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Die Menschen verändern sich im Laufe ihres Lebens. Sie lassen einander im besten Fall allein - im schlimmsten Fall aber ins offene Messer laufen. Die Entfremdung von damals nahestehenden Personen, mit denen man alles geteilt hat, erleidet man oft stumm, um sich windend und einsam. “Bloß nicht darüber sprechen”, denkt man sich und hält dem darauf folgenden Gedanken schon den Mund brutal zu: “Wffwfffwfffffawaff Hmmmpffff” (”Was, wenn ich mir das nämlich doch nicht nur einbilde und so eine “Aussprache” mit dem anderen genau das bestätigt, was ich denke und fühle? - Nämlich, dass wir nichts mehr miteinander anfangen können?”) - Ja, vermutlich käme man in einem Dialog zu genau diesem Ergebnis. Und das will man nicht. Zumindest noch nicht. Nicht, bevor man nicht einen anderen Weg gefunden hat, mit dieser Entfremdung klar zu kommen. Also geht man auf die Suche nach dem großen Verbandskasten, der einem die alte, heile Welt ins neue Leben zurück bringt. Und dann scheitert man. Man gibt nicht auf und scheitert wieder.
Das kennt Ihr doch auch. Ihr schildert einem alten Freund markerschütternde Gefühle, ohne dieses Gefühl selbst in seiner eigenen Dimension offenbaren zu können. Von Euch selbst weggespalten, hantiert Ihr mit Händen, Füßen und Mimik, um einen nicht-begreifbaren Zustand Eures Gemüts begreifbar zu machen - und erkennt mitten in Eurem Vorhaben, wie sinnlos das ist. Denn damals hat er Euch ohne all diese Hampeleien verstanden. Keine Worte zu finden, war kein Problem - im Gegenteil - sie zu finden, störte das Einvernehmen von Herz zu Herz viel mehr als blick- und bedeutungsschwangeres Schweigen. - Ihr wehrt den Gedanken ab. In der Erwartung dieser vertrauten, verständnisvollen Umarmung ferner Zeiten, strampelt Ihr weiter. Mit geschlossenen Augen rennt Ihr. Alles Reale verneinend und alles Illusionsbestätigende fixierend, hechtet Ihr in die Richtung dieser wohligen, vertrauten Umarmung Eures Freundes und scheitert an hartem Beton. Schreckgepeinigt öffnet Ihr Eure Augen und seht keine Regung in seinem unwissenden Gesicht. Nicht aus Böswilligkeit oder harter Ignoranz, sondern aufgrund der Tatsache, dass einmal Ihr und einmal Euer Freund sich verändert hat. Seine Fühler greifen nicht mehr nach Eurem Atem - und Euer Atem weht in eine völlig andere Richtung, nur nicht zu ihm. Ihr-und-Er-Passung, die damals funktionierte wie ein Schlüssel zum Schloss, sind verschoben, verschroben, verrückt und ver-allest. Keine Passung, keine Begegnung. Keine Begegnung, keine Umarmung.
Ein paar Mal macht Ihr das mit. Dann ergebt Ihr Euch dieser Entfremdung. Bei neuen Bekanntschaften, bricht man sie einfach ab. Daran ist nichts schwer. Bei uralten Freunden jedoch verweilt man in der Misere, denn die Liebe diktiert Euch, an Eurem Platz zu bleiben. Stille Vorwürfe gegen die andere Person werden mal größer, mal kleiner. Aber tendenziell immer barscher, wenn auch leiser (weil sinnloser). Man will weder bleiben, noch gehen. Aber Bleiben ist noch einwenig erträglicher. Also verweilt man, sieht ratlos aneinander vorbei, schweigt sich weiter tratschend an und erträgt kauernd die durch Mark und Bein ziehende Brise zwischen zwei Herzen, die einst aneinander gelabt waren. Und friert. Immer in der Hoffnung, dass es irgendwann ein Zurück geben wird. Wenn das nicht Freundschaft ist - was dann?
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