Ich weiß, für Euch Normalos ist das nichts. Aber ich, als Mathe-Hysterikerin, quäle mich mit so einem Zeug richtig ab. Ich muss mich korrigieren: Ich quälte mich ab. Ich fange tatsächlich an, eine Art Bezug zu den zerquetschten Insekten auf weißem Papier (=Formeln und Gesetze) zu finden, der mir Sorgen bereitet. Ich habe gestern gemerkt, dass das Lösen von Aufgaben mich beruhigt. (Vor allem jetzt, da ich gemerkt habe, dass Excel auch “rosa” kann) Wie bitte kann das jetzt sein?
(Auszug aus meinen Statistikaufgaben, die ich am Montag auch noch vortragen muss):
Kennt Ihr diese Tage, an denen man “Sprachfehler” hat? Man stockt bei jedem Satz - und viele Wörter fallen einem plötzlich nur in der Muttersprache ein (in meinem Fall persisch, obwohl ich eigentlich besser Deutsch rede). Man gestikuliert wilder als sonst und zieht eine Fratze nach der anderen, damit man verstanden wird - doch Deine Gesprächspartner legen simultan ihren Kopf schief und betrachten Dich aufmerksam, um entschlüsseln zu können, was Du da gerade von Dir gibst. An besonders hartnäckigen Tagen schleichen sich bei mir sogar grammatikalische Fehler ein, so richtig banale wie “der die das”, “dem”, “des”… An solchen Tagen fühle ich mich besonders hilflos, aber kann noch über mich lachen.
Aber was ist mit jenen Tagen, an denen Deine Sprache sauber, präzise und klar ist und Dich dennoch niemand “entschlüsseln” kann? Kennt Ihr das? Ihr sprecht, Ihr hört Eure laute Stimme durch die Atmosphäre fliegen, die sich anfangs noch sicher und fest anhört - und je fragender die Gesichter, die in Euch hineinblicken werden, desto unsicherer wird die Stimme - und desto infationärer verwendet Ihr Adjektive, um “die Lage” (oder Euch selbst) zu beschreiben. Aber es kommt nur ein Bruchteil von dem, was Ihr sagen wolltet, bei den anderen an - weil auch nur ein Bruchteil von dem, was Ihr fühlt oder denkt, in die Sprache mit reinge-presst werden kann. Das ist nichts besonderes - aber an Tagen wie diesen, wenn Euch Eure “Rätselhaftigkeit” bewusst wird, wird etwas Alltägliches zur bedrückenden Besonderheit. Zur Besonderheit, obwohl auch ich sicher oft wie ein Fragezeichen in eine flatternde Gestik und Mimik meines Gegenübers schaute.
Ich bin müde und habe Kopfschmerzen. Manchmal kommen und gehen sie - aber leider gehen sie erst, nachdem ich geschlafen habe. Kennt Ihr das? Ihr habt diese Kopfschmerzen, aber Eure Laune ist nicht wirklich schlecht. Ihr seid nicht genervt oder aufgekratzt, sondern geduldig und ruhig. Heute ist so ein Tag.
Ich habe heute viel geredet, aber selber wenig verstanden. Ich habe heute viel erzählt, aber nicht das, was ich auf dem Herzen habe. Ich habe heute viel gehört, aber nicht zu-gehört. Die Stimmen in meiner Umgebung dienten heute lediglich einer warmen Schmeichelei meiner Hautoberfläche. Ich habe jede Frequenz auf meiner Gänsehaut gespürt, jedes Wort hatte einen bestimmten Klang auf meinem Gesicht, auf meinen Armen, auf meinen Händen - und manche von ihnen hatten Farben oder Licht.
Kennt Ihr das auch? Sich kreuzende Sinneseindrücke? Klänge “fühlen”, Farben “schmecken”, Berührungen fürchten? An manchen Tagen habe ich das. Heute war ein solcher Tag.
Letzte Nacht träumte ich, wie eine harte Karrierefrau zu einer weichen, mütterlichen Freundin wurde, weil ich sie um Trost bat. Es war, als habe sie ihr Leben lang darauf gewartet, dass jemand diese Fähigkeit der Wärme und Geborgenheit in ihr sieht und sie fragt. Das war schön… Sie war sehr schön.
