Vorgestern habe ich es endlich geschafft, den Babykater meiner Geschwister zu fotografieren. Okay, er ist kein Baby mehr, sondern eher ein enorm genervter und unruhiger Teenager, der ständig nach Abenteuern sucht – aber beim Demolieren sämtlicher Objekte immer noch wunderhübsch aussieht und nicht etwa so picklig – weil hormongepeinigt – wie unsere Spezies. Er hatte einen wirklich harten Abend. Unsere männlichen Familienmitglieder haben ihn total missachtet und seiner Wichtigkeit in ihren Reihen überhaupt keine Anerkennung geschenkt. Sie waren mit der Installation von Rechnern und ihrer Software beschäftigt, sämtliche Kabelsalate im Zimmer meines Bruders mussten entwirrt werden und das quirlige Kerlchen – sich seiner außerordentlichen Rolle bei der Problemlösung bewusst – tapste mit seinen Pfötchen immer mitten ins Kabel-Chaos rein und wollte mithelfen – ganz unbedingt. Seine Taktik schien anfangs ja auch recht effektiv: Kabel auseinander beißen, die Reste wegrollen, auseinanderbeißen, wegrollen. “Das klingt doch vernünftig”, dachte er sich. Das sahen die Männer jedoch anders. Also wurde er mit einem wirklich sehr billigen Trick (der aufziehbaren Spielzeugmaus!) heraus gelockt und ausgesperrt. Die Schmach, mit uns Mädchen abhängen zu müssen, sollte seinen ganzen Abend prägen – und vor allem die hübschen Gardinen meiner Mutter, die er meinte, aus Wut hochklettern zu müssen, um von dort aus für alle sicht- und hörbar seinen Schmerz heraus zu miauwn.

Als ich dann irgendwann – nachdem er sich beruhigt hatte – meine Kamera gezückt habe und ihm die Aufmerksamkeit schenkte, die er die ganze Zeit von den Männern suchte, tat er zwar recht unberührt und machte auch keinen Hehl daraus, dass er mich als Mädchen total uninteressant fand, aber ablichten ließ er sich trotzdem gern. Ein eleganteres Model hatte ich noch nie, wirklich! Auch, wenn er theatralisch und leicht depressiv wie ein missverstandener Held in die Ferne schaute. Fast noch schlimmer als an dem Tag, an dem er aufwachte und entdeckte, dass er keine Eier mehr hat. Hier ist nun das Prachtstück. Also der pubertierende Kater. Nicht die Eier.

Baby