Kategorie Philosophia
29.05.2008, 10:56
Sturm

Es ist so dunkel hier. Der Sturm fletscht seine Zähne gegen die Zeit – und die vorhin noch großen Bäume biegen sich wie nach einer Invasion zu einer erzwungenen Verbeugung, um in dieser dunklen, drohenden Gebärde des Windes nicht ihr Leben lassen zu müssen.

Blätter peitschen gegen mich, vorhin erbarmungslos vom Körper der verbeugenden Häupter abgerissen. Ich ertappe mich dabei, wie ich mir vorstelle, wie es wohl wäre, eines dieser grünen Giganten auf die Knie fallen zu sehen, entwurzelt, enthauptet, gedemütigt auf mich stürzend – und mich mit in den gestampften Boden reißend.

“Das Leben ist nur ein Spiel” – immer wieder erwische ich mich bei diesem Gedanken. Er gibt mir Ruhe. Das Leben nicht allzu ernst zu nehmen, obwohl es greifbar alles ist, was wir haben, verleiht dieser Gedanke einem kurz – wirklich nur kurz – die Möglichkeit, in nie dagewesener Leichtigkeit durchzuatmen.

Ich wünschte, auch mich würde der Sturm jetzt in die Knie zwingen, ich würde nicht sicher auf dem Balkon stehen und wieder zurück in mein Gefängnis können, das man in der Zivilisation “Wohnung” nennt. Wie gerne würde ich mich mitten in diesem naturgewaltigen Schauspiel als unwichtiges Element fühlen, dessen Existenz innerhalb eines Augenblickes ein Ende gesetzt werden kann. Wie nichtig, wie irrelevant mir all meine kleinen Sorgen vorkommen würden. So nichtssagend, so abseits und farblos, dass ich endlich wüsste, was Freiheit ist…

Freiheit ist nicht, alles zu haben und alles zu können. Freiheit ist, sich von sich selbst zu befreien. Freiheit ist die völlige Enteignung seiner Selbst in einem Moment der Erkenntnis, die Dir sagt, dass Du so vorübergehend bist wie ein unwichtiger Gedanke an einem Tag voll von nebulöser Langeweile…

26.04.2008, 20:46
Kunst macht träge

Kunst entschärft die Gedanken und die Analysier-Lust, aber lässt die Gefühle erblühen, egal, um was für Gefühle es sich handelt. Alle Schreckgedanken mutieren zu Lavinen eines Horrormassakers – und alles, was in einem vorsichtig blüht und schön ist, trägt mit und durch die Kunst große, reife Früchte, fliegt wie Schleier durch die Winde, zerreißt sich im Höhepunkt seiner Lust und fällt wie weiches Laub auf die Wolken Deiner hebenden Brust.

- Cut -

Kunst muss also wohldosiert sein, sonst überrauscht sie den logisch-denkenden Teil des Gehirns. Und ich weiß gerade nicht, ob ich das will. Wie kommt es dann, dass ich gerade in der letzten Zeit ständig (amateurhaft) “künstlerisches” Zeug versuche? Ich versuche nicht “Kunst” zu machen, sondern ich tu’, was mir Spaß macht – und das wird dann meistens etwas Richtung Kunst. Ich habe jedoch gemerkt, dass mich das so sehr ablennkt, dass ich nicht mehr dazu im Stande bin, nachzudenken. Und je mehr ich jetzt darüber nachdenke, merke ich, dass ich wohl genau das will: Einfach nicht mehr nachdenken.

Ich diskutiere manchmal in Foren rum. In meiner Argumentationsweise wurde ich schon oft wegen meiner “Sezierfähigkeit” gelobt; und ich selbst merkte, dass ich Worte sehr gezielt und effektiv auf meinen Diskussionspartner loslassen kann. Und im Moment? – Gar keine Lust. Wenn ich diskutiere, dann in Stichpunkten und chaotisch. Ich hege weder Ambitionen noch die Lust, mir Mühe zu geben, verstanden zu werden. Meine Argumentation ist unsauber und unfundiert. Ist das gut? Ich weiß es nicht.

Vielleicht brauche ich einwenig Pause von all den Farben und Formen. Gedichte ertrage ich ja schon seit längerer Zeit nicht mehr, die weichen richtig meine Birne auf wie eine Stulle Gras – und danach fange ich an, den romantischen Kram einfach nur zu verachten, weil die Realität zwar alles ist, was ich hasse, aber auch alles ist, was ich habe, deshalb hüte ich sie so gut ich kann.

Ich glaube, ich brauch’ wieder ein gutes Buch. Am Besten ein Sach- oder Lehrbuch. Kalte Formulierungen beruhigen mich oft – wie festes Land unter den Füßen nach einer großen Flut. Wenn ich etwas mit Zahlen anfangen könnte, ich würde in die Mathematik flüchten.

