30.09.2011, 10:23
Joséphine
“Deine Augen sind
so müde, Joséphine.
Was hat man dir
nur angetan?”
“Meine Augen sind
so müde, Held?
Was denkst du,
wer hier all die Jahre
nicht mehr war?”
“Du weißt doch, Liebste
Gekämpft habe ich.
Gegen Dämonen,
gegen Soldaten
gegen mich
Weißt du denn nicht?”
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13.06.2011, 14:29
Roxanne
El Tango de Roxanne
Manchmal zeigte sie ihm eine ganze Woche lang nicht einmal einen Hauch von Zuneigung. Keine Spur von einer inneren Überzeugung, dass sie ihre Gründe dafür hat, dass sie mit ihm zusammen war und nicht etwa mit dem übelriechenden Tankwart, der eine Kippe nach der anderen rauchte und die Kunden mit einem leicht sadistischen Lächeln Unbehagen bereitete. Das war jedoch auch immer die Zeit, in der sie körperlich viel Lust auf ihn empfand. Frei ließ sie sich, gab sich hin, warf ihren Kopf stöhnend in den Nacken und trieb ihn zu Höchstleistungen der Lust an, bis sie beide erschöpft in ihre Laken fielen. Jeder für sich.
Diese Vereinigung war kalt und so frei von tief-emotionaler Intensität, dass sie sogar ihm, der Lust hoch bewertete, zuwider war. So heiß es in der Luft auch war nach ihren Nächten, es war kalt in dem Vakuum zwischen ihnen. Er hätte in ihrer Leidenschaft durch jeden anderen ersetzt werden können, und sie hätte es nicht einmal bemerkt. War sie in dieser Phase der Distanz, so schlief sie nicht mit ihm, sondern schlief mit etwas, das sie befriedigte, nicht mehr und nicht weniger. Es gab keine Mittelwege, keine Symbiose zwischen einem „gemeinsam und animalisch“. Es war nur animalisch und einsam.
Manchmal, da war sie so. Diese Phasen dauerten jedoch nicht lange. Sie waren auch sonst nie so intensiv und greifbar wie dieses Mal. Sie zog sich Wochen lang hin, und er stand daneben, wie hinter einer Scheibe, und erreichte sie nicht. Also beobachtete er sie. Wie sie sich im Haus bewegte, wie sie ihn begrüßte, das Essen zubereitete und es ihm auf den Tisch legte. Alles war barscher, aber unmerklich barsch. Rascher, aber unmerklich rasch. Ihre Hand zog sie von seiner Berührung vielleicht nur einen unmerklichen Moment früher weg als sonst, doch die Kraft dahinter, die spürte er – und sie war wie eine Ohrfeige. Es war kein Loslassen, es war ein Wegziehen. Es war kein Schweigen, sondern ein Ersticken seiner Fragen. Das war kein Blickkontakt beim Besprechen des Alltages, sondern eine eingehaltene Konvention. Manchmal, so hatte er das Gefühl, sah sie sogar durch ihn hindurch, so als sei ihr Wohnzimmer schon ohne ihn geplant.
Nachts schlief er nicht mehr gut, denn sie tat es in der hintersten Ecke des Bettes – eingerollt und den Rücken zu ihm gedreht. Ihre weichen, weißen Brüste waren nicht mehr für ihn gedacht, er konnte sich nicht auf ihren Bauch legen und durch die Welle ihrer Atmung einschlafen. Auch seine Schultern hatten ihren Sinn verloren. Kein zartes Wesen um ihn herum in Sicht, das manchmal ihren Schutz bei ihnen suchte. Er lag wach und befürchtete das Schlimmste. Dass sie jemand anderen gefunden hatte, jemand anderen, der ihr den Nacken streichelte und ihre dunklen Locken zähmte, wenn sie aufgebracht war. Jemand, der ihr einfach mehr war als er ihr das jemals sein konnte. Jemand, den sie dieses Vakuum nicht spüren ließ, bei dem sie seine Hand nicht einmal losließ, geschweige denn wegzog. Doch warum, fragte er sich, schlief sie noch mit mir? Frauen taten das normalerweise nicht, wenn sie emotional von einem entfernt waren. Was also war los? Weiterlesen… »
03.05.2008, 12:12
Alles hat ein Ende
Die traurige Wahrheit ist, dass selbst die größten Liebesbeziehungen in vielen Fällen zu Ende gehen, weil sie einfach irgendwann an der (eigenen) Realität scheitern. Noch immer wird die Liebe dazu benutzt, um eigene Defizite zu kompensieren. Gerade Männer benutzen die Hingabe ihrer Frauen immer wieder dazu, sie als schwächelndes Wesen hinzustellen, sie zu degradieren und zu demütigen, damit sie ihre eigenen Unsicherheiten kompensieren. Und Frauen? Die sind meistens schon vor der aktuellen Beziehung “willige Opfer” gewesen, so dass sie immer traurigere Mechanismen intus haben, um den Mann zu halten. Die natürliche und wunderschöne Hingabe wird dann irgendwann zum Assistieren des Mannes bei der Folterung ihrer eigenen Seele. “Wenn ich dies und jenes mit mir machen lasse, vielleicht bleibt er ja dann. Vielleicht bin ich ihm dann etwas wert.”
