Ich frage mich oft, woran es liegt, dass ich zwar den Drang, zu schreiben, verspüre, aber der gedankliche und emotionale Fluss der Freiheit mich nicht mehr mitreißt. Hat es damit zu tun, dass ich aus dem Chaos meiner inneren Welt einfach nichts greifen kann, das nicht sofort wie Wasser oder fein-rieselnder Sand aus meinen Händen siebt? Oder liegt es daran, dass ich große Ereignisse und gigantische Momente des Glücks und der Trauer nicht mehr wage, in Worte zu fügen? Oder dann doch daran, dass ich mich, mein Leben und das meiner Umgebung in Anbetracht dessen, was überall auf der Welt passiert (ach, was ist schon die Welt! Das Universum!), einfach nicht mehr ernstnehmen kann?
Wie – so frage ich mich – findet man, wenn man einmal seinen Egozentrismus soweit wie jetzt verloren hat, je wieder zu sich und seiner kleinen Welt zurück? Wie kann ich an die traurigen Gefühle von mir denken, ohne nicht zeitgleich an irgendwelche hormonellen und chemischen Vorgänge im Gehirn zu denken, die dieses Gefühl der Depression oder Euphorie verursacht zu haben (Oder sind sie doch nur eine Folge?)? Und wie schaffe ich es, nicht auch daran zu denken, welches Psychopharmaka Besonderheiten, Ausuferungen oder Defizite unserer Gefühlswelt, die als pathologisch empfunden werden, wieder regulieren kann? Und wie kann ich verhindern, dass ich diese kleinen Pillen bewundere und verachte zugleich, indem ich in meinen zählenden Gedanken auch noch die Nebenwirkungen aufliste? Wieso verliert man sich in sinkende Wertlosigkeit und Unwichtigkeit, wenn man sich wissenschaftlich mit den Themen auseinandersetzt? Und warum dann wieder in eine euphorische Gänsehautstimmung, wenn man dieses unglaublich präzise Gleichgewicht im- und außerhalb des Körpers beobachtet? Wieso neigt man dazu, über die Möglichkeit der Existenz eines Gottes zu lachen (immer dann, wenn ich meine, darüber staunen zu müssen, wie Menschen es schaffen, solche Erkenntnisse zu erringen) und im nächsten Augenblick kopfschüttelnd und über alles hinaus würdigend keine andere Erklärung für dieses Wunderwerk finden zu können (oder auch zu wollen), als eben einen intelligenten Schöpfer? Warum bin ich so unwichtig, seit ich uns – den Menschen – studiere? Und warum bin ich über alle Maßen fasziniert von unserer Konstruktion und der fragilen Zusammenspiele, die uns zu dem machen, was wir sind? – Ich weiß es nicht.
Ich kann nicht mehr schreiben. Worüber denn? Was gestern passiert ist? Was heute passiert? Was gerade passiert? Was ich denke, was passieren wird in meinem unwichtigen Leben mit all seinen Großartigkeiten, Pannen, Trauerspielen und Glücksmomenten, die – gut geclustert zusammengefasst – sich kaum vom Leben der anderen unterscheiden würde? Aber sagen wir, ich würde all das niederschreiben: Was hat das alles überhaupt zu bedeuten? Was bewirke ich damit? Werde ich durch die Bedeutung, die ich mir dabei verleihe, größer? (Ja, werde ich in der Tat – nämlich für mich selbst – und das ist wichtig!).
Okay. Ich weiß Bescheid. Ich muss mir jetzt dienen. Ich – als Mensch wie Du auch – neige erwiesenermaßen dazu, meinem Leben einen Sinn zu verleihen und werde es jetzt tun. Nach dieser unerträglichen Einleitung von Warums- und –Weshalbs fange ich an, fange ich an, fange ich an, meine Schreibblockade zu zerbrechen, indem ich zurück zu meinem Zentrum komme – zu meinem Ego-Zentrum – und mir einbilde, Euch und die ganze Welt interessiere es, was in mir vorgeht. Fangen wir an: Weiterlesen… »

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