25.02.2008, 21:40
“Standing Alone”

Click: ~ Ilham Al Madfai – Khuttar ~

Vor kurzem hab’ ich in einem Buch gelesen, dass das Universum wie der Flaschengeist Aladins ist: Wenn man ihn ruft und sich etwas wünscht, wird der Wunsch in Erfüllung gehen. Die Bedingung dafür ist, dass die guten Gedanken am Tag die schlechten überwiegen müssen. Das muss man sich beibringen, stand in dem Buch, weil unsere Gedanken zur Realität werden. Gedanken haben “Energie”, sagt das Buch. Die Bilder, die wir in unserem inneren Auge am Meisten zulassen, werden sich in einer “Frequenz” einrasten und als Rückantwort werden diese Bilder und Wünsche in unsere Realität einkehren. Das hört sich wie der ewig belächelte Eso-Kram an; und das ist es vermutlich auch, aber man sollte sich wenigstens solchen Experimenten widmen, bevor man sie verteufelt. Das Selbe wurde auch über negative Gedanken geschrieben. Auch diese Bilder und Gedanken werden irgendwann zur Realität. Nennen wir das alles Humbug, es ist mir gleich, denn ich neige manchmal dazu, in geheimen Momenten, in denen ich mich unbeobachtet fühle, einfach solche Dinge wenigstens kurzzeitig zu befolgen, weil ich zu den Menschen gehöre, die erst einmal grundsätzlich alles oder vieles für möglich halten.

In diesem Buch stand, dass wir unsere Wünsche wie eine Art “Bestellung” aufschreiben sollen und dem Universum “vorlesen” sollen. Die Bedingung ist, dass wir nach dem “Absenden” der Wünsche gleich davon ausgehen müssen, dass wir diese Bestellung auch wirklich wie bei einer normalen Bestellung erhalten. Wie bei einer normalen Bestellung sollen wir uns einfach schonmal auf die Ware “freuen”. “Die Ware gehört mir schon, sie muss nur noch ankommen”. Das heißt, wir sollen die Wünsche direkt als “erfüllt” ansehen, sie sind nur noch auf dem Weg zu uns. Auch das habe ich versucht. Ich strengte mein pesssimistisch geprägtes Seelenleben an und dachte positiv, obwohl mich das einiges an Kraft und Verrenkungen kostete. Und was passierte? Einer der Wünsche in meiner Liste ging heute völlig unverhofft in Erfüllung. Ausgerechnet der, an den ich eigentlich am Wenigsten glaubte.

Dieser Wunsch sprach davon – wenn auch nur für einen einzigen, einmaligen Augenblick – einen Menschen treffen zu wollen, der mir in seiner Gefühlswelt so sehr glich, dass er mich wortlos verstehen würde. Und genau das geschah heute. Ich wurde von soviel Liebe und Emotionalität von einer eigentlich völlig “fremden” Person überwältigt, dass ich vor Rührung in meinen eigenen Tränen ertrank. Das Einzige, woran ich dachte war, dass ich ihr gerne die Hände küssen würde. Einfach die Hände küssen… Mehr fiel mir in dem Moment einfach nicht ein.

Danke, Du unbekanntes und vertrautes Wesen für Deinen emotionalen Überfall von so seltener Schönheit, dass mir die Luft weg blieb. Den Hoffnungsschimmer, den Du mir heute geschenkt hast, werde ich nie vergessen.

Ich werde weiterhin meine Wünsche aufschreiben und mit dem Universum kommunizieren und daran glauben, dass sie in Erfüllung gehen werden. Wenn das Universum es schafft, mir solche Raritäten wie Dich auf den Lebensweg zu schicken, dann werden die gewöhnlichen Wünsche meines Alltags doch auch erfüllbar sein, nicht wahr? Ich werde mich der Lächerlichkeit preisgeben und wieder an Magie glauben… So, wie die alte Sherry es immer tat.

Standing Alone

05.02.2008, 12:38
Anders

“Nein, auch ich dachte, ich würde mir das einbilden, aber so ist es nicht: Wir sind wirklich anders. Ich weiß jetzt, dass wir wirklich anders sind. Also erwarte nichts von den Anderen.”

Dieser Satz geht mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Ich hörte ihn gestern um 13.46 Uhr während eines Telefonates, das mir nach und nach eine Erkenntnis vorbereiten wollte, die sich mir tatsächlich jetzt noch glasklar anbietet und mir ins Gesicht leuchtet. Ich muss sie nur noch greifen, greifen und einverleiben. Meine Mitte mit ihr erhellen lassen – und diese Erkenntnis dann am Besten so einfach wie möglich in einen Satz formulieren, der zu einem Begleiter meiner Lebensreise wird. Bald vielleicht, bald.

