Posts Tagged ‘Albträume’
03.07.2011, 14:41
Verloren im Paradies

Letzte Nacht träumte ich einen Traum, den ich mit Euch teilen will. Ich kam an einen Ort an, den ich nicht anders als paradiesisch nennen kann. Mitten in einer Szenerie eines türkis-blauen Meer-Sees mit einem starken Wasserfall und einer Atemluft, bei der ich das Gefühl hatte, ich könne aufgrund ihrer Reinheit abheben. Umrahmt vom Grün der Büsche und der exotischen Bäume, großen, schönen Blüten, Früchte und sorglosen Tiere, fühlte ich eine Ergriffenheit, die ich kaum beschreiben kann. Ich stand machtlos gegenüber dieser Schönheit da, betrachtete dieses Kunstwerk, das sich ständig durch die Geburt neuer Flora und Fauna selber erschuf und dachte nur daran, wo denn meine Kamera sei, ich müsse all das doch irgendwie festhalten, konservieren wie ein lebloses Gebilde. Als ich sie suchte und nicht fand, tastete ich mich zu meiner Tasche und suchte nach meinem Handy. Ich holte es hastig raus und sah, ich habe keinen Empfang. Angst stieg in mir auf, mein Herz setzte kurz aus. Das Wissen, dass ich hier ganz alleine war und niemand mich mit dem Auto finden und abholen würde, weil es nicht einmal einen Straßennamen oder Ortsnamen gab, machte mich hektisch. Also suchte ich nach meinem Navigationssystem. Die GPS Koordinaten müssten doch drauf sein und es würde mich schon irgendwie zurück in die Geborgenheit bringen: Zurück in die Stadt. Doch ich fand es nicht. In meiner anderen Tasche kramte ich hastig mein Notebook raus und hoffte auf Internetempfang. Eine SOS Email könnte ich ja schicken, Peyman per Facebook benachrichtigen und ihm sagen, in was für einer lebensbedrohlichen Lage ich doch war, ihm aufgeregt erzählen, dass ich mitten in einem Paradies stehe, ohne nichts, ohne Verbindung, ohne den Weg nach Hause und was noch schlimmer war: Mit mir allein! Achwas, ich würde diese Eilmeldung gleich in meinen Status schreiben, damit alle Bescheid wüssten. Damit die Wahrscheinlichkeit steigen würde, dass sich gleich die ersten Leute auf den Weg machen würden in diese gottverlassene Gegend ohne nichts als Bäumen, Blumen, Seen und Ruhe.

Mein Herz raste. Alles, was im ersten Augenblick majestätisch schön war, war nun grässlich bedrohlich. Das Wasser im Meeres-See wurde plötzlich zum reißenden Meer. Fremdartige, tentakelgleiche Tiere würden gleich mit ihren tausend Krallen rausspinksen und mich anvisieren. Unfassbar gefährliche Tiefseekreaturen, hässliche Aale, windige Haie, die meine Angst rochen – all diese Kreaturen würden mich einfangen und fressen wollen, so wie wir Menschen es immer taten. Hinter mir spaltete sich lautlos die Erde und Treppen taten sich auf, die leider nur noch unten führten, nicht nach oben. Also raste ich sie runter, in der Hoffnung, irgendwann doch bald auf eine Autobahn zu treffen, auf Züge, Bahnen, Lärm und zu große Menschenmassen – alles soviel weniger bedrohlich als diese Idylle von Natur. Natur. Oder Natur-Gewalt. Weiterlesen… »

01.11.2008, 13:14
Durch die Nacht

In der letzten Zeit habe ich wieder sehr seltsame Träume – und ich weiß nicht, was sie zu bedeuten haben. Was um alles in der Welt geht in mir vor, dass ich solche Dinge träume? Eine kurze Traumsequenz werde ich nun aufschreiben:

Ich gehe durch die Stadt und sehe Brigitte Nielson durch die Straße stolzieren. Sie ist so groß und eindrucksvoll, wie ich sie in aus meiner Jugend noch kenne. Ich mochte sie damals schon, weil ich in ihr trotz ihrer kühlen Erscheinung immer viel Wärme und Menschlichkeit gespürt habe.

Im Traum sehe ich sie in ihrer vollen Pracht, so wie sie in den achtzigern war. Ich weiß, dass sie jetzt weit übe 50 sein müsste und eigentlich nicht so makellos und jung sein dürfte – aber das ist mir egal, ich genieße ihren geraden Rücken, ihre hochgenickte Nasenspitze, ihren unnahbaren, kühlen Blick, ihren großen Busen, ihre markanten Kopf. Ich muss gelächelt haben – ich muss lächelnd geschaut haben, als sie plötzlich fällt. Mit voller Wucht fällt sie schrecklich auf ihr Gesicht. Ich schreie auf, aber kein Ton entlockt sich meiner Kehle.

