Kategorie "Philosophia"

Jetzt, da das Thema in mir am abklingen ist, wo ich nun anfange, zu akzeptieren, auch auf emotionaler Ebene, dass der Arabische Frühling ein Arabisches Desaster ist, möchte ich euch direkt eine Frage stellen. Ich stelle sie, weil mir Statements entgegen gebracht worden sind, die mich diese Frage nach dem Fundament unserer Ideale als wichtig erscheinen lässt und ich irgendwie verstehen möchte, wo ich da stehe und ob ich ganz alleine dastehe. Wie einige von euch wissen, hatte ich von Anfang an bei diesem Revolutionsfeuer des “Arabischen Frühlings” ein sehr schlechtes Gefühl, schien mir doch alles sehr eingeleitet worden zu sein. Ich lasse die politischen und historischen Hintergründe jetzt einmal beiseite, darüber können andere viel besser schreiben als ich. Aber mein Statement ist, dass man einer überwiegend konservativ islamisch-orientierten und westliche Werte negativ zugeneigten Gesellschaft mit unglaublich geringer politischer wie historischer Bildung erst einmal besser keine uneingeschränkt freien Wahlen zusprechen sollte, zumindest nicht, ohne vorher extremistische Gruppen als Parteien ausgeschlossen zu haben. Als Analogie dazu: Wir würden unsere Kinder auch nicht selbst entscheiden lassen, ob sie Rattengift essen wollen oder nicht, außer, wir treffen Sicherheitsvorkehrungen und vertauschen das Gift mit Kaugummi. Weiterlesen… »

Ist die Hölle exotherm oder endotherm? Im Folgenden eine wirklich gestellte Frage im Abschlusstest Chemie der Universität Maynooth (Grafschaft Kildare, Irland). Die Antwort eines Studenten war so tiefschürfend, dass der Professor sie seinen Kollegen nicht vorenthalten wollte und über das Internet verbreitete, weshalb wir uns nun ebenfalls darüber amüsieren dürfen. Bonusfrage: Ist die Hölle exotherm (gibt Wärme ab) oder endotherm (absorbiert Wärme)? Die meisten Studenten mutmaßten mit Hilfe von Boyles Gesetz, dass sich Gas beim Ausdehnen abkühlt und die Temperatur bei Druck steigt oder etwas in der Art. Ein Student allerdings schrieb Folgendes:

Zuerst müssen wir herausfinden, wie sehr sich die Masse der Hölle über die Zeit verändert. Dazu benötigt man die Zahl der Seelen, die in die Hölle wandern, und die Zahl jener Seelen, die die Hölle verlassen. Ich bin der Meinung, dass man mit einiger Sicherheit annehmen darf, dass Seelen, die einmal in der Hölle sind, selbige nicht mehr verlassen. Deswegen ist der Rückschluss zulässig: keine Seele verlässt die Hölle. Bezüglich der Frage, wie viele Seelen in die Hölle wandern, können uns die Ansichten der vielen Religionen Aufschluss geben, die in der heutigen Zeit existieren. Bei den meisten dieser Religionen wird festzustellen sein, dass man in die Hölle wandert, wenn man ihrer Religion nicht angehört. Da es mehr als nur eines dieser Glaubensbekenntnisse gibt und weil man nicht mehr als einer Religion angehören kann, kann man davon ausgehen, dass alle Seelen in die Hölle wandern. Weiterlesen… »

Die größten Gedanken fallen einem nicht ein, sondern fallen einem aus dem Bauch, um sich dann vom Kopf in Gedankenstrukturen und Worte manifestieren zu lassen. Wir werden die simplifizierende Dichotomie niemals auf emotionaler Ebene aufgeben können, solange wir Menschen sind. Wenn, dann nur auf der Metaebene. Unser Körper reagiert auf “angenehm” und “unangenehm”. Alles andere hätte das Überleben verhindert, das von der natürlichen Homöostase unserer Kleinorganismen gewährleistet wird. Denn die Bewertung zu differenzierteren Körperempfindungen mit mehr als nur zwei Qualitäten hätte ein echtes Bewusstsein unserer Organe erfordert. Das hieße Ressourcenverbrennung für die Vergeistigung von Zellen, Drüsen und Darm. Komplett sinnlose Strategie. Ineffizienz pur.

