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Es gibt nichts Neues hier zu sagen.
Noch immer kommen sie.
Gehen sie.
Und gehen dann
in Särgen.
Nichts hat sich geändert.
Die Maus sitzt noch immer in der Falle.
Ihr Nacken ist gebrochen.
Doch noch immer zappelt sie
Und hofft auf die Gnade einer
Kralle.
Es gibt nichts Neues hier zu sagen.
Noch immer gehen sie.
Kommen nicht mehr zurück.
Doch vorher zerreißen sie Dich
und Dein Leben
in Stück’.
Nichts hat sich sich geändert.
Der alte Mann ist noch immer blind.
Als er hoffte, er würde endlich Farben sehen,
war er noch ein Kind.
Es gibt nichts Neues hier zu sagen.
Immer noch beten sie.
Gehen aus dem Glauben in die Hölle.
Kommen zurück als leere Hülle.
Nichts hat sich geändert.
Das Kind schreit nach der Mutter.
Als es Schritte hört und inne hält und lachen will,
waren es doch nur die Soldaten.
Es gibt nichts Neues hier zu sagen.
~ Hossein Alizadeh & Djivan Gasparyan - Sari Galin ~
Ich muss eigentlich lernen. Am Montag fängt schon die erste, unmenschliche Klausur an und ich weiß nicht, wie ich sie meistern soll. Aber ich lerne nicht. Ich lerne nicht, weil ich etwas nicht aus meinem Kopf kriege. Denn…
Meine Liebe sitzt gerade nicht nur in meinem Herzen, sondern in meinem Kopf und will mit mir tanzen. Sie zwickt und kneift mich schüchtern und liebevoll und will mit meinen strengen Gedanken Hand in Hand, Eins in Eins zusammen sein und sie aufweichen. Ich lächele sehnsuchtsvoll und streichele den Kopf meiner Liebe. “Weißt Du noch jene Zeiten”, sage ich… “Jene Zeiten, in denen Du nicht im totalen Widerspruch zu dieser Welt standest, weil Du für mich die Welt warst? Weil Du mein Gott warst?” Meine Liebe nickt traurig und hält ihre Augen zu, schmiegt sich an die Grenzen meines Kopfes und klopf hoffnungslos an die gut strukturierten Wände der Logik. “Was hat sich verändert? Bin ich Dir nichts mehr wert?” - Die Stimme meiner Liebe ertrinkt in ihrer eigenen Unschuld. Wie ein Kind, wie ein verlassenes Kind, schaut sie mich an und bittet darum, wieder nach Hause zu dürfen. Ich versinke in Scham vor soviel Schönheit und drücke meine verwahrloste Liebe sanft an meine Brust. “Meine Liebe… Es hat sich nichts verändert. Ich musste nur eine Welt in der realen Welt erschaffen - nur für Dich - um Dich weiter unberührt zu halten. Denn hier passt Du mit Deiner Reinheit nicht hin. Sie besudeln Dich, beschimpfen Dich als naiv, als unwahr, als unmöglich - ja, sogar auf Chemie, Biologie und Evolution reduzieren sie Dich. Du brauchst Schutz. Wir brauchen Schutz, meine Liebe.”
Meine Liebe seufzt und küsst meine Stirn. Jetzt bin ich ihr Kind und sie die große Mutter. “Denkst Du, ich bin so leicht unterzukriegen? Du hast vergessen, wer ich bin und aus welchem Stoff ich bin. Ich gehöre nicht nur Dir, Du kannst mich nicht einschließen. Lass mich überall hin, weil ich alles bin. Genauso gehöre ich nicht nur der Chemie, der Biologie, der Industrie und der Evolutionstheorie. Ich bin der Stoff, der kein Stoff ist, sondern in allem weilt. Ich bin das, was die Welt zusammen hält. Lass mich raus aus Deiner kleinen Welt, schließ mich aus Deinem Kopf nicht aus, ich verweile nicht nur in Deinem Herzen, sondern bin der Grund jedes Gedanken, den Du hegst. Selbst, wenn Du hasst, hasst Du durch mich - Deiner Liebe - heraus.”
