Wenn ich ehrlich bin: Manchmal würde ich auch gerne bei anderen fluchen und jammern. Heulen und die Welt beklagen und sagen, wie schlecht es mir geht und wie übel mir das Leben mitgespielt hat. Mich auf andere stürzen und stützen – egal, wie schwer ich mit meinen Lasten bin – mir helfen lassen, die anderen unter Druck setzen und sagen: “Du, hilf’ mal jetzt. Jetzt. Sofort.” Und ich fange an, jene andere zu beneiden. Die, die das können und das auch tun. Nicht einfach nur tun, sondern ausschöpfen bis zum Geht-nicht-mehr des Weltenendes. Zum Erbrechen genau jeden Tropfen Saft aus Deiner Leibeshülle saugen, bis sie sich dann wohl, wonnig, voll und zufrieden fühlen – von Dir, Deiner Hoffnung, Deiner eigenen Lebenskraft. Ja, manchmal würde ich das gerne. Manchmal. (Ihr seht, das Trauma “ungesunde Freundschaften” wird mich noch einwenig verfolgen)
Aber gerade gestern ist mir etwas unglaublich Kostbares klar geworden. Ich ertappte mich dabei, wie ich vor Erleichterung geseufzt habe, als ich erkannte, wie gut es ist, unabhängig zu sein. Niemanden anrufen zu müssen, wenn es mir schlecht geht. Von niemandem enttäuscht werden zu müssen, nachdem ich angerufen habe. Es irgendwie selbst schaffen zu können, ist ein wunderbares Gefühl, das mich mit der gestrigen Erkenntnis mit Stolz erfüllt. Es einfachso selbst schaffen. Erst aus einer Notwendigkeit heraus, dann aus purer Routine. Ich war plötzlich wirklich glücklich darüber, dass ich meine emotionale Abhängigkeit von anderen so stark reduziert habe, dass ich überhaupt nicht anders konnte, als zu lernen, wie man als Einzelkämpferin zu Höchstleistungen in der Bewältigung seiner Lebenssituation gelangen kann – und das, ohne kalt und herzlos zu werden. Soviel Ballast man auch zu tragen hat, wenn man ihn alleine zu tragen hat, baut man Stressmuskeln auf. Ich habe Stressmuskeln, ja. Große. Ich kann Stress tragen, mit nur einem kleinen Finger und mit der anderen Hand 24,6 bunte Bälle jonglieren. Es ist schon richtig so, wie ich bin, wie ich geworden bin. Das hat mich in den letzten Jahren sehr stark werden lassen. Stark und autark. Ja, ich glaube, das gefällt mir. Gute Nacht.


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Ja- das gefällt mir auch.
Es muss ein schreckliches Gefühl zu sein, durchs Leben zu gehen, im Körper eines Erwachsenen, emotional noch ein kleines, niemals sattes Kind, das immer auf die Zuwendung von anderen angewiesen ist.
Und ich möchte nicht behaupten, dass wir vollends Erwachsen (im positivsten Sinne) sind. Es braucht wohl mehrer Leben um das zu werden, es gibt viele Fallen, auf jedem Weg.
Das ist heute für dich:
Sei, wer du bist
und genieße jeden Augenblick
davon!
Und auch wenn du über das Kind
in dir nicht herausgewachsen bist,
sind die anderen nur gut dressierte Babys,
die nicht aufhören können nach Aufmerksamkeit zu schreien
unter ihren unnahbaren Masken und Rüstungen aus Stahl.
So hebe den Kopf- ohne Stolz
und stehe dazu, gefühlte acht [setze ein, was du möchtest] zu sein!
Momos Weg ist der einzige, der weiter führt.
Hi Sherry jan
ein schönes Gefühl. Ich freue mich, dass du es erlebst.
Und es wird noch besser:
Nach der emotionalen Autarkie kommt die Gelegenheit, wo man großzügig sein kann.
Man kann anderen Menschen die Liebe und Zuneigung zukommen lassen, die man wirklich fühlt!
