September, 2007
Click: »Muse - Shrinking Universe«
Komm’ her, Baby (Notebook) ich will tippen. Ich habe gerade die virtuelle Welt in der Hand. Ja, in der Hand. Ich könnte sie unter meinen Arm klemmen und mit ihr draußen eine Runde joggen gehen - sie passt in ein 11″ Display Asus, extra pink für Frau Sherry’s. Ich will jetzt tippen, aus purer Wut tippen. Heute werde ich mich zu zügeln suchen, aber ich werde tippen.
Ich dachte damals, diese Geschichten von “bösen Menschen”, falschen Freunden, Lästereien, Ehrlosigkeit, “Beste Freundin lässt sich vom Freund der besten Freundin poppen” seien nur Märchen - und man müsse nur gut und loyal genug zu seinen Mitmenschen sein, dann würde allein das Scham- und Schuldgefühl sie daran hindern, solche Dinge zu tun. Pustekuchen. Die Welt läuft völlig anders, und mit Mitte 20 bin ich dabei, es zu raffen. Man kann mit Liebe, Herzchen, Pink, Umarmungen, Einsatz, Aufopferung keine Welt verbessern. Man ist einfach nur ein kleines, elendes Mist-Glied im Gefüge der Welt, das dazu da ist, um diese Balance zwischen Scheiße und ehm Liebe (ehm!) aufrechtzuerhalten. Idealisten sind die erbärmlichsten und einsamsten Menschen, die ich kenne. Sie bleiben auf dem sinkenden Schiff stehen und gehen unter. Ihr scheiß Idealismus lässt ihnen nicht die Möglichkeit, abzuspringen, sich doch noch zu retten. Ihr scheiß Idealismus lässt sie bis zur letzten Sekunde hoffen, dass der Mensch an sich doch irgendwann aufspringen wird, aus der ihm “naturgegebenen” Nächstenliebe heraus mit seinem aufopfernden Körper ins reißerischer Meer stürzt, um den Idealsten doch noch zu retten. Idealisten, diese erbärmlichen scheiß Idealisten, krepieren schon weit vor ihrer Zeit. Irgendwann löst die Realität He-Man ab, Skeletor ist nicht immer der Verlierer - und schwarz und weiß nageln sich Tag und Nacht immerwiedermal, werfen einander weg und gehen ihres Weges, irgendwann kommt auch mal eine graue Masse raus, jedenfalls undefinierbar - rechts, links, oben, unten, kein Arsch weiß mehr, was gut und böse ist. Außer die armen Idealisten. Sie reichen Dir die Hand, machen große Augen, sagen “Alles wird gut!” - und wenn man ihnen nicht glaubt, legen sie Dir aus Mitleid noch ihr letztes Stück Brot auf die Hand und sagen wieder “Komm’, alles wird gut.”… Was dann? Man hackt ihnen die Hand ab, für das Stück Brot, haut ab - und der scheiß Idealist schreit vor Schmerzen auf und sagt noch “Nein, nicht schimpfen! So meinte er das doch nicht. Sein Kern ist gut!” - Erbärmliche Idealisten. Denen gehört doch echt mal in die Fresse getreten. (Freiwillige mögen sich bitte melden!)
Was ich sagen wollte? Wie gesagt. Sie krepieren, bevor sie die erste Schambehaarung aufweisen können. Irgendwann mit 30 Jahren sind sie so vergeistigt in ihren abstrakten, philosophischen Gedankenverrückungen, dass man sie nicht mal mehr normal ansprechen kann, ohne dass man ihnen nicht vorher mit einer Keule auf den Kopf haut. “Ja? Oh, hast Du etwas gesagt?” (Ja, verdammt. Wach’ AUF!)
