Kategorie "Poesie"
11.10.2011, 15:43
Schicksalsnacht

Unermüdlich kraftentleert
Falsch erleuchtet
Sich krank verzehrt

Altgedacht und
neu gestorben
All die Tage
Herz verloren

Schlafend wieder
aufgewacht
Tagein tagaus
die Nacht verlacht

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10.10.2011, 07:59
Atemstillstand

Halt’ den Atem an
Leg’ die Wege still
Ein Traum vergeht
Denn du, du schreist
Dabei war’s Zeit
Zu ihm zu gehn’.

Halt’ die Sterne an
Leg’ ihr Licht
in dir nun
frei
Die Zeit vergeht
Weil du nur rennst
Dabei war’s gut
als du
in kleinen Schritten
große Hürden
fingst.
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30.09.2011, 10:23
Joséphine

“Deine Augen sind
so müde, Joséphine.
Was hat man dir
nur angetan?”

“Meine Augen sind
so müde, Held?
Was denkst du,
wer hier all die Jahre
nicht mehr war?”

“Du weißt doch, Liebste
Gekämpft habe ich.
Gegen Dämonen,
gegen Soldaten
gegen mich
Weißt du denn nicht?”

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16.09.2011, 03:24
Deine ruhenden Hände

Manchmal frage ich mich, warum du die Melodien liebst, die du liebst, und warum sie immer so still und in sich vereint sind – so wie du es bist. Und ich frage mich, warum du so sehr damit wartest, einige deiner Träume zu erfüllen – sie stattdessen beim Hören deiner Lieder mit geschlossenen Augen auskostest, um sie auf einen anderen Morgen zu vertrösten. Manchmal denke ich, ich sei der Grund, dass du zu nichts kommst, was dein eigenes Herz begehrt. Pscht, sag’ jetzt nicht, ich sei alles, was dein Herz begehre. Du drehst dich viel zu sehr um mich. Tag ein, Tag aus. Stets en guard, um abzufangen, was mich zum Einstürzen bringen will – wie als sei ich ein antiques Gebäude aus den Resten einer alten Ruine. Während du mit der einen Hand meinen Feinden und Angstdämonen die Hände abschlägst, hältst du mit der anderen meinen müden Körper mit seinem hinaus fallenden Geist verzweifelt fest. Wovor hast du Angst? Dass er in wild verspielten Perlen in alle Windrichtungen auf den Boden aufprallt und sich fortstehlen könnte? So dem Wahn verfallen bin ich noch nicht, mein Herz. Pscht, glaub’ mir einfach, vertrau’ mir, sag’ jetzt nichts.

Manchmal denke ich, es sei besser, deine müden Hände zur Ruhe zu küssen. Sie zu entmachten, sie von all den Kämpfen los zu lösen und sie mir zu übergeben. Sie auf meine Wangen zu legen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe hin- und her zu wiegen. Sollen wir? Wenn du das nächste Mal wieder gegen die schwarzen Dämonen meiner Angst kämpfen willst, wirf dein Schwert einfach fort. Lass mich das erledigen, ich kenne ihre Schwächen gut, du wirst sehen. Schau’ dabei zu, wie deine Frau gar nicht mal so eine schlechte Kriegerin ist. Und pscht, sag’ nicht, du wüsstest das schon, nur wolltest du nicht, dass ich auch noch um mich kämpfen muss neben all den Kämpfen, die ich so schon führ’ um Gott und für die Welt. Für Gott und um die Welt. Gegen Gott und gegen die Welt. Doch glaub’ mir, mein Herz, ich werde niemandem helfen können, wenn ich meine eigenen Dämonen nicht einmal selbst besiegen kann. Lass also ab, schau’ das nächste Mal nur zu, damit wir danach mehr als nur einen Augenblick der Ruhe finden. Nur ich, nur ich kenne das dazu geschliffene Schwert, um diese dunklen Schatten in ihrem eigenen Schwarz zu ersticken und sie schreiende Galle bluten zu lassen. Nur ich. Pscht, sag’ nichts außer “Ja”. Lass deine müden Hände auf meinen Wangen ruhen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe in einen traumlosen Schlaf wiegen. Komm’. Jetzt. Komm’… Weiterlesen… »

11.07.2011, 01:35
Zirkelkreise

Plappernde Sprachlosigkeit. Tag ein, Tag aus. Floskeln furzen durch die Lüfte. Nacht ein, Nacht aus. Kichernde Dummheit um mich herum. Maskenhafte Kinder auf Stöckelschuhen mit Wodka Red Bull. Songtexte, in denen “Künstler” die ganze Welt ficken. Die Mutter, den Vater, die Schwester und dann sich selbst und die Chance auf ein ehrvolles Leben ficken. Sie sind stolz auf ihre sinnlose Existenz – “Woas? Sinnlose Exüstänz, isch war doch krümünäll!” – und dann die kleinen Jungs mit den schwarzen Haaren um ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft bringen. Namenlose Ängste, wenn statt dreizehn, mal nur zwölf Männer hinterher schauen. Neue Pläne von Diäten, weil alles, was weiblich ist, ja doch so schrecklich unweiblich ausschaut. Und all das Entsetzen im Gesicht, wenn die Falten zu groß sind für den Abdeckstift. Auskotzerei über sich selbst und die eigene Größe, auch wenn’s niemand hören will. Rausgewürgte Lügen, die vor Offensichtlichkeit in neongrünen Strahlen schreien – und trotzdem erzählt werden wollen, weil’s ja sonst nichts zum Erzählen gibt. Ich will davon nichts mehr wissen. Schon gar nicht von den Intellektuellen, die in jedem Satz nur ein einziges Wort verlieren, das ich verstehen kann und dann doch zu fragen misse. Dabei leben sie doch für diesen einen Augenblick, in dem ich frage, weil mein Verstand dem ihren unterlegen ist. Erst dann gibt’s nämlich dieses eine Geschenk von sich an sich. Und ihre Überlegenheit verschafft ihnen eine Nacht voller Selbststolz und ohne Zweifel an sich. Ich will davon nichts mehr wissen, will einfach weg von hier. Ich schau’ in den Spiegel und frag’ mich, wer steht nun da? Bin ich die mit den Falten vs. Abdeckstift oder die mit dem Wunsch nach einem Tag mit verdientem Selbststolz und ohne Zweifel an sich.