Posts Tagged ‘Einsamkeit’
22.01.2012, 22:14
Heimlichblicke
28.10.2011, 20:54
In sich gekehrt

Heute scheine ich vor allem die Einsamkeit eingefangen zu haben. Außer bei Mutter und Sohn erscheinen mir alle gedankenversunken, von ihrer Umgebung isoliert und müde vom Versuch, eine Verbindung zu den anderen und ihrer Welt einzugehen.


11.08.2011, 00:37
Nachtgespräche.

“Und wie kam es dazu, dass du so ein tapferer Mensch wurdest und so positiv durch das Leben gehst nach allem, was du durchlebt hast?” Er überlegte kurz. Zum ersten Mal während dieses Gespräches zeichneten sich nachdenkliche Stirnfalten auf sein sonst so hellsinniges Gesicht. “Wie es dazu kam? Ganz anders, als du vielleicht denkst. Ich wurde ‘tapfer’, weil niemand, von dem ich es erwartet hätte, auf meine Verzweiflung zu jener Zeit reagierte. Also wurde ich ‘tapfer’ – bzw. zeigte eine Illusion von Tapferkeit – damit ich nie wieder erleben musste, wie meine Verzweiflung übergangen und ungesehen blieb. So konnte ich wenigstens behaupten, sie wüssten es nicht besser. Ich konnte mir einreden, dass ich ihnen ja nicht zeigte, dass ich gegen ein namenloses Monster in mir kämpfte, also taten sie nichts Falsches. Nur durch diesen Weg konnte ich diese Menschen, die mir etwas bedeuteten, trotz ihrer Ignoranz von Schuld freisprechen und mich von der Erfahrung, immer wieder auf’s Neue ignoriert zu werden und ungewürdigt in einer Ecke stehen gelassen zu werden, befreien. So wurde ich tapfer.”
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08.08.2011, 15:19
13f / 50f [Verletzlich]

Mir fällt es schwer, dieses Bild für das Projekt 50f zu nutzen, denn es ist mehr als eine Überlegung und Inszenierung für ein Bild. Dieser alte Mann, der da einsam an der Straße stand, brach mir das Herz. Ich reagiere auf alte Menschen sehr empfindlich. Ich projiziere sehr viel Einsamkeit und Hilflosigkeit in sie hinein. Und lange kann ich sie dann nicht vergessen. Ich finde, dieses Bild repräsentiert zum Wort “Verletzlich” viel passender als meine ursprüngliche Idee. Wie plump sie mir im Nachhinein nun vorkommt.


Heute war wieder einer dieser Tage, an denen ich draußen meine Spezies beobachtete und einfach nicht dazu gehörte. Ich, die ewige Beobachterin. Die ewige Nachahmerin eines scheinbar funktionierenden Glieds in der Kette der Gesellschaft. Verlogen wie ich bin, enttarnt man mich selten als Außenseiterin und unspaßigem Nichtsnutz. Außen vor, nie mittendrin, weil so fremd, so scheu, dass mir die Distanz schon weh tut. Der Himmel war mein einziger Freund. Da, der Himmel.

04.06.2011, 00:57
5f / 50f [Gefühlt]

Diese sterbende Diva habe ich in der Nähe unserer Haustüre gefunden. Sie kämpfte sich durch Gestrüpp ihren eigenen Weg in die Aufmerksamkeit von Wesen, die ihre Schönheit zu schätzen wissen. Sie hat soviel Kraft dafür aufgebraucht, um diesen einen Augenblick von Ruhm zu erleben, dass sie sehr müde aussah – aber dafür umso schöner, stolzer und erleichterter, als sie merkte, dass ich mich in sie verliebte und ihre Schönheit festzuhalten suchte. Ihre Farben waren blass und sie war müde von ihrem eigenen Traum. Deshalb habe ich mir erlaubt, ihren Ruhm und Glanz wie den der alten Diven in Schwarz-Weiß abzulichten. Ich liebe dieses Foto. Es bedeutet mir etwas. Aus irgendeinem Grund war ich zutiefst berührt, als ich sie ansah. Auch, wenn es vielen gewöhnungsbedürftig erscheinen dürfte, Blumen in Schwarz-Weiß zu bewundern. Ich hoffe, ihr liebt sie genauso wie ich. Ich hoffe, Ihr seht sie so, wie ich sie sehe.

Nachträglich hinzugefügt: Ich habe sie mit in das Profjekt 50f reingenommen. Gestern, beim Durchlesen der Wortliste sprang mir “Gefühlt” entgegen. Und obwohl meine Grundidee zu diesem Wort als Fotografie eine andere war, passte diese Diva besser für mich rein. Denn als ich sie entdeckt hatte, habe ich sie tatsächlich gefühlt.