Ungefähr mit 35 Jahren kommt der große Wutausbruch. Wenn die Umgebung Glück hat, ist es nur ein Sachschaden oder der wutentbrannte Idealist ist nicht nur seelisch, sondern auch körperlich autoaggressiv veranlagt und ballert sich den Kopf mit der Mauer zu (oder umgekehrt), sitzt paar Wochen in der Geschlossenen und gut ist. Hat die Umgebung Pech, endet es mit einem wohlverdienten Amoklauf. (”Metzelt sie nieder! Diese dreckige Menschenbrut muss verrecken, verrecken, verrecken!”) - Schwamm drüber.
Was ich sagen wollte ist, dass ich ein paar Jahre (10 Jahre, um genau zu sein) zu früh bin (wie immer. Meine Titten waren schon mit 11 die Welt am beglücken!), und dass man sich vor mir in Acht nehmen sollte. Big Bang Boom. Ich werd’ Euch dann ficken. Das Gehirn aus der Nase, aus den Ohren, aus dem Arsch ficken und Euch Euren scheiß Erzeugern vor die Nase setzen, damit sie sehen, was sie da eigentlich produziert haben. (Ich wollte mich doch zurückhalten, verdammt!)
Was meinte dieser Loser Esoteriker Wayne Dyers noch? Es sind nicht die anderen, die mir weh tun, sondern meine eigenen “Gedanken”. Lediglich meine eigenen Gedanken. Nur ich erschaffe also meine Welt, meinen Schmerz - niemand sonst ist daran beteiligt. Das heißt, ich interagiere mit mir. Weit und breit also niemand da, der mich beeinflusst. Ich, Ich, Ich bin also komplett isoliert von exogenen Faktoren, Descartés hat Recht, ich bin also auch ein super hübsches Topmodel, wenn ich will, reich und hab’ endlich meinen Führerschein. Richtig? Und drei Kühlfächer voll von Eis. Uh, Junge, Du bist so schlau. Wenn Du mir damit Mut machen wolltest, solltest Du erstmal darüber nachdenken, was es bedeutet, wenn Du dem Menschen zusprichst, absolut unbeeinflusst zu sein von der Umgebung. Das heißt nämlich nichts Anderes als totale Isolation, Einsamkeit, Scheißhaufen ohne Fliegen. Vielen Dank auch, nein danke. Ich bin lieber Opfer der Umstände und mein eigenes Opfer, als nur mein eigenes Opfer. Ich hasse die Welt zwar, aber ich will nicht ohne sie sein. OK?
Die Wut verfliegt langsam. Ich bitte um Entschuldigung, denn jetzt, wo ich wieder alles rausgekotzt habe, stehe ich nackt hier, mal’ so vor mich hin, alles ist schön schwarz bis feuer-grau, die Liebe pocht wieder, der Idealist in mir wird sich morgen mit zehn besonders guten Taten rächen und sich wieder in mir einverleiben, die Amokläufe bleiben aus, weil ich schreiben kann - und ich werde auch keine Glastüren zertreten so wie damals mit 16, als… das ist wieder eine andere Geschichte. Ich möchte meinen extrem nachvollziehbaren Beitrag eigentlich nur mit diesem Gedicht abrunden, weil ich diesen kranken Sack Kafka so liebe. Er bringt es auf den Punkt, er bringt es auf den Punkt. Die Information, dass ich in der Hölle lebe, ist nur eine Information. Wie sie sich anfühlt, meine Hölle, kann niemand wissen. Ich hoffe ja immernoch, dass eine Seele anschwirrt, mal durch mich durch geht, sich bis auf die Haut verbrennen lässt, einmal meinen Schrei schreit, damit überhaupt jemand einmal für mich geschrien hat. wieder rausgeht, ohnmächtig zu Boden kippt, ich ihn auffange, meine Wange auf seine Brust lege, ihn dafür liebe, dass er in mir war - wirklich in mir war - bei ihm bleibe, mit ihm sterbe, endlich frei sein werde… Stop! Hier das Gedicht:
Wenn Du vor mir stehst und mich ansiehst,
was weißt Du von den Schmerzen,
die in mir sind
und was weiß ich von den Deinen.
Und wenn ich mich vor Dir niederwerfen würde
und weinen und erzählen würde,
was wüsstest Du von mir mehr als von der Hölle,
wenn Dir jemand erzählt,
sie ist heiß und fürchterlich.