Die letzten drei Tage habe ich viel mit meiner kleinen Schwester geredet. Wir hatten es in der letzten Zeit versäumt, weil sie Schulstress hatte und ich in einer anderen Welt aus Melodien und Tagträumen versunken war. Sie erzählte mir gestern über ähnliche Gefühle, die sie ihren Freundinnen gegenüber hat wie ich. Nach einschneidenden Erfahrungen, die wir gemacht haben, die nichts mit Freundschaften oder Beziehungen zu tun hatten, sondern uns lediglich in eine Tiefe stürzten, die es erst einmal zu bändigen galt, entstand mit der Zeit eine Art Vakuum zwischen uns und unseren Freunden, ein luftleerer tonleerer Raum, der nichts durchlässt; man sieht die Münder einander zusprechen, doch es kommt nichts durch. Die fortschreitende Entfremdung belastete uns sehr. Plötzlich reichte Dir das übliche Geschwatze in einem netten Kreis nicht mehr. Die toten Floskeln verkümmerten zu Nahrungsresten einer längst verdorbenen, üppigen Mahlzeit.

Meine kleine Schwester erzählte mir, wie sie in den letzten Monaten immer öfter mitten im Unterricht aufstand und mit irgendwelchen Erklärungen unter der Lippe murmelnd aus dem Klassenzimmer ging, weil sie an der Oberflächlichkeit und Leere zu ersticken drohte. Ihre Ohren sausen sicher so wie meine, ihr Herz rast und der Kloß, den sie runterschluckt oder auch raus lässt, ist bestimmt genauso groß wie bei mir – damals und heute. Ich habe nur zugehört und mit immer größer werdenden Augen bemerkt, dass meine Schwester mir sehr ähnlich ist. Das hatten wir nie so gesehen, denn mein Bruder und ich sind uns eigentlich emotional ähnlicher, auch wenn meine Schwester und ich uns in der Physiognomie zum verwechseln gleichen. Aber die Art und Weise, wie sie berichtete und dabei ihre sonst immer einwenig aufleuchtende, herrische Art in ihrem Kloß verlor, zeigte mir, dass sie das dumpfe Treiben der Menschen so empfindet, wie ich auch. Dass sie die Art, wie sie einem vorher sagen “Ich liebe Dich”, “Du bist wie meine Schwester”, “meine beste Freundin für immer” und Dich im nächsten Moment für Kleinigkeiten fallen lassen, ohne Dich einen Satz sprechen zu lassen, genauso machtlos verachtete, wie ich auch. Auch sie kann diese hohlen Phrasen über Liebe, Ehre, Freundschaft und Ehrlichkeit nicht mehr hören; den Drang, da draußen in seiner Profilneurose Wurzeln und Blüten zu schlagen und als Produkt und nicht als Wesen geliebt zu werden, einfach nicht mehr ertragen.

Irgendwann, nachdem wir uns sprudelnd von der stillen Traurigkeit in die Wut geredet hatten, gingen wir in ihr Zimmer und fingen an, zu singen und uns dabei aufzunehmen. Wir gaben uns Mühe und lachten über uns selbst, als wir uns hörten. Sie hat eine wunderschöne, kräftige Stimme und singt die Balladen von Amy Lee besonders gut. Ihre Stimme ist dazu geeignet, zu einem herausragenden Diamanten geschliffen zu werden, damit sie töne-tanzend hinaus in die Sterne schießen kann. Meine Stimme hingegen ist klein, zu hell, fast winzig – aber seltsamerweise bin ich es, die die Töne problemlos trifft. Würden wir unsere Gaben einander verschenken oder ausleihen können, wäre aus uns eine gutes Instrument geworden – und wir hätten uns durch laute Melodielandschaften wenigstens kurzzeitig befreien können…

Die Erkenntnis, von der ich sprach; noch hat sie keinen Satz, kein Wort. Aber ich weiß, dass sie etwas mit wohlgesonnener, warmherziger Distanz zu tun hat. Mit dem Versuch, ohne Vorwurf zu sein, aber dennoch zu wissen, dass es dort, im Alltag des Menschen, wo ich stets eine kleine Heimat suchte, mehr als oft keine Heimat gibt.

Seit Monaten überlege ich, wie ich dieses stumpfe Gefühl meinen Freunden (nicht allen) gegenüber loswerden kann und weiß jetzt, dass es nicht meine Gefühle sind, die stumpf sind, sondern ihre. Ihre Welt ist flach und ihr Agieren folgt einfach einem strickten Nützlichkeit-Streben für das eigene Ego. Auch ich kann mich von solchen Vorwürfen nicht freisprechen, doch es gibt verschiedene Ebenen dieser kleinen Lebensideologie. Die, die ich meine, sind Solche, die sofort das Band zerschneiden, sobald Du ihnen nicht mehr nützlich bist. Es ist nicht die Liebe, die sie dennoch dort hält, wo sie vielleicht auch einmal verletzt worden sind – es war immer nur der Nutzen, den sie aus Dir zogen. Das sind nicht einmal halbe Bindungen, das sind einfach falsche Bindungen.

