Kategorie "Philosophia"
27.05.2011, 01:06
Der Pazifist

Ein Held ist jemand, der für das Retten eines unschuldigen Lebens all seine Prinzipien über Board wirft. Jene Prinzipien, die ihn tragen, halten und mit einem erhobenen Haupt durch die Welt schreiten lassen. Die ihn als Teil einer Gemeinschaft stützen, schützen und ihm eine Art Existenzkredit leihen. Sie aufzugeben, ist die höchste Art der Selbstaufopferung. Doch so sind Helden. Sie sind vor allem eines: Einsam.

Die Pazifisten sind heutzutage jene, die sich für nichts rechtfertigen müssen. Jeder, der etwas darstellen will, predigt seine Friedfertigkeit und seinen Non-Militantismus. “Ich könnte keinem Menschen etwas zu Leide tun, nicht einmal, wenn er mich töten will.”

“Für mich bedeutet das, dass Dir Dein Ansehen als friedfertiger, perfekter Mensch wichtiger ist als der Schutz von Leben um Dich herum. Du hast Deine Instinkte verloren, Pazifist. Dich ihrer beschnitten, damit Du anerkannt wirst oder Deine Selbstverwirklichung leben kannst”, schleudert der Radikale dem Pazifisten entgegen.

“Dafür soll ich mich rechtfertigen? Ich möchte mich aus der animalischen, instinktgeprägten Verhaltensebene der Menschen erheben. Daher rühren doch all unsere Probleme, Du! Demnach ist es für mich keine Beleidigung, wenn Du mich dessen bezichtigst, meine Instinkte verloren zu haben. Genau das ist auch mein Ziel! Endlich meine animalischen Instinkte zu verlieren, die uns nur Ärger und Leid bringen!”

Recht hat der Pazifist. Dass die Welt so ist, wie sie ist, liegt daran, dass die Menschen noch zu instinktbasiert handeln und leben. Sie schnüffeln sich noch immer ihre Nahrung herbei und würden Tiere bei lebendigem Leibe aufreißen, wenn sie die Zähne dazu hätten. Heute halten sie sie stattdessen in engen Käfigen, schneiden ihnen Schnäbel ab, vergasen sie, lassen ihren Leib für ihre Nahrungsproduktion auskotzen. Sie leben noch immer am Liebsten aggressive Sexualität aus. Was sie nicht mehr beherrschen dürfen, beherrschen sie durch Bezahlung in Freudenhäusern. Sie erniedrigen noch immer gerne ihre Frauen dabei und loben ihr starkes Alpha-Glied für seine reife Eroberungs- und Unterwerfungsleistung. Weiterlesen… »

21.05.2011, 11:27
Ereignisketten

Kennt Ihr das? Etwas sagen zu wollen, aber nicht zu wissen, was man sagen will und nicht zu wissen, was zu sagen überhaupt Sinn macht – und dann über den Sinn von Sinn sinnieren, wo man doch ahnt, ahnungslos fühlt oder auch weiß, dass der Sinn an sich ein rein menschliches Konstrukt ist, um Geschehnissen, Menschen und Daseinsformen eine Existenzberechtigung zu geben? Nun habe ich mein Thema. Danke, sinnloser Satz. Lass uns über Sinn reden.

“Ja, er hatte diesen Unfall. Und danach war ihre Liebe wie am ersten Tag. Der Unfall hatte einen Sinn!” oder “Er ist gestorben, aber er ist nicht sinnlos gestorben. Er hat für die Freiheit gekämpft. Dafür ist er gestorben. Sein Tod hatte einen Sinn, so wie sein Leben.” (Und übersehen wird, dass das Land, das Volk, der Stamm, die Region dennoch nicht frei ist.)

Wisst Ihr, manchmal denkt man weiter. Es gibt furchtbare Verbrechen und Tragödien in dieser Welt. Und manchmal, wenn ich aus einer negativen Stimmung heraus, passend negative Gedankenspiele spiele, frage ich mich, was für Verbrechen in einer unwillkürlichen Ursache-Wirkungskettenreaktion vielleicht dazu geführt haben, dass vielen anderen Menschen das Leben gerettet worden ist? In einem quasi zusammenhanglosen Ereignisstrang, der eben doch nicht zusammenhanglos ist. Stellt Euch vor, eine Frau bekommt ein Kind aus einer Zwangsehe heraus und dieses Kind bekommt selber eines. Dieses Kind wiederum wird ein berühmter Forscher oder Arzt und entdeckt ein Gegenmittel für eine schwere Krankheit, die weltweit Menschenleben rettet und Leid reduziert. Könntet Ihr dann ohne Umschweife sagen: Hätte man dieses arme Mädchen damals doch niemals zwangsverheiratet? Schwierig, nicht wahr?