Selbst, wenn Empfindungen ambivalent sind, so besteht diese Ambivalenz aus verschiedenen Skalenwerten auf einem Kontinuum von “angenehm” bis “unangenehm” – und sonst nichts. Nur durch die anfänglichen Schwierigkeiten, sie zu lokalisieren, entsteht Angst, Unsicherheit und Blindertapperei. Doch irgendwann kommt der Moment – bei dem einen früher, bei dem anderen später – in dem unsere subtilen Erklärungsversuche für diese Körperempfinden artikuliert werden (müssen). Erst vorsichtig, dann mutiger. Und wenn sie gefunden worden sind, entlastet uns das von der brodelnden Diffusität in unseren Gefühlsgehegen. Selbst, wenn unsere Erklärungen nicht stimmen.

Seltsam sind wir, weil uns – trotz unserer Bemühungen, die Realität akkurat einzuschätzen – sogar falsche Erklärungen ruhig stellen. Hauptsache, es gibt eine. Und seltsam ist auch, dass wir, trotz der Komplexität unseres Gehirns, das Prinzip der Kontraste in Form von Dichotomien brauchen, um an der Welt um uns herum agieren zu können und uns selbst aushalten zu können. Aber manchmal führt dieses effiziente Regelwerk auch schlicht und einfach zu Faschismus. Und dann stehen wir da. Ratlos wie eh und je und fragen uns: “Wie konnte das bloß passieren?”.

05.01.2012, 10:21
Sapienti sat est.

Wir haben ein Wesen bekommen, das zu Anteilen bestialisch und zu Anteilen mitfühlend und gut ist. Warum lässt man diese aufeinander los, in einer einzigen Brust, in einer einzigen Seele, in einem einzigen Kopf? Der Sinn der Sache kann nicht so einfach sein wie die Prüfung eines Gottes, der uns dem inneren Kampf zwischen Gut und Böse aussetzt. So ein Allmächtiger weiß doch eh, wie alles ausgeht. Er kennt uns besser als wir uns selbst. So einfach ist die Welt nur bei Harry Potter oder in den heiligen Büchern, aber nicht hier, nicht bei uns.

Ich will so unbedingt Dinge wissen, dass es mich krank macht. Mein Kopf rattert die ganze Zeit nach einer Weltformel, einem Stoff, der allem einen plötzlichen Sinn gibt. So unbedingt will ich Dinge wissen, dass ich wütend werde, wenn in all den eigentlich mich beruhigenden (Sach)-Büchern doch keine Antworten vorhanden sind. Romane befriedigen mich nur noch bedingt, geben nur noch sehr kleine Antworten auf die großen Fragen. Die Schriftsteller/innen, die es konnten, sind leider schon tot. Und die, die es nicht können, werden heute als weise gefeiert. Ich wollte Paulo Coelho schon immer einmal fragen, warum er die Muße hatte, spirituelle Reisen zu machen, wenn sein Leben wirklich schwierig war. Warum sucht man sich überhaupt, wenn Not besteht, echte Not, Überlebensnot? Maslow wusste es doch besser. Kämpfen wir um’s Überleben, denken wir nicht an innere Ruhe und Selbstverwirklichung, sondern an’s Essen, an’s, Nicht-Sterben, an’s Schlafen an einem warmen Platz. Musste er nicht um das Überleben kämpfen, anstatt ständig auf der Suche auf sich selbst und seinem inneren Frieden zu sein? Und wie kann man es schaffen, all das, was passiert, irgendwie noch einem guten Gott zuzuschreiben, den er ständig predigt? “Warum, Herr Colhoe, lassen Sie in Ihren Romanen immer die Hälfte der Wahrheit aus? Blenden die Gewichtung des Zerstörerischen aus, nur um Ihren Lesern Ruhe zu verkaufen, die Sie sich selbst verkauft haben? Können Sie, wenn Sie diese Aspekte unserer Realität einfach meiden, überhaupt von echter Weisheit sprechen? Muss der Weise überhaupt noch etwas leugnen? Und gibt es Weisheit überhaupt?” (Bedenkt, ich mag ihn sehr gerne, er ist ein guter Mensch, dieser Mr. Coelho.) Weiterlesen… »

01.12.2011, 10:52
Was ist Information?