Bei meiner Familie und bei meinem Mann sind die Lippenbewegungen alles Andere als lautlos; und der luftleere Raum zwischen uns nur eine alte Legende aus einer völlig anderen Zeit… Der Kreis soll enger werden – und das Gute ist, ich muss dazu nichts tun, denn die Anderen entsorgen sich ganz von selbst und befreien Dich auf die Weise, wie ein Parasit seinen Wirt befreit, wenn es für ihn nichts mehr zu holen gibt. Die, die übrig bleiben, sind genauso anders, wie wir auch. Und ich will es anders – nur noch anders. Und ich will es ab jetzt auch anders machen – mit den anderen Andersseienden einfach anders machen und kein Objekt mehr sein, kein Werkzeug mehr sein, das für das eigene Ego und den eigenen Erfolg benutzt wird. Nach alldem will ich immer noch nur die Liebe; und nichts Anderes… Und in meinen Träumen war die Liebe immer sowenig mit Bedingungen verknüpft wie nur möglich.

So will ich es. Einfach anders…

31.01.2008, 18:52
Die Weisen

Click: Aziza Mustafa Zadeh – Ayrilik

Manche haben das Reden aufgegeben und sich dem Schweigen gewidmet. Traurig lächelnd nicken sie Dir als Antwort zu und lassen Dir Deine enthusiastischen Illusionen über das Leben, ihren Sinn und das Glück. Ihren müden Blick auf Dir ruhend, sehen sie jede Faser Deiner Seele den Tod verleugnen und jede Faser Deines Körpers vom Tod verfolgt. “Es gibt keinen Ausweg – auch nicht für gute Menschen”, sagen sie Dir schweigend. In den Gitterstäben ihrer Gedanken sitzend denken sie sich weiter “Und es gibt auch kein Gut und kein Böse.”, während Du vor Leben und Idealen weiter sprudelst.

“Eines Tages”, sagen Dir ihre von allem ‘Gehabten’ befreiten Augen, “werden Deine Kampfeslust und Dein Streben nach Gutem erlischen, weil die, für die Du kämpfst, Dich mit Füßen treten und die, gegen die Du kämpfst, Dir Honig in Deinen leeren Napf gießen.” Doch Du hüpfst weiter vor Freude über all Deine sinnlosen Zukunftspläne, die jede kleine, machtbesessene Entscheidung eines Monsters an den Hebeln der Machtgeflechte mit einem Knopfdruck zerstören kann. Sinnlos redest Du weiter und merkst nicht, was Dir die Weisen sagen wollen. “Eines Tages”, sagen sie Dir mit dem Blick in die Ferne, “wirst Du froh sein, dass Du nichts mehr hast. Denn nur dann hast Du nichts mehr zu verlieren. Hänge nicht zu sehr am Leben, denn das Leben hängt auch nicht an Dir…”

Doch Du willst nichts hören von all den Weisen. Die Erkenntnis dahin musst Du durch den bitteren Weg des Scheiterns jeden Tag auf’s Neue selbst bereisen. Der Weise schließt lächelnd die Augen – das sinnlose Warten hat für ihn ein Ende. So sinnlos liegend, blass und toter als ein Stein, beginnen Deine ersten Fragen, Deine ersten Zweifel und Wutgedanken. Dein Weg des Scheiterns beginnt – und dumpf ahnend erkennst Du nun, dass Dein Ende wie das Ende dieses Weisen sein wird…

08.11.2007, 10:39
Liebe

Liebe ist nichts von dem, was Ihr sagt. Weder Sex, Leidenschaft, Sehnsucht, Schmerz noch Zusammengehörigkeit. Liebe ist einfach der letzte Schritt nach “Fort”. Das Leben daran auszurichten, diesen einen Schritt zu machen. Diesen einen Schritt zum Ende bewusst zu gehen. Voller Hingabe und Vorfreude zu gehen. Nach Haus’… Nach Haus’, das ist Liebe.

Liebe ist vorallem und ausschließlich das Ablassen von sich selbst, die Auflösung seines Ich’s. Liebe ist nicht das Erlangen einer Gunst, das Erlangen von Zuneigung, das Erlangen von selbstverliebter Aufmerksam, das Erlangen und die Bezahlung dieser Erlangungen durch das Verschenken von eigener Zuneigung. Liebe ist vorallem das Schrumpfen ins Mikroskopische, bis nichts mehr von uns vorhanden ist, das uns von der Umgebung, von Dir, von ihm, von ihr, vom Universum, von den Elementen und letztendlich von Gott trennen kann.

Deshalb, und nur deshalb, hat Liebe eigentlich nichts mit Schmerz zu tun. Denn Liebe ist völlige Ent-Eignung. Völlig enteignet sein bedeutet, keinen Schmerz zu fühlen, keinen Verlust zu fühlen. Denn wenn das “Ich” als Abgrenzung aufgelöst wird, gibt es keinen Verlust, denn nichts gehört dann nur noch mir. Der Schmerz, den wir erleben, ist nur die Sehnsucht nach Liebe. Aber nicht die Liebe selbst. Also erzählt mir nichts von Liebe. Wir haben keine Liebe, denn wir sind noch voller abgetrennter, isolierter Ich’s im Hunger nach Vereinigung. Erzählt mir nichts von Liebe, solange Ihr besitzen wollt. Besitzen hat nichts mit Liebe zu tun.