Schon darum sollten wir Menschen
voreinander so ehrfürchtig,
so nachdenklich,
so liebend stehn’
wie vor dem Eingang zur Hölle…
Achso, und das hier habe ich vorhin gemalt und so. Peace.
Ich weiß nicht, wieviele Wörter ich in den letzten drei Monaten in dieses Blog geschrieben habe. Es waren weniger als sonst - aber dennoch so unsagbar viele, die um den Hauptschmerz herum gefaselt haben, dass ich mir schon fast wie eine Heuchlerin vorkomme. Kein Wunder, dass ich mehr male, als schreibe. Dass ich mehr weine, als schlafe. Ich werde dennoch weiterschweigen, mir bleibt nichts Anderes übrig, denn die Kraft versiegt immer mehr.
Letztens fragte mich eine Freundin: “Sherry, wie geht’s Dir?” - Als ich zur Antwort ansetzen wollte, redete sie einfach weiter und weiter. Ich schluckte den Kloß ungekaut wieder runter, den ich zum Antworten aufgestoßen hatte. Sie meinte es nicht böse, wirklich nicht, doch für mich, die sich endlich dazu überwinden wollte, zu reden, war’s ein Game Over für die nächsten Tage. Also bleibt mir wieder nichts weiter, als zu malen, anstatt zu reden - oder in Schleiern zu schreiben.
Das Bild heißt »Her Pain«. Es ist meine erste Kohlezeichnung. Mit Kohle lässt es sich für mich nicht gut malen. Leider. Deshalb werd’ ich das wahrscheinlich so schnell nicht wiederholen.
Click: »Sean Paul - Get Busy«
“Oh nein, ich war unanständig…”, sah ich Parisa mit großen Augen an und hielt mir dann die Augen zu, als dieser Typ von der Tanzfläche plötzlich weg war. Meine Freundin Parisa lachte. Mir war so heiß, ich wusste gar nicht wohin mit dem Feuer, das meinen Herzschlag auf Hochtouren brachte. Also fing ich an, zu fluchen, wie immer, wenn ich überfordert war.
“Dieser Penner, Wixer, dieses gottlose Schwein!”, fuchtelte ich mit den Armen rum.
“Du bist hin und weg, oder? Hahahaha!”, lachte Parisa mich dreckig aus.
“Hör’ mal! Hast Du nicht gesehen, was der sich einfach erlaubt hat?”
“Jaaaah, Sherry! Aber weißt Du, was ich noch gesehen habe? Ich habe gesehen, was Du Dir erlaubt hast!”
Sie hatte Recht. Ich hatte mir in dieser Nacht auf der Tanzfläche Dinge erlaubt, die ich mir sonst in dem Maße nie erlaube oder nur mit Frauen (auf der Tanzfläche wohlgemerkt). Aber irgendwie hatte mir dieses Macho-Schwein einfach die Kontrolle entzogen. (Edit: Männer, die es wagen - die es wagen - mir ohne zu fragen, die Zügel wegzureißen, sind übrigens meine Traummänner. Aber das spielt hier keine Rolle, oder vielleicht auch die Einzige, egal jetzt!)
Wir gehen jetzt einen Schritt zurück - und zwar zum Anfang der Geschichte. Was war eigentlich passiert? Für die Meisten wird das einfach nur eine langweilige Story sein, weil es nicht direkt ums Poppen und Stöhnen geht - aber wer weiß, was mir das Tanzen bedeutet, der weiß, dass ich beim Tanzen vielleicht sogar noch üblere Hitze empfinde als bei anderen Aktivitäten. Es ist sinnliche und übersinnliche Lust in einem. (Wer mich kennt, weiß, ich liebe durch’s Tanzen oder durch’s Essen. Und wenn dann beides - oder Gott bewahre - gleich alle drei Komponenten vorhanden sind, dann bumm! Egal, weiter jetzt.)
