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Kategorie "Nostalgia"
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21.03.2012, 21:32
Geschützt: Hetzjagd
29.09.2011, 17:27
Von Blumen und Herzen
Ich habe meine Klausur überlebt, das war’s dann auch schon. Wir wurden über zwei Stunden mit Fragen konfrontiert, die weit über den Vorlesungsstoff hinaus gingen. Man könnte fast meinen, der Professor hätte es in seiner Leidenschaft für seine Teildisziplin der klinischen Psychologie und Psychopathologie darauf angesetzt, durch ein geheimes Selektionsverfahren herauszufinden, welches seiner Küken eigentlich die echte Leidenschaft dazu besaß, aus völlig reduzierten Informationen schon in der Profiliga diagnostische Schlussfolgerungen zu ziehen. Na, dann sei’s drum. Ich habe alle Fragen beantwortet, nur wie ich sie beantwortet habe, weiß ich nicht. Ich kann ja noch nicht einmal in meinen Unterlagen nachschauen, denn einiges war gar nicht Vorlesungsstoff. (So, ich setze mal kurz meine Antiverzweiflungs-Lächeltherapie ein, die wirkt immer. Danke Ally McBeal!) Nach der Klausur bin ich – fertig mit den Nerven, aber dennoch nicht davon abzubringen – in das Einkaufszentrum meiner Stadt gefahren und bin verwahrlost in diversen Mayersche Buchläden hängen geblieben. Ich fragte irgendwann – einfachso – nach Psychologie Lehrbüchern (warum, weiß ich echt nicht). Der nette Mann an der Information verwies mich in die Esoterik-Ecke. Ich dachte, ich spinne. In den meisten Buchhandlungen (z.B. in der großen Mayersche nur paar Meter weiter) sind die Psychologiebücher neben den Medizinbüchern oder Biologiebüchern. Auch der letzte Heini hat inzwischen verstanden, dass die Psychologie sich von den Geisteswissenschaften quasi abgewandt hat und in die empirischen/ja, fast naturwissenschaftlichen Wissenschaften (komisches Wort: naturwissenschaftlichen Wissenschaften!) hineingerutscht ist, wenn auch noch nicht ganz – so störungsfrei können wir leider noch keine Prognosen erstellen. Trotzdem, in die Esoterik-Ecke gehören wir nun wirklich nicht. Ich habe den Mann freundlich darauf aufmerksam gemacht, woraufhin er nur unwissend die Schultern hoch- und ab gehoben und gesenkt hat. Ich habe leider das Augenrollen nicht abgewartet, sondern ihn direkt daran teilhaben lassen, woraufhin er dann meinte: “Tut mir Leid, ich kann da nichts für.” “Das habe ich auch nicht behauptet, das weiß ich doch. Aber vielleicht wäre es ganz gut, wenn Sie dem Verantwortlichen einfach Bescheid geben. Ich möchte nicht versnobt klingen, aber ich finde, eine so berühmte Buchhandlung darf sich nicht diskreditieren und Psychologie neben Esoterik und Lebensratgebern hinstellen. Und Räucherstäbchen.” (Hatte ich gar nicht erwähnt, da waren Räucherstäbchen) “Das wirft kein gutes Licht auf Sie. Geschweige denn auf das Fach Psychologie.” Ich musste selber schmunzeln. Wie sehr ich doch schon Psychologin war, dass ich mich so in meiner Ehre gekränkt fühlte. Der Typ hat trotzdem nichts kapiert, und ich dachte nur: Okay, als Bücherkenner muss man wohl kein Wissenskenner sein. Scheiß drauf. Weiterlesen… » 08.08.2011, 15:19
13f / 50f [Verletzlich]
Mir fällt es schwer, dieses Bild für das Projekt 50f zu nutzen, denn es ist mehr als eine Überlegung und Inszenierung für ein Bild. Dieser alte Mann, der da einsam an der Straße stand, brach mir das Herz. Ich reagiere auf alte Menschen sehr empfindlich. Ich projiziere sehr viel Einsamkeit und Hilflosigkeit in sie hinein. Und lange kann ich sie dann nicht vergessen. Ich finde, dieses Bild repräsentiert zum Wort “Verletzlich” viel passender als meine ursprüngliche Idee. Wie plump sie mir im Nachhinein nun vorkommt. 07.08.2011, 02:51
Wer das Leben einstecken will, muss auch austeilen können.