Liebe ist unirdisch. Also lasst uns sterben, um zu lieben. Den letzten Schritt gehen… Den letzten Schritt. Dahin, wo Liebe ist… Weil es keine Ich’s mehr gibt, sondern nur noch ein Wir.

19.10.2007, 03:49
Mr. Wayne Dyer

Oh Mann, Mr. Wayne Dyer, mit diesem Satz haben Sie bei mir komplett verschissen.

Wayne Dyer (“Mit Absicht”, S. 60): “Die Existenz des freien Willens ist nicht abzustreiten.”

Der »Freie Wille« ist sehr wohl abzustreiten. Ich sage nicht, dass Deterministen Recht haben – ich sage nur, dass Ihr Satz auf jeden Fall viele Gegenargumente hat. Dazu noch sehr Gute. Ich kann es einfach nicht leiden, wie Sie so tun, als sei das, was Sie von sich geben, die absolute, unantastbare Wahrheit. Ihr “Selbstbewusstsein” nervt mich. Gute Nacht.

10.10.2007, 17:59
Rast

~ Click: Nasser Cheshmazar – Awaiting ~

Es ist alles in Ordnung, sage ich mir. Das ist der Lauf der Welt – und es muss so sein. Es ist natürlich, und jeder muss da durch. Dass ich mit Endlichkeiten weniger zurechtkomme als Andere, ist völlig irrelevant. Es gibt auch keine Gerechtigkeit, sage ich mir. Gerechtigkeit ist eine Illusion, und das sage ich nicht einmal mit Verbitterung. Solange ich mir an diesen Dingen die Fragen aus dem Gehirn reiße und im Überbleibsel meiner klaren Gedanken eine Antwort suche, werde ich keine Ruhe finden und weiterhin an Schlafstörungen und anderem Übel leiden. Es gibt Menschen, die leben einfach vor sich hin, trällern, lieben die Musik, lachen und tanzen. Sie schalten die Nachrichten ab und sagen “Mein Gott, was interessiert mich das? Man lebt nicht lange, also sollte man sich von solchen Dingen fernhalten, wenn man sowieso nichts an ihnen ändern kann.” – Was ich gerne mit Verachtung strafen würde, ist eigentlich das einzig Richtige: Einfach Dinge, die mir schaden, ausblenden. Vorallem, wenn ich gegen sie eh nichts anrichten kann.

Wie oft habe ich mich aufgeregt? Angefangen von kleinen Undingen aus dem privaten Leben bis hin in die weite Welt der Politik? Mit meinen Mitteln habe ich versucht, dagegen anzukämpfen. Für das “Gute” oder das, was ich als gut und richtig empfand. Was hat es gebracht? Was genau? Eigentlich nichts. Obwohl, ich lüge, nicht nichts, sondern doch Einiges: Außer ein paar begeisterten Zurufen von Menschen, die eh schon von vorneherein meiner Meinung waren, gab es nur Feindseligkeiten, Drohungen, schlaflose Nächte, weil ich die schlimmen (Kriegs)-Bilder nicht aus dem Kopf bekam, Existenzangst, weniger Zeit für die Menschen, die mir wirklich wichtig sind… (Ja, wie oft habe ich eigentlich für meine “Welt-Rettungs-Aktionen” meine Familie vernachlässigt? Zu oft. Viel zu oft). Und wenn jemand sagt, “Ja toll, Sherry! Stell’ Dir vor, alle würden so denken, dann ginge ja die Welt unter”, dann kann ich nur müde lächeln und antworten: “Vielleicht. Aber es wäre unnatürlich, wenn alle so denken würden wie ich. Und weil’s eben nicht so ist, dass alle so denken werden wie ich, darf ich’s mir leisten, so zu denken. Ich als Mensch und meine Meinung gehöre mit in dieses System der Gedanken und Meinungen, die die Welt so erhalten, wie sie ist.”

Es ist gut, dass es Menschen gibt, die höhere Ziele haben und auch Vieles bereit sind, zu opfern, um diesen nachzujagen. “Idealismus ist die einzige Krankheit, die nicht geheilt werden sollte”, sagte einst ein Freund – und er sagt es immerwieder. Doch Tatsache ist, dass es oft die Idealisten sind, die vom Leben so gut wie nichts mehr mitbekommen. Sie schaffen es kaum noch, zu handeln. Sie bleiben beim wehmütigen Träumen, wohingegen oberflächliche, sorglose Mitgenossen/Innen einfach leben und nicht jeden Tag um einen Grund kämpfen, aufzustehen. Sie tun, was sie tun müssen, denn sie tun, was ihnen selbst am Besten tut. Aber Idealisten streben nach dem allgemeinen Wohl ihrer Umgebung, der Gesellschaft, eines Landes, der ganzen Welt und werden täglich mehr als 20 Mal daran scheitern, dass sie nicht alle glücklich machen können. Es ist nicht natürlich, dass alle glücklich sind. Es ist aber natürlich, dass jeder Mensch eine andere Meinung, andere Bedürfnisse und eine andere Wahrnehmung hat. Nehmen wir’s einfach hin, wir können einander nicht immer zustimmen und wohlgesonnen sein. So ist die Welt.