Erst ohne die Abhängigkeit und der Gedanke “was kriege ich, wenn ich das gebe” ist man befreit und kann ‘leben’ und nicht wie zuvor ‘überleben’…
Liebe Grüße

Jubin
Hallo Ihr Lieben
@Miri:
Ja, ich werde niemals ohne Erwartungen sein. Aber ich kann Leute ausgrenzen als potenzielle Menschen, von denen ich etwas erwarten kann. Wenn ich anfange, von jemandem nichts mehr zu erwarten, dann ist das meistens keine positive Sache, auch, wenn es sich in diesem Beitrag so anhören mag. Danke für das Momogedicht. Ich habe Momo nie gesehen.
.
@Jubinlein:
Schön, dass Du da bist und Dich zu Wort meldest. Aber weißt Du, ich habe gar nicht vor, andere Menschen “noch mehr” Liebe zu geben. Im Gegenteil. Diese Erfahrung, die ich mache, ist nicht aus einem befreienden Urschrei heraus gekommen, sondern durch Enttäuschungen. Ich habe gelernt, dass ich – selbst, wenn ich Hilfe gebraucht hätte und Zuwendung – es einfach nicht zu äußern. Nicht, weil ich es so toll fand, verstehst Du? Aus dieser Situation heraus habe ich gelernt, mir wirklich komplett selbst zu helfen. Vielleicht hört sich das auch gut an, aber es dient mir nicht dazu, dass ich meine Zuwendung – wie so oft – weiterhin an alle möglichen Menschen verschleudere. Und ich halte die Theorie über die “Erwartungslosigkeit” anderen Menschen gegenüber für utopisch. Ganz ehrlich: Erwartungshaltungen gehören zur menschlichen Natur, natürlich gibt es Ausprägungsgrade, die nicht mehr tolerabel sind.
Du, wie geht’s Euch denn, mein Freund?
Liebe Sherry,
genau das wollte ich sagen, einerseits ist das sehr gut, dass du aus der Erfahrung eine Stärke gezogen hast, andererseits ist das ja nicht der Idealzustand, wenn man als Einzelkämpferin durchs Leben geht. Jeder Mensch braucht Entlastung, indem er sich zu jemandem zugehörig fühlt, liebe Sherry.
Herzlichst,
Marcus
das ist der beste weg, um voranzukommen und keine angst zu haben vor dem leben und verlassenwerden. trotzdem sherry.. hab ich bei dir das gefühl, dass du kein ganz autarker mensch bist, ich stell mir das so vor, dass du deine festen bezugspersonen hast, wie familie und partner, aber dass du eben auf das drumherum freundin, bekannte usw verzichtest. bzw nicht verzichtest, sondern dich nur nicht auf sie verlässt.
gruss
Ja, Darks. Natürlich hänge ich sehr an meiner Familie und bin auch abhängig von meinem Partner. Du hast das schon richtig verstanden. Ich bin tatsächlich was Freundschaften angeht, eine Einzelkämpferin. Ich habe Freundinnen, so ist das nicht. Aber ich halte sie aus schlechten Zeiten raus oder bespreche sie nicht wirklich mit ihnen, außer, wenn sie wirklich 100 mal nachhaken und sonst auch immer eine sensible Art zu reagieren, gezeigt haben. Ich glaube, ich bin einfach überempfindlich. Deshalb passe ich auf, wem ich mich wirklich öffne. Wobei ich völlig offen wirke auf andere. Nur, wenn sie irgendwann merken, dass ich zwar offen wirke, aber kaum etwas erzähle (und das merken nur Wenige), dann wundern sie sich.
Als ich anfing, zu lesen, dachte ich nach den ersten Sätzen – oh ja, das kenne ich. Ich mag auch nicht mehr immer nur die starke sein! Ich möchte mich auch mal anlehnen, Trost empfangen, Schwäche zeigen.
Nach dem ersten Absatz dachte ich – naja, aber es kann einen selbst auch noch weiter runterziehen, reinziehen in den Kreis des Leids.
Und siehe da – mit dem zweiten Absatz gibst du meinen Gedanken recht. Ja, es kann auch schön sein, sich nicht beklagen zu müssen, und keinen zu brauchen. Wenn man mit allem selbst fertig wird, ist es einerseits anstrengend, aber andererseits ist die Gefahr, sich irgendwo reinzusteigern, auch geringer…
Und “Stressmuskeln” find ich gut :-) Ich hab auch welche, die sind ganz gut trainiert, aber ich hatte mal eine “Stressmuskelzerrung”, und sie ist nie komplett ausgeheilt ;-)
LG
Esra
p.s. ich hab übrigens ein Gewinnspiel gestartet :-) Magst du es dir ansehen?
