiges zu tun, dann widme ich mich Deinem neuesten Eintrag.
Ich verstehe das. Bei mir hat die schlechte Erfahrung aber eher dazu geführt, dass ich mich immer wieder mal nach Freundinnen stark gesehnt habe. Dabei reicht es mir nicht einfach nur, dass sie nette, anständige, neidlose Wesen sind, sondern um ein tiefes Verständnis über das Leben bemüht sind. Weißt Du, was mir immer wieder aufgefallen ist? Mit den meisten Frauen kann man nicht gut über Weltpolitik sprechen. Und noch weniger wirklich philosophieren. Nicht, weil sie dümmer sind, sondern weil im Laufe der Sozialisation gelernt worden ist, dass Frauen einfach nichts da zu suchen haben – bzw. nur eingeschränkt.
Das war natürlich nicht ganz ernst gemeint, dass Du mich kennst. Wie könntest Du? Was ich in meinem “lächerlichen” Blog oder Kommentaren von mir gebe, zeigt ja nur ein winziges Detail von mir.
Ich habe immer eine Freundin gesucht, die ähnliche Interessen hat wie ich: Philosophie, Literatur, Naturschutz, Politik und natürlich Musik oder Reisen und Tauchen, Interesse für Dschungel oder Unterwasserwelt, doch ich habe keine gefunden, Freunde ja aber leider leider keine Freundin. Ich habe es mir zwar öfter eingebildet, eine gefunden zu haben, doch hat es sich immer als falsch erwiesen. Vielleicht liegt es ja an mir, vielleicht bin ich zu schwierig – was weiß ich…
Was erschwerend hinzu kommt, ich sage das nur ungern, weil man das vielleicht nicht versteht oder für eine Charakterschwäche hält, ich lege sehr großen Wert aufs Aussehen, will sagen, meine Freundin muss attraktiv sein, nicht unbedingt schön aber sie muss mir gefallen.
Ich kann es nicht ändern, es ist einfach so, ich habe unheimlich gerne gutaussehende Menschen um mich. Bei Frauen noch viel wichtiger als bei Männern. Natürlich habe ich auch die Erfahrung gemacht, dass Menschen mit zunehmendem kennen und lieben lernen, schöner werden oder attraktive Menschen hässlich – aber das geht wahrscheinlich jedem so.
>…sondern weil im Laufe der Sozialisation gelernt worden ist, dass Frauen einfach nichts da zu suchen haben – bzw. nur eingeschränkt.> Ich weiß nicht, ob das heute noch so ist, früher war es auf jeden Fall so. Frauen sind auf gar keinen Fall dümmer, ich hatte immer den Eindruck, dass Frauen, zumindest die, die ich getroffen habe, sich viel zu sehr mit ihrem (jetzt bin ich wieder beim) Aussehen befassen, das zu sehr in den Vordergrund stellen, und das ist es genau, warum ich es aufgegeben habe eine Freundin zu finden: gutaussehende Frauen, die sich mit o. g. auseinander setzten, habe ich nie getroffen, was natürlich gar nichts aussagt, weil es ja nur meine Erfahrungen sind, blablabla
Entschuldige den länglichen Kommentar, ich mach jetzt Schluß. Eigentlich wollte ich Dir nur sagen, dass ich nicht oberflächlich bin, was Freundschaften betrifft.
Ich finde längere Kommentare toll, Bibbche. Entschuldige Dich nicht dafür. Ich finde auch interessant, was Du schreibst. Ich glaube, man erwartet, dass Männer und Frauen in Sachen Partnerschaft auf die Attraktivität achten, aber nicht in einer Freundschaft. Und weil das so anders ist, möchte ich darauf eingehen:
Manche Frauen suchen sich sogar ganz bewusst Freundinnen aus, die schlechter aussehen, damit es da weniger zu Konkurrenzkämpfen kommt. Und wenn sie nicht dazu neigen, so ist ihnen die Attraktivität dann doch recht “egal”. Nicht ganz egal, aber egal. Hm… Liegt es wirklich nur daran, dass Du gerne hübsche Menschen um Dich hast? Oder assoziierst Du gutes Aussehen evtl. doch mit guten Eigenschaften (auch wenn sich das oft anders bewahrheitet?) Und wie kannst Du das Kriterium “Attraktivität” mit der Kritik an Frauen vereinbaren, die da lautet, dass sie zu sehr mit ihrem Aussehen beschäftigt sind?
