27.04.2012, 17:39
Eine Art Selbstporträit

Meine Cousine hat mir eine wunderbare Lidschatten Collection geschenkt. Da sie nicht sicher war, ob mir die Farben gefallen, habe ich ihr vom Ergebnis ein Foto gemacht und es ihr als Beweis dafür, dass ich es lieben muss, geschickt. Da das nun ein seltener Anlass dafür war, mich selbst zu fotografieren, dachte ich, ich teile es mit euch. Wenigstens einen kleinen Teil vom Foto. Zu meiner Verteidigung: Natürlich schminke ich meine Augen im Alltag nicht so stark, aber zum Ausgehen mag ich das so. Und Mr. Serious und ich gehen heute nun einmal aus.

25.04.2012, 09:23
Einsamkeitsfänger

Er fängt Einsamkeiten ein wie der Fänger im Roggen die Kinder. Doch er weiß nicht, warum. Es fällt ihm schwer, nicht hinzusehen, wo die Leere ihre Krater schlägt und das Vermissen zur Endlosschleife wird. Es sind nicht nur die raren Einzelgänger, die diese kühle Bürde tragen. Jeder Mensch kennt sie, diese blitzenden Augenblicken der vernunftslosen Konturlosigkeit. In einem kurzen Abriss der Zeit passen die Menschen nicht mehr in einen Kontext hinein, obwohl sie sich in ihm befinden. Die anderen um sie herum – vorhin noch ihre Freunde – befremden sie mit Hüllenfülle und Kernarmut. Ihre Münder bewegen sich, doch ihre Augen gehören nicht mehr ihrer Seele, und das Vakuum dazwischen flüstert in kalt-pfeiffendem Wind fremde Sprachen. Dann zweifeln sie sogar ihre Körper an. “Ist er wirklich mein?”, fragen sie, tasten in sich hinein und entdecken diese unangenehme Taubheit in den Gliedern. Wie, als würde man mit den Füßen in den neuen Schuhen nach Grund und Boden treten, aber keinen finden. Plötzlich schrecken sie wie aus einem halbdurchlässigen Traum auf, sehen die geselligen Erdnüsse in ihrer Hand, werfen sie in unverwechselbarer Routine in ihren knuspernden Mund hinein, lachen ihre Freunde an und vergessen, dass sie vorhin noch Fremdkörper im Kontext, ihren Körpern und ihren Sinnen waren.


24.04.2012, 12:23
Geschützt: Ich war beide

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23.04.2012, 18:46
Mona

Ich gehe durch die Stadt, weil ich nach dem Seminar nicht nach Hause will. Ich habe Hunger, Hunger im Bauch und Hunger nach schönen Menschen. Meine Kamera habe ich bei mir. Sie baumelt vor meinen Schritten hin und her, und vor allem stört sie. Dann höre ich Musik, es ist wieder Orientalische. Die Straßenmusiker machen mich – wie so oft – glücklich. Während sie mich mit globaler Menschlichkeit erfüllen, fühle ich mich, als sei ich alle Menschen; und just in jenem Augenblick sehe ich diese Frau, diese Frau in Rot. Sie geht langsam und bedächtig, scheint sich fast an ihrem Mann abzustützen, obwohl er sie für soviel stärker hält als sich selbst. So kommt es mir zumindest vor. Ich fasse mich ans Herz, gehe auf sie zu und frage einfach: “Entschuldigung, darf ich Sie etwas fragen? Also, wie soll ich sagen. Ich suche interessante Gesichter, die ich sehr gerne fotografieren würde. Darf ich ein Foto von Ihnen machen?” Ich verdrehe innerlich schon die Augen und denke mir, ich habe mich wieder total blöd angestellt, ich habe doch gar nicht gezielt gesucht, und jetzt hört sich das so an, als würdest du das für ein Projekt machen, dabei ist das hier doch spontan, du meine Güte. Aber als sie mich richtig herzlich anlächelt und sagt “Natürlich”, sind alle meine Bedenken Geschichte. Also beginne ich, Fotos von ihr zu schießen und traue mich nicht, irgendwelche Anweisungen dazu zu geben, doch das war nicht nötig. Sie wusste, wie es geht, dieses Schönsein. Sie versuchte nicht wirklich zu posen, und wenn, dann blieb sie dabei ganz natürlich. Weiblich [nicht herrlich] schön ist sie, nicht nur äußerlich, sondern auch vom mittigsten Punkt ihres Wesens her. Und auch, wenn sich mein Gefühl nun wie ein Klischee anhört, finde ich doch, dass diese Wörter zu ihr passen: Verletzlichkeit und Stolz. Das fiel mir sofort bei ihr ein. Wie eine Rose war sie, eine, die unangetastet war und sich danach sehnte, richtig berührt zu werden. Weiterlesen… »

22.04.2012, 14:00
Die letzte Brise

Wenn gestern noch
eine Brise Liebe
zwischen unser beider
Atem tanzte,
dann war’s die Letzte
ihrer Art

Feige ziehst du
keine Miene
an dir nach
Dich verleugnend
zeigst du kalte
Festigkeit

Offen zeig’ ich
Verzweiflungs-
um Verzweiflungstat
Weil ich die Brise Liebe
such’
die in ihren letzten
Atemzügen lag