Kategorie "Aus dem Alltag"
08.02.2012, 15:44
Liebeskälte
06.02.2012, 15:52
Der Schokopudding

Aus verschiedenen Gründen muss ich die meiste Zeit auf Musik verzichten. Das Problem mit der Musik und mir sieht nämlich folgendermaßen aus: Ich komme aus der Geschichte nicht mehr so leicht raus. Wenn ich anfange, sie zu hören, dann beginnt eine Ganztagsodysse durch die Geschichte der Musik. Selbst, wenn ich auf die Persische verzichte. Denn persische Musik ist noch immer gefährlich für mich, sie kann mich ganze Wochen an Produktivität kosten, sie zieht mich in eine andere Welt, die Musik führt zur Nostalgie und Heimweh, beides führen letztendlich zu persischen Gedichten, Rumi, Hafez, spirituellen Ozeanen mit soviel Wahrheit, dass man darin ertrinken will. Also rationiere ich Musik. Wenn ich weiß, dass ich nächste Woche ein wenig Zeit für mich haben darf, lasse ich mich kurz auf sie ein und hoffe einfach darauf, dass ich da schon irgendwie rauskommen werde. Irgendwie klappt das immer.

Gestern und heute habe ich den ganzen Tag RnB gehört, sagte ich das bereits? Ja. Es lässt sich mit dem Recherchieren und Einlesen in mein Thema irgendwie verbinden, weil es eine sehr beruhigende Wirkung auf mich hat, ohne mich emotional in Extremen zu beanspruchen. Aber es gibt immer noch Stücke, die mich so ansingen, dass ich sofort in meine Teenagerzeit versetzt werde. Mein Herz rast den Rhythmus einer kopflos Verliebten und übertrumpft ihn noch, um dann gegen irgendwelche Gedanken- und Gefühlsgrenzen zu prallen, wie als würde jemand rufen: “Stop hier, mehr kann man als Mensch nicht verliebt sein, geh’ zurück, Kleine!” Und dann kommt der Moment, in dem man Schmerz und Bedauern empfindet, dass es nicht weitergeht, aber auch erleichtert aufseufzt und sich denkt, man habe noch einmal Glück gehabt, mehr hätte man tatsächlich nicht vertragen, noch einwenig mehr, und man wäre an Herzversagen gestorben. Sympathikus Break-Down. (Sympathikotonus) Weiterlesen… »

05.02.2012, 19:36
Phantom-Junkys

Ich habe heute alte R ‘n B Songs aus meiner Jugend gehört. Das Leben in diesen Liedern ist so, wie man sich das als Teenager vorstellt. Oder formen sie unsere Vorstellungen? Vielleicht ist es so. Vielleicht haben sie unsere Wünsche geprägt. Vielleicht reden die Jugendlichen mit 12 oder 13 Jahren deshalb über Pornos, Arschfick und Gangbang anstatt von “End of the Road”, “My Love is your Love” und “Killing me softly”. Ja, vielleicht ist das so. Ich bin froh, dass ich heute kein Kind bin, sondern noch in einer handy-, internet-, displayfreien Zone aufgewachsen bin. Ich bin froh, dass ich sehr lange vehement gegenüber PCs und Technik Widerstand geleistet habe. Ich bin froh, dass ich damals nicht ständig und überall durch das Handy verfüg- und erreichbar war, und ich bin froh, dass nicht alle(s) andere für mich anzapfbar war und der Datensmog mich zerstreut hat. Ich bin froh, dass ich mich noch auf das Spielen konzentrieren konnte, mich in Bücher vertiefen konnte, ohne das Gefühl zu haben, etwas verpasst zu haben, ohne zu denken, ich werde von der Zeit gejagt. Wenn die jungen Menschen heute (und nicht nur die Jungen) etwas länger als fünfzehn Minuten am Stück machen (müssen), dann werden sie unruhig. Sie haben das Gefühl, sie haben etwas verpasst oder sind dabei, das Sammeln von wertvollen “News” (Facebook, SMS, Emails, Gerüchte) zu versäumen. Nur warum genau sie sammeln, das weiß niemand. Und ich auch nicht, ich sammel auch, und ich weiß nicht genau was. Denn was auch immer es ist, es hat den gegenteiligen Effekt von Aufbewahren: Ich ermüde. Ich bin ausgelaugt, ich will nicht mehr, und ich will dem ganzen Wahnsinn dann ein Ende bereiten, indem ich z.B. diesen Blog schließe, keine Emails mehr beantworte und einfach konsequent schweige. Die verstreute Konzentration ist kaum noch zusammen zu kriegen, alles muss erledigt werden – am besten simultan. Doch das geht nicht. Es gibt keine echte Multitaskingfähigkeit. Man kann Aufgaben nicht ohne ein Absinken der Qualität verrichten, wenn man seine Aufmerksamkeit teilt. Frauen können das genauso wenig wie Männer, das Gerücht stimmt einfach nicht. Es stimmt einfach nicht. Weiterlesen… »