Ist das nicht faszinierend? Selbst, wenn wir wissen, dass unser Gehirn eine Information völlig falsch verarbeitet - wie z.B. bei optischen Täuschungen - selbst dann können wir unser Gehirn nicht dazu bringen, die optische Täuschung zu “korrigieren” / bzw. das Objekt richtig zu interpretieren. Unser Gehirn ist von vorangegangenen Erfahrungen mit Objekten, Objektstandpunkten, Erfahrungen mit Perspektiven und Formen so sehr determiniert, dass seine Interpretationsweise einfach nicht “umzulenken” ist - trotz das Bewusstsein darüber, dass es falsch interpretiert.
Und dann kommt der Mensch daher und gibt sich voller Inbrust die Fähigkeit des freien, undeterminierten Willens. Wer will hier eigentlich? Wer oder was ist die Konstruktion namens Persönlichkeit, der wir soviel Wert beimessen, soviel Entscheidungskompetenz, freien Willen, Variationsfähigkeit und Flexibilität?
Unser komplexestes Organ ist durch und durch festgefahren und voller Grenzen.
Eine Notiz am Rande: Erdbeermarmelade als Dip für meine nackte Karotte schmeckt lecker! Unglaublich, dass ich es überhaupt gewagt habe, diese Kombination auszuprobieren. So wie als Kind, als ich diese Brotbeilage “Salami mit Nutella drauf” unbedingt probieren wollte und wirklich bis zur Pubertät daran hängengeblieben bin und auch nur deshalb aufgehört habe, weil ich irgendwann anfing, Scham darüber zu empfinden, etwas lecker zu finden, das andere ekelhaft fanden. Dass es viel widerlicher war, sich stinkende Nikotinstäbchen in die Lunge zu pfeiffen oder nach Dünger stinkendem Zeug zu rauchen und dabei wirres Zeug zu reden, ist mir nicht in den Sinn gekommen. Ich war halt jung, unsicher und hatte sowieso schon genug unter meinen Auswüchsen an waffenscheinwürdigen Kurven zu leiden, mit denen ich einfach (noch) nichts anzufangen wusste, weil ich mich nur für Fußball und delinquente Aktionen interessierte, die darin bestanden, mit meinen Kumpels Einbrüche in Schulen und Schwimmbädern zu planen, ohne dabei etwas mitgehen zu lassen. Nicht einmal die Klassenkasse. (Ja, es ging nur darum, die Aktion “erfolgreich” abzuschließen und dabei in Adrenalin zu ersaufen. Einmal habe ich es bereut, das war damals mit dem pferdegleichen Wachhund - aber das würde hier den Rahmen sprengen). Was ich eigentlich sagen wollte: Karotten / Möhren mit Erdbeermarmeladen-Dip sind eines Geheimtips würdig, nur achtet darauf, dass die Karotten eher süßlich sind - also mit Bitteren geht das ja mal gar nicht.
Jetzt zu meinem heutigen Tag: Als Psychologie-Student/In muss man 30 Versuchspersonenstunden ableisten. Das bedeutet soviel wie, dass man 30 Mal kostenlos als Laborrate für irgendwelche Experimente und Studien herzuhalten hat, um Teilnahmescheine zu sammeln, die man angeblich braucht, weil es ja interessant ist für Studenten, als Teilnehmer (eigentlich VPn = Versuchsperson) die “Methodenlehre” mal von Nahem zu beobachten und sich in die “Lage einer Versuchsperson hineinzuversetzen” - blabla. Kurz gesagt: Die Institute wollen Geld sparen und benutzen uns Studenten dazu, indem sie uns die Teilnahme an Experimente einfach als studienrelevante Pflicht auferlegen. Sie vergüten die Teilnahme meistens mit 3 bis 8 EURO und verschweigen uns, dass das normalerweise mehr gekostet hätte, hätten wir nicht dafür herhaltn müssen.