Ich überlege mal, wie’s bei mir ist… Bei mir ist es so, dass ich unsicher bin wegen meines Aussehens und das auch wirklich Thema bei mir ist. Dennoch kriege ich es hin, es zumindest äußerlich mit Schminke, Tussigehabe, weibl. Utensilien, Mode-Victim-Sein nicht zu übertreiben (Ich bin besser gesagt null Mode-Vicitim). Im Vergleich zu meinen Landsfrauen bin ich noch “maßvoll”. Aber ja, mir ist es wichtig, dass ich nicht so aussehe, wie ich mich fühle (nämlich nicht besonders attraktiv, keine Ahnung, woran’s liegt). Kann aber von mir behaupten, dass es mir bei anderen quasi egal ist. Ich finde immer irgend etwas Schönes an anderen, außer ich mag ihren Charakter nicht, dann bin ich blind für Schönheiten.
Mir fehlt aber nach wie vor an bestimmten Interessen mit anderen Frauen. Ich liebe z.B. Fußball und Volleyball. Spielte es damals so gut wie gleichaltrige Jungs / Männer, bzw. war wenigstens eine gute Gegnerin. Frauen, die das auch gerne tun, aber keine Mannsweiber sind, finde ich nicht. Und mit Mannsweibern komme ich nicht lange als “best friend” klar, weil sie dann auch in allen anderen Lebensbereichen sehr männlich ausgerichtet sind.
Blah, ich rede zuviel…
Ich habe das Gefühl ich spiegele mich in anderen Frauen, mir ist jedenfalls aufgefallen, wenn ich es mit sehr attraktiven Frauen zu tun habe, z. B. in Indien, ich mich selbst viel schöner finde, und wenn ich länger mit sehr unattraktiven Frauen zusammen bin, ich mich auch regelrecht häßlich finde, je länger die Beziehung dauert um so schlimmer ist es. Zeigt glaube ich nur, wie wenig überzeugt ich von meinem Aussehen bin, hat jetzt nichts mit meinem Alter zu tun, ich hab genau so empfunden als ich jung war.
Ich glaube auch, dass man sich selbst nicht realistisch sieht ( Du bist ja das beste Beispiel, Dein Photo ist so schön, das haut mich fast um…)
Ja, ich hatte oft den Gedanken, der ja nicht von mir stammt, dass in einem schönen Köper kein häßlicher Geist wohnen kann.
Das ist echt ne gute Frage! Ich finde es normal, wenn Frauen sich „schöner“ machen: ich liebe Schminke, sexy Klamotten, besonders Schuhe mit hohen Absätzen. Leider kann ich mich oft nicht so kleiden und schminken, wie ich es liebe, da ich damit auf Ablehnung stoße, zumindest in den Kreisen (engagierte UmweltschützerInnen), in denen ich mich z. Z. viel bewege. Ich kann es nicht verstehen, bei den Frauen, mit denen ich im Moment Umgang pflege, ist Schimken und dergleichen Äußerlichkeiten regelrecht verpönt, insbesonders bei Frauen in meinem Alter. Ich finde das total schade, es bedeutet doch nicht, dass man sich deswegen nicht ernsthaft für die Natur, den Umweltschutz interessiert.
Manchmanl ist es mir scheißegal; wenn ich besonders gut drauf bin, radle ich in voller Montur: schwarze auffällige Klamotten (ich liebe die Gothic-Mode), schwarzer Nagellack, stark geschminkt und in Schuhen mit 15 cm hohen Absätzen, am besten noch mit Nasenring und viel auffälligem Schmuck, zu einer Sitzung ins Rathaus. Mir ist es dann völlig gleichgültig, wer wie glotzt… aber meistens möcht ich mittlerweile lieber in der Menge untertauchen. Manchmal ist es mir auch zu anstrengen, aufzufallen. Als ich jung war, hat mich das nie nie nei gekümmert – im Gegenteil, ich wollte regelrecht provozieren.
