Click: Aziza Mustafa Zadeh - Ayrilik
Manche haben das Reden aufgegeben und sich dem Schweigen gewidmet. Traurig lächelnd nicken sie Dir als Antwort zu und lassen Dir Deine enthusiastischen Illusionen über das Leben, ihren Sinn und das Glück. Ihren müden Blick auf Dir ruhend, sehen sie jede Faser Deiner Seele den Tod verleugnen und jede Faser Deines Körpers vom Tod verfolgt. “Es gibt keinen Ausweg - auch nicht für gute Menschen”, sagen sie Dir schweigend. In den Gitterstäben ihrer Gedanken sitzend denken sie sich weiter “Und es gibt auch kein Gut und kein Böse.”, während Du vor Leben und Idealen weiter sprudelst.
“Eines Tages”, sagen Dir ihre von allem ‘Gehabten’ befreiten Augen, “werden Deine Kampfeslust und Dein Streben nach Gutem erlischen, weil die, für die Du kämpfst, Dich mit Füßen treten und die, gegen die Du kämpfst, Dir Honig in Deinen leeren Napf gießen.” Doch Du hüpfst weiter vor Freude über all Deine sinnlosen Zukunftspläne, die jede kleine, machtbesessene Entscheidung eines Monsters an den Hebeln der Machtgeflechte mit einem Knopfdruck zerstören kann. Sinnlos redest Du weiter und merkst nicht, was Dir die Weisen sagen wollen. “Eines Tages”, sagen sie Dir mit dem Blick in die Ferne, “wirst Du froh sein, dass Du nichts mehr hast. Denn nur dann hast Du nichts mehr zu verlieren. Hänge nicht zu sehr am Leben, denn das Leben hängt auch nicht an Dir…”
Doch Du willst nichts hören von all den Weisen. Die Erkenntnis dahin musst Du durch den bitteren Weg des Scheiterns jeden Tag auf’s Neue selbst bereisen. Der Weise schließt lächelnd die Augen - das sinnlose Warten hat für ihn ein Ende. So sinnlos liegend, blass und toter als ein Stein, beginnen Deine ersten Fragen, Deine ersten Zweife und Wutgedanken. Dein Weg des Scheiterns beginnt - und dumpf ahnend erkennst Du nun, dass Dein Ende wie das Ende dieses Weisen sein wird…
Nachdem er sich ewig geziert hat, darf ich jetzt doch endlich mal…
Wie kann man seine Traurigkeit begründen, wenn die Herbstblätter nicht mehr fallen? Wie kann man seine Schwermut begründen, wenn man vorhin noch spaßend und ganze Horden ins Gelächter werfend beim scheinbaren Frohsinn gesehen wurde? Wie kann man erklären, man fühle sich lachend dem Elend unterworfen, ohne dabei als Lügner und Heuchler gesehen zu werden? Wie kann man vor sich selbst wegrennen und im Wettlauf gegen sich selbst noch verzweifelt versuchen, Andere von ihrem Schicksal zu befreien? Wie kann man die zig-fachen rohen und formlosen Parallelgefühle ordnen? Und wenn man es tut, warum entstehen daraus nur in sich widersprüchlichliche emotionale Zerreißproben und schizo-affektive Verhaltensweisen, die Deine ganze Welt in ein schwarzes Loch verschlucken und Dir die Ordnung, an der Du Dich solange festgehalten hast, mit einem hämischen Lachen ins Gesicht schmeißen?
Ich frage inzwischen nicht einmal mehr nach dem Sinn des Lebens, nach der Existenz einer Gottheit, nach dem “Warum” des ganzen sinnlosen Seins und dem “Wie” der universellen Funktionsweise sovieler, fragiler Regelsysteme in der Natur und all den Galaxien. Ich frage nur, wie ich funktioniere und warum ich mich nicht ändern kann. Warum ich mich selbst nicht loswerden kann, obwohl ich mir nichts sehnlicher wünsche. Ich frage mich, warum ich dazu verdammt bin, als angebliches Mitglied des anpassungsfähigsten Spezies dieser Welt, mich selbst zu ertragen.
Dabei fallen nicht einmal die Blätter. Aber vielleicht gilt heute die Entschuldigung, dass es gar keine Blätter mehr gibt. Im Herbst darf ich trauern, weil alles stirbt - und im Winter, weil alles tot ist. Ja, das ist wohl der Grund meiner Traurigkeit. Im März muss ich mir aber eine andere Begründung suchen… Ich werde eine finden, da bin ich mir sicher. Ich werde immer eine finden, solange ich keinen Weg gefunden habe, mich meiner Selbst zu enteignen.