Am Ende einer Liebe bleibt nur die karge Hoffnung, dass es wieder eine Neue geben wird. Dass dabei niemals der oder die Richtige erscheinen kann, solange man sich nicht (therapeutisch und selbstreflektiv) auskuriert hat, weil man sich in der nächsten Beziehung noch heftiger an den selbstschädigenden und selbstverachtenden Mechanismen festhält und dabei genau jenen Typ Mann anzieht, den man vorher schon hatte, nur um ein Vieles schlimmer, macht die Chancen auf Glück völlig zunichte.
Aber wir wollen mal nicht pessimistisch sein. Passt auf Euch auf, meine lieben Frauen. Ihr seid Juwelen, bitte vergesst das nicht. Bitte vergesst das nicht. Ihr gebärt Kinder und Euer Herz ist oft groß genug, um alles stehen und liegen zu lassen, um Eure Kinder wachsen und lachen zu sehen. Karriere, Status, Selbstachtung, eigene Bedürfnisse lasst Ihr liegen und legt Euch schlaflos aber glücklich neben das leise Gurren Eurer schlafenden Babies. Am Ende des Tages begegnet Ihr Euren Männern mit einem tapferen Lächeln – immer und immer wieder, selbst wenn sie Euch, nachdem ihre Bäucher satt sind, von oben bis unten kritisieren und Euch sagen, worin Ihr wieder versagt habt.
Ihr seid Juwelen. Bitte vergesst das nicht.
Anlässlich immer wieder auftretender Fragen seitens der Frauen, warum sie denn immer den selben Typ von Mann anziehen, der sie ausbeutet und ausnützt, kamen mir folgende Gedanken in den Sinn.
Ich kann Männer nicht so gut beurteilen wie andere Frauen, da ich sie (fast) nur in Freundschaften & Kumpelschaften kennen gelernt habe. Ich habe mit ihnen Fußball gespielt, Mutproben gemacht, sie ihm Armdrücken besiegt (mit 13 wohlgemerkt, später ging das nicht mehr) und mit ihnen über technisches Spielzeug diskutiert – aber ihre “Arschlochseiten” in einer Beziehung habe ich mehr durch andere Frauen erfahren, nie direkt selbst.
Dennoch würde ich gerne eine kleine Beobachtung erzählen, die sich im Laufe der Jahre immer mehr bestätigt hat. Wenn eine junge Frau von vorneherein ausstrahlt, dass sie einen “Beschützer” an ihrer Seite will und braucht, dann strahlt sie etwas verletzliches, unselbständiges, abhängiges aus, das ein Signal von “Naivchen”, “Devotchen” oder sogar “Dummchen” an die Männer weiterleiten könnte. (Das heißt nicht, dass sie es sind, das heißt nur, dass Männer den Wunsch nach Hingabe so wahrnehmen und dahingehend ausnutzen) In ihrem männlich, testosteron-behafteten Elan zieht das je nach Zeit & Ort leider genau den Typ von Mann an, der nicht besonders viel Selbstbewusstsein hat, deshalb den wirklich übertriebenen Arschloch-Macho hergeben muss und auf jeden Fall eine Frau braucht, die ihn braucht, die abhängig von ihm ist, die devot ist, die sich ausnehmen lässt in jeglicher Hinsicht – emotional oder auch sexuell.
