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April, 2008
“Wenn die Welt in der Stille weilt”
Ich finde sie so schön. Das ganze Bild, die ganze Atmosphäre und auch die Qualität des Bildes… Danke an den Künstler… 
 
Aus einem iranischen Blog
“Zu den denkwürdigsten Geschichten meiner Großmutter gehörten die von einem frostigen Wintertag im Zweiten Weltkrieg, als ein Schiff eine Gruppe polnischer Frauen und Kinder in den Hafen von Anzali brachte: 
 
‘An jenem Tag war Euer Großvaterganz aufgeregt nach Hause gekommen. Er bat mich, schnell Nahrungsmittel und ein paar Teller und Besteckt zusammenzupacken. Er wollte, dass ich mitkomme, für den Fall, dass sie Probleme hätten, die sie mit den Männern nicht besprechen könnten. Er sagte auch, ich solle ein paar von meinen Kleidern und auch ein paar Kleidungsstücke der Mädchen mitbringen. 
 
Auch Gholam, der Lehrling Eures Großvaters, war gekommen. Ich hatte einige Marmeladenbrote geschmiert und sogar eingepackt, was noch vom Abendessen übrig war, und wir haben uns auf den Weg gemacht. Euer Großvater war losgelaufen, um Seyed Hashem, den Stadtmullah, zu holen und ihn zu fragen, was wir tun sollten… 
 
Als wir dort ankamen, war es so herzzerreißend: Schöne Frauen und junge Mädchen wie Blumen mit grauen und blauen Augen, aber sie sahen aus, als kämen sie direkt aus einer Kohlengrube… Sie waren hungrig, durstig und voller Flöhe… Der einzige Arzt in der Stadt war gerufen worden, und einige Zelte wurden vom Rathaus herübergebracht. Der Doktor bat uns Frauen, ihm zu helfen und sie mit Soblimeh-Seife zu waschen. Ihr könnt Euch das Durcheinander gar nicht vorstellen, die ganze Stadt war auf den Beinen und holte Sachen aus den Läden. 
 
Als unser Mullah Seyed Hashem ankam, erklärte er, es sei unsere religiöse Pflicht, für diese Leute zu sorgen, die bei uns Zuflucht suchten. ‘Behandelt sie mit absolutem Respekt’, sagte er. ‘Es ist egal, wenn sie nicht das glauben, was Ihr glaubt… Behandelt sie wie Gäste in Eurem Haus… Verteilt sie auf die einzelnen Häuser, aber trennt die Kinder nicht von ihren Müttern. Nun holt heißes Wasser…’ 
 
Das Geschrei der Menschen, die heißes Wasser von zu Hause an den Strand brachten… All die Barbiere der Stadt, die den von Flöhen gepiesackten Polinnen die Haare abschnitten. Und wir brachten sie in die Zelte und wuschen sie, trockneten sie ab und kleideten sie an. Ihr habt keine Vorstellung, wie schön sie waren, als sie gewaschen waren! 
 
Am nächsten Tag sagte Seyed Hashem in der Moschee: ‘Dies sind ehrenhafte Frauen. Sie haben mich gebeten, bekannt zu machen, dass sie nähen, stricken und sticken und gern dafür bezahlt werden würden. Schickt Eure Mädchen zu ihnen in die Lehre und bezahlt sie, damit sie auf eigenen Füßen stehen können.’ 
 
Meine Großmutter schickte meine Mutter zu Marous in die Lehre, die ihr Spitzhäkeln, Sticken und Perlenarbeiten beibrachte. Alle Mädchen in Anzali ließen ihre Aussteuer besticken. Und die Bräute in vielen Familien waren jene blonden, blauäugigen Schönheiten. Als ich in der Grundschule war, hatten Houma und ein anderes Mädchen, Maryam, ihre schönen blauen Augen von ihren polnischen Großmüttern geerbt. Und jedes Mal, wenn ich ihnen in die Augen schaute, erinnerte ich mich an die Geschichten meiner Großmutter über jenen Tag… 
 
Aber da ist eine große Frage, die mich quält: suchen nicht auch zwei Millionen Afghanen im Iran eine sichere Zuflucht? Sind wir nicht dasselbe Volk? Glaubte nicht Seyed Hashem, der alte Stadtmullah, an dasselbe wie unsere derzeitigen Herrscher? Was ist mit uns geschehen? Was haben sie uns angetan?” 
 