Die Schreibtischlampe surrt ihr weißes Licht auf meine müden Hände. Sie tippen wahllos weiter, ohne zu wissen, welche Vorgaben von Herz und Kopf kommen werden. Also beschließen sie, ohne ihr Zutun weiter zu tippen. Die Schreibtischlampe und ihr Licht. So habe ich mir das Licht einer abgelegenen Folterkammer immer vorgestellt, nur ist es dort in meiner Vorstellung ein aggressives, dumpfes Gelb. Ungreifbar, undefinierbar, brennend in den Augen und eiskalt wie ein Henker. Und das Surren ist nicht ein zufälliges Produkt von elektrischen Unregelmäßigkeiten, sondern ein bewusst eingesetztes Foltermittel, das dem Opfer die Zeit so unberechenbar und unwirklich erscheinen lässt, dass es Tage lang ausharren kann und trotzdem befürchten muss, es seien nur Sekunden vergangen. Wenn ich lange genug auf meine tippenden Finger schaue, sehe ich sie Klavier spielen. Obsessiv, voller Leidenschaft und teils hauend mit einem unmachbaren Ziel wie etwa der Flucht vor mir selbst. Wie eine Flucht aus den Grenzen des Körpers, des Gehirns, weit hinaus in dieses wunderschöne, kalte Universum, was der letzte Zufluchtsort sein soll und mich doch nur zurück spuckt und sagt: “Du bist doch schon im Universum, Fitzelhirnchen.” Oh, und wie sie spielen, diese Hände. In die Tasten hauen, als würden sie um ihr Leben spielen – und doch nur schreiben. Ich war einst sehr talentiert. Mit neun Jahren kam ich aus der Schule, schmiss meinen Schulranzen in den Flur, riss meine Zimmertür auf – und ein Klavier stand in meinem Kinderzimmer. Einem ab dem Zeitpunkt unbedeutenden Kinderzimmer. Dort war nur noch ein Klavier, und drumherum ein Nebending, mein Zimmer. Mein Papa stand plötzlich hinter mir, ohne dass ich es merkte. Er legte seine warmen Hände auf meine Schultern und antwortete auf mein strahlendes “Warum, wie Papa?” mit: “Weil es ein Talent ist, wenn man mit sieben Jahren auf einem alten Keyboard kleine, neue Melodien entwirft, die so reif sind wie die traurigen Stücke der Großen, Tochter… Und sie soviel Seele haben, dass ich schon Texte und Lieder daraus machen konnte.” Also begann ich zu spielen. Es war unsere persönliche Liebe. Papas und meine. Die Musik. Er an seinem Schlagzeug und am Mikrophon, denn er konnte beides gleichzeitig und ich am Klavier oder am Keyboard, je nachdem, wo wir zusammen angaben. Bei der Familie, bei seinen Bandkollegen oder nur Zuhause für die Kinder aus der Siedlung. Im Zeitraffer rückblickend, war ich in einer unendlichen Spirale zwischen dem ehrlichen körperlichen Kampf auf dem “Fußballfeld” und dem ruhelosen Spielen auf dem Klavier in meinem Zimmer gefangen. Irgendwann saß die alte Klavierlehrerin neben mir, spielte Stücke, die ich aufzufressen schien mit jeder Zelle meines Körpers. Jene, die wir vierhändig spielten, waren mir die Liebsten. Das war wie das gemeinsame Andocken an unser beider Seelen, um mit größerer Kraft andere Seelen anlocken zu können. Und so war es dann, dass immer, wenn wir mit vier Händen spielten, Mama und Papa vorsichtig die Kinderzimmertür öffneten und dort stehen blieben. Egal wie lange. Sie standen dort und lauschten, bis sich unsere vier Hände auseinanderkeilten und jede Hand wieder zu seinem Besitzer zurück ging. Was für eine Zeit das war. Und wie verwundert meine Lehrerin damals war, als ich ihr nach zwei Jahren gestand, noch immer keine Noten lesen zu können, aber jedes Stück spielen konnte, wie sie es sich wünschte. Denn sie akzeptierte meine eigene Prägung der Stücke ohne Wenn und Aber. Und dennoch. Und dennoch tat ich etwas Unveständliches. Ich hörte auf. Der Sport übernahm meine Raserei. In ihm konnte ich mich stärker verausgaben. Die ewige Unruhe in mir in Erschöpfung umwandeln und wenigstens kurz in gedankenleere Ohnmacht fallen. Gefolgt von der ersten Verliebtheit in wen oder was und dem ersten Melancholiewahn, verblasste mein Klavier immer mehr – bis es irgendwann nicht mehr in meinem Zimmer stand. Und ich weinte ihm keine Träne nach, denn der Stift war nun mein bester Freund. Wenn ich rannte, dann nur auf dem Papier. Ich kleckste Tinte, gravierte Herzblut und Brustschmerz mit dem Kugelschreiber in jede Seite ein. Irgendwann sprengte ich die Seiten und musste einen anderen Weg für den inneren Drang finden, der Notwendigkeit, aus mir herauszuplatzen, bevor ich innerlich erstickte. Also schrieb ich Gedichte, malte Weltuntergänge und erschuf Paradiese mit Worten. Worte in Farben, Worte in Klängen, Worte in Täler, Worte in Liebe, Worte in Tode. Oasen des Glücks schrieb ich, von denen viele etwas haben wollten. Vor allem meine beste Freundin und meine Cousine. Also gehörte es irgendwann zu unserem Leben, dass ich ihnen aus meinen Tagebüchern vorlas, bis wir zufrieden einschliefen. Ich vergaß die Stücke, die ich einst mit meinen kleinen Klavierfingern komponiert hatte. Sie waren vergessen, obwohl meine summende Stimme immer wieder nach ihnen suchte, doch die Melodien brechen ab. Und heute noch, wenn ich mich an dieses Vergessen erinnere, trauere ich um diese Zeit und um mein verstorbenes Talent. Weiterlesen… » 22.07.2011, 03:12
Bauchgefühlt.
