Es ist der Mittwoch irgendeines Monats, irgendeines Jahres. Ich habe Semesterferien und erinnere mich daran, einer ehemaligen Lehrerin von mir versprochen zu haben, das nächste Mal keine acht Jahre verstreichen zu lassen, bevor ich sie besuche. Die Luft ist kalt, die Sonne scheint. Tautropfen sind während der Nacht zu gemeißelten Kristallen verwandelt worden. Der Weg zur alten Schule führt durch einen großen Park, über den viele Stadtmenschen, die nach Ruhe suchen, spazieren und in einem Dialog mit ihrer inneren Stimme oder ihren Hunden einige philosophische Fragestellungen erörtern. Auch ich verspüre diese Lust und entschließe mich, das Zugeständnis an meine alte Lehrerin heute einzulösen. Die Aufregung darüber, sie wieder zu sehen, lässt mich den Weg durch den Park unwahrgenommen passieren. Ich marschiere, anstatt zu spazieren.
Ich betrete das Schulgebäude, das ich in meiner Kindheit bis zum Jugendalter fast täglich besuchte. Wunderbare Erinnerungen überfluten mich. Irre Aktionen von uns bringen mich zum schmunzeln. Ich hatte gute Lehrer. Eigenartige Lehrer, aber welche, die uns zugewandt waren und uns nicht nur mit ihrem neurotischen Korrekturstift belästigten, sondern mehr in uns sahen.
Die Wände der Schule sind bunt. Bunter als einst. Überall wird hervorgehoben, dass die Schule multikulturell ausgerichtet ist und ein Zuhause für jeden sei. Dass Migranten und Deutsche Hand in Hand gehen und gemeinschaftlich ihren Alltag bewältigen. Schwarzhaarige, blonde, dunkelhäutige, asiatische Kinder, die vorher mit großen Pinseln und großzügiger Farbsättigung an die Wände gemalt worden sind, halten sich lachend die Hände. „Bestimmt ist die Wand in einer lustigen Projektwoche unter Anleitung einer freundlichen Lehrerin entstanden“, denke ich fröhlich. Die obligatorische Fatma trägt ihr Kopftuch und hält in einem Spielkreis Michaels Hand und lacht über ihre eigene Freude. „Hier hat sich viel getan“, freue ich mich. Ich habe den Eindruck, unsere damals schon außergewöhnlich freundschaftliche Schule sei noch toleranter geworden. Die Lehrer hier müssen besonders sensibilisiert worden sein für ihre Schüler, vor allem für jene mit Migrationshintergrund. Ich spüre, wie die Vorfreude, meine alte Lehrerin zu sehen, immer mehr in mir aufsteigt. Trotz, dass es so viel neues hier zu sehen gibt, werden meine Schritte Richtung Schulsekretariat immer schneller. Ich möchte herausfinden, wo sie gerade Unterricht hat und sie überraschen.
Der Gang, in dem das Sekretariat und sämtliche Lehrerzimmer liegt, sieht noch genauso aus wie damals. Ich entdecke sogar eine Bilderwand, in der Schüler meines damaligen Jahrgangs zu sehen sind. „Yeah, die haben uns ja immer noch nicht vergessen.“ Ich betrachte die Fotokollagenwand kurz und gehe weiter.
An der Wand gelehnt steht ein Junge. Vielleicht ist er sechszehn oder siebzehn Jahre alt. Er ist groß, hat dunkle Augen und Haare. Er ist das, was man als „Orientale“ oder „Südländer“ bezeichnen würde. Gedankenverloren schaut er durch die Gegend und bemerkt mich erst spät. Doch dann nickt er mir zu, ich antworte mit einem „Hallo“ und warte ein paar Schritte weiter von ihm weg vor dem Sekretariat.
„Wie lange wartest Du hier schon?“, will ich wissen, um meine eigene Wartezeit einzuschätzen.
„Nicht lange. Vielleicht zehn Minuten“, antwortet er und sieht dabei unruhig aus.
„Hoffentlich müssen wir nicht lange warten“, sage ich.
„Wen haste denn danach? Wenn Du die Frau S. hast, lasse ich Dich vor. Die Hexe macht Dich sonst fertig.“
„Ich? Ich bin keine Schülerin mehr“, sage ich etwas empört.
„Sorry, wusst‘ ich nicht.“ Er wirkt noch unruhiger als vorher.
„Warum bist Du so nervös?“, frage ich unverblümt.