Es war eine kalte Nacht. Die kalten Nächte sind bei mir immer die schönsten Nächte - ich weiß immernoch nicht warum. Aber auch das ist egal. Weiter also. Parisa und Ich haben in jener Nacht nach irgendeiner Tanzmöglichkeit gesucht, die nicht voll war von Goldkettchen-R&B-er und “Oh bitte nicht zu nah an mir rum-atmen, die falschen Wimpern könnten mir sonst wegfallen”-Chicks. Das war gar nicht so einfach - aber letztendlich entschieden wir uns für den Schuppen, der die betanzbarste Musik hören ließ (Ich stand damals unheimlich auf Sean Paul und murrte sehr lange rum, dass der da kaum lief, aber egal.)
Ich war nicht besonders aufreizend angezogen, das bin ich verhältnismäßig nie, weil ich in Ruhe tanzen will, ohne ständig irgendwo etwas zurechtziepen zu müssen. Und das muss ich bei mir leider sehr oft, sonst gibt’s Verkehrsunfälle. Eine engere Jeans und ein Wasserfall-Spaghettiträger aus goldenem Satin und die Hüftketten hatten ausgereicht, um mich mal wieder nackt und unwohl in meiner Haut zu fühlen. Aber das legte sich gleich, als ich merkte, dass mein Outfit im Vergleich zu den anderen überhaupt nicht auffiel. Die Musik tat ihr Übriges und entführte mich in völlig andere Gedanken. Ich sah mich einwenig skeptisch um, immer meine Freundin im Auge, die mit ihrer kleinen Größe leicht mal entführt werden konnte. (Die Geschichte mit dem Typen, dem ich ihretwegen derbe eine ballerte, erzähle ich ein anderes Mal)
Die Musik war in Ordnung - ein Mix aus R&B und eher schlecht gelungenen Orient-Remixes, die dennoch gleich Lust auf mehr machten. Die Tanzfläche war noch nicht sonderlich voll, der Tag war mit seinen 23 Stunden wohl noch nicht weit genug - also tranken wir unseren Drink und unterhielten uns einwenig, bis ich dieses wilde Mädchen auf der Tanzfläche sah, das einen sehr guten Hüftschwung drauf hatte. Ich betrachtete sie zuerst aus meinen Augen, die milimetergenau ihre Proportionen anpeilten und mit ihren Brüsten abwogen und in Relation zu ihrem Haar, ihren Augen, ihrem Gesichtsausdruck brachte. Ich legte den Kopf schief und beobachtete ihre Tanznatur. Nach einiger Zeit schaltete ich um und betrachtete sie aus den Augen eines Mannes (Hatte ich schon erwähnt, dass ich das tatsächlich kann? Frauen aus den Augen eines Mannes betrachten?) - Ihre Bewegungen waren aufreizend, aber sie schien das Tanzen nicht als Einladung zu benutzen, sondern tanzte für sich allein. Ihr Hintern war der Hammer - große Backen, aber nicht vollends schwabbelig, sondern mit einer guten Konsistenz. Das Draufklatschen musste unheimlichen Spaß machen. Ihre Brüste waren verhältnismäßig klein, aber das war unwichtig, der Hintern und die Schenkel machten das wett. Ich spürte, wie dem Mann in mir die Lust zu Kopf stieg, denn ihre wilden Locken wollten auf jeden Fall gekrallt und gebändigt werden. Sie schwitzte und roch sicher auch wunderbar. Aus den Augenwinkeln sah ich einen jungen Mann, der sich an eine Säule lehnte und mit verschränkten Armen die Tanzfläche beobachtete. Er hatte pechschwarze, dicke, längere Haare, die zu einem Zopf zusammengebunden waren und schaute leicht grimmig bis belustigt in die Runde. Sicher würde er bald Interesse an dem Mädchen finden und sie beobachten, so wie ich es beobachtete. Ich verlor schnell das Interesse an ihm und konzentrierte mich wieder auf sie. Switch. - Ich war wieder auf Sherry-Modus und genoss ihren auffälligen Tanzstil, der mich förmlich aufforderte, ihm eine Antwort zu geben. Ich wurde unruhig und meine Hüften tänzelten schon unmerklich.