Ich bin mir absolut sicher, dass viele gute Ereignisse eine Folge von Schlechten sind. Ich bin mir sogar sicher, dass es ohne gewisse schlimme Ereignisse bestimmte Menschen von uns gar nicht geben würde. Mein Liebster sagt manchmal nachdenklich “Wer weiß, was alles geschehen musste, damit Du und Ich auf die Welt kommen. Das willst Du gar nicht wissen.” Ich behaupte damit nicht, dass nur diese schlimmen Ereignisse Gutes bewirken, ich sage nur, dass auch negative Ereignisse ein Glied in einer Wirkungskette sind, das sehr Gutes bewirken kann. Was bedeutet das? Je mehr ich darüber nachdenke, desto unerlässlicher wird die Erkenntnis, dass das Universum (oder Gott oder die Natur erst Recht) überhaupt nicht zwischen Gut und Böse unterscheidet. Jedes Ereignis, ob ein sich schrecklich anfühlendes oder ein sich gut anfühlendes kann als Vorbereitung für eine Ereigniskette dienen, die etwas Gutes bewirkt. Weiterlesen… »

03.05.2011, 00:26
Das “Death Note” und Du

Stellt Euch vor, Ihr habt ein Notizbuch. Ein Schwarzes mit der Beschriftung “Death Note“. Wenn Ihr den Namen einer Person reinschreibt und Euch ihr Gesicht dabei vorstellt, dann stirbt sie nach 40 Sekunden.

Das ist die Kurzfassung einer Story aus einer berühmten Anime Serie “Death Note”, dessen 37 Folgen ich mir innerhalb von drei Tagen und Nächten durchgeguckt – bzw. durchgelitten habe. Sie basiert auf der spirituellen Annahme der japanischen Kultur, die von Todesgöttern Shinigamis (japanisch: 死神) ausgeht, die Seelen verstorbener Menschen, die noch an das Weltliche gebunden sind, ins Reich der Toten begleiten. Doch das, was die “Death Note”-Macher daraus gemacht haben, ist der Wahnsinn.

Eines Tages fliegt ein gelangweilter Shinigami namens Ryuk durch die Menschenwelt und beschließt, sich einen Spaß daraus zu machen, indem er sein Death Note, das er eigentlich dazu benutzt, um anderer Menschen Leben zu beenden, zu “verlieren” – und zwar genau in der Nähe des siebzehnjährigen Spitzenschülers Light Yagami, der ein junger Mann mit hoher Intelligenz und Gerechtigkeitssinn zu sein scheint. Als er eines nachts in seinem Zimmer die Macht dieses Notizbuches erkennt, gerät er in leidenschaftliche Rage für das Töten die Gerechtigkeit. Anfangs noch darauf erpicht, Japan von Schwerverbrechern zu befreien, erfasst ihn mit der Zeit der Größenwahnsinn – und er will die ganze Welt reinigen und tötet manchmal auch einfach nur, weil jemand seinem großen Ziel, die Welt zu säubern, im Wege steht.

Sein Vater ist Polizeiinspektor der japanischen Polizei und ermittelt gegen diesen mysteriösen Vollstrecker, der täglich bis zu 20-30 Verbrecher tötet. Er merkt nicht, dass er mit ihm unter einem Dach lebt. Die Verbrecher sterben plötzlich an Herzversagen (wenn Light die Todesursache nicht selbst wählt) und hinterlassen große Fragezeichen. Der geheime Top-Ermittler – genannt “L” – ist ein hochbegabter junger Mann im selben Alter von Light, der den ganzen Tag während seiner schweren Analyse- und Ermittlungsarbeiten Süßigkeiten, Kuchen und Haufen von Zuckerkram essen muss, um sein überaus aktives Gehirn zu versorgen. Light und L begegnen sich immer wieder und spüren von Anfang an, dass sie einander eine Gefahr sind, aber auch ebenbürtige Gegner, die nicht voneinander lassen können. Sie fangen an, den nächsten Schritt des Anderen bis ins kleinste Detail vorauszusagen, “Wenn-dann”-Schlussfolgerungen zu machen, ihrer unausschöpflichen Kombinatorik zu frönen – was ihnen und dem Zuschauer die Nerven zum Zerreißen spannt. Denn sie verstecken und verfolgen sich nicht physisch (vor)-einander – im Gegenteil, es entsteht sogar eine Art “Freundschaft” – sondern nur jeweils in ihren Gedanken, Prognosen über den anderen und den nächsten Schritten, die sie tun, um den anderen hinter’s Licht zu führen. Weiterlesen… »

Ich habe in der letzten Zeit über alles Mögliche nachgedacht, vor allem über uns Menschen, nachdem ich sie – einschließlich mich – beobachtet habe. Immer nur die Gedanken in Fragen angeschnitten, kurz oberflächlich beantwortet und dann wieder fallen lassen, weil ich mich eigentlich auf etwas anderes konzentrieren musste: auf meine momentanen Prüfungsthemen, in die “Wahrnehmungspsychologie” fällt. Immer wieder kämpfe ich mich durch das Thema durch, dividiere mich mit ihm auseinander, um dann wieder glücklich und fasziniert mit ihm zu verschmelzen.

