02.02.2011, 21:54
Kopf-Welten
Nun sitze ich hier, vor meinem Schreibtisch und sehe auf ihm einen pinken Kulli liegen. Ja, ich möchte ihn in die Hand nehmen. Einfach denkt Ihr? Hm. Eigentlich müsste ich dazu wissen, wo er genau ist. „Du siehst ihn doch, er ist da, wo er ist. Auf dem Schreibtisch, hast Du doch gerade gesagt, oder?“ – So einfach ist das aber nicht. Ich sage Euch nun, warum.
Als Informationsquelle liegt mir nur ein reichlich verzerrtes Abbild des pinken Kullis auf meiner Netzhaut vor, das sich dann auch noch ständig verändert, während mein Blick über den Schreibtisch wandert, um es genauer zu lokalisieren. Um das seltsame Abbild des Kullis auf meiner Netzhaut auch richtig zu analysieren, muss ich Blickrichtung, Kopfstellung und viele, kleine Aspekte meiner Körperhaltung in meine Analyse mitintegrieren. Vor allem natürlich die Ausgangshaltung meines Arms, damit ich auch eine geometrisch genaue Greifhandlung durchführen kann. Kompliziert, nicht wahr?
Das, was hier so komplex beschrieben worden ist, ist eigentlich noch viel komplizierter, als es den Anschein hat. Habt Ihr Euch jemals gefragt, wie es eigentlich sein kann, dass wir – so Dir nichts mir nichts – einfach einen Ball, der uns zugeworfen wird, präzise schnappen können? Müsste man das einem Roboter beibringen, müsste man ihn mit vielen Formeln zur Distanzberechnung und Greifbewegungen programmieren, und er würde es dennoch nicht hinkriegen. Die heutige Robotik scheitert an so scheinbar einfachen Dingen, die wir Menschen automatisch und willkürlich tun, dass man wirklich von einem wundersamen System in uns sprechen muss. Weiterlesen… »
Ich habe in der letzten Zeit über alles Mögliche nachgedacht, vor allem über uns Menschen, nachdem ich sie – einschließlich mich – beobachtet habe. Immer nur die Gedanken in Fragen angeschnitten, kurz oberflächlich beantwortet und dann wieder fallen lassen, weil ich mich eigentlich auf etwas anderes konzentrieren musste: auf meine momentanen Prüfungsthemen, in die “Wahrnehmungspsychologie” fällt. Immer wieder kämpfe ich mich durch das Thema durch, dividiere mich mit ihm auseinander, um dann wieder glücklich und fasziniert mit ihm zu verschmelzen.
Später, im Bett, fiel mir dann immer wieder auf, dass einige dieser recht trocken wirkenden Befunde dieser psychologischen Disziplin, einige meiner Fragen über die Menschen in meiner Umgebung im Speziellen und der Menschheit im Allgemeinen beantworten können. Diese Flow-Effekte irgenwdo im Dunkeln der Nacht, während man vorher noch schlaflos an die Decke starrte, sind Euphorie pur. Man will sie jemandem mitteilen, unbedingt mitteilen, welche Zusammenhänge man endlich verstanden hat, welches Puzzleteil sich gerade mit welchem ver-dockt hat und “klick” gemacht hat, aber es geht nicht. Leider ist es oft so, dass man die kleinen Erleuchtungen in der Nacht nicht in Sprache transportieren kann. Deshalb werde ich jetzt gar nicht über diese berichten, sondern sehr allgemein bleiben.
