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Ich war lange fort von hier, weil ich nicht wusste, was ich schreiben soll. Ich konnte bei all den Ereignissen und dem inneren Verstrickungen von Glück, Freude, Trauer, Verzweiflung und Hoffnung einfach nicht entscheiden, welchem dieser Oberbegriffe an Emotionen, die in sich verschachtelt noch unendlich viele Nuancen aufweisen, ich meine “poetische” Aufmerksamkeit schenken soll. Zudem kommt noch, dass mein Studium mir jeglichen Sinn für Romantik und sherry-typischer, farbig-schwammiger Satzkompositionen nimmt, obwohl es nur diese Art des Ausdruckes mich befreit - wenigstens annähernd befreit von all den Regeln und Gesetzmäßigkeiten dieser Welt, die sich alle so schön “formalisieren” lassen.
Iran und das, was mit ihr geschieht (Iran ist für mich feminin, also verzeiht mir den “grammatikalischen Fehler”), hat meinem Mund und meinem Herzen dann komplett den Riegel vorgeschoben. Jede potenzielle Explosion implodierte in mir und strickte mir ein Seil um meine Kehle, das sich aber jetzt langsam lockert. Ich möchte etwas schreiben, das vielleicht die meisten in mir regierenden Gefühle, Subgefühle und Sub plus Sub plus Subgefühle in sich vereinigen kann und zumindest die meisten einander verzehrenden Widerspruchsemotionen miteinander in einem harmonischen Bild versöhnen kann. Deshalb will ich über den Menschen schreiben. Und wenn ich über ihn schreibe, dann schreibe ich vielleicht auch über meine imaginäre Hassliebe zu einem imaginären Gott, weil er den Menschen nun einmal nicht so erschaffen hat, wie es sich jedes gesunde Menschenherz ersehnt. Und wenn ich über ihn schreibe, schreibe ich auch über mich und über mein menschliches Versagen. Wenn ich über den Menschen schreibe, dann schreibe ich über meine tiefsten Wünsche, die ich für ihn - den Menschen - habe. Ich wünsche mir. Ich wünsche mir…
Ich wünsche mir den Tag herbei, an dem ich nicht aufwache und mich frage, welchen Sinn es macht, seinen Liebsten alles zu geben, was man hat und sie dann durch eine Krankheit, einen Unfall oder eine Dummheit zu verlieren. Ich wünsche mir den Tag herbei, an dem ich nicht auf der Hut vor anderen Mitmenschen sein muss, weil sie jederzeit etwas missverstehen können und Rache ausüben, indem sie Dir schaden. Ich wünsche mir den Tag herbei, an dem ich denken kann, dass all die Errungenschaften, auf die wir heute aus Luxusgründen nicht verzichten können, endlich dazu genutzt werden, um Menschen zu helfen, die noch nicht einmal ein Mindestmaß an menschenwürdigen Zuständen haben. Ich wünsche mir den Tag herbei, an dem nicht die eine Hälfte der Welt an Verfettung, Übergewicht und den Folgen dieser krepiert, während die andere Hälfte Steine essen muss, damit das Hungergefühl kurz verschwindet. Wissen wir, was Hunger ist, außer dem lächerlichen Hunger, den man empfindet, wenn man eine Diät hält oder religiös “fastet”? Wissen wir, was und wie man Hunger erleben muss, um ihm eine Bezeichnung zu geben wie “Der Dämon” oder “Das Monster”? Man benennt ihn in solchen Ländern nicht mal beim Namen (weil er noch grausamer ist), man hat einen neuen für ihn erfunden, man personifiziert ihn, weil er ein Feind ist, gegen den man täglich zu kämpfen hat. Wissen wir, was ein kleines Mädchen durchmacht in dem Moment, in dem sie beschnitten wird? Ihre Klitoris und ihre innere, komplette Blume amputiert und der Schoß, aus dem Leben wächst, zugenäht wird? Wissen wir, was es bedeutet, eine Hochzeitsnacht zu erleiden, in der der Mann die Naht mit einem Messer öffnet und mit Gewalt in das zugewachsene Gewebe eindringt? Wissen wir, was es für neunjährige Mädchen bedeutet, wenn man sie per Religion für heiratsfähig erklärt und sie einem fünfzigjährigen Perversling als Ehefrau verkauft? Wissen wir, wie Frauen und Männer in dem Moment fühlen, wenn sie auf den ersten, großen Stein schauen, der geradewegs auf sie prallt, weil sie homosexuell oder verliebt waren? Oder einfach einen hasserfüllten Ehemann hatten, der zum Richter ging und über die “Rumhurerei” seiner Ehefrau erzählt hat? Wissen wir denn wirklich, was einem normalen, zukunftsträumenden Menschen, der auf der Straße für sein Recht auf Freiheit protestiert, widerfährt, wenn wir