Gestern fragte mich Mr. Serious folgende, anfangs doch belanglos klingende Frage: “Gibt es eigentlich eine Definition von Information? Was ist Information eigentlich?” Ich dachte mir im ersten Moment, warum er mir eine Frage stellte, die doch eigentlich sonnenklar zu beantworten war. “Information ist Input. Ein Reiz, der uns einfach etwas Neues sagt.” Er schien nicht zufrieden mit meiner Antwort zu sein. Weiterlesen… »

20.11.2011, 09:43
Die Skeptikerin und Ich

Die Kanten meines Kopfes geben der Zeit eine Grenze. Grobzerhackt in Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Hack. Hack. Hack. Da frage ich mich, wenn wir dazu in der “Lage” sind, soetwas Großes und ur-kontinuierliches wie die Zeit so dermaßen vereinfachend zu entfremden, was machen wir da nur mit uns selbst und der Welt, die wir betrachten? So fasziniert ich von der Denk- und Analysierfähigkeit unserer Spezies bin, manchmal sollte sie doch wirklich einfach den Kopf zuhalten.

Da fällt mir ein: Es ist völlig legitim, in der Vergangenheit zu leben, denn sie ist nicht vorbei. Sie findet irgendwo statt, sagte Einstein. Und der wird es ja wohl wissen. Also suche ich einmal weiter. Vielleicht finde ich ja einen Weg in ein Paralleluniversum, in dem alles anders verlaufen ist als es hier verlaufen ist. Ich werde suchen und finden. Das Universum, in dem nicht nur 1979 anders war und es keine Mullahs, keine Yankees und keine Links- und Rechtsextremen gibt, sondern Mutter Erde geben und nehmen darf, ohne ständig schreien zu müssen, weil die Körper großer, weiser Bäume auf sie fallen wie sinkende Leichen nach einem plötzlichen Tod. “Wenn du das Paralleluniversum suchst, musst du aber darauf vorbereitet sein, nicht deine eigene Spezies aufzufinden, wenn du dort bist – sondern eine andere. Ob du dich da wohlfühlen wirst?”, fragt meine skeptische Stimme mich. “Werde ich denn dazugehören können? Wenn ja, dann schon”, antworte ich zurück. “Vielleicht, vielleicht aber auch nicht. Aber denk’ doch einmal nach. Wie kannst du als Wesen mit menschlichen Erinnerungen, Denkwegen, Prägungen, Wahrnehmungsmechanismen und menschlichen Motivationen und Begegnungen zu Wesen gehören, die so ganz anders sind?”, fragt die Skeptikerin. “Na so, wie ich zu einer Katze gehören kann und sie zu mir, obwohl wir so grundverschieden sind, vielleicht”, gebe ich ihr leicht gereizt ihre Portion Angriffsfläche. “Die Katze ist ein Säugetier, ihr seid artverwandter, als du denkst. Sie will ähnliche Dinge. Aufmerksamkeit, Zärtlichkeit, Futter, Wasser, einen warmen Platz zum schlafen. Sie ist laut, wenn sie will und manchmal kratzt und beißt sie. So wie wir Menschen. Und bedenke, du hast nur ein Zugehörigkeitsgefühl zu ihr, weil ihr zuzweit seid. Stell dir vor, du bist in einem Raum mit zwanzig Katzen. Kannst du dich zu der einen zugehörig fühlen? Und wird sie es tun? Aber weiter zur anderen Welt. In der schönen Parallelwelt will wohl niemand so sehr, dass er bereit wäre, zu zerstören. Oder zu kratzen und zu beißen. Das Wollen ist hier, was destruktiven Charakter hat. Das haben du und die Katze, du und die Welt hier, aber die dort nicht. Wie willst du zu ihnen gehören?” Weiterlesen… »