Er antwortet nicht direkt, überlegt kurz und sagt dann:
„Ich weiß nicht, ob die mir helfen werden. Ich habe mein Abgangszeugnis verloren und will mich aber auf einer neuen Schule bewerben. Ich brauche das Zeugnis.“
„Abgangszeugnis? Nennt man Abschlusszeugnisse heute so?“, hake ich nach.
„Nein.“ Seine Stimme wird leiser. „Aber ich habe die Schule nicht abgeschlossen, sie haben mich rausgeworfen“, antwortet er ernst.
„Rausgeworfen? Was bitte hast Du denn angestellt? Du wirkst gar nicht so. So. Na so halt.“ Er grinst, weil ihm klar ist, dass ich eigentlich „asi“ sagen wollte. Hätte ich einfach einmal meine Klappe gehalten, aber es war zu spät.
Wieder antwortet er nicht direkt und überlegt kurz.
„Ich habe die Schule viel geschwänzt, weißt Du? Ich konnte mich nicht mehr konzentrieren, hatte keine Motivation zur Schule zu gehen. Früher war ich ein guter Schüler, weißt Du? Aber dann ist meine Mutter krank geworden. Sie war ein ganzes Jahr krank. Mein Vater war überfordert aus Angst, meine Mutter zu verlieren. Meine kleine Schwester wurde vernachlässigt in dem ganzen Hin und Her zum Krankenhaus und zurück. Chemotherapie, weißt Du? Meine Mutter hatte keine Kraft mehr. Ich musste mich um sie, meinen Vater und meine Schwester kümmern. Meine Mutter… Sie wurde immer… Kleiner. Kleiner, anders kann ich das nicht beschreiben.“ Seine Stimme bricht, er atmet noch einmal ein und erzählt weiter, so als müsse er das Reden durchhalten. Dabei die Luft anhalten, um nicht auszubrechen. „Ich konnte nicht mehr lernen. Es ging nicht. Verstehst Du? Ich habe meiner Mutter Sorgen bereitet. Und dann ist sie gestorben.“
Er schaut durch die Gegend, nur um mich nicht direkt ansehen zu müssen. Ich schlucke diesen Kloß runter und merke beim Versuch, einzuatmen, dass meine ganze Brust zittert.
„Es tut mir so Leid, ich kann Dir gar nicht sagen wie Leid…“, sage ich leise. Dann schweige ich.
„Aber…“, fällt mir ein. „Aber warum hast Du Deinen Lehrern denn nichts gesagt? Wenn sie Deine Situation gekannt hätten, dann hätten sie Dich doch wegen Deiner Fehlzeiten niemals aus der Schule geworfen!“
„Sie wussten Bescheid, Mann!“, er wird etwas lauter. „Sie wussten genau Bescheid. Als ob das nicht schon schwer genug war so als Junge mit denen zu reden über zu Hause. Die wussten Bescheid und haben mich aus der Schule geworfen. Erst Klassenkonferenz. Ich sage denen ‚Bitte keine Klassenkonferenz. Meine Eltern sind krank, die kriegen doch einen Herzinfarkt, wenn ich denen mit Klassenkonferenz komme. Kann ich nicht alleine kommen? Mein Vater kann nicht, er muss sich den ganzen Tag um meine Mutter kümmern, meine Mutter…‘ – Aber diese gefühllosen Schweine hatten immer ihre ‚Prinzipien‘. Ihre Prinzipien, ne? Ihre Prinzipien waren wichtiger als ich. Als das, was ich da durchmachte und heute noch durchmache. Ihre Regeln und Prinzipien sagen, dass wenn ein Schüler schwänzt – egal warum er schwänzt – der kriegt eine Konferenz. Fertig. Und wenn er sich nicht bessert, dann fliegt er eben! Fertig.“
Er ist so wütend und hilflos, dass mir das Herz bricht. Ich weiß nicht, was ich tun soll. Also gehe ich nervös hin und her und schüttele den Kopf.
„Du kriegst Dein Zeugnis natürlich“, sage ich, als sei das irgendwie ein Rettungsanker für ihn. „Was für eine dämliche Aussage, von Dir“, denke ich noch.
