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Lesenswertes
Sohrab
Ich blickte in den Spiegel und verließ das Haus. Ich machte mich auf zu einem Platz, an dem viele Menschen versammelt waren. Ich war sehr gespannt darauf sie kennenzulernen. Als ich zu jenem berüchtigten Platz kam, bemerkte ich, dass alle Menschen denselben Ausdruck in ihrem Blicke trugen. Ein Blick, vor Freude und Glück zu zersprengen drohend. Ich fragte mich, ob auch meine Augen jene Ausstrahlung hatten. Ob auch sie diese Leichtigkeit zu strahlen schienen. Also holte ich meinen kleinen Spiegel heraus und verglich meinen Blick mit dem der anderen Menschen, die mich von allen Seiten her umgaben. Doch wie sehr ich mich auch bemühte, wie immer ich den Spiegel auch hielt , ich stellte keinerlei Übereinstimmung fest. Ich war enttäuscht. Verstört schaute ich mich wieder um. 
 
Ich versuchte mit einem von diesen Glückseligen Kontakt aufzunehmen. Ich sprach jemanden an. Ich fragte ihn nach dem Morgengrauen, nach dem Regen und nach dem Licht. Mein Gegenüber strahlte mich mit seinen blendenden Augen an und öffnete den Mund um mir zu antworten. Gespannt war ich auf seine Worte. Doch es ertönte keine Stimme. Ich zuckte zusammen. Er bewegte seinen Mund, er formte Wörter mit seinen Lippen, doch ich vernahm keine Aussage. So nickte ich der Stille entgegen. Als er den Mund schloss, lächelte ich zurück und dachte ich sei taub. Also nahm ich meinen Spiegel heraus und schaute ob mit meinen Ohren alles in Ordnung war. Meine Ohren zeigten kein Anzeichen von Krankheit, jedoch unterschieden sie sich in Form und Größe von all den Ohren die mich umgaben. Ich war verunsichert und in mir machte sich eine bebende Angst breit. Ringend um Atem fragte ich einen anderen Menschen nach einem Weg, aber es ertönte ein grelles Lachen als Antwort, als hätte ich einen Witz erzählt. Ich dachte mir, dass er wohl meine Sprache nicht versteht. Auch untereinander sprachen die Menschen mir befremdlich. Also holte ich meinen Spiegel raus um nach meiner Zunge zu sehen. Zwar war sie nicht gespalten, aber bedrohlich rot. Eine Befürchtung drohte mich zu ersticken. Ich sah noch einmal in den Spiegel. Und je öfter ich hineinsah, desto deutlicher wurden die Konturen, die mich aussätzig machten. Ich sah keinen Ausweg. Ich schloss die Augen und schmetterte mit aller Kraft den Spiegel auf den Boden. Und als ich auf den Boden sah, starrten Tausend Bedrohungen zurück. 
 
(Von Sohrab)
{Fremd im eigenen Land} : Du Deutsch?
Ihre Eltern kamen aus der Türkei oder aus dem Iran, sie selbst sind hier längst heimisch geworden. Sie beherrschen die Sprache, studieren oder arbeiten. Sie sind Beispiele gelungener Integration. Und doch lässt man sie spüren, dass sie nicht dazugehören. Wer aussieht wie ein Ausländer, wird behandelt wie ein Ausländer. Vier Migranten-Kinder erzählen von ihren ganz alltäglichen Problemen – als Fremde im eigenen Land. 
 
 
Mehdi Haris: “Disko? Das geht nicht” 
 
Mein Name ist Mehdi Haris, ich lebe jetzt schon länger in Deutschland, als ich je im Iran gelebt habe. 1988 bin ich nach Deutschland gekommen, inzwischen bin ich 34 Jahre alt. Natürlich habe ich noch iranische Züge in mir, was die Essgewohnheiten angeht zum Beispiel. Vielleicht ist auch noch ein leichter Akzent zu hören. Aber im Grunde fühle ich mich in Deutschland sehr wohl. Ich merke das immer, wenn ich Fußballspiele gucke. Dann drücke ich der deutschen Mannschaft die Daumen. Ich fühle mich wirklich als Deutsch-Iraner. 
 