Stressmuskeln! Cooles Wort, ne? Ich hab’ jetzt ein Bild, mit dem ich meine Eigenständigkeit assoziieren kann, das hilft mir, das auch öfter positiv zu sehen. Eine Ein-Finger-Stress-Hochhalterin, die mit der anderen Hand bunte Bälle jongliert. Hihi…
Das Gewinnspiel habe ich gesehen, ja! Tolle Idee. Ich frage mich manchmal, wieviele Blogleser ich eigentlich habe. Also Regelmäßige. Modeblogs sind ja viel beliebter als so Blogs wie meine. Soll ich Dir mal etwas verraten? Ich habe mir noch nie etwas von Zara gekauft.
❤
Sherry, ich würde gerne Momo mit dir zusammen sehen/lesen. Sehen wird schwer, aber wir könnten es synchron lesen?-nur wenn du Lust hast.
Ich habe es als kleines Mädchen das letzte mal gesehen/gelesen, meine Kinder konnte ich dafür nicht begeistern.
Wenn man aufhört etwas vom anderen zu erwarten, ja- das fühlt sich nicht positiv an. Für mich ist: “Von dir erwarte ich nichts”, ein Bekenntnis der Gleichgültigkeit, fast gleichbedeutend mit “Von dir kann ich nichts erwarten”
Und hinter diesem “autark fühlen” stecken auch einige traurig, bittere Erfahrungen, die man sich gerne erspart hätte, steckt auch trotz aller Menschenliebe, ein abgeklärter Blick auf die Menschheit.
Miri, ja. Das hast Du wirklich gut gefühlt. Unsere Ebene des “Nichterwartens” ist wohl noch nicht die reife Ebene, die Jubin meinte. *seufz*
Momo. Ja. Warum habe ich mich nie dafür interessiert? Sobald ich Zeit finde, etwas anderes zu lesen, als Fachliteratur, sage ich Bescheid. Gott sei Dank hab’ ich bald mein Bachelor in der Tasche.
War es denn trotzdem schön bei Baba? ❤
Ja, das war es. Sobald ein Haus Fenster hat, ist es schon sehr viel mehr ein Heim. Und auch drinnen gibt es so viel zu tun. Den Kindern ist nicht langweilig, vor allem Ali lebt dort sichtbar auf, so viel darf er dort und so wenig ist verboten.
Ich war auch trotz Regen spazieren und verschmolz mit meiner Umgebung, aus der ich eine Gazelle verschreckte. Es ist als ließe man das Unerwünschte in der Stadt zu Hause, vielleicht bleibt es einfach auch ne Weile länger um nachzukommen; es war jedenfalls sehr schön, befreiend.
Ich hab heute sogar einem Freund von den “Stressmuskeln” erzählt :-) So wirken die Blogs ins “echte” Leben hinein :-)
Und waas, du hast dir noch nie was bei Zara gekauft?? Warum denn das? Das Zeug von denen haben mir schon als Teenie gefallen, als ich noch frisch aus Russland kam und noch gar nichts mit Mode am Hut hatte (wir hatten andere Sorgen damals ;-))
LG
Ey cool, Esra! Vielleicht nutzt er’s ja auch mal, und dann hab’sch voll den Trend gesetted. :PP
Zara? Hmmm. Ich dachte immer, das ist viel zu fein und ladylike für mich.
Oh ja, das kann ich mir vorstellen, dass Ihr andere Sorgen hattet. Wie alt bist Du gewesen, als Du hierhin gekommen bist?
Ich war 13 Jahre…
Hab heute wieder voll intensiv von meiner Heimatstadt geträumt. Muss echt mal wieder hin, und zwar baaaald :-(
LG
p.s. Zara hat auch eine Jugend-Abteilung (Zara TRF) – hip und trendy ;-)
Heißt das, Du hast einen Akzent? Einen russischen? Hört man das noch raus? Hach… Ich liebe Akzente.