„Meinst Du?, fragt er? „Ich bin schon zum dritten Mal hier, musst Du wissen. Jedesmal gab es Gründe, warum das mit dem Zeugnis nicht klappt.“
„Bitte?“
„Jo.“
Die Sekretärin macht die Tür auf und schaut den jungen Mann schon genervt an. „Junge, isch hab‘ Dein Zeuchnis nit. Da musste zu der stellvertretenden Direktorin gehen, die muss dat noch absegnen.“
Ich vergesse mein Anliegen und gehe mit dem Jungen zur stellvertretenden Direktorin. Wir klopfen an. Sie kennt ihn bereits aus der Klassenkonferenz und schaut, nachdem sie kurz aufblickt, direkt wieder auf ihren Aktenhaufen auf dem Schreibtisch und lässt sich bei ihrer Arbeit nicht stören.
„Frau A., die Sekretärin sagt, Sie haben mein Zeugnis. Kann ich das jetzt abholen?“, fragt er höflich. Die Direktorin würdigt ihn nicht eines zweiten Blickes, als sie mit einem harten Unterton antwortet: „Warte draußen, ich muss gleich eh raus, ich bring‘ Dir das mit.“ Ihre barsche Stimme widert mich an. Am liebsten hätte ich ihr ihre ganzen Aktenordner auf den Kopf geknallt, damit irgendwo ihr defektes Herz wieder schlägt.
Ich bin schockiert. Schockiert über diese Geschichte. Schockiert über diese Schule. Ist das noch die Schule, von der wir alten Klassenkameraden heute noch schwärmen, wenn wir einander irgendwo zufällig in der Stadt treffen? Sind das die Menschen und die Räume meiner Jugend, über die ich stets schützend meine Hand lege, damit die Erinnerungen lebendig bleiben? Meine Gedanken und Gefühle halten sich plötzlich still, als mir einfällt, wie es meinem neuen jungen Freund gehen muss. Ich warte mit ihm draußen. Er fragt auch nicht, warum ich noch bei ihm bleibe. Es scheint ganz natürlich zu sein, dass ich bleibe.
Frau A. kommt raus und übergibt ihm kühl das Zeugnis.
„Danke, Frau A.“, sagt er. Ich will ihn schütteln und ihm sagen, er soll sich nicht bedanken, aber dann macht dieses versteinerte, hässliche Etwas den Mund auf.
„Bitte“, antwortet sie trocken.
„Eine Frage noch. Kann ich das bei Ihnen eben kopieren? Ich muss von hier aus direkt zu einem Bewerbungsgespräch in eine andere Schule, dafür brauche ich eine Kopie.“
Als ich denke, schlimmer kann diese kalte Frau nicht mehr reagieren, überbietet sie meine Erwartungen, schaut ihn direkt an und sagt in einem herrischen, sehr lauten Tonfall:
„Bin ich hier das Sozialamt? Geh‘ das wie jeder andere im Copyshop kopieren oder versuch‘ Dein Glück bei der Sekretärin!“
Mein junger Freund ist wie versteinert. Später erfahre ich nämlich, dass sein Vater tatsächlich arbeitslos geworden ist, weil seine Arbeitsstelle kein Verständnis hatte für die Krankheit seiner Frau und die Notwendigkeit, dass er sie pflegen musste. Sie leben also vorübergehend wirklich von Arbeitslosengeld. Ich sehe seine Gesichtsmuskeln zucken. Er macht eine Faust in seiner Hosentasche, die so heftig pulsiert, dass ich Angst habe, er wird die Frau in einem von Affekten dominierenden Moment zuschlagen. Also speie ich seine Wut heraus und kreische fast:
„Sie sind so widerlich. Sie wollen sich Pädagogin nennen? Sie sind nichts weiter als eine Versagerin. Was Sie später dieser Schule an Erinnerungen hinterlassen, ist ein Dreck wert. Redet man so mit einem jungen Mann, der gerade die schwerste Zeit seines Lebens durchmacht? Sie widern mich an. Und wenn es auch nur zwei bis drei andere Lehrer Ihrer Sorte hier gibt, dann gehört diese widerliche Komplex-Anstalt von paar verbitterten, alten Pflaumen geschlossen. Wir sind doch hier in Deutschland! In einem humanen Staat!“, brülle ich.
Das Monster schaut mich mit Entsetzen durch ihre kleinen, harten Augen an und ringt um irgendein Konter, das sie mir geben kann. Doch sie schweigt noch.
„Wir sind doch hier in Deutschland …“, wiederhole ich leiser Stimme und schaue dabei so elend aus wie jemand, dem man gerade eine Illusion zerstört hat. Mein junger Freund lacht kurz und bitter auf, während Frau A. mich noch entsetzt anschaut und sagt.