Den Forschungsergebnissen in dieser o.g. Disziplin zu Folge, nimmt der Mensch seine Realität nicht in einer 1:1 Relation wahr, sondern bringt mit seinem Gehirn und der Spezifität seiner Sinnesmodalitäten (von denen wir meinen, es handele sich nur um Sehen, Hören, Schmecken/Riechen und Tasten – die man aber in Wirklichkeit noch in Einzelteile separieren könnte) und den teils vordeterminierten und teils erlernten kognitiven Strukturen (Gedächtnis) wirklich Einiges an Konstruktivität mit, die uns zu “Erschaffern” unserer eigenen Illusionen machen, unserer eigenen wahrgenommenen Realität. Die physiologischen Mechanismen dahinter möchte ich gar nicht näher erläutern. Aber kurzgefasst heißt das: Wir nehmen die physikalische Realität in unserer Umgebung nicht so wahr, wie sie tatsächlich ist, sondern passen sie entsprechend unserer Sinnes-”Fähigkeiten” an. Mal im Ernst: Denkt Euch das mal richtig durch, dann wisst Ihr, wie unglaublich dünn die Welt ist, die wir meinen, verstanden zu haben. Selbst der Forscher, der zu diesen Erkenntnissen gelangt, kann völlig falsch liegen oder nur aufgrund verloren gegangener Information einerseits und einer Übergewichtung anderer Informationen andererseits zu den Schlussfolgerungen kommen. Weiterlesen… »
22.12.2010, 13:40
Über mein Köpfchen
Seit drei Tagen habe ich das Gefühl, dass ich einer zuverlässigen Fleißarbeitsmaschine gleiche, obwohl ich gerade wieder in meine obligatorische Insomnia Phase reingerutscht bin. Anstatt mich ständig zu drücken, begebe ich mich punktgenau um Uhrzeit xy an meinen Schreibtisch und erledige wie eine gewissenhafte, kleine Biene alles, was auf meiner überlebenswichtigen To-Do-Liste steht. Es ist interessant, zu beobachten, um wieviel leichter mir die Arbeit fällt, wenn mein AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom) durch ein bei mir recht niedrig dosiertes Medikament drei bis vier Stunden Pause hat und mich von der sonst dazugehörigen Reizüberflutung ruhen lässt. “Boah, so geht es also anderen! So einfach haben sie es, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und ihre Dinge zu erledigen!”, war mein erster, erstaunter Gedanke. Einblick in eine neue Welt. Die Welt der gedämpften Reize, der Welt des leichten Tunnelblickes, ohne die irrelevante Peripherie all zu sehr zu beachten.
Aufgaben, für die ich durch meine verminderte Fähigkeit, irrelevante Reize auszuklammern und die relevanten für mich zu isolieren und anzufokussieren, einen ganzen Tag lang brauchte, erledige ich nun in ungefähr zwei Stunden. Da ich ein Mensch bin, der sehr ungern Medikamente nimmt, nehme ich das nur am Wochenende, was auch völlig ausreicht, weil ich ja jetzt das Dreifache in der Zeit schaffe. Psychopharmakologie ist wirklich ein Feld, das mich sehr fasziniert, ich denke, ich werde definitiv ein paar Extraseminare darin investieren.
Es ist echt interessant, zu erkennen, wie ich gewesen wäre, hätte ich dieses chemische Ungleichgewicht in meinem Gehirn nicht. Ich wäre weniger emotional, weniger impulsiv, würde weniger zu ausuferndem (Konsum- und Kauf)-Verhalten neigen. Ich wäre aber auch weniger begeisterungsfähig, würde mich weniger über Ungerechtigkeiten aufregen und sie wirklich direkt anpacken, wäre unkreativer und könnte nicht so gut Zusammenhänge erfassen, ohne sie vorher detailliert analysiert zu haben, wie es jetzt geht. Mein Dopamin würde also langsamer abgebaut werden, was jetzt dieses Medikament übernimmt. Welche Effekte das hat? Hier eine kleine Auflistung: Weiterlesen… »
Heute möchte ich über ein ernstes Thema schreiben, das auf dem ersten Blick absolut unwichtig wirkt – vor allem in Anbetracht dessen, dass es uns hier sehr gut geht und unsere Sorgen sich eklatant von denen der anderen Länder unterscheiden – aber es dennoch zu groß ist, als dass man es ignorieren sollte: Der Schönheitswahn.
Ein Thema, über das man den Kopf schüttelt, es belächelt und jene Menschen verpönt, die sich davon haben einfangen und geißeln lassen, entwickelt sich in den letzten Jahrzehnten zunehmend als echte Seelenlast der Frau – und immer Männer, wenn auch bei ihnen weniger selbstzerstörerisch geartet als bei den Frauen, unterliegen ihm inzwischen auch.