Hinzu kommt noch, dass ich mich gerne verkleide, um meinen Liebsten damit zu überraschen. Wenn man sein ganzes Leben miteinander verbringt, ist es doch langweilig, wenn man immer gleich aussieht. Ich habe monatelang am Meer oder im Dschungel gelebt, ohne Spiegel, gerade mal zwei drei praktische Hosen, Tops oder einfach Tücher, nur Latschen und natürlich keinerlei Schminke besessen. Ich habe es auch nicht vermisst, doch sobald wir wieder in einer Stadt waren, habe ich es genossen, mich besonders rauszuputzen. Manchmal wünschte ich mir mehrere Leben, um verschiedene Wege zu gehen – wo ich im Moment bin, hätte ich nie gedacht zu landen. Das meine ich ohne jede Bewertung, ob ich das gut finde oder schlecht, einfach unerwartet, wie so oft in meinem Leben.
So das hast du jetzt davon, jetzt ist mein Kommentar noch länger geworden, und handelt (typisch Frau?) fast nur von mir.
P.S.: Ich habe es gestern lange rausgezögert, nachzuschauen ob und wie Du auf meinen Kommentar regierst. Und – war erelichtert! Ich habe es für möglich gehalten, dass Du mich nicht verstehst.
@Bibbche,
das ist komisch, ich kann die Sachen vom Text hierein kopieren, sag’ mir Bescheid, wenn es morgen immer noch nicht klappt!
Auf jeden Fall danke für Deinen Beitrag. Das Aussehen anderer Frauen wird irgendwann zu Deiner “Grundstimmung” Dir selbst gegenüber. So etwas habe ich echt noch nie gehört. Und weißt Du was? Ich finde gut, besser als bei den Frauen, die hässliche Menschen suchen, um selber als schön hervorzustechen im Kontrast. Andererseits stimmt es auch, wenn Du sagst, dass Du selber nicht gefestigt bist in Deinem Selbstbild. Wobei das Aussehen im Selbstbild immer eine weniger wichtige Rolle spielen sollte, wenn man denn nicht so krank werden will wie Stars & Models, die sich komplett danach definieren.
Schade. Ich dachte eigentlich, dass die Leute, unter denen Du Dich bewegst, toleranter sind, weil sie das Leben an sich mehr ehren als der normale Stadtmensch. Fühlst Du Dich aber sonst mit den Leuten wohl?
Ich gehe jetzt etwas lesen & dann schlafen. Hoffentlich…!
Gute Nacht.
P.S.: Inderinnen mögen weiße Haut sehr, oder?
Meine liebe Sherry,
die Leute denken sie seien sehr tolerant, würden ja auch niemals irgendwie Kritik übern, doch man spürt ja ob man angenommen wird. Z. T. sind sie aber auch sehr nett, doch als Freunde/innen unvorstellbar.
Ja, besonders in Südindien ist man als Europäerin schon schön, nur weil man weiß ist. Ich persönlich finde gerade die dunkelhäutigen Inderinnen besonders schön.
P.S.: Ich kann Deine Texte wieder kopieren, es lag an mir, ich hatte Deinen Text in Spitzklammern gesetzt . Ich nehme zumindest an, dass es daran lag.

Liebes Bibbche,
Iranerinnen aus dem Iran selbst lieben weiße Haut auch, obwohl sie gar nicht so dunkel sind. Ich persönlich bin froh, dass ich im Winter sehr hell sein kann und im Sommer eine gute Bräune erlangen kann. Und ich glaube, dass Du nicht nur in Indien als attraktiv angesehen wirst. Deshalb sollen die doofen anderen Frauen doof gucken, bis sie schwarz werden.
Gute “Nacht”. *verzweifelt lach*