„Ja, Schwester. Das ist es ja eben. Wir sind in Deutschland.“
Wir drehen uns um, lassen Frau A. wortlos stehen und gehen aus dem Gang raus. Ich vergesse, warum ich noch einmal hierhin gekommen war, aber das ist mir egal. Die Vertrautheit seiner Geste, die Art, wie er redet und wie er um sich schaut, gibt mir das Gefühl, ihn schon lange zu kennen. „Dieser junge Mann hat mehr Anstand als die ganze Belegschaft dieser Schule“, denke ich und frage ihn in einer Vorahnung: „Woher kommst Du?“
Wieder antwortet er nicht direkt. Er lächelt einen Hauch schmerzerfüllt und freut sich, dass er mir das endlich sagen kann, legt instinktiv seine Hand auf seine Brust und sagt: „Ich bin Iraner.“
Mein Herz bricht erneut. Ich atme noch einmal ein und aus, ehe ich auf Persisch sage: „Ich weiß, dass Dein Bewerbungsgespräch heute ein Erfolg sein wird. Das verspreche ich Dir. Und ich verspreche nicht oft etwas.“ Er dankt mir lächelnd in unserer Muttersprache.
Ich lüge, ich müsse hier noch auf jemanden warten, damit er voraus geht. Ich kann nicht länger mit jemandem reden, schon gar nicht mit diesem jungen Mann, der hätte mein Bruder sein können und dessen Geschichte mich so mitnimmt. In der Dringlichkeit, allein sein zu müssen, suche ich meine damalige Lieblingsecke auf und setze mich in die stille Ecke von damals, die ich immer aufsuchte, wenn ich Notizen in mein Tagebuch machen wollte. Sie ist noch immer wie damals. Ruhig und abgeschottet zwischen den ganzen Schließfächern. „Wenigstens dieser Ort hat sich nicht verändert“, denke ich und lasse den zurück gehaltenen Tränen meiner Wut freien Laufen.


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Schatz ich tu mich fragen… is das dass unverschämte Leuts Positionen mit Macht suchen damit die so viel wie möglich unverschämt sein können? Oder is das dass die Macht von ihrer Position die Leuts unverschämt macht?
Interaktion. Tendenz von Anfang an vorhanden, und wenn man dann den Posten hat, verstärkt die Situation Personenfaktoren.
Tja – es ist leider so das manche sich nur ‘größer’ fühlen können, in dem sie andere ‘kleiner’ machen … :(
Jap. Ich werde die hässliche Visage dieser Frau nicht vergessen. Ich hatte danach einen Brief an ihren Vorgesetzten verfasst und wollte ihr ein Exemplar als Kopie schicken. Aber Lehrer sind ja “ver-beamtet”. Man kann ihnen nichts. Widerlich.
Als ich diese Geschichte gelesen habe, kamen mir wirklich Tränen… Es tut so weh, sehen zu müssen, das jemand wirklich so starke Schmerzen in sich trägt und diese von einer Pädagogin, die einfach “STARK” genug ist, ins lächerliche gezogen werden… ich könnte kotzen… wirklich kotzen und ich weiß, das ich dieser Frau wirklich eine dicke Backpfeife gegeben hätte, weil sie ein MONSTER ist und vielleicht einbisschen schmerz gespürt hätte, wenn meine Flache Hand, ihre Fette veralterte Wange berührt hätte.
Sry wenn ich so asozial klinge, aber das was sie tat, ist wirklich nicht von einer Pädagogin zu erwarten und sowas soltle eigentlich schon bestraft werden…
Sehr schön geschrieben… unglaublich… wirklich… ich hätte genau so gehandelt wie du, wenn nicht sogar aggressiver…. aber das liegt wohl daran, das ich nie wirklich nachdenke, was ich tue und die Folgen erst später spüre…
Ja, Shasha, aber bedenke, dass dieser Junge unbedingt sein Zeugnis brauchte. Ohne Zeugnis hätte er sich nicht mehr für eine andere Schule bewerben können. Deshalb musste er sich zusammen reißen. Er und ja, auch ich. Manchmal ist es wichtig, dass man seine Gefühle kontrolliert, damit nicht schlimmere Dinge geschehen.
Du warst auch auf der Schule, Du kennst die Lehrerin sogar. Ich sage Dir später welche es war. Einfach traurig, was an Deutschlands Schulen unsere Kinder erziehen darf.