Ich arbeite als Tanzlehrer, bin viel gereist. Der Witz ist, dass ich im Ausland überhaupt nicht als Ausländer gesehen werde. In New York ist man mit mir umgegangen wie mit einem Amerikaner, in der Türkei wie mit einem Türken. Auch in Spanien hat man mich für einen Spanier gehalten und sofort spanisch mit mir gesprochen. Da wundert es mich schon, wieso ich in Deutschland nicht als Deutscher behandelt werde. 
 
Zum Beispiel, wenn ich am Wochenende mit Freunden in eine Diskothek gehen will. Das geht nicht. Man kann getrost sagen, in die meisten Diskotheken oder Clubs in Köln kommt man als ausländisch aussehender Gast gar nicht erst rein. Ich habe das persönlich erlebt. Es wird dann damit begründet, dass die Regeln eben so wären, nur zwanzig Prozent Ausländer dürften rein. Ganz strikt und ganz klar. Das wirkt sich natürlich sehr negativ auf die Persönlichkeit eines Menschen aus. Der Abgewiesene denkt dann: Wieso werde ich hier als Mensch zweiter Klasse behandelt? 
 
Als ich jünger war, habe ich auf Diskriminierungen aufgrund meiner Haut- oder Haarfarbe immer sehr aggressiv reagiert. Habe alles kaputt gemacht, was mir vor die Füße kam. In London würde man nie mit einer solchen Begründung, weil du Ausländer bist, von einem Club abgewiesen. Da könnte man dagegen klagen. Gerade in Deutschland müsste man doch, angesichts der deutschen Geschichte, mit solchen Äußerungen vorsichtig umgehen. 
 
 
 
Quelle: Weiterlesen auf: FR-Online
War da was mit Fremdenfeindlichkeit?
Der Beitrag ist von einem alten Freund von mir. Ich finde ihn gelungen. 
 
Habt Ihr das auch bemerkt? Erst die große Aufregung und Entsetzen um den ausländerfeindlichen Stadtfest-Mob in Mügeln. Und dann diskutieren CDU und SPD plötzlich über ein NPD-Verbot. Und dann versinkt das Thema auch schon wieder im sich langsam schließenden Sommerloch, denn die Kanzlerin ist ja bei den chinesischen Hackern zu Besuch… 
 
Ich finde die NPD wahrlich ekelerregend und auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob ein Verbot sinnvoll ist, doch irgendwie dafür. Aber wenn es doch angeblich keine rechte Szene in Mügeln gibt, wäre nicht jetzt der Zeitpunkt sich mit Rassismus in der gesamten Gesellschaft zu beschäftigen? Mindestens bei Union, SPD und Linkspartei sind fremdenfeindliche Ressentiments vorhanden und werden bestenfalls aus Partei-taktischen Gründen genutzt (schlimmstenfalls aus Überzeugung). Ob nun Chinesen die Milch klauen, Inder die Arbeitsplätze nehmen, Moscheebauende Muslime entfremden oder Afrikaner Europa überrennen, vielerorts wird die Angst vor dem Fremden geschürt oder bedient. Mal wird die angebliche Gefahr subtil, andermal deutlich propagiert. Und die Lösungen lauten Leitkultur, Grenzen, Abschottung, Einschränkungen der Freizügigkeit und Entsagen von Grundrechten. Oft wird dieses als Natürlich und Notwendig dargestellt. 
 
Ich halte die NPD für menschenverachtend, aber wo ist die Diskussion über rassistische Gesetze? Welchen vernünftigen Grund gibt es, dass ein “Ausländer” hier nicht leben und arbeiten darf? Sklavenhalter haben auch u.a. mal damit argumentiert, ihre Baumwollplantagen seien ohne Sklaven wirtschaftlich nicht rentabel.
 
 
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