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Juni, 2007
Angststörungen
Ist jemandem schon einmal aufgefallen, dass Angststörungen an sich keine irrationalen Ängste erzeugen, sondern lediglich die gründlichste und alle-faktoren-mit-einbeziehendsten Ängste überhaupt? Wenn Du bei einem Spaziergang Deiner Schwester sofort die Angst hegst, dass sie überfahren wird, dann ist das nichts Surreales, keine Fantasterei, keine Unmöglichkeit, die Du erfindest und die Dir dann Angst macht - sondern eine von vielen realen Möglichkeiten im Alltag, die der Verstand ohne Pause und ohne auf irgendeinen Power Off Befehl zu hören, immerwieder und in den “witzigsten” Kombinationen heraufbeschwört und Dir damit die zwanghafte Panik entlockt. Angststörungen sind demnach keine irrationalen Ängste, beruhend auf Fantasie und Unlogik, sondern viel eher durch den pausenlosen Verstand an sich begründet. 
 
Durch einen Verstand, der Dich beherrscht, anstatt Du ihn. Ein ratterndes Folterinstrument, das Deine Emotionen dazu zwingt, physisch in Erscheinung zu treten und ohne Skrupel Dein Herz einkrallt, bis die Erlösung kommt. In diesem Beispiel z.B. ein Anruf Deiner Schwester, dass sie heil angekommen ist.
Lost in dreams

Von einer Schande in die Nächste
Seit langer Zeit, so weiß man, ist es so, dass Menschen die Einheit suchen in der Hoffnung, dass diese alle Widersprüche auflöst und eine Art fließende Harmonie entsteht. Fließend, weil eine Stagnation jedem Menschen tot und faul vorkommt, wohingegen etwas Fließendes mehr zu der Natur allen Geschehens passt. 
 
Das, worüber ich schreiben möchte, sind vielleicht Säulen des “Fließens”, der Bewegung, aber gewiss nichts, was ich noch achten könnte. Ich rede von der Politik, von Religion, von den gegenseitigen Polen in der Gesellschaft. 
 
Immer mehr erkenne ich, wie aus Menschen, die einst für Humanismus und liberale Tendenzen in der Gesellschaft standen, aggressiv-radikale Züge entwickeln und sich bei der Verbreitung faschistischem Gedankenguts absolut im Recht fühlen, weil es ein Contra zu “anderem, faschistischen Gedankengut” ist. Immer mehr entdecke ich, wie gerade Leute, die versuchen, die Funktion und Struktur einer Gesellschaft zu ergründen, die gerade in einer Gesellschaft durch so unendlich viele Faktoren geprägt wird, alle negativen Aspekte dieser auf nur eine, leitende, tragende Säule schieben wollen, weil es um so viele male einfacher ist. Diese Einfältigkeit in der “Fehleranalyse” ist es, die Gruppen spaltet, intern für sich radikalisiert und deren Mitglieder wie wilde, scharfgemachte Hühner aufeinander aufgehetzt werden und an ihrem Höhepunkt des Kampfes explodieren und nichts Weiter hinterlassen, als Blut und Eiter. Eiter, der später bei der Folgegeneration solch’ eine Empörung hervorruft, dass man aus vergewaltigten Begriffen wie “Gerechtigkeit” heraus anfängt, weiterhin ein Getümmel zum Höhepunkt seiner Explosion zu bringen, das wieder Eiter spritzt. 
 
Nach einiger Zeit der Beobachtung aus der Distanz, bemerken einige noch dreckigere Tiere, wie vorteilhaft man diese Schlacht, diese ungeheure Wut, diesen Drang, “Gerechtigkeit” - also Genugtuung und Rache - auszuüben dazu ausnutzen kann, um an seine eigenen Ziele zu erlangen. Ziele, die solcher Schlachten als Ablenkung und ideologische Legitimation und ideologischem Pathos bedurfen, um erreicht zu werden, ohne dass die Beute geteilt werden muss, weil die kleinen Schwachköpfe sich schon mit dem Hass zufriedengeben, der ihnen jeden Tag auf’s Neue wohlverpackt in (National)-Stolz, Religion oder “Kommunismus” serviert wird. Nach einiger Zeit sind die Kämpfer müde, tot, krank - aber sie erhalten Aufputschmittel von dreckigeren Tieren in jeder Form, damit die Show weitergeht. Aufputschmittel in jeglicher Form. Mal von “göttlichen” Unantastbarkeiten, mal von hohen Tieren, die durch ihre Herkunft eine menschliche Unantastbarkeit genießen. Dabei kommen dann so Sätze raus wie: 
 
 
 
“Rüstet unter Euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, 
die die Rache des HERRN an den Midianitern vollstrecken … Und 
sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der HERR es 
Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war … Und 
die Israeliten nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre 
Kinder; all ihr Vieh, alle ihre Habe und alle ihre Güter raubten 
sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten, 
und alle ihre Zeltdörfer … Und Mose wurde zornig über die 
Hauptleute des Heeres … und sprach zu ihnen: “Warum habt ihr 
alle Frauen leben lassen? … So tötet nun alles, was männlich ist 
unter den Kindern, und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind; 
aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch 
[für Sex bzw. für Sklavendienste] leben.” 
(Aus dem Alten Testament) 
 