 
http://bamdad.blogspot.com/ 
 
 
* 1941 sollen sich schätzungsweise 300.000 polnische Flüchtlinge nach ihrer Freilassung aus Stalins Lagern bis in den Iran durchgeschlagen haben.
Rosen und Freundschaften werden überbewertet
Ich war früher so gut darin, über die Liebe zu schreiben. Doch nun, da sie mir persönlich - seit fast 4 Jahren schon - in einer Form begegnet ist, wie ich sie unfassbar finde (obwohl sie nicht meinen pubertären Träumen von Liebe entspricht), kriege ich kein Wort heraus, das sich nicht vorher in abertausende, hoplrige Gedanken verlaufen hat und am Ende als Restprodukt eines Stotterschwarms meiner verwirrten Synapsen ausgespuckt worden ist. Mir fehlen jegliche Worte - und alle romantischen Assoziationen mit Rosen, Blüten, Felder, Sonne, Sterne kommen mir so ungeeignet und entwürdigend ausgelutscht und kitschig vor, dass ich sie schon zwanghaft vermeiden will. 
 
Die Liebe in Kombination mit dem Menschen kann nichts Harmonisches sein. So sehr ich mir damals eine absolut harmonische Liebe gewünscht habe, so merke ich, um eine solche Harmonie mit dem Menschen als widersprüchliche und nuancenreiche Persönlichkeit vereinbaren zu können, muss entweder das Gefühl der Liebe weniger reißerisch und machtübernehmend sein oder die Persönlichkeit zumindest einer der Liebenden völlig flexibel, biegsam bis hin zu “wenig vorhanden” sein. Und doch sind das die schönsten Momente der Liebe: Wenn die Persönlichkeit gegenüber dieser Macht kapituliert und man sich einander einfach hingibt, als gäbe es keinen Morgen. Doch zwischen diesen paradiesischen Ruhestätten der Liebe flammt immer wieder ein erbitterter Kampf zwischen der Vorherrschaft zwischen Ego und Liebe - und in den meisten Fällen fusionieren sie, was dazu führt, dass die Liebe ihre Bedingungslosigkeit verliert und zum Mittel für das eigene Ego benutzt wird. So entstehen Eifersucht, Machtspielchen, Manipulationsversuche während der Beziehung; und natürlich Hass - bishin zu harmloseren und alltäglicheren Formen wie Trotz, Sturheit, eine berechenbare Anti-Haltung gegen alles, was der Liebste sagt (lalalalalala!) und alltäglicher, kleiner Stress. 
 
Inzwischen ist das alles nur “Ego-Kram”, der mich sogar lächeln lässt. Ich gehe dann mit unser beider Ego so um wie mit einem trotzigen, egoistischen Kind und kann die Natur unserer Persönlichkeiten hinnehmen, ohne meiner Liebe zu ihm irgendeinen Abbruch zu tun.  
 
Ich will einfach niewieder von Dir weichen, Baby. Und ich hoffe, dass es niemals soweit kommt, dass Dir diese Treue lästig wird. Aber nach all dem kann ich mir das einfach nicht vorstellen. Du bist mein bester Freund und der, bei dem ich immer weiß, dass er mein bestes will (das weiß ich sonst nur noch bei meiner Familie). Der, bei dem ich weiß, dass er bereit ist, für meine Unversehrtheit sein Leben zu geben (auch das kenne ich sonst nur von meiner Familie). Der, der mich liebt, obwohl er all meine Ausraster am eigenen Leib gespürt hat und der, der die übertriebenen Überhäufungen meiner Liebesüberflutungen alle in sich aufsaugen kann, weil sein Herz groß genug ist. 
 