Die “Liebe”, die im Bauch weh tut. Wir hatten vielleicht nur dieses eine Gefühl in jungen Jahren. Bauchweh. Und haben das umschrieben in die eine Sehnsucht, die da zog – im Bauch und in der Brust. Zog, bis wir kannibalisch seufzten, unwissend, ob es die Gedärme sind, die sich da beschwerten oder die Seele, die nicht aus ihrem Körper konnte. Dieses Ziehen auf das Gesicht eines x-beliebigen Jungen oder Mädchen projiziert und dafür gelebt, dass es verschwindet mit – ja, verschwindet mit dem ersten Kuss. Mit der Erlösung dieses ersten Kusses. Wir haben durch dieses Bauchweh die größten poetischen Werke über Liebe, Hass, Tod und Verrat karikatiert, uns in Goethes Gesülze plötzlich Zuhause gefühlt und Wehmut und suizidale Melancholie wie Wein gesoffen, bis wir daran verkatert und gänzlich eingenässt den Alltag verneinten, nur um im dunklen, miefenden Jugendzimmer weiter leiden zu können. Am Liebeswahn, das sich nur im Bauchweh zeigte. Und Pups. Es war eine grandiose Zeit. Grandiose Emotionen, Vulkane von Unsinnsgedanken, Wirrsinnstäler ohne Mittelhügel – nur himmelhochweit oder abgrundtieftot. Eine Zeit voller Hingabe, Größenwahn und Unterwerfung. Und all das Grandiose, das äußerte sich in Bauchweh. Und einer grandiosen Verdauung. Diese plumpen, eigentlich nichtssagenden Bauchschmerzen, die auch hätten einfach aufgrund von Blähungen entstehen und in einer Dünnschissspirale enden können. Darin fanden wir den Beweis der Echtheit und Größe unserer Emotionen. Pups. An Erich Frieds Gedichten haben wir geschnüffelt wie an Koksstraßen zum bitteren Ende. Sie in unsere Nase gejagt, uns zurückgelehnt und “Aaahhh…” ausgerufen, als sei es das Ur-Wort unserer geballten Leidenschaft gewesen, das einzig Würdige. “Aaah, ich will leben oder auch nicht oder so!”, geschworen und dann über uns selbst gelacht. Allein und zusammen. Mit der besten Freundin unter der Decke mit der Taschenlampe – oder auf dem Spielplatz allein mit dem Tagebuch in der Hand und der Liste voll von Träumen, die man ab sofort zu jagen schwor. Dann den Fried wieder gelesen und geweint ob all dieser Tiefe, die eben nur er – Dein einziger Freund – verstand. Bis wir auf Hafez und Rumi trafen und entschieden, wir müssen sterben, weil wer (er)trägt schon all diese Fluten voller Schönheit, Rosen und Gott, ohne sich zu erhängen? Als dann die letzte Seite von Hafez Wein und Rumis Liebe gelesen war, fielen wir in Löcher. Tiefe Löcher der Leere, tiefe Löcher der Schwere, weil das Warten auf diesen einen Kuss unerträglich wurde und in immer weiterer Ferne lag. Und diese Ungeduld, der Kampf gegen sich selbst, der äußerte sich in Bauchschmerzen. Plump wie eine Magen-Darm-Verstimmung nach zuviel Völlerei und schlechtem Fisch. So in etwa. Wieder Pups. Weiterlesen… »
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