“Sind aber die heiligen Monate verflossen, so erschlaget die 
Götzendiener, wo ihr sie findet, und packet sie und belagert 
sie und lauert ihnen in jedem Hinterhalt auf. So sie jedoch 
bereuen und das Gebet verrichten und die Armensteuer zahlen, 
so lasst sie ihres Weges ziehen. Siehe, Allah ist verzeihend und barmherzig.” 
(Aus dem Koran) 
 
“Ein antizionistischer Jude ist tendenziell ein Antisemit. Der 
Antizionismus ist für Nichtjuden wie für Juden nur eine Ausrede, 
ihren Antisemitismus sozusagen in einer politisch aseptischen Form 
präsentieren zu können. Kein Mensch geht hin und sagt: Ich bin 
Antisemit. Es gibt keinen Antizionismus, der seinen Ursprung 
nicht im Antisemitismus hätte.” (Henryk M. Broder) 
 
“2003 kritisierte Ralph Giordano die Positionen der 
Friedensbewegung zum 3. Golfkrieg, der er unter anderem 
„Antiamerikanismus“ vorwarf.”
 
 
All das wissen sogar viele von unseren Kämpfern - doch egal, auf welcher Seite sie gerade sind, sie sind durch ihre Eitelkeit und durch ihren nicht-vorhandenen, aber hochgehaltenen Stolz und Kampf um “Gerechtigkeit” so sehr ereifert und berauscht, dass sie weiterhin wie dumme Lämmchen genau das tun, was das dreckigere Tier will. Sie lassen seltsame Sätze von sich weg, kategorisieren Menschen, urteilen sie ab, versuchen dabei aber immerwieder die Fassade des “Gerechtigkeitssuchenden” zu wahren, obwohl ihre ganze Rhetorik, das ganze Verhalten entweder nur dem eines Profilneurotikers gleich kommt oder eines hasserfüllten Virus’, der nur von diesem Hass geleitet wird; und nichts Anderem. Das heißt, jede noch so scharf erforschte Erkenntnis aus ihm dient nur dazu, weiter Hass zu versprühen, Hass und nichts weiter als Hass. Was das dreckigere, große Tier natürlich erkennt und genau solche armen, in sich und ihrem Hass verdammten, einsamen Wesen gezielt als “Aufputschmittel” nutzen. 
 
Die einzige Pflicht, die beide Seiten noch haben ist die, dass sie aufhören, sich von den großen Tieren benutzen zu lassen. Aber das wird nicht geschehen, weil es niemals realisierbar sein wird, alle Menschen gleichzeitig dazu zu bewegen, alles niederzulegen. Nicht einmal, wenn man aus ein und der selben Gruppe kommt. Es wird immer welche geben, die in ihrer Eitelkeit weiter dazu aufmotzen, für das “Gute” zu töten, zu amputieren, zu vergewaltigen - und es immer weiter mit ihren guten Absichten für das eigene Volk, die Religion, die “Demokratie”, den “Humanismus” zu entschuldigen. Achwas, nicht zu entschuldigen, sondern zu loben. 
 
Nach einiger Zeit des Gefechts, dann der Ermüdung und dann der Resistenz gegen noch weitere Aufputscher, liegt einer von ihnen am Rand der Kämpfe und beobachtet dieses Geschehen, ohne noch einmal das Schwert für dreckigere Tiere dienlich zu zücken. Dieser Jemand wird von den eigenen Leuten zwar als Verräter beschimpft, doch macht es ihm kaum noch was aus. Er geht hin und versucht mit der anderen Seite zu reden, an ihr verzweifelt am gemeinsamen Menschsein anzuknüpfen, um zu entdecken, dass sie fast das Selbe will wie die eigenen “Kameraden”. An dieser Erkenntnis angekommen, fragt er sich, wie man das Feuer der dreckigeren, großen Tiere stoppen kann. Aber die Antwort bleibt schweigsam vom lärmenden Kriegs- und Todesschrei der Anderen. 
 
 
Schaut in den Spiegel - und Ihr seht das Abbild Eurer Feinde in Eurem eigenen Gesicht.
“Alles aus Liebe”
Manchmal sehe ich Dich von Weitem auf Petras Balkon sitzen. Wie damals schaust Du neugierig mit Deinem blonden Schopf durch die Blumen raus und heckst irgendwelche frechen Pläne aus. Noch gestern habe ich genau diese Szene beobachten können. Du siehst mich von Weitem, beobachtest mich, ich sehe Dich, drehe mich auf dem Absatz um und gehe wieder nach Hause. Du musst denken, ich sei verrückt. Vorallem, wenn man die Anstalten bedenkt, die ich mache, um “nicht aufzufallen”. Plötzlich nehme ich das Handy in die Hand, rede irgendetwas Wirres auf Persisch vor mich hin, drehe mich wieder Richtung Haustür und verschwinde, als hätte ich irgendwas vergessen. 
 