darüber lesen, dass er festgenommen und zu Tode vergewaltigt worden ist? Seine inneren Organe vom After bis in die Gedärme verletzt und zerfetzt worden sind? Die Gebärmutter gebär-tot gequält worden ist, so dass niewieder Leben darin wachsen kann? Wissen wir, was so ein Mensch fühlt, wenn er seinen Kopf auf den Boden wirft - mit letzter Kraft - weil er keine Kraft mehr hat, sich mit seinen eigenen Händen zu töten nach solchen Demütigungen? Wir wissen nichts. Denn wir halten Distanz beim Lesen, wir halten Distanz, wenn unsere Fantasien zu rattern anfangen - die Empfindlichsten von uns gehen sich schnell übergeben und abkühlen und versuchen sich mit Essen, Alkohol, Talkshows oder sonst etwas abzulenken. Vielleicht geht er auch auf die Straße, macht ein paar Obdachlosen ein Sandwich und fühlt sich danach besser, um seine eigene Nutzlosigkeit, Feigheit und sinnlose Existenz zu verdrängen. Wir wissen nichts und wollen auch nichts wissen. Die noch Guten unter uns beten für all die maltratierten, von Mensch und Gott gedemütigten, vergessenen, gefolterten Menschen und schlafen dann ein. Die Verzweifelteren unter uns erleiden nachts Panikattacken, weil sie ihre Fantasie nicht unter Kontrolle kriegen, knipsen das Licht wieder an und hören Popmusik oder schauen sich eine Komödie an und schlafen dabei ein. Aber wissen tun sie nichts. Und wir wollen auch nichts wissen.
Ich habe meine Wünsche verschluckt, weil sie zu groß waren. Mein Wunsch ist es, dass jeder dieser Menschen jetzt sofort befreit wird und alles, was ihm angetan wurde, vergisst. Einfach vergisst, hinter sich lässt und neu anfängt. Dieser Wunsch ist mehr als utopisch, denn solange der Mensch das Tier in Gewissenlosigkeit übertrifft, wird nichts aus dieser Welt. Deshalb möchte ich bescheiden anfangen und eine andere Wunschliste hiereinstellen. Ich bitte jeden, der diese Liste liest, ab heute zu versuchen, mir, sich selbst und seinen Mitmenschen diese Wünsche zu erfüllen. Bitte lasst es uns versuchen:
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem ich Dir sagen kann, was mich an Dir verletzt, weil ich Dich - meinen Freund oder meine Freundin - geschwisterlich liebe und mir eine inniger Beziehung zu Dir wünsche, ohne dass Du hinter meinem Rücken Gerüchte köcheln lässt, um es mir auf indirektem Wege heimzuzahlen.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem weder ich noch Du lügen müssen, weil wir Angst voreinander haben und vom anderen denken, er könne ein grausames Spiel mit all den intimen Gefühlen und Geheimnissen, von denen der Andere weiß, veranstalten.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem wir einen Menschen, der Hilfe braucht, nicht ignorieren, weil wir uns mit aufmüpfiger Selbstgerechtigkeit selbst einreden, selber genug Probleme zu haben.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem Dein oder mein Neid uns eher dazu verleitet, uns zu bessern und höhere Ziele zu setzen, anstatt dem, dem wir neiden, sein Glück nicht zu gönnen oder ihm dieses sogar zerstören zu wollen.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem wir nicht predigen müssen, was wir selber täglich verraten, nur um uns und unser verlogenes Gesicht zu verdecken.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem wir unser “Schatz, Azizam, Liebste, Schwester, Freund” ehrlich meinen ohne Schnick, Schnack und Bekleidung.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem Du auf mein Wohl schaust und ich auf Deines. Den Tag, an dem wir uns für jeden Menschen - egal ob Familie oder Fremder - verantwortlich fühlen aufgrund der einfachen Tatsache, dass auch der Fremde ein Mensch ist, also auch ein Teil von Dir und mir ist.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem ich Dich - Du Mensch - bedingungslos lieben kann, ohne dass Du mich auslachst und ohne dass ich Bedingungen für meine Zuneigung zu Dir stelle.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem ich meine Wohnung nicht mehr zuschließen muss aus Angst, ausgeraubt werden, damit Du, wenn Du Obdach, Brot und Wasser suchst, Dich in einer kalten Winternacht an meinem Tisch bedienen kannst, während ich schlafe. Und Dich auf meine Couch legen kannst, um durch die kalte Nacht zu schlafen.