Eine sehr traurige Geschichte, Azizam. Aber leider ist sie mehr Realität als es uns lieb ist.
Es ist seltsam. Ich fühle mich heute mehr als ein Ausländer als damals, wo ich noch jünger war und zur Schule ging.
ja, wir sind in deutschland.
In diesem Land, wo schon öffentlich darüber geredet wird, warum Kinder mit Migrationshintergrund schlechter in der Schule sind, und warum dann trotz guter Zeugnisse die Kinder keinen Ausbildungsplatz bekommen.
In diesem Land, wo es dann doch nur bei Disskusionsrunden in ARD und WDR bleibt.
Dieses Land macht seine eigene Zukunft kaputt. Den es ist Fakt, das diese Kinder weit mehr sind, als die Deutschen.
Sherry, falls das nicht klappt, meld dich, ich hab eine Möglichkeit für eine gute Lehrstelle!
Bei solchen Vorfällen müssen wir zusammen halten!
@Schatz,
ja. Dabei hast Du Dich eigentlich damals immer recht “wohl” gefühlt. Aber es hat sich tatsächlich einiges verändert hier. Sogar in unserer Stadt…
@Araz,
wusstest Du, dass wir in einem Land leben, das zwar zu eines der modernsten und reichsten Länder gehört, aber Frauen – vor allem in akademischen Berufen – bis zu 25% weniger Gehalt kriegen? (Ich glaube, das weißt Du).
Vor allem in akademischen Berufen werden Deutsche bevorzugst bei der Einstellung. Das ist statistisch belegt und lässt sich von jedem noch so netten Gutmenschen wegdiskutieren.
Den jungen Mann habe ich danach noch einige Male getroffen. Er meint, er sei froh, dass er nicht mehr auf der Schule sei, vermutlich hat das sogar seine Zukunft gerettet. Aber die Narben, die diese Zeit bei ihm hinterlassen hat, wird er niemals vergessen. Leider haben die Lehrer selber dafür gesorgt, dass ein intelligenter, recht anpassungs-”williger”, junger Mann nun ein extrem schlechtes Bild von der deutschen Gesellschaft hat. Ich sage nur: Selbst Schuld.
P.S.: Danke für Dein Hilfsangebot.
Hallo Sherry,
Ja ich weiß das wir in dem zivlisiserten, modernen, fortschritlichen Deutschland 25% weniger Gehalt bekommen. Ich weiß das, weil ich in einem akademischen technischem Beruf arbeite, weil ich trotz hoher Qualifikation doch am Ende nur das Mäusschen bin.
Ich weiß auch das Deutsche in fast jedem Beruf, sei es akademisch oder nicht, bevorzugt werden. Ich weiß das, weil ich mich immer und immer wieder beworben hab, und dann noch nicht einmal anstandshalber eine Absage bekam.
Es macht mich traurig und wütend, und oft bin ich auch sauer auf meine Eltern, weil sie uns hierher gebracht haben. Aber es ist jetzt so. Ich bin hier und ich kämpfe für mich, aber auch für die anderen, die nicht kämpfen können. Ich schreibe, wenn sie es nicht können und ich rede für sie, wenn sie es nicht können. Insbesondere in den Schulen.
p.s.: Gerne, wenn ich helfen kann mach ich was ich kann.
Ein sehr eindrücklicher Text, der mir nahe gegangen ist.

Schön, Dich zu lesen, Jubin! Ich hab’ Dich vermisst.
Ich weiß, Du bist mit Arbeit überhäuft.
@Araz,
unsere Eltern meinten es gut, aber das weißt Du selber. Ich bin nicht sauer auf sie. Ich bin immer noch froh, dass ich nicht im Iran aufwachsen musste und jetzt dort leben muss. Aber ich kann auch diesen Staat hier nicht als meine “Retter” ansehen, denn dafür habe ich mich damals zu oft mit der Außenpolitik Deutschlands befasst. Dafür hat die deutsche Regierung viel zu viele moralisch verwerfliche Geschäftsbeziehungen mit unserer “gepflegt”. Dafür war die deutsche Regierung viel zu sehr darauf erpicht, es der jetzigen Regierung “recht” zu machen. Aber davon wissen die Menschen hier nichts. Dafür können sie nichts. Aber die soziale Kälte… Da könnten sie etwas ändern. Einwenig aufmerksamer sein.
Danke Sherry jan
es ist auch schön dich zu lesen !
Immer und immer wieder ….