Exkurs: Frauen beim Tanzen sind ein Ereignis an sich. Die Meisten tanzen, um einen Mann zu locken - und das wirkt meistens dumm (ja, tatsächlich dumm). Nur wenige tanzen, weil sie einfach nicht anders können und Sklave der Musik sind. Und genau da fängt eine Frau an, ihre Fähigkeit zur Leidenschaft und Hingabe zu zeigen, was dann wiederum bewirkt, dass sie die ganze testosteronbeladene Umgebung einfach nur heiß macht.
So eine Tänzernatur war das Mädchen, also konnte ich nicht anders, als auf die Tanzfläche zu gehen - zwar etwas eingeschüchtert durch ihren Hüftschwung - doch meine kleine Handtasche Parisa war ja dabei. Also fingen wir an, einwenig zu tanzen - die Tanzfläche füllte sich schnell. Als ich das Mädchen schon nicht mehr beobachtete und ganz darin versunken war, zu tanzen, obwohl mir die Musik noch nicht so den Rest gab, passierte das, was nicht passieren durfte: »Sean Paul mit “Get Busy”« dröhnte laut aus den Boxen und haute mich um. Bumm. Ich musste kurz aufschreien vor überschüssiger Energie und merkte, dass ich nicht die Einzige war. Das tanzende Mädchen schrie auch auf. “Shake that thing miss kana kana, Shake that thing Miss Annabella, Shake that thing yan donna donna” munterte Sean Paul uns aus den Boxen heraus auf.
Man muss Sean Paul’s Rhythmen kennen, um zu wissen, dass man darauf nicht mehr weich tanzte, sondern der ganze Körper sich absolut verspannte, um sich dann in sehr kurzen Intervallen in den Hüften völlig zu entladen. Ich merkte, wie mich der Rhythmus endlich zu unterwerfen drohte, wie mir alles egal wurde, ich wollte nur tanzen und der Spannung in meinem Körper und in meiner Seele einen verdammten Ausweg nach draußen bahnen, bevor ich explodierte - nichts Anderes war wichtig. Ich schloss die Augen und tanzte mit Allem, was ich hatte. Manchmal öffnete ich die Augen und sah mal den jungen Mann, der an der Säule gelehnt war, wie er mich nachdenklich anschaute und sich in seinen Augen irgendetwas Unbestimmtes regte - mal sah ich das tanzende Mädchen. An ihrem Blick blieb ich irgendwie hängen, weil sie so unfassbar wild und vom Rhythmus gepeitscht tanzte. Sie schien bei diesem Track genauso hin und hergeschmissen zu werden, wie ich…
“Its all good girl turn me on
’til a early morn’
Let’s get it on
Let’s get it on ’til a early morning
Girl it’s all good just turn me on”
Wir schienen uns aus der Ferne gegenseitig anzuspornen, alles beim Tanzen zu geben. Sie klatschte, um mir zu zeigen, dass sie meinen Tanzstil bewundert und ich zeigte ihr meine Anerkennung auf die selbe Art und Weise. Es dauerte keine 30 Sekunden, und sie war nicht mehr weit weg von mir. Wir tanzten einander an und beäugten uns erstmal glücklich, während wir weiter zueinandergeneigt unsere Hüften warfen. Irgendwann merkten wir, wie die anderen um uns herum uns beobachteten und auf irgendeine Explosion warteten - im Hintergrund sah ich immerwieder diesen jungen Mann an der Säule. Als das Mädchen sich umdrehte, um mir ihren Po-Shake von hinten zu zeigen, tanzte ich sie von hinten in der Stellung an und hielt irgendwann ihre Taillie mit beiden Händen und schmiegte meinen Rhtythmus an ihren an. Der Rhtythmus wurde immer härter, die Vibratio in unseren Hüften auch. Wir ließen uns leiten. Als ich mich umdrehte und wegtanzen will, tat sie es mir gleich, schnappte mich von hinten und presst sich an mich. Wir tanzten und lachten, sahen die Menge neugierig gucken und manche Frauen klatschen. Ich merkte aber, dass ihr Atem zu kurz war um noch bis zum Ende durchzuhalten. Sie brauchte eine kleine Pause, also verabschiedete ich mich tanzend von ihr und zeigte ihr nochmal, wie toll ich ihren Tanzstil finde. Sie lachte euphorisch auf und schenkte mir ihrerseits das selbe Kompliment, indem sie mich von oben bis unten anschaut und klatscht. Hüft-shakend entfernen wir uns voneinander.