Wie konnte das passieren? Wie konnte das nur…? Sicher ist ihr nichts passiert, sie wird gleich aufstehen und über den Schmutz in ihrem Gesicht und ihren teuren Klamotten fluchen und dann weiter durch die Straße stolzieren. Ganz bestimmt, sage ich mir.

Die Szenerie verdunkelt sich – schwarze Wolken brechen auf, große schwarze Vögel fliegen schreiend-alamierend fort – und Brigitte Nielson bleibt regungslos auf ihrem Gesicht liegen. Die Menschen gehen ignorant an ihr vorbei und gehen ihrer Arbeit nach, als hätten sie die atmosphärische Veränderung in der Luft, die sie atmen, nicht bemerkt. Weiterlesen… »

21.09.2008, 10:22
Traumszenen

Ich träume ja täglich, das ist bei mir nichts besonderes, aber ich erinnere mich meistens auch an die Träume. Normalerweise kann ich sie inzwischen schon deuten. Die hier haben aber nochmal Verwirrung bei mir hinterlassen, wenn sie dann doch irgendwie typisch für mich sind und auf meine Persönlichkeitsstruktur passen.

1. Szene: Ich war in einem Raum mit 20 Schlägerweibern, die nur eines wollen: Ärger. Die Anführerin von ihnen schien richtig Lust zu haben, sich mit mir zu prügeln. Ich hatte keine Angst, aber ich fühlte mich unwohl, denn ich wusste, dass ich mich gleich mit einer Frau prügeln würde, von der ich nicht wusste, inwieweit ihre natürliche Hemmschwelle in Sachen “Verletzungen zufügen” überhaupt noch intakt war. Andererseits wollte ich auch keine Frau schlagen, weil ich aus Erfahrung wusste, dass ich stärker bin als die meisten Frauen, aber eben nicht so stark wie ein Mann. Ich stellte mich darauf ein, dass ich genauso ohne Hemmungen zuschlagen musste wie sie, wenn ich wieder heil aus der Situation raus wollte.

Sie kam schnell auf mich zu – gleich mit einem Holsstuhl in den Händen – und schlug auf mich ein. Ich konnte den Stuhl greifen und wegwerfen. Ich war plötzlich total blind vor Wut (wie Hulk), packte sie (ich weiß nicht mehr wohin) und schmiss sie einfach auf den Boden. Sie stand wieder auf, diesmal hatte sie eine Axt in der Hand und wollte hemmungslos auf mich einschlagen. Irgendwie wehrte ich ab und konnte die Axt wegwerfen. Der Gedanke, diese Axt selber zu meiner Verteidigung zu nutzen, kam mir erst gar nicht. Ich zog meinen Stiefel aus und schlug mit ihm einmal auf ihren Rücken und auf ihre Oberarme. Sie lag überraschenderweise sehr schnell müde und kaputt auf dem Boden nach der Attacke. Ich hatte vorgehabt, weiter zuzuschlagen, doch als sie da so lag, packte ich sie einfach an ihren Oberarmen, zog sie hoch, setzte sie auf den Stuhl und zog ihr T-Shirt aus. Ich sah furchtbare Wunden auf ihrem Körper. Narben, blaue Flecken, Prellungen. Und unter jeder stand ein Name oder ein Hinweis geritzt:

“Das hier war Papa, ich war kein gutes Mädchen.” stand auf der größten Narbe.
“Das hier war meine Liebe. Ich war wieder kein gutes Mädchen.”

Es ging immer weiter, sogar ihre Schwester und ihre Mutter waren in ihr eingeritzt. Mein Herz muss in dem Moment sofort zerbrochen sein, denn ich fing an zu weinen, warf meinen Stiefel weg, während sie ihren Kopf schützen wollte, weil sie dachte, ich würde wieder zuschlagen – doch ich nahm sie in den Arm, wiegte sie darin und weinte furchtbar. Sie war irritiert. Noch irritierter war sie, als ich ihre Narben anfing, zu küssen und die ganze Zeit sagte “Es tut mir Leid. Es tut mir Leid, wir bringen das wieder in Ordnung. Du wirst sehen.” Plötzlich platzte etwas in ihr auf, ihre Tränen liefen ungehemmt, ein paar ihrer Wunden gingen auf und der Eiter floss stetig heraus. Ich deutete das als gutes Zeichen.

