11.07.2011, 01:35
Zirkelkreise
Plappernde Sprachlosigkeit. Tag ein, Tag aus. Floskeln furzen durch die Lüfte. Nacht ein, Nacht aus. Kichernde Dummheit um mich herum. Maskenhafte Kinder auf Stöckelschuhen mit Wodka Red Bull. Songtexte, in denen “Künstler” die ganze Welt ficken. Die Mutter, den Vater, die Schwester und dann sich selbst und die Chance auf ein ehrvolles Leben ficken. Sie sind stolz auf ihre sinnlose Existenz – “Woas? Sinnlose Exüstänz, isch war doch krümünäll!” – und dann die kleinen Jungs mit den schwarzen Haaren um ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft bringen. Namenlose Ängste, wenn statt dreizehn, mal nur zwölf Männer hinterher schauen. Neue Pläne von Diäten, weil alles, was weiblich ist, ja doch so schrecklich unweiblich ausschaut. Und all das Entsetzen im Gesicht, wenn die Falten zu groß sind für den Abdeckstift. Auskotzerei über sich selbst und die eigene Größe, auch wenn’s niemand hören will. Rausgewürgte Lügen, die vor Offensichtlichkeit in neongrünen Strahlen schreien – und trotzdem erzählt werden wollen, weil’s ja sonst nichts zum Erzählen gibt. Ich will davon nichts mehr wissen. Schon gar nicht von den Intellektuellen, die in jedem Satz nur ein einziges Wort verlieren, das ich verstehen kann und dann doch zu fragen misse. Dabei leben sie doch für diesen einen Augenblick, in dem ich frage, weil mein Verstand dem ihren unterlegen ist. Erst dann gibt’s nämlich dieses eine Geschenk von sich an sich. Und ihre Überlegenheit verschafft ihnen eine Nacht voller Selbststolz und ohne Zweifel an sich. Ich will davon nichts mehr wissen, will einfach weg von hier. Ich schau’ in den Spiegel und frag’ mich, wer steht nun da? Bin ich die mit den Falten vs. Abdeckstift oder die mit dem Wunsch nach einem Tag mit verdientem Selbststolz und ohne Zweifel an sich.
28.06.2011, 12:10
Blumenwege
Zu kurz die Zeit
des tiefen Atmens
Zu kurz die Augenblicke
des Friedens wegen
Schau’ die Blumen,
wie sie atmen
Schau’ wie sie sich
an Wiesen laben
Grob kastrierte
Lebensträume
Hand in Hand mit
Lebensängsten
Schau’ die Blumen,
wie sie tanzen
Schau’ wie sie
ihre Liebe pflanzen
Weiterlesen… »
Hart diese Nächte,
hart, finster und kalt.
Ein Bett,
zerwühlt
vom Kampf der Geschlechter.
Alle fort
und barfuß kam der
Sensemann.
Kristallen klar
war die Liebe von Mutter-Erde,
denn ihre Brüste war’n
für alle da.
Zornesrot war
der herrische Gott der Herren!
Denn seine Strafe war nur
für Frauen da.
Weiterlesen… »
Feste Schenkel schlingen und drücken.
Ihr Busen riecht nach einer Wiese voll Blumen.
Ihre Haare kitzeln, dann peitschen sie Dich.
Ihre Arme fesseln, dann kratzen sie Dich.
Ihr Gesicht ist ein Mond aus tausend Wünschen und Furchen.
Ihre Lippen eine Frucht aus Liebesschwüren und -flüchen.
Schaust Du sie an, vergisst Du Dein Ich.
Das Einzige, das lebt, ist Deine Lust und sonst nichts.
Schaust Du weg, dann würgt sie Dich zu sich.
Schaust Du zu tief, zeigt sie ihr wahres Gesicht.
Medusa ist ihr Name,
und egal, was Du gibst:
Sie nimmt Dir noch mehr,
bis dass Du Stein nur noch bist.
Müde fällt das Blatt vom wogenden Wind, weil er still steht und die Mattheit auch seine Seele mitnimmt. Still, mit fallenden Händen stützt es sich sanft auf dem Boden, um das schweigende Nass der erdigen Mutter noch ein letztes Mal vor dem kleinen Tod zu liebkosn’. Die Nacht neigt ihr Haupt herunter, so dass all die Sterne ihre Lider senken und in einen endlosen Traum der geheimen Märchen sinken. All die Bäume – sonst so kräftig, grün und stolz – vergeben ihre Kraft an die namenlose Schwere und lauschen den Liedern der Nachtigall, die singt über jenen Sonnenuntergang in Gold. In all der Ruhe der dunklen Welt, kehrt Friede in mich ein. Ich will nur eins’, nur eins’. Und das ist, dass mein Liebster mich hält und für immer mit mir in dieser samtigen Nacht verweilt. Schwer liegen seine Wimpern matt und müd’. So auch mein Gesicht, das auf seiner Brust nun ruht’.
Der Alltag ergraut Dein schönes Gesicht,
nimm’ ihm die Macht,
komm’: fall’ in mein Licht
Lass’ Deine stern’klaren Augen
sich zum Halbmond schließen
Und all ihre Tränen
auf meinen Schoß ergießen
Lass’ nicht ab von Deinen alten Träumen
Wenn auch die einen unerfüllbar sind
sie schützen den Kern in Dir:
Dich als sorgloses Kind
Lass’ uns über die elysischen Felder laufn’,
die Liebenden zählen
und in ihre pochenden Herzen schaun’
Lass’ uns durch das Tor zur Hölle gehen,
und dem Teufel zeigen,
dass – wenn wir vereint -
auch seine Folterinstrumente
mit besänftigenden Blumen
versehn’
Lass’ ab von all den Streichen
Deines Verstandes,
sie kühlen Dein Lächeln,
sie kühlen die Hoffnung,
die Du einst fandst
Lass’ ab vom heißen Geflüster
Deiner Wut,
sie verbrennt Dein’ Leib,
sie verbrennt Dein Gemüt
Der Alltag ergraut Dein schönes Gesicht,
nimm’ ihm die Macht,
komm’: fall’ in mein Licht
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
|
|
|