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Pepe kommt gleich. Er bleibt ganze 11 Tage. Was das bedeutet? Das bedeutet, dass ich in diesen 11 Tagen viele Lasten abstreifen kann und ihm in die Hände geben kann. Ich kann ihm mich in die Hände geben. Ich werde behütet, beschützt, mein Chaos im Leben wird nicht nur mit zwei unbeholfenen, kleinen Händen in Ordnung gebracht, sondern mit vier - und zwei davon sind stark, vernünftig und wollen das Beste für mich.
Es hört sich vielleicht komisch an. Aber meistens, wenn Pepe kommt, dann werde ich unheinlich müde und will schlafen. Endlich schlafen. Das ist keine Beleidigung gegen ihn oder kein Anzeichen dafür, dass er mich langweilt, nein. Es zeigt nur, dass ich mich plötzlich entspanne und mir viele Tonnen von der Schulter fallen, wenn er bei mir ist. Und wenn das geschieht, fällt die ganze, krampfhafte Verspannung von Körper und Seele in eine unbekannte Tiefe ohne Aufprall. Wie, als würden all die Lasten während des Falles aufhören, zu existieren.
Ich weiß, dass ich in 11 Tagen hier sitzen werde und mich fassungslos fragen werde, wie schnell diese Tage nur vorübergehen konnten. Und wie schwierig es sein wird, wieder mit vielen Tonnen mehr den Alltag zu bewältigen. Aber daran will ich jetzt nicht denken. In ein paar Stunden ist er hier… Und ich kann in seinen Armen einschlafen. Nur daran will ich denken. Nur daran…
Diesen “Rap” hat mir mein kleiner Bruder (16) vor ein paar Tagen geschickt. Er meinte, ich solle wegen der Rechtschreibung mal drüberschauen. Was ich da zu lesen bekam, war ein emotionales Meisterwerk. Er schrieb es für seine beste Freundin, mit der er all seine Sorgen teilt. Sie schneidet sich ab und zu in die Arme, wenn es ihr sehr schlecht geht… Im letzten Beitrag “Männer sind doof” habe ich noch erklärt, wie das Trösten nicht klappt. Und hier ist ein Beispiel dafür, dass es auch Jungs / Männer gibt, die einfach eine Seele dafür haben.
Ich bin total stolz auf den Kleinen, der inzwischen 1.82m groß ist und mich wie ein kleines Mädchen tätschelt. Ich liebe Dich, Bruderherz. Egal, was sein wird.
Blut im Bad
Sehr gerne würde ich Dir Deine Probleme nehmen
und Deinen Schmerz teilen
ihn verheilen
Ich höre Dein kleines starkes herz
so laut weinen…
Meins weint mit schatz…
Sehr gerne würde ich immer für Dich da sein…
Dir schenken mein ganzes Dasein…
Dir helfen bei Angst und Sorgen
Bei Dir sein, bei Nacht und Morgen.
Schatz Du zweifelst am Sinn des Lebens
Versuchst Deinem Leben einen Sinn zu geben
Sag’, wieso bist Du eben mit Klinge im Bad gewesen?!
Hast Dir in Gedanken jeden Grund gegen das Leben vorgelesen
Du willst spürn’ starke Schmerzen…
Willst wissen, ob überhaupt nochwas da ist
Und Deine Wunden auch wirklich noch schmerzen…
Deshalb überkam Dich das Gefühl, zur Klinge zu greifen
Und Dir in die Arme und ins Herz zu schneiden…
das Blut tropft - Du bist erleichtert
Es ist dumm, doch Du denkst
“Ich fühl nix mehr, was soll’s dann schneid’ halt weiter!”
Dein Leben ist ein Gefängnis in Deinen eigenen vier Wänden…
Sehr gern würd ich helfen, das Blatt Deines Lebens für immer wenden
Doch ich kann Dir nur, nur dieses lied hier schenken!
