02.05.2012, 14:27
Ein Plan
Die besten Männer konnten eine Frau einsam machen. Nur, indem sie dort saßen, an ihren Erdnüssen knusperten und das Wegsehen zur Allerweltsmimik deklarierten. Sie saß neben ihm, das hieß, so weit weg wie es ging. In diesem kümmerlichen Zimmer, das sie ihr Zuhause nannten, existierten zwei Welten, die einander nur trafen, indem sie einander trafen. Sie atmete in tiefen Zügen, um ihrer Blässe zu entgehen. Ein falsches Wort, und er hätte ihren ganzen Satz in der Luft zerrissen, bis sie in sich zusammenfallen würde. Doch vorher würde er sie in sich selbst hinein scheuchen. Ihre kläglichen Versuche des Benennens und Bittens trat er mit einer Bissigkeit entgegen, die keine Durchlässigkeit für menschliche Regungen zuließ. Manchmal machte er sich einen Spaß daraus, ihre Atemluft zum stocken zu bringen, indem er ihr barsch empfahl, mit dem, was sie gerade tat, aufzuhören. Da sie jedoch nichts anderes am tun war, als zu atmen, hielt sie im ersten Schreckmoment stets die Luft an, bis sie ihn sagen hörte: “Atme doch, du dummes Ding! Kusch’ doch nicht immer so. Na, hast du denn gar keine Selbstachtung, du Armes?” Dabei lächelte er in vorgetäuschter Milde, während er sein Herz für jegliche Hilferufe mit seinen stahlharten Armen versperrte. Einmal stolperte sie über ihren eigenen Schluchzer, der trotz allem Kraftaufwand nicht zu stoppen war, und japste nach Luft. Daraufhin klopfte er ihr auf den Rücken, als habe sie sich beim Essen verschluckt; wohl wissend, dass sie gerade gar nicht zu Tische saßen. Er wollte ihren luftschnürenden Kummer einfach nur ignorieren. Es bereitete ihm Freude, sie nicht zu sehen. Also blieb ihr nichts anderes übrig, als einen Plan zu schmieden …
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Ich weiß nicht, wann ich mich so verändert habe. Weder habe ich meine Entwicklung zum heutigen Punkt wahrgenommen, noch die Schlüsselereignisse bewusst erlebt, die dazu führten, dass ich zu dem wurde, der ich heute bin. Ich erinnere mich nur, dass ich anders war. Zugänglicher, anhänglicher und vor allem treuer. Heute ist es anders. Ich laufe oft das selbe Schema durch, wenn ich statt der Stecknadel, nur den Heuhaufen unter den Menschen begegne. Wir verbinden uns kurz, tauschen uns aus; und entsprechend meiner launischen, aber feinsinnigen Fähigkeiten, schaffe ich es meistens, mehr als ein Mal einen Blick hinter die Stirne der Anderen zu werfen. Gefällt mir, was ich sehe, verbinde ich mich und flechte mich skrupellos auf schleichenden Pfoten in ihren Alltag ein, so dass ich ihnen unentbehrlich werde. Gefallen sie mir nicht und zeigen sie mir mehr als drei Mal ihr grob- und stumpfsinniges Denken und Handeln, entziehe ich mich aus den mich eingebundenen Strukturen ihrer Seele, hinterlasse unsichtbare Risse und schweige.
Das Schweigen ist eine wunderbare Waffe. Sie erzeugt allein durch ihre bleischwere Abwesenheit Zweifel im anderen, die von einer kleinen Saat in ein Gigantum des Selbsthasses wachsen können, wenn sie diesem impulsstarken Wachstum nicht Einhalt gebieten. An der Leidensgrenze angekommen, verlassen sie mich dann teils theatralisch, teils mit einem Mindestmaß an Selbstachtung. Entweder tun sie das durch eine offizielle Kündigung unserer Freundschaft oder durch pure Ignoranz meiner Abwesenheit aus verletzter Eitelkeit. An diesem Punkt angelangt, beginnt meine Seele sich zu erheitern. Während die anderen nun auf eine Rettungsreaktion aus meiner Seite hoffen, eine, die ihnen klar machen soll, wie sehr ich sie schätze und wie falsch ich mich benommen habe, atme ich erleichtert auf und klopfe mir ob meiner neuen Leichtfüßigkeit durch die abgeworfene Personenlast auf die Schulter. Weiterlesen… »
11.04.2012, 17:35
Zu weit gegangen
Wir waren verloren
Doch sahen sie’s nicht
Wir hatten gekämpft
Doch das Ende fanden
wir nicht
Das Leben das zeigte
All seine Schönheit uns
Obwohl wir ihm dankten
Verabschiedete es uns
Die Stimmen der Chöre
Vergingen im Staub
Die Geschichte war fahl
Die Wahrheit ging aus
Wenn die Lichter versinken
Das Laub auf uns fällt
Wenn Nachtgebete weinen
und keine frohe Botschaft mehr
unsere Häuser erhellt
Weiß ich doch eins:
Wir sind den einen Schritt
Zu zweit gegangen
Und sind am Ende aller Wege
noch den einen Schritt
Zu weit gegangen
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