Ich war wieder ganz für mich alleine. Meine Augen schlossen sich - dieses verdammte Lied war immernoch nicht zu Ende. Ich hatte sogar Parisa aus den Augen verloren, alles war egal, ich tanzte mir das Leben aus dem Leib und merkte nicht, wie dieser junge Mann an der Säule gar nicht mehr an der Säule war. Ich schaute mich kurz aufgeschrocken um, denn irgendetwas stimmte nicht, irgendetwas Unruhiges schwirrte um mich oder hinter mir herum. Bevor ich mich richtig umschauen konnte, spürte ich schon diesen festen Griff an meiner Taillie, der mich zielbewusst packte - nicht zu vergleichen mit dem verhältnismäßig schüchternen Griff des Mädchens. Ich schrie kurz auf, als ich merkte, wie jemand sich an meinen Rücken presste. Ich drehte mich noch im Tanz ruckartig um und sah diesen grimmigen Typen, wie er mich fest ansah, amüsiert lächelte und “nebenbei” ein Körpergefühl im Tanz hatte, das seinesgleichen suchte. Ich schaute ihn aus Pflichtgefühl böse und abweisend an (obwohl ich einfach nur überrascht war) und schubste ihn einen Schritt zurück und sah ihn weiterhin verächtlich - aber immernoch tanzend - an, drehte mich auf dem Absatz um und wollte - ja, immernoch tanzend - Richtung Parisa tanzen.
Das alles muss ausgesehen haben wie ein eingespieltes Schauspiel auf der Bühne, als der junge Mann von hinten meinen Arm packte und mich feste zu sich zog - so nah, dass meine Nasenspitze fast seine berührte - mit seiner Hand meine Taillie packte und mich an sich presste, während er den anderen einfach mit der anderen Hand gefechtlos machte. Er schaute mir fest und fordernd in die Augen und führte mich in die Richtung, die er mich haben wollte. Ich hatte keine andere Wahl, als in dem Moment mit ihm zu tanzen und ihn dabei erbärmlich böse anzuschauen. Plötzlich merkte ich, wie unsere Umgebung kreischte und pfiff - ohne dass ich merkte, was geschehen war, bildete sich ein Kreis um uns. Mir war das so unangenehm, ich war plötzlich wütend und unglaublich euphorisch zugleich, als ich merkte, wie seine Hand sich auf meinen Hintern zubewegte und auf meiner Haut einfach nur eine brennende Spur hinterließ. Die Menge wurde bei jeder Handlung und Gegenhandlung lauter. Ich packte tanzend seine Hand von meinem Außenschenkel, drehte mich um und legte sie stattdessen auf meine Taillie, bis der Aufruhr sich wieder in schnelle, synchrone Bewegungen wandelte. Die Vibratio in unseren Hüften stieg immer weiter an, die Spannung zerriss die Atmosphäre. Es roch nach Feuer und Schweiß. Und das alles immernoch auf dem selben scheiß Track, in dem Sean Paul mir zurief, ich soll shaken was das Zeug hält…
Er hielt mich fest und tanzte entschlossen. Diesmal wanderte seine Hand hoch und wollte zu meiner linken Brust. Wieder wurde die Menge laut und ich packte seine Hand rechtzeitig und drehte sie so fest, dass er “Au” rief. Wieder stand ich ihm frontal entgegen, schnappte mir seinen Kragen und zog ihn zu mir, hielt ihn fest und war diesmal jene, die en Rhtythmus angab. Ich lächelte triumphierend, wollte dominant wirken und ließ ihn rückwärts gen Boden tanzen. Doch ich unterschätzte ihn. Er war so gelenkig, dass ich mich solange zu ihm runterbeugen musste, bis er fast in einem Guss so hätte eine Brücke machen können. Als ich dachte, er kann nicht tiefer runter und schon siegessicher Gnade walten lassen wollte, packte er meine Taillie nochmal ganz fest, zog mich mit sich runter und verschwand mit seinen Augen in mein Dekolté, das durch