Glaub mir, dass ich mit Dir fühl’
Auch wenn auch mich Probleme plagen,
die mich in die irre führn’…
Hab viel Verantwortung, viele Lasten zu tragen,
Schwer solche Lasten zu tragen, wenn meine Hände
keine Lasten mehr tragen…
Ich bin dabei mein Leben zu zerstörn’
Ich tu’ die Stimmen der Weisheit überhörn’
Ficke meine Zukunft Tag für Tag ein Stückchen mehr…
Der Tag, an dem ich’s Schwarz auf Weiß hab, rückt immer näher…
Sehr gerne würde ich Dir Deine Probleme nehmen
und Deinen Schmerz teilen
Ihn verheilen
Ich höre Dein kleines starkes Herz
so laut weinen…
Meins weint mit, Schatz…
Wann verstehen Männer endlich, dass Frauen - wenn es ihnen nicht gut geht und sie weinen - keinen Appell an ihre Vernunft und “logische Lösungen” von ihnen wollen, sondern schlicht und einfach Trost und eine starke Schulter? Ein sicheres Festhalten und Stirnküssen? Wie oft muss man’s ihnen noch sagen? Wie oft müssen sie ihr brummendes “Ich wollte ja nur eine Lösung für das Problem bieten” noch loswerden und vorallem abwinkend zurückgeschmissen bekommen, bis sie es verstehen?
Jungs! Erst trösten - und wenn die Tränen getrocknet sind und Euer Mädchen aus ihrer Verletztheit wieder hinausgewachsen ist, können wir über die Lösungen reden. Dann sind sie nämlich auch meistens direkt umsetzbar, weil Euer Mädchen wieder Kraft hat und die Tränen ihre Sicht auf die Dinge nicht verschleiern. Okay, Ihr Riesen-Babies?
Das war jetzt ein sehr konkreter, sachlicher Lösungsvorschlag gegen Eure Kommunikationsprobleme mit Eurem Mädchen. Ganz einfach.
Mein Papa hat mich schon immer liebevoll “Dokhtare Shelakhteh” genannt (=persisch: “Schlampiges Mädchen”). Ich hatte nie diese Ader für’s “Hausfrausein”, wie es andere iranische Mädchen hatten. Meine türkische Freundin Halime damals hat mit 12 schon im Haushalt geholfen, hatte Ordnungssinn und wusste, worauf es im Führen eines Haushaltes ankommt. Ich hingegen hing in der Zeit immer unten bei den Jungs und spielte Fußball. Schämte mich zum Teil auch vor den anderen türkischen Mädchen, dass ich solche Dinge nicht drauf hatte und so wirkte, als würde ich zu Hause gar nicht helfen (was ja auch so war, aber Mama verlangte das auch nie von mir). Das Einzige, das ich immer leidenschaftlich getan habe war, mit Papa die 10-Wochen-Einkäufe hochzutragen und zu testen, wie stark ich inzwischen bin. Ich wollte unbedingt immer soviele Kisten mühelos hochtragen können wie er. Aber so Frauenkram? No way.
Jedenfalls habe ich, seit ich in diese Wohnung gezogen bin, einen kleinen Ordnungstick entwickelt. Mama sagt immer, es liegt an meinem heiratsfähigen Alter, dass ich zunehmend weiblicher werde (LOL, was will sie mir damit sagen?)
Lange Rede, kurzer Sinn: Ich habe vorgestern den ganzen Tag an meiner Küche “gebastelt”. Alles rausgeholt, alles neu gespült, abgetrocknet, eine neue Ordnung festgelegt (schriftlich! Das heißt, ich habe die Ordnung richtig geplant), alles innen und außen geputzt und war danach sehr glücklich. Das sah so hübsch aus, dass ich das fotografieren musste. Und es stimmt, was man sagt, Putzen macht glücklich. Aber bis man sich dazu aufrafft, …
Hier die Sherry-Küche, obwohl ich keinen Schimmer vom klassischen Kochen habe:
Eine meiner wenigen Freundinnen, die sich schon ab dem ersten Augenblick auf ewig in mein Herz gebrannt haben, ist Ayse. Egal, wie lange wir uns nicht sprechen oder sehen, wenn irgendetwas in mir schmerzt, ist sie oft die Erste, die schreibt: “Ich weiß nicht warum, aber ich musste gerade so an Dich denken. Und es tat weh, Azizam. Alles ok?” - Manchmal denke ich: Nichts kann sich je zwischen uns ändern, weil, wie sie sagt, unsere Herzen wirklich im selben Takt schlagen.