Strahlt eine Frau zumindest anfangs eine Art Stolz, Selbständigkeit und Geradlienigkeit aus – einen Schuss subtilen, aber eher verschlossenen und distanzierten Sex-Appeals; nicht im Sinne von “hier nehmt mich”, sondern “nein, mehr gibt’s nicht” – zieht sie automatisch überwiegend Männer an, die eine stabile und starke Persönlichkeit haben, mit genug Selbstsicherheit, dass sie der vollsten Überzeugung sind, es mit einer starken Frau “aufnehmen” zu können, die ihn liebt, weil sie ihn liebt und nicht, weil sie ihn braucht. Die ihn liebt, weil sie ihn liebt und nicht, weil sie innerlich so “unvollständig” ist, dass sie ihn als seelische Krücke benötigt. Solche Frauen mit solch einer Ausstrahlung werden seltener die ausnutzenden Arschlöcher anziehen, als die oben beschriebenen. Das liegt schlicht und einfach daran, dass Arschlöcher zuwenig Eier in der Hose haben, um auf eine stolze Frau zuzugehen – und zudem noch zuwenig Eier in der Hose haben, um eine von anfang an schutzsuchende Frau gebührend anders zu betrachten, als nur ein Mittel gegen ihre Minderwertigkeitsgefühle.
Der selbstsichere Mann, der bereit ist, auf eine starke & ebenbürtige Frau zuzugehen, wird in der Liebe die aufkeimende Schwäche & das Schutzbedürfnis der Frau als fragiles Geschenk annehmen und sie fest halten, ohne sie dabei emotional ausnutzen zu müssen. Ohne sich dadurch zu definieren, wie hilfebedürftig und unterwürfig die Frau im gegenüber ist.
Deshalb glaubt nicht an den Prinzen, den Ihr dazu benötigt, Euch aus dem Schlamassel zu holen, weil Ihr es selber nicht schafft (Ihr schafft es, und wie Ihr es schafft) – seid eine stolze Prinzessin, die sich zwar nach der Liebe eines Prinzen sehnt, aber weiß, dass sie im Notfall auch alleine zurecht kommt. Ihr werdet dann zwar keine Prinzen anziehen, die sich in ihrer Rüstung und mit ihrem Schwert noch tapsig Richtung Männlichkeit & Macht bewegen und dabei in ihrer Unsicherheit eben oft über die Stränge schlagen – aber dafür Könige.
Und wenn dieser König da ist, dann gebt Euch hin, so oft Ihr wollt. Liebt ihn, braucht ihn, gebt Euch Eurer emotionalen Abhängigkeit meinetwegen hin – er ist stark genug, um das nicht als Triumph gegen Euch zu benutzen – einfach, weil er genug Selbstachtung hat. Er wird Euch in einigen Augenblicken sogar seine emotionale Abhängigkeit Euch gegenüber ein schönes, sensibles Bild schenken, das Euch überwältigen wird.
Man erkennt den “Charakter” eines Mannes oft sehr schnell, indem man herausfindet, wen oder was er von vorneherein sucht… Ob nun bewusst oder unbewusst, beides ist aussagekräftig.
Ich habe soviel Musik, dass ich das Meiste im Grunde noch gar nicht gehört habe. Das hier habe ich vorhin entdeckt. Ich glaube, diese Lady hat mir den Text geklaut – oder mindestens meine Gedanken – und einfach ein Lied drauf komponiert… Unglaublich. Und wenn Du heute nach Hause kommst, hören wir das zusammen, was sie ihrem Mann gesungen hat, was eigentlich von mir für Dich gedacht war. Einwenig chaotisch, ich weiß, Schatz. Aber das kennst Du ja von mir.
Click: ~ Save Me From Myself ~
It’s not so easy loving me
It gets so complicated
All the things you’ve gotta be
Everything’s changin
But you’re the truth
I’m amazed by all your patience
Everything I put you through
When I’m about to fall
Somehow you’re always waitin
With your open arms to catch me
You’re gonna save me from myself
From myself, yes
You’re gonna save me from myself
My love is tainted by your touch
Cuz some guys have shown me aces
But you’ve got that royal flush
I know it’s crazy everyday
Well tomorrow may be shaky
But you never turn away
Don’t ask me why I’m cryin
Cuz when I start to crumble
You know how to keep me smilin
You always save me from myself
From myself, myself
You’re gonna save me from myself
I know it’s hard, it’s hard
But you’ve broken all my walls
You’ve been my strength, so strong
And don’t ask me why I love you
It’s obvious your tenderness
Is what I need to make me
A better woman to myself
To myself, myself
You’re gonna save me from myself
19.10.2006, 23:08
Oktober der 19.-e
(Vom 19. Oktober 2004 – Brief.mp3)
Heute ist der 19. Der 19. Oktober. Der 19. Oktober 2004. Ich kenne dieses Datum genau. Genau vor einem Jahr vergruben sich seine Zahlen in mein Herz und krallten sich atemstillend ein. Lebensberaubt, blutübergebend, niedergetreten, bettelte ich um Stillstand – in welcher Form auch immer – der Tod war erflehter Gast.