2. Szene: Diese Szene war wirklich psycho. Ich war Beobachterin (worin ich wirklich Glück gehabt habe, weil ginge es hier um mich, ich wäre noch verstörter aufgewacht, als jetzt). Ein Mädchen war in einem dunklen Raum eingesperrt. Sie saß zusammengekauert in einer Ecke und versteckte ihr Gesicht die ganze Zeit zwischen ihren Beinen. Sie wollte keinesfalls irgendwo hinsehen. Ich erkannte sie. Ein Film spielte sich in meinem Kopf. Sie war auf einer Party und wurde die ganze Zeit von einem anderen Jungen beobachtet. Nicht typisch gesellig beobachtet, wie bei einem Jungen, der überlegte, wie er ein Gespräch anfangen konnte, sondern richtig intensiv mit Röntgenblick in ihr Seelenleben.

Sie saß noch immer da, völlig zusammengekauert. Ich sagte nichts, denn ich war nur Beobachterin. Ich sah aus dem Fenster und erschrak. Vor ihrem Fenster waren ihr Bruder (das wusste ich einfach), ihre Mutter, ihre Familie gefoltert und geschlagen an irgendeinem Stein befestigt und litten demonstrativ. Ich merkte, dass es sich dabei um Doubles handelte, aber nicht um ihre eigene Familie. Doch aus der Entfernung und unter den zermürbten Nerven, die sie hatte, dachte sie jedesmal, wenn sie nach vorne sah, dass ihre Familie dort vor Qualen am Sterben war. Sie schaute nach vorne und schrie wieder auf, weinte, versteckte ihr Gesicht und sagte “Was soll ich tun… Was soll ich tun, was willst Du von mir?”

Ich fragte mich die ganze Zeit, warum sie wie angewurzelt da saß, während sie denken musste, dass ihre kleine Schwester gerade von irgendeinem Psycho das Auge rausgenommen bekam (Ich gehe auf die Folterdetails nicht mehr ein, sie haben mich im Traum seltsamerweise nicht berührt, weil ich wusste, dass das alles inszeniert worden ist und die Doubles selber mit zum schrecklichen Plan gehörten, dieses Mädchen im Raum völlig zu zermalmen) – aber sie war wie gelähmt vor Angst.

Als sie sich rühren wollte, um zaghaft die Entscheidung zu treffen, vielleicht doch wieder einen Versuch zu unternehmen, ihre Familie zu retten, schaute sie ängstlich aus ihren Händen heraus und sah sich um. Ich erkannte in dem Moment, dass sie sich in ihrem eigenen Zimmer befand, das nur völlig verändert war. Dunkel, schmutzig, feucht – kerkergleich mit seltsamen Tieren aller Art, die an ihr, ihren Klamotten, ihren Hautschüppchen nagten und sich dann gegenseitig auffraßen. Alles war trostlos, kahl, zerstört. Sie hörte ihre Familie stöhnen und weinte wieder, wollte sich aber unbedingt zusammenreißen, ihre letzten Kräfte sammeln und aufstehen. Als sie das tat, sah ich hinter ihr hinter einer Glasscheibe ein abgrundtief heftig hässliches Gesicht, das eine Haut hatte wie aus einer Mischung von einem Insekten und eines Reptils. Seine grinsende Fratze hatte längliche, spitze Zähne und seine Augen – die waren am eindrucksvollsten und schrecklichsten – waren groß, leer und mit einem weißen, milchigen Schleier. Dieses Gesicht, obwohl es hinter einer dicken Glaswand war, hielt dieses Mädchen völlig in Schach. Sie starrte diese Fratze an und ließ sich von ihr bezwingen, sich nicht zu rühren. Sie blieb wie angewurzelt sitzen, zuckte nicht einmal mit ihren Gesichtsmuskeln, wagte nicht, zu weinen, hielt die Luft an, starrte in seine Augen und tat nichts. Kurz wollte ich sie berühren, um zu sehen, ob sie zur Statue er-”blasst” war, doch selbst ich traute mich nicht mehr, mich zu rühren.

Doch nach einigen Augenblicken sagte ich ganz leise: “Er ist hinter einer dicken Wand, ihn gibt es glaube ich gar nicht. Dein Zimmer ist bunt, ich habe es gesehen und Deine Familie da draußen, das sind nur Doubles. Der böse Junge, der Dich beobachtete und Dir das Leben zur Hölle machen wollte, das bist Du selbst. Bitte tu’ was gegen Dein Ungeheuer in Dir – Deine Angst.” – Sie hörte mit großen Augen zu und sah mir nach, als ich die Szene verließ. Ich hoffte, sie würde es schaffen.