(Click: Marcel Khalife - Popular Cafe)
…und wie wir Hand in Hand
durch die Wüste ritten
und unsere Lebensträume
als Proviant sparsam in Rationen
schnitten
Und Deine dunklen Augen
wie schwarze Pfeile gen Oase schossen
Während wir unsere Herzen in
der nächtlichen Rast
mit unseren kühlenden Küssen
begossen
Wie meine weißes Gewand
Dich vor der Sonne schützte
und Deine Hand mich durch
die harten Felsen
durch die Kargheit unserer
Gegenwart stützte
Wie der heiße Wüstensand
mir die Brandwunden in die
Füße sengte
So sengte Dein Blick
mir das Herz
in abertausende
Dich immer mehr liebende
Stücke
Und wie in den alten Geschichten
der Liebenden
fühlte ich,
wie sich mein Verstand
in Deiner Nähe
immer mehr in die Ferne rückte
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Unsere Oase nanntest Du
voller Hingabe ‘Heimat’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wo sie war
und wie sie hieß
doch unsere Träume,
sagtest Du,
verliehen ihr
ein deutliches Gesicht
so deutlich wie das Meine
in Deinem Seelenlicht
Unser Zukunft nanntest Du ‘Zu Hause’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wer dort weilte
und dort in der Nacht zu seinen
Hoffnungen weinte,
doch unsere Sehnsucht,
sagtest Du,
flüsterten unserem Zu Hause
als Vorbote unserer Ankunft
ein Liebesgedicht
so lieblich wie einst
Deines an mich
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Und so wie aller Jasminblüten
tanzender Düfte
durch das Paradies und seine Tiefen eilten
So eilte ich herz-zer-rasend auch durch Dich
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Und genauso,
wie Leyli Majnoons Tode folgte
So folgte ich auch Deinem
…und das Gesicht,
das Du einst unsere
Heimat nanntest,
streichelte uns
in seinem Licht
So wie in Deinem Wahne
aus einem großen Garten,
lachenden Gästen,
unserer Kinder-
und Kindeskinder-Lachen -
und Dich und Mich…
Ihre Eltern kamen aus der Türkei oder aus dem Iran, sie selbst sind hier längst heimisch geworden. Sie beherrschen die Sprache, studieren oder arbeiten. Sie sind Beispiele gelungener Integration. Und doch lässt man sie spüren, dass sie nicht dazugehören. Wer aussieht wie ein Ausländer, wird behandelt wie ein Ausländer. Vier Migranten-Kinder erzählen von ihren ganz alltäglichen Problemen – als Fremde im eigenen Land.
Mehdi Haris: “Disko? Das geht nicht”
Mein Name ist Mehdi Haris, ich lebe jetzt schon länger in Deutschland, als ich je im Iran gelebt habe. 1988 bin ich nach Deutschland gekommen, inzwischen bin ich 34 Jahre alt. Natürlich habe ich noch iranische Züge in mir, was die Essgewohnheiten angeht zum Beispiel. Vielleicht ist auch noch ein leichter Akzent zu hören. Aber im Grunde fühle ich mich in Deutschland sehr wohl. Ich merke das immer, wenn ich Fußballspiele gucke. Dann drücke ich der deutschen Mannschaft die Daumen. Ich fühle mich wirklich als Deutsch-Iraner.
Ich arbeite als Tanzlehrer, bin viel gereist. Der Witz ist, dass ich im Ausland überhaupt nicht als Ausländer gesehen werde. In New York ist man mit mir umgegangen wie mit einem Amerikaner, in der Türkei wie mit einem Türken. Auch in Spanien hat man mich für einen Spanier gehalten und sofort spanisch mit mir gesprochen. Da wundert es mich schon, wieso ich in Deutschland nicht als Deutscher behandelt werde.
Zum Beispiel, wenn ich am Wochenende mit Freunden in eine Diskothek gehen will. Das geht nicht. Man kann getrost sagen, in die meisten Diskotheken oder Clubs in Köln kommt man als ausländisch aussehender Gast gar nicht erst rein. Ich habe das persönlich erlebt. Es wird dann damit begründet, dass die Regeln eben so wären, nur zwanzig Prozent Ausländer dürften rein. Ganz strikt und ganz klar. Das wirkt sich natürlich sehr negativ auf die Persönlichkeit eines Menschen aus. Der Abgewiesene denkt dann: Wieso werde ich hier als Mensch zweiter Klasse behandelt?
Als ich jünger war, habe ich auf Diskriminierungen aufgrund meiner Haut- oder Haarfarbe immer sehr aggressiv reagiert. Habe alles kaputt gemacht, was mir vor die Füße kam. In London würde man nie mit einer solchen Begründung, weil du Ausländer bist, von einem Club abgewiesen. Da könnte man dagegen klagen. Gerade in Deutschland müsste man doch, angesichts der deutschen Geschichte, mit solchen Äußerungen vorsichtig umgehen.
Quelle: Weiterlesen auf: FR-Online
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