Wenn ich es mir aussuchen könnte, ich würde Gott um einen weitaus niedrigeren IQ bitten. Nicht, dass meiner zu hoch wäre, aber ich hätte gerne etwas Unterdurchschnittliches. Ich würde ihn zudem bitten, mir einen gesunden Abnabelungsprozess zu bescheren (oder überhaupt einen zu bescheren, ich hatte keinen). Ich würde ihn um einwenig mehr Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl bitten, eine unkompliziertere Herkunft, weniger Fantasie, dafür mehr Bodenständigkeit. Bloß keine künstlerische oder musikalische Ader. Ich will überhaupt nicht mehr der festen Überzeugung sein, dass Musik mehr ist als ein paar Tonfolgen und dass Liebe ein mehr mystisches als körperliches Spiel ist. Farben wären einfach Farben – klar, sie erzeugen Freude – aber nicht wie bei mir Gerüche, Geräuche und Seelenflüge.

Ich lege jedenfalls die Rüstung ab, lass’ mein Schwert fallen. Es bringt nichts mehr, zu kämpfen. Weder gegen die Welt, noch gegen die Umwelt. Ich will mich nicht mehr erklären – jedes Wort ist ein Wort zuviel. Hier ist es in Ordnung, weil ich weiß, dass eine Vielzahl von Menschen lesen und jeder von ihnen vielleicht einen winzigen Abschnitt wirklich versteht, also fühlt. Aber hier in meinen kleinen, kreisförmigen Grenzen herrscht nur Einsamkeit. Und ich habe sie mir selber ausgesucht, indem ich von meiner Umgebung soviel erwarte, wie ich von mir selber erwarte – jedesmal, wenn ich ihr diene. Deshalb blieb niemand mehr übrig. Das ist oke. Jeder ist anders. Ich bin anders. Ich brauche eine kleine Rast – und ich hoffe, dass ich meine Ideale nicht nur zur Rast ablege, sondern komplett. Ich hoffe, ich werde niewieder genug Energie haben, um um Dinge zu kämpfen, für die es sich nicht zu kämpfen lohnt. Nicht, weil die Ideale nichts wert sind, sondern weil meine viel zu kleinen Hände und Hiebe und Streicheleinheiten einfach nichts bewirken können. Ich hoffe, ich werde ab jetzt nur mit so geringer Energie beglückt, dass sie gerade dafür reicht, sie für mich, mein Leben und meine Familie zu rationieren, damit kein Tropfen mehr in verschwendete Trostgedanken sinnlos dahinschwindet.

Und nun lass’ mich in Ruhe, Sherry. Ich bin müde…

29.09.2007, 02:41
Idealistenscheiß

Click: »Muse – Shrinking Universe«

Komm’ her, Baby (Notebook) ich will tippen. Ich habe gerade die virtuelle Welt in der Hand. Ja, in der Hand. Ich könnte sie unter meinen Arm klemmen und mit ihr draußen eine Runde joggen gehen – sie passt in ein 11″ Display Asus, extra pink für Frau Sherry’s. Ich will jetzt tippen, aus purer Wut tippen. Heute werde ich mich zu zügeln suchen, aber ich werde tippen.

Ich dachte damals, diese Geschichten von “bösen Menschen”, falschen Freunden, Lästereien, Ehrlosigkeit, “Beste Freundin lässt sich vom Freund der besten Freundin poppen” seien nur Märchen – und man müsse nur gut und loyal genug zu seinen Mitmenschen sein, dann würde allein das Scham- und Schuldgefühl sie daran hindern, solche Dinge zu tun. Pustekuchen. Die Welt läuft völlig anders, und mit Mitte 20 bin ich dabei, es zu raffen. Man kann mit Liebe, Herzchen, Pink, Umarmungen, Einsatz, Aufopferung keine Welt verbessern. Man ist einfach nur ein kleines, elendes Mist-Glied im Gefüge der Welt, das dazu da ist, um diese Balance zwischen Scheiße und ehm Liebe (ehm!) aufrechtzuerhalten. Idealisten sind die erbärmlichsten und einsamsten Menschen, die ich kenne. Sie bleiben auf dem sinkenden Schiff stehen und gehen unter. Ihr scheiß Idealismus lässt ihnen nicht die Möglichkeit, abzuspringen, sich doch noch zu retten. Ihr scheiß Idealismus lässt sie bis zur letzten Sekunde hoffen, dass der Mensch an sich doch irgendwann aufspringen wird, aus der ihm “naturgegebenen” Nächstenliebe heraus mit seinem aufopfernden Körper ins reißerischer Meer stürzt, um den Idealsten doch noch zu retten. Idealisten, diese erbärmlichen scheiß Idealisten, krepieren schon weit vor ihrer Zeit. Irgendwann löst die Realität He-Man ab, Skeletor ist nicht immer der Verlierer – und schwarz und weiß nageln sich Tag und Nacht immerwiedermal, werfen einander weg und gehen ihres Weges, irgendwann kommt auch mal eine graue Masse raus, jedenfalls undefinierbar – rechts, links, oben, unten, kein Arsch weiß mehr, was gut und böse ist. Außer die armen Idealisten. Sie reichen Dir die Hand, machen große Augen, sagen “Alles wird gut!” – und wenn man ihnen nicht glaubt, legen sie Dir aus Mitleid noch ihr letztes Stück Brot auf die Hand und sagen wieder “Komm’, alles wird gut.”… Was dann? Man hackt ihnen die Hand ab, für das Stück Brot, haut ab – und der scheiß Idealist schreit vor Schmerzen auf und sagt noch “Nein, nicht schimpfen! So meinte er das doch nicht. Sein Kern ist gut!” – Erbärmliche Idealisten. Denen gehört doch echt mal in die Fresse getreten. (Freiwillige mögen sich bitte melden!)