1 – 2 – Test…
p.s. Hoffentlich kann man die Kommis wieder löschen
Liebe Sherry,
die Fachbereiche Lehramt Primar- und Sekundarstufe …
bis auf eine Studentin sind mir unter ihnen immer Nieten begegnet.
Wenn Du nichts wirst, studierst Du Lehrer.
(Lebens-)Plan B: Studium des Lehramtes und der Pädagogik.
Es kann doch nicht sein, daß wir hier in der deutschen Gesellschaft Pädagogen auf unsere Kinder loslassen, die nur deshalb Lehramt studiert haben, weil es dazu keine Alternative gab!
Einigen dieser Menschen bist Du an jenem Tag auf Deiner alten Schule begegnet.
Das ist kein Problem des Rassismus allein, auch wenn er “nur” unterschwellig sein mag. Ich hatte auch eine Lehrerin, die sagte mir und meiner Mutter: “Aus dem Jungen wird nie etwas.”
Als ich mein Abitur bestanden hatte, habe ich die Frau wieder gesehen. Auf die Konfrontation mit meinem Bildungserfolg hat sie nicht reagiert. Sie hat überhaupt gar nichts gesagt.
Ich bin solch einem Lehramtsstudenten auch begegnet. Er ist ein netter Mensch. Ich habe ihm nicht ins Gesicht gesagt, daß er besser etwas anderes studiert hätte. Ich war insgeheim nur froh, daß er nur sein erstes Staatsexamen bestanden und das zweite in den Sand gesetzt hatte und nie als Lehrer eingestellt werden würde.
Die rassistische Komponente des Verhaltens der Rektorin besteht in ihrer fehlenden Bereitschaft, sich in fremden Mentalitäten und Moralnormen hineinzuversetzen. Das muß man als Pädagoge drauf haben!
Das andere Phänomen ist eines, das zunehmend zum Problem der deutschen Gesellschaft wird: “soziale Kälte” wird es oft genannt. Ich gebe dieser Verhaltensweise von Individuen einen anderen Namen: Sozialdarwinismus.
In meiner alten Schule habe ich keine Lieblingsecken. Die fehlen genauso wie gute Erinnerungen.
Ciao S.
@Jubini,
dankesehr. Bitte schreib’ mir doch beizeiten mal, wie’s Dir so geht, was es Neues in Deinem Leben gibt. Ich würde mich freuen. Aber nur, wenn Du auch wirklich Zeit & Lust hast.
@Sméagol,
ich sehe das auch so. Leider gibt es nur noch sehr wenig gute Lehrer/innen. Dabei ist es nicht so, dass die Lehramtausbildung einfach ist – im Gegenteil, sie verlangen einem schon etwas ab – aber irgendwie scheint dieser Beruf eine ganz bestimmte Art von Mensch anzuziehen. Es gibt aber einige Ausnahmen.
Deine Lehrerin von damals erinnert mich an ein Erlebnis von Peyman in seiner Jugend. Auch er wurde einst ausgelacht, als er seinen Berufswunsch äußerte. Der Lehrer meinte zu ihm einfach nur: “Das wirst Du nie schaffen.” – Aber er hat’s geschafft – und wie er’s geschafft hat. So wie Du.
Diese Geschichte lässt gerade nur einzelen Worte in meinem Kopf zu:
Wut-Verzweiflung-Mut-Stolz…..
In solchen Momenten frage ich mich, wo beginnt Intergration und wo endet sie???? Viel besser sogar versuchen einige überhaupt zu verstehen was dieser Begriff bedeutet oder welches Bewusstsein damit zusammenhängt???
Wenn schon Pädagogen an der Umsetzung ihrer scheitern…..
Sherry du hast es letzlich doch noch geschafft mir einige Tränen zu entlocken, die mich nur ermuntern weiter meine Stimme für diejenigen zu erheben, die es manchmal wollen aber leider nicht können.
Das ist der richtige Weg, Neji. Ich spüre bei Dir Energie und Gerechtigkeitssinn – und Hände, zu mit anpacken wollen. Lass uns helfen, wo immer wir können. Danke…
Prinzipien ersetzt der Deutsche durch Vorschriften. Wenn diese irgendwann unübersehbar barbarische Implikationen hervorrufen, beruft er sich hernach eilfertig auf einen an den Haaren herbeizitierten “Befehlsnotstand”.
Liebenswürdigkeit, Humor, Augenzwinkern und ein Schuß Großherzigkeit, all das, was zwischenmenschlich das Schmieröl sozialer Interaktionen ist, geht meinen Landsleuten völlig ab.