Ich gehe Dir leider aus dem Weg, Du sollst die Zeichen meiner seelischen Hoch- und Tiefflüge nicht an meinem Gesicht ablesen und nachfragen, wie es mir geht - ich könnte durch diese ehrliche, durchdringende Frage in Deinen Augen völlig auseinanderdriften. Und die Tatsache, dass ich ab meinem 5. Lebensjahr in Dich verliebt war, was sich mit 7 wieder legte, aber mit 13 wieder in heftigster emotionaler Orgie wie ein Lastwagen-Platt-Walzer über mich kam und ungelogen 6 Jahre andauerte, macht eine Begegnung mit Dir nicht leichter, auch wenn ich Dir nie meine Liebe beichtete, so schien sie irgendwie sonnenklar zu sein. 
 
Ich muss gerade so lachen, wenn ich an damals denke. Dein Problem war unser Altersunterschied, sonst nichts Anderes. Du warst ganze 7 Jahre älter als ich und hieltest immer einen sehr ernsten Abstand zu mir, den Du mit viel Humor und übertriebenem Witz noch stabilisiertest, ohne dabei distanziert zu wirken. Bei Antonio heultest Du Dich dann aus, abends an der Tischtennisplatte, wenn Ihr durch Eure ernsten Gesichter uns “Kleinen” fernhieltet, hattet Ihr Zwei Eure Gespräche. Er erzählte mir auch, dass Du “bisschen besorgt” seiest wegen Papa. “Ich mag ihn so gerne, er ist sowas von korrekt, aber was seine Töchter angeht, da versteht er keinen Spaß… Und nun?” 
 
Nichts tun. Ich war sowieso erst 13, auch wenn ich damals schon fast 1.70 m groß war und aussah wie 18, änderte das an der Zahl nichts. Das wussten wir, also begegneten wir uns weiterhin mit unschuldigem Geplänkel. Beim Fußball und Rundlauf suchten wir heimlich einwenig “Körperkontakt”, was dann so ausartete, dass Papa einmal sehr böse aus dem Balkon schaute, als er mich dabei erwischte, wie ich Dir mit dem Tischtennis-Schläger auf den Popo klatschte. Bevor ich auf unseren Balkon sah, spürte ich schon, wie Papa mich mit seinem Blick markierte. (*totlach*) Ich wollte an dem Tag auf keinen Fall nach Hause, aber soviel Ärger gab’s gar nicht. 
 
Das Verlangen, zu knutschen, “stillten” wir, indem wir immer aus einer Cola-Dose tranken. Ist das nicht romantisch? Wir verloren kein Wort, nicht mal aneinander, aber ich weiß noch ganz genau, wie lange wir die Dose und die geöffnete Stelle anstarrten, bevor wir langsam und mit geschlossenen Augen davon tranken. Für mich, die noch ein Kind war, war das alles aufregend - aber für Dich als 20 Jährigen muss das alles so frustrierend gewesen sein… 
 
Warum mir all das wieder einfällt? Ich höre gerade Deine Rauf-und-Runter-Lieder, mein alter Freund. “Red Red Wine” und “Kingston Town” von UB40. Wir kommunizierten sogar über Musik. Sobald ich begann, Klavier zu spielen, machtest Du Deine Anlage aus. Sobald Deine Anlage anging, hörte ich auf, Klavier zu spielen. Mein Zimmer war über Deinem, also benahm ich mich recht laut, damit Du mich hörst. Wurde ich laut, wurdest Du still, um mich zu hören - wurdest Du laut, wurde ich still, um Dich zu hören. Ein Glas auf dem Boden, mein Ohr drangeklebt. Manchmal bildete ich mir ein, wie ich Dich nachts atmen hörte… 
 
…wegen all dem will ich Dich heute nicht sehen. Erst, wenn ich wieder richtig leuchte. Irgendwann will ich Dir sagen, wie verliebt ich in Dich war als kleines Mädchen. Ich möchte, dass wir beide über mich lachen, mein alter Freund. So richtig über mich lachen. Und wenn Du Dich dann traust, beginnst Du Deine Verrenkungen zu der Zeit zu erzählen. Ich hoffe, dass dabei im Hintergrund UB40 und “Alles aus Liebe” von den Toten Hosen läuft.
Damm
Kurzer Brief an mein Herz… 
 
 
“Ich hab’ noch immer keine Träne geweint. Ich bin nur zornig. Doch dieser Zorn wird von einer ungeheuren Steifheit ummantelt, die alles und jeden wegstößt. Ich stehe hier und beobachte mich selbst von außen dabei und bin wie in boshafter Vorfreude gespannt auf meinen Zusammenbruch. Wenn der Damm bricht, dann richtig.”
 
 
 
 
Antwort… 
 
“Mein Herz, das ist Deine Art, für die Anderen zu überleben. Das ist nicht gut…”