Der 19. Oktober letzten Jahres war jener 19. eines Oktobers, an dem wir uns das dritte Mal zerissen. Wie sehr Du Dein eigenes Glück doch mit Füßen getreten hattest und schon Tage danach händeringend meinen Tränen bis zum Boden folgtest, um in ihrem Geschmack meine Liebe aufzufangen, ohne die Du nicht leben wolltest. Nein, nicht konntest.
Alle wandten sich ab von Dir. Mama wollte kein Wort mehr über Dich hören. Meine Schwester bemitleidete Dich. Mein Bruder vergaß Deinen Namen. Hafez gab Dich auf. Selbst Du verachtest Dich, schiebst alle Schuld auf – und hasst mich.
Ich will heute nicht über jene Dinge reden, die Du wortlos geschworen, noch herzzerfetzend gebrochen hast. Kein Wort über die Demütigung jener Person, die Dir das Lieben offenbarte. Kein Wort über die Härte Deiner Hiebe, um meine Tränen versiegen zu lassen, wenn Du Deine Scham nicht tragen konntest. Ich will heute, dem prägendsten 19-ten meines Lebens gedenkend, über Deine Güte reden.
Über Spaziergänge in hoffnungsvollen Nächten, in denen ich Dir zehn Schritte kichernd vorausrannte, die Augen schloss, die Arme hob und mich nach hinten fallen ließ – immer bangend, doch immer vertrauend, dass Du mich auffangen würdest. Lachend tatest Du es, mehr als ein Duzend Mal. Ja, mehr als ein Duzend Mal
Sollen alle heute wissen, wie Du nachts im Halbschlaf die Decke um mich wickeltest, wie bei einem Kind bis zum Kinn. Sollen heute alle wissen, wie Du schlafend murmeltest “Ich liebe Dich…”, wie Du Dich bei jeder Bewegung von mir wie im Greifreflex eines Baby’s in meinen Oberarm kralltest und aus einem schlafend-nuschelnden Mund ein “Bitte geh’ nicht weg von mir…” herausgeatmet kam.
Heute sollen alle wissen, wie ich wutentbrannt die derbsten persischen, türkischen und deutschen Schimpfwörter in Dein Gesicht schleuderte, mit geballten Fäusten gegen Dich schlagen wollte. Sollen alle wissen, wie Du diese Faust zuerst mit Deinem Oberarm, dann mit Deiner Hand abfingst, sie erst mit Gewalt, dann mit Sanftmut schweigend öffnetest und die Innenfläche küsstest. “Bitte, mein Schatz, tu’ das nicht.”, sagtest Du mit großen, traurigen Augen – und die schamhafte Stille in mir regierte kapitulierend den Raum.
Heute wollte ich über Dich, ja wirklich über Dich, reden. Über die schwere Geburt Deiner ersten Liebeserklärung, wie Du stottertend-krächzender Kehle heraus in mein Herz stolpertest und dann erstaunt ob Deiner eigenen Courage sagtest: “Ich hab’s gesagt. Ich hab’s zum ersten Mal in meinem Leben gesagt…” Erinnerst Du Dich noch an Dein erstes Glaubensbekenntnis? “Ich weiß jetzt, es muss einen Gott geben. Anders kann ich mir Dich nicht erklären…”
Ja. Darüber wollte ich schreiben – über Dich und das Schöne in Dir. Aber nun fehlen mir die Worte – und ich muss mich meiner Unfähigkeit beugen.
Doch sollst Du wissen, ich hasse Dich nicht. Denn niemanden hast Du mehr verlassen als Dich selbst, als Du Dich drei Mal trenntest. Trenntest, weil Deine Familie mich “Böse Zauberin” schimpfte, denn ich war “anders” als Ihr.
Das weißt Du – und genau deshalb – ein Jahr später, höre ich Dein Atmen in der Aufnahme meines Anrufbeantworters. Stillschweigend, leise atmend – meinem Ansagetext auf ein Neues horchend. Nur deshalb.
Leb’ wohl, mein Verlorener. In meinen Gebeten bitte ich immer um Dein ehrliches Lachen – sollst auch Du Deine Liebe finden – so wie ich jetzt meine fand. Und falls Du mich hier aufsuchen solltest und mich lesen solltest, so tu’ uns den Gefallen und beschmutze unsere Geschichte nicht. Denn sie war etwas Besonderes. Dein Hass wird vergehen, sobald Du Dir verziehen hast – so wie ich Dir.
Ja. Hörst Du?
So, wie ich Dir.
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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