3. Szene: Ich stand auf einer großen Straße, die Kreuzung muss riesig gewesen sein, es stand für Fußgänger grün und die Massen wechselten die Straßenseite. Mittendrin – humpelnd mit seinem Stock – sah ich Dr. House. Mich packte plötzlich eine unglaubliche Zuneigung zu ihm und ich war mir sicher, er würde mir noch eher helfen können als Gott selbst, weil er wenigstens helfen wollte. Ich lief auf ihn zu – lief und lief – und sprang ihm in die Arme und umklammerte ihn mit Händen und Füßen. Ich gab ihm einen sehr dicken Kuss auf die Wange und fragte:

“House, Du kannst uns doch helfen, oder? Uns diesen einen Wunsch erfüllen, oder? Da ist doch nochwas zu machen? Wenn das jemand kann, dann Du, nicht wahr?”

Er ließ mich runter, kniff mir in die Wange, lächelte traurig und sagte: “Nein, Sherry. Manche Dinge kann nicht einmal ich wieder in Ordnung bringen.” und humpelte weg.

04.06.2008, 15:58
Albträume

Ich gehöre zu dem Typ Mensch, der nicht oft wirklich schlimme Albträume hat – und wenn, dann sehr selten, aber dafür träume ich sehr chaotisch. Da sind auch Gefühle wie Angst, Schrecken, Verlust mit drin, aber selten in Form eines Massackers gegen die eigene Familie. (Gott sei Dank, sonst wäre es echt aus mit meinem Alltag, weil Träume bei mir sehr nachhaltig sind, zumal die Bildgewalt bei mir oft enorm ist und zum anderen, weil ich mich sehr detailliert an sie erinnere.)

Manchmal werde ich verfolgt von irgendwelchen sehr bissigen Tieren, die sich in meine Hand bohren und festbeißen – und egal, was ich dann tu’, ich kann sie nicht loswerden. Sie beißen sich fest, aggressiv, bösartig und mit wahnsinnigen Augen, die sich drehen, verrückt spielen und eine schreckliche Ahnung darüber zulassen, was im Gehirn dieses Tieres da gerade von Statten geht.

Einmal, das war ganz besonders eklig, biss sich so ein Tier in meine Hand – irgendeine Symbiose zwischen aggressivem Kanninchen und Säbelzahntiger sollte das darstellen. Je mehr ich an ihm zerrte, desto heftiger biss es sich rein und verfing sich bösartig in mein Fleisch und – so wie es sich anhörte – auch in meinen Knochen. Plötzlich kam irgendein Mensch, der es “gut” mit mir meinte und wollte das Tier, das an mir hing, einfach töten, damit sich irgendwann während seines Ablebens sein kräftiger Kiefer löste und das Tier von mir abfiel. Das schreckliche Ergebnis endete in einem Horrorszenario: Der gute Mann hatte das Tier geköpft, doch es hing wie einem irrsinnigen Höllenwahn verfallen weiter an meiner Hand, seine Augen und Nerven zuckten jetzt noch viel widerlicher als vorher, sein abgetrennter Körper trat wie wild um sich und seine Zähne bohrten sich noch viel tiefer und gewebezerfetzender in meinen Unterarm. Es machte ganz komische, quietschige Laute, es schrie und biss weiter zuckte und hampelte weiter, bis ich seinen Kopf anfasste und anfing, es zu streicheln (auf die Idee muss man unter solchen heftigen im Traum gefühlten Schmerzen erst einmal kommen).

Das Streicheln beruhige das Tier tatsächlich und es schloss die Augen und konnte sterben. Die letzte eklige Szene wurde mir leider nicht erspart: Der Kopf fiel zu Boden und platzte. Die Augen kugelten aus der Skeletthöhle raus und schauten wieder irrsinnig durch die Gegend – das eine nach oben, das andere nach rechts.

Im Traum kam mir das aber gar nicht so schlimm vor. Ich war erleichtert, dass alles vorbei war. Meine Hand war auch noch dran und gar nicht blutig, alles war in Ordnung. Dann wachte ich auf – wenn Ihr mich fragt, ca. ‘ne halbe Stunde zu spät.

Dieser Traum ist jetzt ewig her. Und ich schreibe diesen Beitrag auch eigentlich nur deshalb, weil ich letzte Nacht wieder etwas wirklich Widerliches geträumt habe, das ich aber jetzt nicht hierein schreibe. Diesmal war ich aber zum Glück nicht das Opfer – niemand war im Grunde das Opfer, außer das “Wesen” selbst. Es war so eklig, aber auch mitleiderregend anzusehen… Das muss ich erstmal verdauen. Vielleicht schreib’ ich’s dann irgendwann auf.

Aber ich wette, nach dieser kleinen Vorstellung wollt Ihr gar nichts mehr hören. Haha.