meine zu ihm gebeugte Körperhaltung natürlich offene Sicht bat. Er macht große Augen, lacht und schüttelt seine Hand plakativ, als habe er sich an meinem Dekolté die Hände verbrannt - und die Menge kreischte und lachte immer lauter und erhitzte die schon heiße Situation immer weiter. Ich wich zurück, hielt etwas verunsichert und fauchend mein Dekolté zu. Er jedoch nahm meine schützende Hand und drückt sie tanzend runter, so dass automatisch meine andere Hand mein Dekolté umfasste. Mit großen, vorwurfsvollen Augen sah ich ihn an - und alle lachten herzhaft (es muss wirklich wie einstudiert ausgesehen haben. Es war alles so synchron).
In meiner Unbeholfenheit wollte ich mich wieder umdrehen und in eine andere Richtung tanzen. Das ließ er sich nicht gefallen. Wie zu Anfang packte er mich, presste unsere Gesichter und Körper nah aneinander und tanzte. Tanzte, tanzte, tanzte - irgendwer muss dem DJ gesagt haben, dass er Sean Paul auf Repeat laufen lassen soll, wie sonst konnte ein Track nur so unendlich lange dauern? Wir tanzten eng und wild - immer einem Machtkampf verfallen, den ich verdammt ernst nahm, der ihn jedoch höchstens amüsierte oder animierte, was mich noch wütender machte und mich tänzerisch auf Hochtouren schoss. Irgendwann klatschte ich ihm im Tanz auf den Hintern, als sei er mein Bunny und nicht umgekehrt. Er lachte auf, nahm meine schuldige Hand und presste sie erst sanft und dann fester an meinen Rücken, vernarrt in meinen Blick und tanzte. Er war ganz nah, schaute mir immer sehr intensiv und bezwingend in die Augen. Meine Hand auf dem Rücken tat mir einwenig weh, aber ich zeigte es nicht, trat ihm einmal auf den Fuß, um danach sofort wieder süß zu lächeln, woraufhin sein Griff etwas fester wurde. Ich tanzte unerbittlich bis zum Schluss weiter und flehte nicht um Gnade, so wie er es wollte, sondern machte seinem Körpergefühl und seiner Ausdauer Konkurrenz. Die Menge um uns herum war entzückt und schrie - wir hatten sie angesteckt, endlich krallten sich Männer und Frauen wildfremde Tanzpartner und taten uns alles gleich. Ließen sich einfach in ihre eigene Wildnis fallen, so wie er und ich auch. Aneinandergepresste, wildfremde Körper beschenkten einander mit Hitze und Leidenschaft. Sie kämpften um Macht, so wie wir um Macht kämpften. Sie taten sich einwenig weh und übertraten persönliche Grenzen und schnauften und lachten dabei, so wie wir es taten. Es war eine Mischung aus Wut und Verzückung in einem. Es war Lust, aber nicht nur Sexuelle, sondern eine, die sich auf das ganze Leben und der körperlichen Existenz ergoss. Nicht nur mehr die Musik peitschte und unterwarf uns, sondern wir peitschten und unterwarfen uns einander. Diese Mischung war so groß, dass es unsere Herzen in Fetzen zu sprengen drohte…
Sean Paul rief noch einmal “Shake that Thing” - wir alle gaben alles, obwohl wir nichts mehr hatten, bis der Track vorbei war und wir alle ineinandersanken. Der junge Mann lockerte seinen Griff, sah mich überglücklich und mit strahlenden Augen von oben bis unten an, nahm meine Hand, küsste sie, ohne seinen Blick von meinen Augen zu lassen und sagte nur: “Danke. Du bist eine wundervolle Tänzerin. Einfach nur danke.” - Er lächelte entspannt und glücklich, drehte sich um und ging aus der Halle raus. Ich stand wie angewurzelt da, schaute mich um und sah die Menge schonwieder wild tanzen. Ich suchte irgendwie einsam Parisa, die irgendwo dahinten stand und mich völlig verzaubert ansah.