Die Stimme meiner Liebe ist wie ein Lied - eine Melodie, mit der ich aufgewachsen bin. Die Melodie, die mit der Stimme meines Vaters, der meiner Mutter, der meines Großvaters, der meines Gottes gesungen wurde. Die Stimme aller Völker und Sternenvölker, die ein und das selbe Gefühl kennen und sich danach sehnen. Ob als Liebespaar, in Freundschaft, in Agape oder in spiritueller Liebe. Ich habe diese Melodie vermisst, denn ich hörte nur noch die Stimme der Vernunft und die Stimme der Verpflichtungen. Und jetzt, wo sie zu mir wieder spricht, schlafe ich gleich auf ihrem Schoß ein und lausche ihrer Sanftmut und Bestimmtheit, anstatt zu lernen. Dabei lerne ich soviel von ihr…
“Eine Form Deiner Kunst”, sage ich leise zu ihr, “ist der Mann, den Du zu mir geführt hast. Du hast zwei Widersprüche - ihn und mich - miteinander in verschlungener Harmonie vereint - und ich frage mich heute noch wie…”
“Nichts einfacher als das…”, summt sie weiter. “Ich bin das, was alles zusammen hält. Selbst, wenn Du hasst, hasst Du durch mich. Und was gibt es Unvereinbareres als Liebe und Hass?”
Ich nicke berauscht und schlafe ein.
Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an.
Ich bin da, hier -
vor Dir -
vollkommen hier.
Ich geh’ nicht weg,
war nie weg -
hab’ keine Angst,
fass’ meine Hand -
fass’ sie hier -
sie hält Dich fest -
vollkommen hier.
Mein Verstand ist begrenzt, mein Herz -
und meine Seele in meiner Brust
in all den Naturgesetzen des Lebens verfangen,
ich kann nicht alles fühlen, wie Du, mein Herz…
Doch manchmal, wenn Du brüllst
und Deine Faust auf Deine bebende Brust
niederfällt,
beben Knochen und Fleisch in mir
und wollen sich
wie Du Dich und Dein Leben
in alle Stücke zerlegen
und mit Dir endlich vergehen…
Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an.
Ich bin da, hier -
vor Dir -
vollkommen hier.
Ich geh’ nicht weg,
war nie weg,
hab’ keine Angst,
fass’ meine Hand -
fass’ sie hier -
sie hält Dich fest -
vollkommen hier.
Meine Schreckensgedanken sind begrenzt, mein Herz -
und meine Leidensfähigkeit nur die eines Mannes,
ich kann nicht alles sehen, wie Du, mein Herz -
Doch manchmal,
wenn Du nichts mehr kannst,
außer atemlos zu schweigen,
und die Last Deiner eigenen Albgedanken,
Dir die Kehle immer enger, immer enger schneiden,
dann nimm’ dieses Messer und zerfleisch mich
an der selben Stelle,
an der es Dir schmerzt,
damit ich wie Du
all die toten Träume zu Grabe trage…
Schau’ her, mein Herz -
bitte schau’ mich an
Ich bin da, hier -
vor Dir - vollkommen hier.
Vollkommen bei Dir…
Schau’ nur her…
Schau’ nur her -
Und niewieder weg.