Was ich sagen wollte? Wie gesagt. Sie krepieren, bevor sie die erste Schambehaarung aufweisen können. Irgendwann mit 30 Jahren sind sie so vergeistigt in ihren abstrakten, philosophischen Gedankenverrückungen, dass man sie nicht mal mehr normal ansprechen kann, ohne dass man ihnen nicht vorher mit einer Keule auf den Kopf haut. “Ja? Oh, hast Du etwas gesagt?” (Ja, verdammt. Wach’ AUF!)

Ungefähr mit 35 Jahren kommt der große Wutausbruch. Wenn die Umgebung Glück hat, ist es nur ein Sachschaden oder der wutentbrannte Idealist ist nicht nur seelisch, sondern auch körperlich autoaggressiv veranlagt und ballert sich den Kopf mit der Mauer zu (oder umgekehrt), sitzt paar Wochen in der Geschlossenen und gut ist. Hat die Umgebung Pech, endet es mit einem wohlverdienten Amoklauf. (“Metzelt sie nieder! Diese dreckige Menschenbrut muss verrecken, verrecken, verrecken!”) – Schwamm drüber.

Was ich sagen wollte ist, dass ich ein paar Jahre (10 Jahre, um genau zu sein) zu früh bin (wie immer. Meine Titten waren schon mit 11 die Welt am beglücken!), und dass man sich vor mir in Acht nehmen sollte. Big Bang Boom. Ich werd’ Euch dann ficken. Das Gehirn aus der Nase, aus den Ohren, aus dem Arsch ficken und Euch Euren scheiß Erzeugern vor die Nase setzen, damit sie sehen, was sie da eigentlich produziert haben. (Ich wollte mich doch zurückhalten, verdammt!)

Was meinte dieser Loser Esoteriker Wayne Dyers noch? Es sind nicht die anderen, die mir weh tun, sondern meine eigenen “Gedanken”. Lediglich meine eigenen Gedanken. Nur ich erschaffe also meine Welt, meinen Schmerz – niemand sonst ist daran beteiligt. Das heißt, ich interagiere mit mir. Weit und breit also niemand da, der mich beeinflusst. Ich, Ich, Ich bin also komplett isoliert von exogenen Faktoren, Descartés hat Recht, ich bin also auch ein super hübsches Topmodel, wenn ich will, reich und hab’ endlich meinen Führerschein. Richtig? Und drei Kühlfächer voll von Eis. Uh, Junge, Du bist so schlau. Wenn Du mir damit Mut machen wolltest, solltest Du erstmal darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn Du dem Menschen zusprichst, absolut unbeeinflusst zu sein von der Umgebung. Das heißt nämlich nichts Anderes als totale Isolation, Einsamkeit, Scheißhaufen ohne Fliegen. Vielen Dank auch, nein danke. Ich bin lieber Opfer der Umstände und mein eigenes Opfer, als nur mein eigenes Opfer. Ich hasse die Welt zwar, aber ich will nicht ohne sie sein. OK?

Die Wut verfliegt langsam. Ich bitte um Entschuldigung, denn jetzt, wo ich wieder alles rausgekotzt habe, stehe ich nackt hier, mal’ so vor mich hin, alles ist schön schwarz bis feuer-grau, die Liebe pocht wieder, der Idealist in mir wird sich morgen mit zehn besonders guten Taten rächen und sich wieder in mir einverleiben, die Amokläufe bleiben aus, weil ich schreiben kann – und ich werde auch keine Glastüren zertreten so wie damals mit 16, als… das ist wieder eine andere Geschichte. Ich möchte meinen extrem nachvollziehbaren Beitrag eigentlich nur mit diesem Gedicht abrunden, weil ich diesen kranken Sack Kafka so liebe. Er bringt es auf den Punkt, er bringt es auf den Punkt. Die Information, dass ich in der Hölle lebe, ist nur eine Information. Wie sie sich anfühlt, meine Hölle, kann niemand wissen. Ich hoffe ja immernoch, dass eine Seele anschwirrt, mal durch mich durch geht, sich bis auf die Haut verbrennen lässt, einmal meinen Schrei schreit, damit überhaupt jemand einmal für mich geschrien hat. wieder rausgeht, ohnmächtig zu Boden kippt, ich ihn auffange, meine Wange auf seine Brust lege, ihn dafür liebe, dass er in mir war – wirklich in mir war – bei ihm bleibe, mit ihm sterbe, endlich frei sein werde… Stop! Hier das Gedicht:

Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst,
was weißt Du von den Schmerzen,
die in mir sind
und was weiß ich von den Deinen.
Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde
und weinen und erzählen würde,
was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle,
wenn Dir jemand erzählt,
sie ist heiß und fürchterlich.