Ich hab’s tatsächlich ohne Rosen, Sterne und Sonne geschafft. Noch eine Sache will ich loswerden: All diese Dinge bekomme ich in diesem göttlichen Maße nur von meiner Familie und von ihm. All diese Dinge habe ich zumindest in kleineren Formen stets versucht, meinen Freunden zu geben mit dem Resultat, dass es zwar angenommen wurde (manchmal sogar dankend), aber nicht erwidert werden konnte. Ich möchte niemandem Vorwürfe deshalb machen, denn jeder darf so sein, wie er ist und jeder Mensch darf seine Prioritäten setzen, wie ihm beliebt und seine Loyalität und Liebe “rationieren”, wie es am Besten zu seinem Lebenskonzept passt - aber eines steht für mich fest: Die Freundschaft wird überbewertet, zumindest wurde sie es einst von mir, da ich Freunde zur Familie machen wollte. Und da ich das nun weiß, bin ich mir sicher, dass sich in Zukunft wunderbare Freundschaften entwickeln werden und die Alten weiterhin aufrechterhalten werden, einfach aufgrund des Umstandes, dass meine Erwartungshaltung sich geändert hat. (Die, die ich habe, bedeuten mir nämlich viel) 
 
So, ich geh’ jetzt weiter die Wohnung putzen und Zukunftspläne schmieden und sämtliche Auswanderungsoptionen durchrechnen. Danke für’s Zuhören. Achso: Die beiden Bilder hier sind nichts Besonderes, aber irgendwie mag ich sie: 
 
 
Kunst macht träge
Kunst entschärft die Gedanken und die Analysier-Lust, aber lässt die Gefühle erblühen, egal, um was für Gefühle es sich handelt. Alle Schreckgedanken mutieren zu Lavinen eines Horrormassakers - und alles, was in einem vorsichtig blüht und schön ist, trägt mit und durch die Kunst große, reife Früchte, fliegt wie Schleier durch die Winde, zerreißt sich im Höhepunkt seiner Lust und fällt wie weiches Laub auf die Wolken Deiner hebenden Brust.  
 
- Cut - 
 
Kunst muss also wohldosiert sein, sonst überrauscht sie den logisch-denkenden Teil des Gehirns. Und ich weiß gerade nicht, ob ich das will. Wie kommt es dann, dass ich gerade in der letzten Zeit ständig (amateurhaft) “künstlerisches” Zeug versuche? Ich versuche nicht “Kunst” zu machen, sondern ich tu’, was mir Spaß macht - und das wird dann meistens etwas Richtung Kunst. Ich habe jedoch gemerkt, dass mich das so sehr ablennkt, dass ich nicht mehr dazu im Stande bin, nachzudenken. Und je mehr ich jetzt darüber nachdenke, merke ich, dass ich wohl genau das will: Einfach nicht mehr nachdenken. 
 
Ich diskutiere manchmal in Foren rum. In meiner Argumentationsweise wurde ich schon oft wegen meiner “Sezierfähigkeit” gelobt; und ich selbst merkte, dass ich Worte sehr gezielt und effektiv auf meinen Diskussionspartner loslassen kann. Und im Moment? - Gar keine Lust. Wenn ich diskutiere, dann in Stichpunkten und chaotisch. Ich hege weder Ambitionen noch die Lust, mir Mühe zu geben, verstanden zu werden. Meine Argumentation ist unsauber und unfundiert. Ist das gut? Ich weiß es nicht.  
 
Vielleicht brauche ich einwenig Pause von all den Farben und Formen. Gedichte ertrage ich ja schon seit längerer Zeit nicht mehr, die weichen richtig meine Birne auf wie eine Stulle Gras - und danach fange ich an, den romantischen Kram einfach nur zu verachten, weil die Realität zwar alles ist, was ich hasse, aber auch alles ist, was ich habe, deshalb hüte ich sie so gut ich kann.  
 
Ich glaube, ich brauch’ wieder ein gutes Buch. Am Besten ein Sach- oder Lehrbuch. Kalte Formulierungen beruhigen mich oft - wie festes Land unter den Füßen nach einer großen Flut. Wenn ich etwas mit Zahlen anfangen könnte, ich würde in die Mathematik flüchten.
Wenn Umarmungen nicht mehr reichen
Sade - It’s Only Love That Gets You Through 
 
Heute ist ein seltsamer Tag. Die Sonne scheint seit gestern, als habe es noch nie einen Fast-Weltuntergang gegegeben, oder zumindest gewisse Anlässe, die eines Weltunterganges würdig gewesen wären. 
 