“Oft zürnt ich weinend” sagt Hölderlin mit Blick auf Deutschland. Für mich als Deutschen gibt es nur noch eine Nation: die ResigNation.
grad hab ich diese texte hier gelesen,- sehr aufregend all das,- ich kenne auch diese “soziale Kälte”,- u. leide auch darunter,-aber sagt einmal : ist das nun wirklich nur in Deutschland so ?
? :)
in Frankreich , England, Italien gibt es auch “Bürokraten” u. soziale Kälte,-
ich glaube, überall wo das “GELD” immer mächtiger wird, wird die “Liebe” immer weniger,- i. d. USA z.b. wo die “deutschen Tugenden” doch nun nicht mehrheitlich vertreten sind : welch unglaubliche soziale Ungerechtigkeit herrscht dort : da gilt doch “sozieldarwinistisch” noch viel mehr das Recht des Stärkeren,-sorry so wirkt es auf mich,- u. rassist. Diskriminierung find ich dort auch,-
und in “Deutschland”…also dort werden nicht nur Ausländer u. Frauen benachteiligt,- sondern auch u. gerade”Deutsche” der sog. Unterschicht,- ok . tut mir leid, das war jetzt vllt alles etwas oberflächlich,- aber ich kenne auch “Deutsche”, die sehr wohl Liebenswürdigkeit, Humor und Großherzigkeit besitzen,- also es geht mir nicht um “deutschland”,-ich mag nur diese Verallgemeinerung nicht ,-also nix für ungut bitte :) u. vg
v. coffecat
p.s.: oh shit,- coffeecat soll das heißen u. d. smilie gefällt mir auch nicht.. also
mal nicht so schüchtern u.
ein bißchen lockerer hihi,-
Nationaltrainer so anschaut…. nun ja, das ist ein anderes Thema,-also ich schreib heut auch nur soviel ,weil ich grad mal Zeit hatte
sonst wirkt das hier womöglich i.wie noch “deutsch” (sorry) *g*,- andererseits wenn man sich mal den “deutschen”
u. tschüss :)
hallo :) ,- nun, ich hoffe mal , ich wurde hier nicht missverstanden wie s. o. schon gesagt,- ich bin auch in der BRD noch nicht „Ausländerin“ gewesen,- kann also nicht sagen, wie sich das
*sonne*,- i. diesem Sinne viele Grüße
real anfühlt,- ok. also ich denke aber auf jeden Fall, dass es nicht einfach ist , wenn man
von seinem eigentlichen Heimatland so fern sein muss,- von dem schönen warmen Klima mal ganz abgesehen
plus zwei gute Tassen Kaffee :D von coffeecat :)
oh shit, was hab ich getan, dass ich hier derart ignoriert werde?
ist es , weil ich gewagt habe Euer Negativ- Denken über Deutschland zu reflektieren ?
ich habe wirklich versucht FREUNDLICH, sachlich u. HÖFLICH zu sein,- aber derart
ignoriert zu werden,- das ist auch eine Art von KÄLTE,- über die Ihr Euch hier so
echauffiert !!
Was sind das überhaupt für aggressive Töne z.b. Zitat v. Nachttau:“ ich weiß, das ich dieser Frau wirklich eine dicke Backpfeife gegeben hätte, weil sie ein MONSTER ist“
od. Sherry Du i.obigem Artikel: „Also speie ich seine Wut heraus und kreische fast: „Sie sind so widerlich. Sie wollen sich Pädagogin nennen? Sie sind nichts weiter als eine Versagerin. Was Sie später dieser Schule an Erinnerungen hinterlassen, ist ein Dreck wert…. Sie widern mich an. Und wenn es auch nur zwei bis drei andere Lehrer Ihrer Sorte hier gibt, dann gehört diese widerliche Komplex-Anstalt von paar verbitterten, alten Pflaumen geschlossen.“
wie aggressiv u. anmaßend das alles ist und über die Lehrer in Deutschland meckert Ihr herum,-
mein Mann ist einer dieser deutschen Lehrer u. er ist weiß Gott sehr engagiert ,was ihm
wahrhaftig nicht leicht gemacht wird i. diesem kinder- u. bildungsfeindlichen Land !!