Schon darum sollten wir Menschen
voreinander so ehrfürchtig,
so nachdenklich,
so liebend stehn’
wie vor dem Eingang zur Hölle…

Achso, und das hier habe ich vorhin gemalt und so. Peace.

10.09.2007, 19:25
Von Blahs und Blupps…

Der erste Schritt zum Glück – oder auch einfach nur zur inneren Ruhe – ist, die berühmten “Warum-Fragen” loszulassen. “Warum ist die Welt so, wie sie ist? Warum ist der Mensch so begrenzt? Was wäre, wenn er nicht so begrenzt wäre? Was liegt außerhalb unserer Wahrnehmung? Warum müssen Menschen leiden? Warum ist der eine reich und fett und der Andere muss hungern? Warum habe ich ein Bewusstsein? Gibt es soetwas wie Seele? Gott? Und wenn ja, warum lässt Gott zu, dass wir leiden? Was ist Unendlichkeit? Und was ist Vollkommenheit? Warum bin ich machtlos gegen meine Gefühle? Was ist Liebe? Ist Liebe nur der Fortpflanzungstrieb im Menschen – oder steckt da mehr hinter? Wer oder was bin ich? Warum zum Teufel hat man mich nicht gefragt, ob ich auf die Welt kommen will?”

Der zweite Schritt ist, dass man niemals von seinen Mitmenschen etwas erwartet. Egal, wie sehr man sich für sie einsetzt, was man für sie tut, mit wieviel Liebe man ihnen begegnet – man darf nichts von ihnen erwarten. Weder von der Familie, noch von Freunden. Das erspart einem tiefe Enttäuschungen. Der dritte Schritt ist, entweder zu denken, man habe die Macht, sich selbst zu ändern – oder davon auszugehen, dass nichts in der eigenen Hand liegt und alles, was man tut, im Grunde vom “Gehirn” gewollt wird, ohne dass man weiß, warum man etwas will und wie man überhaupt etwas will. Der nächste Schritt ist es, dass man die Welt, so wie sie ist, akzeptiert. Samt all seiner Regeln, Naturkatastrophen, der desktruktiven Natur des Menschen, der Wildnis, der Sterne, der Tatsache, dass wenn es nur die kleinste Abweichung in der Gravitation vorhanden wäre, die Erde so, wie sie ist, gar nicht funktionieren würde. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir wissen, wie etwas funktioniert, aber nie herausfinden werden, warum die Dinge so funktionieren, wie sie es tun. Wir müssen uns damit abfinden, dass wir – selbst wenn wir alles wüssten, wir nie herausfinden könnten, ob wir denn jetzt alles wissen, denn wir können nie wissen, ob die letzte Information wirklich die letzte Information ist. Einer der wichtigsten und letzten Schritte ist, dass (eigene) Leid nicht persönlich zu nehmen. Man leidet, ja. Aber nicht, weil jemand mir etwas Böses will, sondern weil es zu den Regeln des Universums gehört, dass der Mensch leidet. Sehr gut wäre es, wenn man sich selbst von Außen beim Leiden beobachten könnte.

Ich bin noch nicht einmal bei Schritt 1 angekommen, denn sonst könnte ich schlafen. Ich habe es noch nicht geschafft, meinem ratternden Gehirn mal mächtig die Fresse zu polieren, damit es KO in der Ecke liegt und mich in Ruhe lässt. Ich habe es nicht geschafft, über meine emotionalen “Grenzen” – sprich’: meinem Ego – hinauszuschauen und zu sagen: “Egal, was Du durchgemacht hast und durchmachst, Sherry – Deine mickrige Existenz ist ein Witz in Relation zum Universum, also geh’ über Dich selbst hinweg.” (Und ich kenne übrigens auch noch niemanden, der es geschafft hat.)

Ich habe noch einen weiten Weg vor mir. Und bis ich das alles geschafft habe, bin ich sicherlich schon auf dem Weg nach “drüben”. Ich mag “drüben” übrigens. Drüben ist bestimmt besser. Ob nun nichts danach kommt oder ein neues Universum mit milderen Regeln, ist eine andere Frage, die zu den Fragen gehören, die sich eigentlich in Schritt 1 wiederfinden sollten. Werde ich sicher noch nachholen. Blah Blupp.