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Für meine drei Helden
Sherry
(Click: Marcel Khalife - Popular Cafe)
…und wie wir Hand in Hand
durch die Wüste ritten
und unsere Lebensträume
als Proviant sparsam in Rationen
schnitten
Und Deine dunklen Augen
wie schwarze Pfeile gen Oase schossen
Während wir unsere Herzen in
der nächtlichen Rast
mit unseren kühlenden Küssen
begossen
Wie meine weißes Gewand
Dich vor der Sonne schützte
und Deine Hand mich durch
die harten Felsen
durch die Kargheit unserer
Gegenwart stützte
Wie der heiße Wüstensand
mir die Brandwunden in die
Füße sengte
So sengte Dein Blick
mir das Herz
in abertausende
Dich immer mehr liebende
Stücke
Und wie in den alten Geschichten
der Liebenden
fühlte ich,
wie sich mein Verstand
in Deiner Nähe
immer mehr in die Ferne rückte
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Unsere Oase nanntest Du
voller Hingabe ‘Heimat’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wo sie war
und wie sie hieß
doch unsere Träume,
sagtest Du,
verliehen ihr
ein deutliches Gesicht
so deutlich wie das Meine
in Deinem Seelenlicht
Unser Zukunft nanntest Du ‘Zu Hause’
Auch, wenn Du nicht wusstest,
wer dort weilte
und dort in der Nacht zu seinen
Hoffnungen weinte,
doch unsere Sehnsucht,
sagtest Du,
flüsterten unserem Zu Hause
als Vorbote unserer Ankunft
ein Liebesgedicht
so lieblich wie einst
Deines an mich
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Und so wie aller Jasminblüten
tanzender Düfte
durch das Paradies und seine Tiefen eilten
So eilte ich herz-zer-rasend auch durch Dich
Und genauso,
wie Majnoon seinem Wahne folgte
so folgte ich auch Deinem Wahne
Und genauso,
wie Leyli Majnoons Tode folgte
So folgte ich auch Deinem
…und das Gesicht,
das Du einst unsere
Heimat nanntest,
streichelte uns
in seinem Licht
So wie in Deinem Wahne
aus einem großen Garten,
lachenden Gästen,
unserer Kinder-
und Kindeskinder-Lachen -
und Dich und Mich…
Ich kann diesen Blick in Deinen Augen nicht vergessen…
Es war ein grauer Januar-Nachmittag. Die Uhr pochte mit meinem Herzen um die Wette, weil die Zeit wie immer gegen mich spielte. Wir sollten uns in einer Stunde nach vielen Tagen im elysischen Schwebezustand wieder trennen. Ich hatte vergessen, welche Umstände uns dazu zwangen, wieder alleine im Bett einzuschlafen, deshalb sagte ich mit der letzten Kraft in meiner Stimme:
“Können wir denn nicht einfach hier bleiben?”
Dann kam dieser Blick, den ich nie vergessen werde. Der Blick eines Mannes, der daran zu Grunde geht, weil er den Wunsch seines Mädchens nicht erfüllen kann. Wir lagen seitlich beide - mein Gesicht an Deiner Brust. Ich schaute in diesen Blick hoch und dann tief hinein, den ich nie vergessen werde. Meine Lippen zitterten - und Du sagte nur - fast flehend: “Nicht…” - doch ich vergrub meine Augen und meine Wange schon in Deine Brust und weinte, bis Dein Blick mich wieder zu sich zwang. Der Blick eines Mannes, der daran zu Grunde geht, weil er den Wunsch seines Mädchens nicht erfüllen kann. Dieser Blick, wie er mir fast in aller erdenklichen Zärtlichkeit und doch mit Gewalt in die verweinten Augen sah und nur bedauerte. Bedauerte, dass es die Gesetze der Natur gab, die es unmöglich machten, dass weit entfernte Orte binnen Sekunden erreicht werden können. Ich hörte, wie Dein Herz aussetzte, als Du mich ansahst, die Glut von Deiner Brust in Deinen Hals gelang, Dich beben ließ und sich in Deinen Augen feucht-nass entlud. Mir blieb die Luft weg bei diesem Blick. Der Blick eines Mannes, der daran zu Grunde geht, weil er den Wunsch seines Mädchens nicht erfüllen kann, kann so unendlich weh tun.
“Du liebst mich wirklich…”, brach meine Stimme und ging in Deiner Wärme unter - und ich vergrub mein Gesicht wieder in Deine Brust. Du sagtest nichts und hieltest mich fest an Dein Herz. Du dachtest, Dein pochendes, weinendes Herz würde schon Antwort genug sein. “Du liebst mich wirklich… Ganz wirklich…”, weinte ich leise und spürte den Blick eines Mannes, der daran zu Grunde geht, weil er den Wunsch seines Mädchens nicht erfüllen kann noch Tage später auf mir ruhen…
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