“Mein Gott, Sherry. Wie HAMMER Ihr getanzt habt. Wie hammer! Kanntest Du ihn? Wo habt Ihr das denn eingeübt?”, fragte sie hektisch.
“Eingeübt? Oh mein Gott, Parisa. Ich habe ihn heute zum ersten Mal gesehen!”
“Zum ersten Mal? Und so tanzt Du dann mit ihm? Unsere prinzipienstrenge Sherry?”, lacht sie.
“Oh nein, ich war unanständig…”, sah ich Parisa mit großen Augen an und hielt mir dann die Augen zu und verfluchte diesen Typen. Mit diesem Typen, der so unglaublich leidenschaftlich tanzen konnte und sich einfach nahm, was er wollte. Der, der mich auf der Tanzfläche zum Äußersten brachte. Der, der mit mir kämpfte und mir seinen Sieg wie einen eigenen Triumph versüßen konnte.
“Dieser Wixer”, fluchte ich und lachte. Hoffentlich sehe ich ihn niewieder, dachte ich. Bloß niewieder. Der Typ ist eine Katastrophe. Einfach eine Katastrophe wie aus meinen Träumen. Aus meinen Träumen…
Das tat ich auch nicht. Er schien nur gekommen zu sein, um die Menge beim Tanzen zu beobachten. Er wollte einfach nur einen Tanz haben. Einen einzigen Tanz. An jenem Abend war ich seine Auserwählte - warum auch immer.
Es ist ganz seltsam. Dieses Bild ist weder technisch gut, noch gehören die Farben zu meinen Lieblingsfarben. Zudem habe ich viele Fehler gemacht. Aber das lege ich bei diesem Bild sehr einfach zur Seite, ohne mich daran zu stören, denn es ist etwas Anderes hier passiert.
Ich habe einen jungen Mann gemalt. Ich habe ihn “Dominique” genannt. Dabei hörte ich Astor Piazolla. Und während ich ihn so malte, ist mir etwas Seltsames passiert. Ich habe mich tatsächlich einwenig in ihn verliebt. Ich finde, seine Augen sprechen Welten. Er sehnt sich wohl sehr nach “irgendetwas, irgendwem, nach irgendeinen Ort”. Er ist melancholisch, verträumt, sucht die Ferne. Aber seine Mundwinkel zeigen eine Vorfreude. Eine Vorfreude, als wüsste er, er würde bald “dort” sein dürfen. Dort, wo jemand auf ihn wartet. Wer oder was das immer jetzt auch ist, weiß ich nicht. Jedenfalls habe ich mich in mein Motiv verliebt - und jetzt weiß ich auch, warum ich nie Männer male… Wenn ich Macho-Männer male, dann ist es in Ordnung, die finde ich dann einfach nur sexy. Aber sollte in ihren Augen auch nur andeutungsweise Melancholie, Sehnsucht oder sonst etwas vorhanden sein, bin ich Opfer. Und das sofort. Dann darf ich selber wieder darum kämpfen, aus der Melancholie, der Sehnsucht und der “Vorfreude” wieder zu erwachen, die ich im Ausdruck meines Gemäldes sehe. Oke, genug gefaselt. Hier ist der junge Mann. Ihr werdet ihn bestimmt gar nicht so schön finden wie ich. Aber Ihr seid es auch nicht gewesen, die jedes Detail an ihm einsaugen musste, bevor es mit Farbe zur Form gebracht wird.
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