Kommt es euch eigentlich auch seltsam vor, dass wir über die Woche und den Monat hinweg mehr Zeit auf unseren Arbeitsplätzen verbringen als Zuhause mit unserer Familie? Manchmal fällt mir das einfach ein, und ich wundere mich, wieso wir das einfachso hinnehmen, wieso wir das Gefühl haben, das sei völlig normal, seine Zeit invers zu dem zu widmen, wie man seine eigentlichen Prioritäten gesetzt hat. Ist das normal? Ich glaube nicht. Je größer die Stadt ist, in der man lebt, desto komplexer die Infrastruktur, die man durch spezialisierte, kontinuierliche Ameisenarbeit gewährleisten muss, damit auch alles funktioniert. Wir sind ständig in Bewegung, um Zustände aufrechtzuerhalten und merken nicht, wie sich das Leben von uns fortbewegt.

03.02.2012, 08:47
Fachidioten.

Es gibt dieses Vorurteil über Wissenschaftler, dass sie irgendwie seltsam seien, eigenbröterlisch und isoliert. Dass sie leicht autistische Züge vorweisen und sozial absolut inkompetent seien. Manchmal mag das stimmen, vor allem Wissenschaftler, die wirklich Koryphäen in der Mathematik oder Physik sind. Ich bin der Meinung, dafür muss man schon ein ganz speziell geartetes Gehirn haben, um soviel Abstraktion nicht nur vertragen und verstehen zu können, sondern auch selber erschaffen zu können. Aber dann gibt es die normalen Wissenschaftler, die – wenn überhaupt – eine nur leicht überdurchschnittliche Intelligenz aufweisen, die vermutlich mehr auf Bildung beruht und nicht unbedingt auf dispositionaler Rohintelligenz. Und die, wenn sie über ein alltäglich erscheinendes Thema mitreden wollen, das zu ihrem Spezialgebiet gehört, einfach als fremdartig und detailfixiert oder aber als leise und unbeteiligt empfunden werden. Einfach deshalb, weil sie Experten bei dem Thema sind und die Sanduhr voller Körnchendetails aufreißen alles zu erklären suchen – vor allem die Zusammenhänge, auf die wir als Nichtexperten niemals kommen würden.

Gerade bei uns Psycholgen fällt das auf, dass wir oft auf Unverständnis stoßen. Die ganze Welt meint, sein alltagspsychologisches Wissen sei in irgendeiner Weise richtig, und tatsächlich, ja, die kognitiven Heuristiken, die wir zu verwenden neigen, um Menschen oder Situationen (grob) einzuschätzen, dienen einem sehr ressourcensparenden Wahrnehmungssystem, das kurzfristig auch sehr gut funktioniert – kurzfristig bei unwichtigen Angelegenheiten, versteht sich. Aber Tatsache ist, die Psychologie des Durchschnittsmenschen ist unintuitiver, als wir durch unsere alltagspsychologischen Erklärungsversuche meinen könnten. Also müssen wir Psychologen entweder dasitzen und einer Diskussionsrunde über Depressionden oder Aggressionen nur lauschen und uns zurückhalten, um uns nicht in Erklärungen zu verlieren – oder aber so in eine für andere unintuitive Tiefe gehen, dass man uns für verrückt oder seltsam abstempelt; noch schlimmer: für eingebildet. Weiterlesen… »

Die peinlichsten Augenblicke des Tages sind die, in denen wir andere dabei erwischen, wie sie sich selbst belügen, um ihrem gewohnten Trott und ihrer Sichtweise auf die Welt weiter frönen zu können. Ohne quälende Fragen nach ihrem Sinn und ihrer Richtigkeit. Und die noch peinlicheren Augenblicke sind jene, in denen wir andere dabei beobachten, wie sie uns selbst bei der Selbstlüge erwischen.