Später, im Bett, fiel mir dann immer wieder auf, dass einige dieser recht trocken wirkenden Befunde dieser psychologischen Disziplin, einige meiner Fragen über die Menschen in meiner Umgebung im Speziellen und der Menschheit im Allgemeinen beantworten können. Diese Flow-Effekte irgenwdo im Dunkeln der Nacht, während man vorher noch schlaflos an die Decke starrte, sind Euphorie pur. Man will sie jemandem mitteilen, unbedingt mitteilen, welche Zusammenhänge man endlich verstanden hat, welches Puzzleteil sich gerade mit welchem ver-dockt hat und “klick” gemacht hat, aber es geht nicht. Leider ist es oft so, dass man die kleinen Erleuchtungen in der Nacht nicht in Sprache transportieren kann. Deshalb werde ich jetzt gar nicht über diese berichten, sondern sehr allgemein bleiben.

Den Forschungsergebnissen in dieser o.g. Disziplin zu Folge, nimmt der Mensch seine Realität nicht in einer 1:1 Relation wahr, sondern bringt mit seinem Gehirn und der Spezifität seiner Sinnesmodalitäten (von denen wir meinen, es handele sich nur um Sehen, Hören, Schmecken/Riechen und Tasten – die man aber in Wirklichkeit noch in Einzelteile separieren könnte) und den teils vordeterminierten und teils erlernten kognitiven Strukturen (Gedächtnis) wirklich Einiges an Konstruktivität mit, die uns zu “Erschaffern” unserer eigenen Illusionen machen, unserer eigenen wahrgenommenen Realität. Die physiologischen Mechanismen dahinter möchte ich gar nicht näher erläutern. Aber kurzgefasst heißt das: Wir nehmen die physikalische Realität in unserer Umgebung nicht so wahr, wie sie tatsächlich ist, sondern passen sie entsprechend unserer Sinnes-”Fähigkeiten” an. Mal im Ernst: Denkt Euch das mal richtig durch, dann wisst Ihr, wie unglaublich dünn die Welt ist, die wir meinen, verstanden zu haben. Selbst der Forscher, der zu diesen Erkenntnissen gelangt, kann völlig falsch liegen oder nur aufgrund verloren gegangener Information einerseits und einer Übergewichtung anderer Informationen andererseits zu den Schlussfolgerungen kommen. Weiterlesen… »

25.12.2010, 15:08
Realität vs. Realität

Seit zwei Tagen spielen wir Playstation 3D Spiele. Wenn wir abgeschossen werden oder etwas abschießen, knallen uns die Funken und Feuerwerke um die Ohren. Die Maschinenteile unserer Raumschiffe splittern uns entgegen, wir halten uns die Hand zum Schutz vor’s Gesicht, damit wir nicht getroffen werden. Die schweren 3D Brillen auf unseren Nasen nehmen wir nicht mehr wahr. Das da – dort, wo wir draufschauen – ist die Realität, in jenem Moment ist sie das. Eine, in der wir zwar nicht so große Angst haben und die Ungereimtheiten nicht wirklich gewichten, aber alles, was wir denken, wahrnehmen und mit Knopfdrucken tun, aktiviert in unserem Gehirn genau jene Areale, die aktiviert werden würden, würden wir all die Aktionen tatsächlich ausführen. Was ist nun Realität? Woran genau können wir sie festmachen?

Vielleicht ist das hier ein schlechtes Beispiel für eine klare Trennschärfe der Realitätsdefinition, denn immerhin findet dieses Spiel noch immer in unserer uns bekannten realistischen Alltag statt. Kommen wir zu einem anderen Beispiel.

Letzte Nacht träumte ich. Ich stand in einem großen Atelier vor einem Gemälde. Es war noch nicht einmal ein großes Gemälde. Eine warme, vertrauenswürdige Person – ich weiß nicht mehr, ob Mann oder Frau (was dort in der Traumwelt aber einfach keinen großen Unterschied machte) – schaute mich direkt an. Das Bild war lebendig, aber nur zweidimensional und so bewegungslos, wie Bilder nun einmal sind, wenn man kein ganz spezielles Auge für sie hat. Ich verfing mich in den Augen dieser warmherzigen, vertrauenswürdigen Person und lächelte sie einfach an. Als Dank dafür, dass ich mich kurz in dieser kargen Atelierslandschaft sicher fühlen durfte.

Was dann geschah, war so faszinierend. Als hätte mein Lächeln eine Welle in das Bild geschlagen, fing es an, sich zu bewegen. Wie die Kreise in einem stillen See, der einen flachen Stein in sich aufgenommen hat, bewegte es sich, wellte es, trieb es, bis das Bild im Rahmen eine 3D-Landschaft zeigte. So ein digitales 3D, wie ich es in meinen 3D-Spielen erlebte, aber um vieles weicher, weltfremder, wärmer. Das Gemälde war ein sich bewegendes 3D Gebilde. Glitzerndes Wasser im Hintergrund, rechts oben die Milchstraße, bei der ich “um die Ecke” des Rahmens schauen konnte und die Unendlichkeit greifen konnte. Weiterlesen… »