Der ganze Artikel ist überhaupt voller Selbstmitleid :ich wiederhole: auch Deutsche der sozialschwächeren Schicht werden DISKRIMINIERT U. BENACHTEILIGT !! auch
mittellose deutsche Kinder haben Mütter , die an Krebs erkranken u. werden doch dann nicht
automatisch mit Samthandschuhen angefasst u. gehätschelt , nur weil sie einen deutschen Pass besitzen !
Wie kann man nur einen solchen hasserfüllten Artikel verfassen, weil diese Direktorin
sich so verhält ??!! heißt dass automatisch, : alle „deutschen“ Direktoren sind so ???
wie kurzsichtig u. unreflektiert sind derartige Schlussfolgerungen!! erschreckend auch
die Worte bei „kleine Kardelen“:
Zitat Sherry:“ich will diese Dreckskerle in die Finger kriegen u. ihnen in ihre dreckige
Fresse treten u. schlagen BIS SIE winselnd VERRECKEN…“
das ist so voller Aggression/hass u. VERGELTUNG;- ich finde es beängstigend.
Lehrt der Koran Euch , so zu denken oder woher kommen diese hasserfüllten Zeilen?
Ich persönlich glaube ganz sicher nicht , dass „Iraner“ bessere Menschen sind,- wieso
auch ?,- hier entsteht für mich ein andrer Eindruck !“
,-überhebt Euch doch nicht über Menschen in Deutschland. oder besser noch ::
wenn es Euch hier nicht gefällt, weil angeblich alles „grau u. trist“ u. was weiß ich noch wie schrecklich,- DANN GEHT DOCH FORT !! GEHT DAHIN WO ES BESSER IST !!
WAS HINDERT EUCH ??
niemand zwingt euch hierzubleiben,- aber Ihr bleibt, weil ihr die VORTEILE nutzt,-
nämlich eine gute Ausbildung hier bekommen zu haben u. FREI EURE MEINUNG
sagen zu dürfen,- was im Iran niemals möglich wäre,- das nenne ich FEIGE u. primitiv
im Denken u. Handeln,- so und jetzt hab ich hier so was von genug von diesem arroganten
teilweise wirklich ASOZIALEN Blog,- habt Ihr mal darüber nachgedacht , dass das was Ihr
hier macht , auch eine Form von RASSISMUS ist ?? nur getarnt hinter „schönen“ Bildern,
Kochrezepten etc,-.ich wende mich ab voller Abscheu u. Trauer über dieses anmaßende
Verhalten.
Oh Gott, Coffeecat, sorry! Aber wer soll das denn alles lesen? Du kommst hierhin und verurteilst mich, die in einer Situation der Ungerechtigkeit war und einen Schwächeren beschützt habe? Ich wünschte, es würden mehr Menschen wie ich reagieren, um einigen dummen Beamten mal ihre Grenzen zu zeigen. Ich kann diese Friede-Freude-Eierkuchen-Moralkeule echt nicht mehr ab. Ich bin kein Ghandi. Ich werde mich immer wehren und ich werde immer Menschen helfen, die von anderen Menschen, die ihre Macht missbrauchen, fertig gemacht werden. Und ich lasse mir da nicht reinreden und weiß ganz genau, wenn mehr Menschen sich das trauen würden, wäre diese Welt eine Bessere. Denn der dümmste Spruch, der je erfunden worden ist, ist der hier: “Der Klügere gibt nach.” Das ist Unsinn. Der Klügere soll nachgeben, damit die Dummen und Machtbesessenen die Welt regieren? Ehrlich, Du kannst mich angreifen, wenn die Welt ein Paradies ist und ich trotzdem noch rumwüte. Solange ich aber auf Angriff ganz normal mit Notwehr reagiere, solltest Du mich in Ruhe lassen.
Keine Ahnung wie Deine schon fast an Dummheit grenzende “Iraner-Debatte” entstehen konnte, aber das ist hier überhaupt kein Thema. Iraner sind natürlich in einigen kulturbedingten Eigenheiten besser als Deutsche – aber genauso ist es auch umgekehrt. Was die Sache mit der sozialen Kälte angeht: Soetwas wirst Du im Iran unter normalen Iranern nicht finden. Fakt!
Und jetzt geh’ bitte in einem anderen Blog hysterisch rumspamen! Ich möchte auch nicht, dass hier meine Leser von Deinen Vorwürfen dazu genötigt werden, zu antworten, obwohl sie keine Lust haben. Hab’ ich ja echt noch nie erlebt, dass jemand hier Kommentare abgibt und die beleidigte Leberwurst spielt, wenn niemand antwortet!