Das erste Experiment heute früh war mäßig interessant. Ich darf auch nicht näher darauf eingehen, weil die Versuche so geheim wie möglich gehalten werden müssen, damit potenzielle Versuchsteilnehmer sich nicht auf die Aufgabenstellungen “vorbereiten” können, das würde die Rohdaten verfälschen. Nur soviel: Es ging um Konzentration, Reaktionsgeschwindigkeit etc., was nach meiner schlaflosen Nacht natürlich eine ganz tolle Angelegenheit war. Das Ganze hat fast eine Stunde gedauert, uns wurden danach ein paar Fragen gestellt, dann wurden wir bezahlt, kassierten unsere Scheine und durften gehen. Anschließend hatten wir ca. 3 Stunden Statistik – dann ab zum nächsten Versuch. Es ging um eine Studie darüber, was Frau als attraktiv empfindet.
Wir haben Videos zu sehen gekriegt und mussten sie bewerten. Ungefähr 80 Männer wurden uns da per Video vorgestellt - aber ohne Ton. Nun, mir fiel auf, dass ich niemanden attraktiv fand und ich vermutlich die falsche Person war für die Beurteilung solcher Fragen. Während meine Nachbarinnen einige wenige durchaus “attraktiv“ fanden, sah ich nur aus wie ein Fragezeichen und gab den meisten den schlechtesten Wert und bei manchen Männern einen Mittleren – und das auch erst nach sehr langem Zögern und vor allem auf Grund meiner kognitiven Akrobatik, die so aussah, dass ich irgendwann weniger nach meinen eigenen Spontanimpulsen bewertete, sondern über den Umweg der “momentanen normierten Attraktivität” etwas so Subjektives wie Attraktivität objektiv bewertete. (bzw. inter-subjektiv, es gibt ja keine Objektivität)
Danach ging ich verunsichert raus und fragte mich, was ich eigentlich anziehend und attraktiv finde und ob ich denn nicht normal sei. Mir fielen einige Dinge ein, als ich an meinen Mann dachte:
Zum Einen ist es mir wichtig, dass ein Mann viel Intelligenz ausstrahlt, dabei aber keine totale Verkopfung ausstrahlen darf, sondern auch eine Art rücksichtslose Kämpfernatur, die sich in der Gesellschaft durchsetzen kann. D.h., ich bin der Meinung, dass ein Mann einen kleinen Anteil an “Arschloch” oder “Durchsetzungskraft” ausstrahlen muss, damit er für mich attraktiv ist, weil nur so habe ich das Gefühl, dass er mich und unsere „kleine Familie“ behüten kann.
Augenbrauen sind mir wichtig. Sie müssen Kontur haben und den Gesichtsausdruck im Notfall streng und unnahbar wirken lassen können. Unsichtbare, zu hellblonde oder wirre Augenbrauen ohne wirkliche Kontur strahlen nicht die nötige Geradlienigkeit aus, die ich anziehend finde.
Die Augen müssen durchdringend sein (können) und einem Blick-Kampf mit anderen Männern standhalten, um die Markierung des Reviers eindeutig klarstellen zu können. Eine unterschwellige und in bestimmten Situationen auch offensichtliche Autoritätskraft muss in ihnen vorhanden sein, dann fühle ich mich sicher und weiß, dass ich es hier mit einem starken Mann zu tun habe (ja, wir Frauen sind evolutionsbiologisch genauso zurückgeblieben wie unsere Neanderthaler-Orient-Männer! Ugga Agga!)
Hände - das kennt man ja bei Frauen - müssen irgendwie stark, beschützend, aber auch zärtlichkeitskompetent (was für’n Wort!) sein. Sie müssen aber auch eindeutig implizieren, dass da jemand richtig zupacken kann. An den Unterarmen finde ich übrigens leicht ausgeprägte Adern sehr anziehend. (Uhaaaa!)