Ich sehne mir den Tag herbei, an dem Du mir näher bist als ich mir selbst, um mir zu sagen, dass ich so schlecht gar nicht bin.
Und wo ich gerade von den kleinen Wünschen sprechen wollte, merke ich, dass ich noch immer von den Großen spreche. Viel zu große Wünsche, die trotzdem das Mindeste sind, was eine Spezies mit dieser Intelligenz und dieser großen Fähigkeit, zu lieben, zu Stande bringen sollte. Also lasst uns einander überfordern, damit wir dieses Mindestmaß an Schönheit irgendwann erreichen.
Das wünsche ich mir. Versteht Ihr? Verstehst Du, Sherry?
Ihr habt das sicher alle mitbekommen. Ein kleines, türkisches Mädchen - gerade mal acht Jahre alt und am Anfang ihres Lebens - wurde in Paderborn sexuell missbraucht und ermordet. Ich habe es vorhin im TV gesehen, ihre schönen braunen Augen, ihre Unschuld, ihre Jugend, zigtausend unerfüllte Träume - und dann blenden sie plötzlich ihre Eltern bei der Beerdigung ein. Ich habe sie gesehen, diese Eltern, und versucht, mir vorzustellen, wie sie jemals den Gedanken ertragen können, dass ihr kleines hübsches Mädchen von einem Kranken, von einem *** auf eine Art geschändet worden ist, wie wir uns das niemals vorstellen wollen. Erst habe ich mich übergeben, dann sehr lange geweint. Jetzt fluche ich und ersticke an meinen niemals zu realisierenden Rachegelüsten.
Ich will auch nichts von humanistischem Geschwafel hören, ich will diesen und viele andere Dreckskerle in die Finger kriegen und ihnen solange in ihre dreckige Fresse treten und schlagen, bis sie winselnd verrecken! Meine Fantasien haben gerade keine Grenzen, aber ich kann sie hier nicht äußern. Ich weiß nur, dass ich keine Sekunde Mitleid haben werde, sollten die Menschen in so einer Situation Selbstjustiz üben. Wenn die Justiz solchen Tätern auch noch die Eier krault, dann scheiße ich auf diese Justiz. Man wird in Deutschland für Steuerhinterziehung oder Raubkopien härter bestraft als für solche Taten.
Irgendwann kriegt Ihr paar auf die Fresse. Irgendwann kriege ich irgendeinen von Euch feigen Wixern in die Finger. Irgendwann.
Es tut mir so Leid, kleine Schönheit… Es tut mir so Leid.
Peyman: “Sie ist eine mit ihrem Ego aufgeblähte Hülle. Sie ist Deine Freundschaft ganz einfach nicht wert. Jetzt kannst Du noch so oft versuchen, sie zu entschuldigen - es wird nichts daran ändern. Du wirst Dich letztendlich nur selbst betrügen. Und solange Du an die Illlusion ihres ‘Wesens’ glaubst, das sie Dir ständig vermitteln wollte, wirst Du Dir selbst schaden, indem sie Dich fortwährend aus der Illusion reißt und Dich wieder und wieder im Stich lässt, nachdem Du nächtlich an ihrem Bett saßt und für sie weintest.”
Ich weiß, dass er wie immer Recht hat. Und ich hasse es, wenn er Recht hat, weil er immer jene Dinge direkt, wenn auch vorsichtig ausspricht, die ich einfach nicht wahr haben will. Jetzt werde ich es wohl oder übel schlucken müssen und einfach anerkennen, dass ich weiterziehen muss. Punkt.