Ist Euch schon einmal aufgefallen, dass es fast an Perversität grenzt, dass die Welt sich einfach weiterdreht, egal was passiert? Es bekümmert das Leben überhaupt nicht, dass es in jeder Sekunde mehr als tausende von Malen zu Ende geht. Selbst, wenn wir bereit sind, den Tod als etwas Natürliches zu akzeptieren - doch wie kann man die vielen Arten des Sterbens akzeptieren? Wie sollen wir begreifen, dass Leid zum Leben gehört, wenn Leid doch offensichtlich keinen richtigen Sinn macht? Der eine stirbt an Altersschwäche, der andere an einem Herzinfarkt, der andere wird von ein paar Kranken geköpft, der andere wird freiwilliges Opfer eines Kannibalen, viele sterben an Krebs, HIV, einem Unfall - hätte das nicht alles schöner zugehen können? Weniger schmerzhaft? Einfachso wie ein Dahingleiten ins Nichts oder in das Danach (je nachdem, woran man eben glaubt)? 
 
Heute ist ein seltsamer Tag. Solche Gedanken liegen tief, aber sie werden von mir als Bestandteil des Natürlichen akzeptiert. Ich habe einen Waffenstillstand mit dem Leben geschlossen. Wange an Schulter lehne ich mich an die Absurditäten des Lebens und sage: “Oke, Du hast gewonnen. Ich brauche Pause…” - Die Reaktion war ungewöhnlich liebevoll. Die Ruhe in mir wuchs zur Gewissheit, dass meine Annahme, dass eines Tages alles gut wird, nicht so kindisch ist, wie ich all die letzten Jahre immer und immer wieder dachte. Es wird alles gut. Spätestens, wenn dieses Spiel aus Atmen, Bewegung, Wachstum, Verwesung wenigstens für das einzelne Individuum ein Ende genommen hat. Der Tod ist nichts Grausames, denn das Sterben an sich gehört gar nicht zum Tod, sondern nur zum Leben. Wenn Du endlich abgelassen hast von Licht, Sonne, Sehen, Fühlen, Hören - wie leicht muss man sich in dem kurzen Moment fühlen? Wie schön muss es sein, wenn alles plötzlich nicht mehr die übergeordnete Bedeutung hat, an die man sich das ganze Leben geklammert hat? Wenn dieser lächerliche, ich-zentrierte Teil von Dir, einfach den “Geist” aufgibt? Dieser Moment muss wundervoll sein… Akzeptanz von dem, was ist und was immer sein wird, muss das Geheimnis zur inneren Ruhe sein. Nur so wird man Frieden schließen können mit sich, dem Leben, dem, was kommt oder nicht kommt - gleich, was es ist oder nicht ist - es ist einfach wie es ist. 
 
Ich wünsche mir nichts sehnlicher, als diese Ruhe länger als nur zwei Atemzüge erfahren zu dürfen, um danach wieder in den alltäglichen, weltlichen Strudel dessen zu fallen, was man hat und nicht hat, was man muss und nicht darf, was man will und nicht kann, wovor man Angst hat und was man liebt. Ich wäre gerne länger befreit von all den Zwangsgedanken und Teufelskreisen, in denen man sich immer und immer wieder findet. 
 
Aber auch das gehört zum Leben… Die Unfähigkeit, sich selbst zu durchbrechen. 
 
Mein Geliebter ist bei mir. Ich meine, wirklich bei mir. Manchmal so nah, dass es weh tut, ihn anzusehen. In solchen Augenblicken der Stille fragen wir uns beide im Grunde immer das Selbe, wenn auch jeder für sich und völlig lautlos: Wie schafft man es, dem anderen noch näher zu sein? Und vorallem warum, wo die Nähe doch jetzt schon weh, aber nur, weil’s nicht noch näher geht. Die Frage bleibt unbeantwortet. 
 
Peyman sagte etwas, das ich einst Dada mal sagte in einem Augenblick, an dem ich ihr (meine) Liebe erklären wollte: “Irgendwann, Baby, kommt man an einen Punkt an, an dem selbst die festeste und verzweifelste Umarmung einfach nicht mehr reicht. Es reicht einfach nicht mehr. Es muss doch noch einen anderen Weg geben…” Ich weiß jetzt, dass er versteht. Und das Gefühl der Dankbarkeit, das mich danach wie ein warmer, cremiger Fluss von Haupt bis Fuß durchlabte, ist Glück. Einfach nur tiefes Glück. 
 
Und auch das gehört zum Leben…