Man sollte hierzu die “Natur” beider Geschlechter anerkennen. Ein paar Basics, damit wir uns einwenig vorstellen können, warum das überhaupt so ausarten konnte. Während es quasi zum Balzverhalten der Frau gehört, sich zu schmücken, um Männer anzulocken, müssen Männer vor allem mit dem Beweis werben kommen, dass sie genug zu Essen haben, dass sie genug Kraft haben, um dieses Essen zu besorgen und dass sie genug Kraft haben, um ihre Frau und die zukünftige Brut zu beschützen. Heute manifestiert sich das geschlechtstypische Balzverhalten bei Frauen in Make-Up Kunst, Gewichtsab- und Zunahme (je nach Kultur und welche Vorlieben da bestehen), der Betonung der Weiblichkeit (Brüste und Po) und in der Betonung eines gebärfähigen Körpers, das vor allem durch das Alter (Jugend) und gesunder Haut gezeigt wird. Männer hingegen basteln an ihrer Karriere, werfen sich in den Konkurrenzkampf des heillosen Arbeitsmarktes, um mit ihrem Arbeitsstatus kokettieren zu können. Sie gehen abends nach der Arbeit ins Fitnessstudio und tragen hier und da ein paar Status- oder Kapitalsymbole (Uhr, Auto, iPhone) mit sich, mit denen sie das Interesse der Frauen sichern, indem sie signalisieren, dass sie anscheinend ein zuverlässiger Ernährer sind. Selbstbewusstsein und Durchsetzungskraft gegen die anderen Männchen sind wichtig, das macht den Fang der Frau zum Alpha-Tier und die Fortpflanzung kann beginnen – wenn auch heute oft mit Gummi und Pille verhinderbar, reagieren wir dennoch alle immer noch auf jene andersgeschlechtliche Attribute, die eben eine gute genetische Komposition von beiden ergibt. Weiterlesen… »
21.09.2010, 10:47
Homosexualität
Aus einer Forumsdiskussion ging hervor, dass einige Menschen tatsächlich noch denken, dass Homosexuelle doch selber Schuld sind an ihrer sexuellen Orientierung und sich hätten anders entscheiden müssen. Außerdem gingen diese tollen Schlussfolgerungen mit Kriminalisierung, großer Abneigung und Intoleranz einher. Dass viele Männer einen z.T. “natürlichen Ekel” vor homosexuellen Handlungen haben, ist nicht schlimm, solange sie vernunftsbezogen wissen, dass sich niemand diesen schwierigen Weg der Homosexualität aussucht, wenn er einen leichteren hätte haben können. Diesen Beitrag hier habe ich für die Diskussion verfasst und dachte, dass ich ihn auch hiereinposten kann zur allgemeinen Information. Hier werden einige organische Faktoren, die die Ausprägung von Homosexualität begünstigen und mitbeeinflussen aufgezählt in der Hoffnung, dass homosexuellen Menschen keine “Schuld” mehr gegeben wird. Diese anatomischen und genetischen Unterschiede implizieren nicht, dass es sich bei Homosexualität um eine Krankheit handelt. Das einzige, was krank macht, ist der Umgang der Gesellschaft mit homosexuellen Menschen. Also auf geht’s:
Zur allgemeinen Information zum Thema sexuelle Orientierung, Hormone, Gehirn und Gene
Ich werde versuchen, das hier so knapp wie möglich zu halten, aber es wird dennoch länger ausfallen. Ich finde es wichtig, dass wir Menschen wissen, wie wir beeinflusst werden und warum wir zum Teil so werden, wie wir sind. Wir werden niemals alle Einflussfaktoren mit in unsere “Berechnungen” integrieren können, weil vieles außerhalb unserer Wahrnehmung ist und wohl immer bleiben wird. Dennoch reicht dieses bisher gewonnene Wissen dazu aus, dass jeder vernünftige Mensch es so langsam aber sicher unterlassen sollte, Homosexualität zu kriminalisieren, Menschen mit dieser Neigung zu degradieren oder auch nur implizit als Menschen zweiter Klasse zu sehen. Gegen die extreme Zurschaustellung von Sexualität in TV und anderen Medien bin ich auch, aber nicht nur bei Homosexuellen, sondern auch bei Heteroangelegenheiten. Fangen wir an. Weiterlesen… »
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