Unsere Erscheinung ist wirklich witzig. Ayse ist nur 1.60m groß und sehr, sehr zierlich. Ich hingegen 1.71m und bin bekurvter. Dennoch hat man uns immer “Die Zwillinge” genannt. “Ohje, die Zwillinge kommen. ACHTUNG!”…
Warum Achtung? Ja, gute Frage. Ayse und Ich - das war immer so eine Katastrophenkombination. Ich erinnere mich, wie wir in der Uni immer mitten in der Studentenmenge saßen und uns Dinge über unsere großen Lieben erzählten. Ihre große Liebe als Türkin war ein Perser, meine große Liebe als Perserin war ein Türke - und wir waren beide ständig in Trennungsschmerz verflossen durch die Zwei und konnten über unseren Schmerz lachen und weinen im selben Atemzug. Manchmal gingen unsere Lachattacken soweit, dass wir uns wälzend auf den Boden kugelten. Mitten im Philosophikum.
Wir essen beide furchtbar gerne. So gerne, dass wir eigentlich nur noch aßen, wenn wir in der Uni waren. Was haben wir nicht alles für Vorlesungen geschwänzt, nur weil wir das und jenes in allen möglichen Restaurants oder auch nur in der Mensa essen wollten. Um die Woche mit ihr ohne Schaden zu überstehen, musste ich an den Wochenenden immer fasten, um mein Gewicht halten zu können. Nur sie nahm nie zu, obwohl sie wollte. Sie wollte eigentlich ständig zunehmen und ich ständig abnehmen.
Alles, was wir taten, entpuppte sich als kleine Katastrophe im Alltag, weil wir, wenn wir zusammen waren, immer unglaublich hektisch waren. Ich ließ immer etwas fallen, weil ich immer etwas im Mund hatte, etwas anderes Essbares noch in der einen Hand, in der Anderen meine Ordner und eine Ayse, die irgendetwas stressiges redete und mir nebenbei ihren Schokoriegel durch die andere Seite meiner Mundöffnung reinschieben wollte. “ISS ISS, SHERRY! PATLARSIN INSHALLAH!” (”Mögest Du platzen” auf türkisch) Und ich zu Ihr: “Iss selbst, ISS! Beterekki enshallah!” (”Mögest Du platzen” auf persisch)
Unsere Gespräche waren immer so tief und emotional. Egal, was wir fühlten, wir fühlten so intensiv, dass… - und da wir alles in unserer Art, zu sehen, beim Anderen reflektierten, schwappten wir ständig über. Schwappten wir ständig über, weil die Art, wie wir die Welt, die Menschen und die Dinge sahen und empfanden, einfach überschwappen mussten, wenn sie endlich Verständnis im Anderen sahen. Und jeder sah uns dabei zu. Fasziniert von soviel Energie und Emotionalität. Man liebte uns zwei einfach. Manchmal als kleine, süße Schwestern, manchmal als begehrenswerte, aber nicht mehr zu rettende Mädchen…
Warum ich über Ayse schreibe? Ich habe in den letzten Monaten gemerkt, dass allein ihre Frage “Schatz, wie geht es Dir?” mein Herz leichter und glücklicher macht. Einfachso. Eine Freundschaft ohne Neid, ohne Konkurrenzkampf, ohne Lügen. Vorallem das ist mir wichtig: Ohne Lügen.
Wir machen wieder Istanbul-Pläne. Damals schon träumten wir, wie wir durch den Orient reisen und alles durch unsere Augen trinken und niederschreiben… Letztens meinte sie: “Schatz, es ist an der Zeit, dass wir unseren alten Traum erfüllen. Und zwar bald… Das muss ein Traum sein. Du und Ich in Istanbul. Durch unsere Augen sehen und dann die Musik abends… Wir müssen unseren Traum erfüllen. Es ist langsam an der Zeit, mein Schatz.”
Sie hat so Recht…
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