Ein markantes Kinn ist wunderbar - es sollte nicht nur Stärke, sondern auch Smartheit ausdrücken. Ein Mann muss mal männlich-kämpferisch und mal smart-überlegen wirken können. (Genauso, wie Männer es schön finden, wenn eine Frau weiblich und ladylike wie auch mädchenhaft und unschuldig wirken kann)
Ich könnte noch sehr viele Dinge aufzählen, aber ich habe heute beim Nachhauseweg wirklich gegrübelt und mich gefragt, warum keiner der Männer für mich richtig attraktiv war. Abgesehen davon, dass verliebte Frauen vermutlich wirklich keinen Sinn für andere Männer haben und die emotionale Komponente bei uns Frauen vielleicht eine größere Rolle spielt als beim Mann (wir neigen zur Rosa-Brillen, wenn wir lieben - Männer können glaube ich selbst, wenn sie verliebt sind, immer noch wahrnehmen, dass ihre Schnecke einfach zu kleine Tittchen hat!), ist mir ein ganz wunderbarer Punkt aufgefallen, was die sherry’sche Attraktivitätskriterien angeht: Nämlich der Hals. Der Hals und der Übergang von Hals zur Brust-Bucht. Ja, da muss eine Bucht sein. Wie soll ich das nun erklären?
Stellt Euch einen auf dem Rücken liegenden Mann vor. Schaut Euch sein Profil an, geht mit Eurem Blick runter zu seinem Kinn (ohaaaaa), wandert mit Eurem Blick weiter zu der Beugung seines Halses (ohaaaaaaaa), wandert den Hals weiter runter - und hier stoppen! Da, wo der Übergang zur Brustmitte geht, muss die Buchtung tief sein und die Steigung der Brust steil und rund. Diese eine Stelle, ich liebe diese eine Stelle, diese Bucht, die könnte ich von morgens bis abends küssen, weil es der Frau (also mir) eine wirklich schier unglaubliche Vorfreude auf eine große, breite, bebende Männerbrust macht, die so etwas wie ein geschütztes Lager durch die Nacht (nein, durch das ganze Leben) darstellt. Und liegt Frau erst auf dieser Brust und hört das Herz schlagen - jenes Herz, das sie liebt (also das Herz des Wesens, das die Frau liebt) - ist sie wunschlos glücklich. Wunschlos, sage ich Euch.
Ja, dieser Übergang von Hals zur Brust, beachtet ihn mal das nächste Mal, Ladies. Einfach paradiesisch. (Aber wahrscheinlich ist er Euch schon aufgefallen)
Und da ich heute so eine Brust bei der Studie nicht gesehen habe und überhaupt niemand auf der Leinwand vorhanden war, den ich liebte, ging mein Fragebogen voll daneben. Aber - und jetzt kommt ein Aber: Ich schreibe diesen ganzen Beitrag deshalb, weil ich vorhin von jemandem bei einer Fotografie-Community angesprochen worden bin (auf meine Fotografien hin), der ein altes Selbst-Portrait von sich in seinem Album hatte. Dieser Mann hat ungefähr alles abgedeckt, was ich - rein körperlich und charismatisch - bei einem Mann toll finde. Wäre er heute auf der Studienleinwand aufgetaucht, ich hätte ihm alle nur möglichen Punkte gegeben - evtl. minus eines Punktabzuges, weil ich ihn nicht liebe. (Hier, ein Bild):
Sein Hals und der Übergang zur Brust - wow. Seine Augen und Augenbrauen - wow. Sein Kinn - WOW. Sogar seine Brustbehaarung ist perfekt. Der Schnäuzer muss nicht sein, ist aber auch eine andere Zeit gewesen.
Was ich sagen will: Ich bin normal! Ich finde Männer attraktiv, ja! Sie müssen eben diese gewisse Vertrautheit haben (das konservativ-iranisch-orientalische (?) in den Augen und Augenbrauen) - und autoritär und verträumt gleichermaßen gucken können, dann schlägt mein Puls auch etwas schneller.
Die hatten einfach die falschen Männer in der Studie! Ich kann nichts dafür. Das wollte ich eigentlich sagen. Und die Sache mit den Karotten und der Erdbeermarmelade halt. Denkt dran, nicht die Bitteren nehmen…
In der letzten Zeit habe ich wieder sehr seltsame Träume - und ich weiß nicht, was sie zu bedeuten haben. Was um alles in der Welt geht in mir vor, dass ich solche Dinge träume? Eine kurze Traumsequenz werde ich nun aufschreiben:
Ich gehe durch die Stadt und sehe Brigitte Nielson durch die Straße stolzieren. Sie ist so groß und eindrucksvoll, wie ich sie in aus meiner Jugend noch kenne. Ich mochte sie damals schon, weil ich in ihr trotz ihrer kühlen Erscheinung immer viel Wärme und Menschlichkeit gespürt habe.