Meine Ayse hat endlich ihre Magisterarbeit fertig. Ich warte nun seit drei Tagen, dass sie sie mir endlich schickt. Natürlich klappt’s wieder erst in der letzten Sekunde - ich wette, ich habe dann genau eine Nacht, um alles durchzuschauen. Typisch ihr Chaotenkopf. (Kommt mir irgendwie bekannt vor). Irgendwie hatte ich ja fieserweise gehofft, sie würde sich mit ihrem Magister doch noch etwas Zeit lassen, damit ich zu Beginn meines Psychologiestudiums wieder mit ihr die Mensa unsicher machen kann, aber der Wunsch wird mir wohl voll nicht vergönnt sein! Hihi. Also los, Aysili, ich warte auf Dein Meisterwerk.
Achso, nochwas. Dieser Film “Hancock” ist - wider Erwarten - toll. Keine Ahnung, warum. Er ist nämlich wie jeder Actionfilm einwenig plump. Aber Will Smith ist halt Will Smith…
Ich gehöre zu dem Typ Mensch, der nicht oft wirklich schlimme Albträume hat - und wenn, dann sehr selten, aber dafür träume ich sehr chaotisch. Da sind auch Gefühle wie Angst, Schrecken, Verlust mit drin, aber selten in Form eines Massackers gegen die eigene Familie. (Gott sei Dank, sonst wäre es echt aus mit meinem Alltag, weil Träume bei mir sehr nachhaltig sind, zumal die Bildgewalt bei mir oft enorm ist und zum anderen, weil ich mich sehr detailliert an sie erinnere.)
Manchmal werde ich verfolgt von irgendwelchen sehr bissigen Tieren, die sich in meine Hand bohren und festbeißen - und egal, was ich dann tu’, ich kann sie nicht loswerden. Sie beißen sich fest, aggressiv, bösartig und mit wahnsinnigen Augen, die sich drehen, verrückt spielen und eine schreckliche Ahnung darüber zulassen, was im Gehirn dieses Tieres da gerade von Statten geht.
Einmal, das war ganz besonders eklig, biss sich so ein Tier in meine Hand - irgendeine Symbiose zwischen aggressivem Kanninchen und Säbelzahntiger sollte das darstellen. Je mehr ich an ihm zerrte, desto heftiger biss es sich rein und verfing sich bösartig in mein Fleisch und - so wie es sich anhörte - auch in meinen Knochen. Plötzlich kam irgendein Mensch, der es “gut” mit mir meinte und wollte das Tier, das an mir hing, einfach töten, damit sich irgendwann während seines Ablebens sein kräftiger Kiefer löste und das Tier von mir abfiel. Das schreckliche Ergebnis endete in einem Horrorszenario: Der gute Mann hatte das Tier geköpft, doch es hing wie einem irrsinnigen Höllenwahn verfallen weiter an meiner Hand, seine Augen und Nerven zuckten jetzt noch viel widerlicher als vorher, sein abgetrennter Körper trat wie wild um sich und seine Zähne bohrten sich noch viel tiefer und gewebezerfetzender in meinen Unterarm. Es machte ganz komische, quietschige Laute, es schrie und biss weiter zuckte und hampelte weiter, bis ich seinen Kopf anfasste und anfing, es zu streicheln (auf die Idee muss man unter solchen heftigen im Traum gefühlten Schmerzen erst einmal kommen).
Das Streicheln beruhige das Tier tatsächlich und es schloss die Augen und konnte sterben. Die letzte eklige Szene wurde mir leider nicht erspart: Der Kopf fiel zu Boden und platzte. Die Augen kugelten aus der Skeletthöhle raus und schauten wieder irrsinnig durch die Gegend - das eine nach oben, das andere nach rechts.
Im Traum kam mir das aber gar nicht so schlimm vor. Ich war erleichtert, dass alles vorbei war. Meine Hand war auch noch dran und gar nicht blutig, alles war in Ordnung. Dann wachte ich auf - wenn Ihr mich fragt, ca. ‘ne halbe Stunde zu spät.
Dieser Traum ist jetzt ewig her. Und ich schreibe diesen Beitrag auch eigentlich nur deshalb, weil ich letzte Nacht wieder etwas wirklich Widerliches geträumt habe, das ich aber jetzt nicht hierein schreibe. Diesmal war ich aber zum Glück nicht das Opfer - niemand war im Grunde das Opfer, außer das “Wesen” selbst. Es war so eklig, aber auch mitleiderregend anzusehen… Das muss ich erstmal verdauen. Vielleicht schreib’ ich’s dann irgendwann auf.
Aber ich wette, nach dieser kleinen Vorstellung wollt Ihr gar nichts mehr hören. Haha.
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