Im Traum sehe ich sie in ihrer vollen Pracht, so wie sie in den achtzigern war. Ich weiß, dass sie jetzt weit übe 50 sein müsste und eigentlich nicht so makellos und jung sein dürfte - aber das ist mir egal, ich genieße ihren geraden Rücken, ihre hochgenickte Nasenspitze, ihren unnahbaren, kühlen Blick, ihren großen Busen, ihre markanten Kopf. Ich muss gelächelt haben - ich muss lächelnd geschaut haben, als sie plötzlich fällt. Mit voller Wucht fällt sie schrecklich auf ihr Gesicht. Ich schreie auf, aber kein Ton entlockt sich meiner Kehle.
Wie konnte das passieren? Wie konnte das nur…? Sicher ist ihr nichts passiert, sie wird gleich aufstehen und über den Schmutz in ihrem Gesicht und ihren teuren Klamotten fluchen und dann weiter durch die Straße stolzieren. Ganz bestimmt, sage ich mir.
Die Szenerie verdunkelt sich - schwarze Wolken brechen auf, große schwarze Vögel fliegen schreiend-alamierend fort - und Brigitte Nielson bleibt regungslos auf ihrem Gesicht liegen. Die Menschen gehen ignorant an ihr vorbei und gehen ihrer Arbeit nach, als hätten sie die atmosphärische Veränderung in der Luft, die sie atmen, nicht bemerkt.
Irgendwann rührt sie sich. Sie wirkt so roboterhaft in ihren Bewegungen, irgendetwas stimmt nicht mit ihr. Sie richtet sich auf und berührt ihr Gesicht, berührt es nochmal und nochmal - bis sie aus bebender Brust schreit. Sie schreit so laut, als sei ihr Kind gestorben, sie schreit, bis mir die Ohren zerbersten, aber die Passanten bemerken sie nicht. Sie dreht sich um, sie schaut sich um. Ich sehe ihr Gesicht. Es ist total entstellt, alles sitzt schief. In meiner krankhaften Fantasie meine ich sogar, gesehen zu haben, wie die Stellung ihrer Augen, ihrer Nase und ihres Mundes sich vertauscht hat, ihr Gesichtsskelett verformt ist und alles dreckverschmiert ist (Blut habe ich seltsamerweise nicht gesehen). Ich erschrecke innerlich und will weinen. Ihre Schönheit, nein, ihr Leben war dahin. Für mich sieht sie aus wie eine Sterbende. Sie schreit und spricht Passanten an, rüttelt an ihnen und brüllt: “Hör zu, sieh mich an! Ich bin immernoch schön! Es ist nichts passiert! NICHTS passiert, hört Ihr?” - So geht es einige Momente lang - und die ignoranten Passanten sind genau dann nicht mehr ignorant, als ich es mir von ganzem Herzen für Brigitte N. erhoffe. Sie reißen ihre Augen und ihren Mund auf, zeigen Ekel vor ihrem Gesicht, flüchten sich weg, während sie mit voller Kraft versucht, den Menschen die Illusion von noch währender Schönheit einzureden.
Irgendwann kommt sie auf mich zu. Inzwischen schwach und matt, hilfesuchend. “Ich bin noch schön, hörst Du?”, sagt sie zu mir mit brechender Stimme. Sie ist plötzlich um soviel kleiner geworden. Die Frau, die zwei Köpfe größer war als ich, schrumpft neben mir zu einer buckeligen Frau runter. Ich küsse ihr Gesicht und sage: “Ja, Du bist noch wunderschön. Mach’ Dir keine Sorgen.” - Sie stirbt.
Hat einer von Euch eine Idee, was dieser Traum zu bedeuten hat? Das Gefühl, das in mir am stärksten ausgeprägt war, war die Fassungslosigkeit über die Fragilität des Lebens. Über ihre Vergänglichkeit. Die Vergänglichkeit von Leben, Schönheit, Glück. Ich hatte ständig Angst, jemandes Glück mit einem Finger zerbrechen zu können - allein durch meine Anwesenheit, durch einen zu langanhaltenden, bewundernden Blick, durch den einfachen Versuch, einen schönen Augenblick festzuhalten.
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