Posts Tagged ‘Erkenntnis’

Vier Leben hatte sie verbrannt. Vier Leben hatten sie verbrannt. Es gibt nichts, was man verschweigen könnte, was einem nicht doch die Augen runterlief wie eine gesteinigte Seele, in sich zusammengefaltet wie ein enger Sarg in der Tiefe der Meere, verschlossen wie das dunkelhaarige Kind mit den traurigen Puppen in der Hand, die sie immer und immer wieder fallen ließ. Was wir nicht wissen ist immer das Selbe. Der Kern der Erkenntnis verflüchtigt sich mit dem Versuch, unseren Blick nach Innen durch uns durch zu richten. Doch was ist da? Freud mystifizierte uns, sagte, in uns sei eine unbewusste Welt, ein nicht sichtbares Universum. Und deshalb fühlen wir uns noch magisch von seinen Sätzen angezogen und verteufeln die kalten Wissenschaften, die uns unmystisch darstellen. Aber was wir nie begriffen haben ist: er hat uns als absolut triebgesteuert gesehen, weniger wert als unser Verstand, mehr ruht da nicht, da in den Tiefen, dem Unbewussten, sagt Freud. Weiterlesen… »

12.04.2012, 10:08
Als habe es sie nie gegeben

Ich weiß nicht, wann ich mich so verändert habe. Weder habe ich meine Entwicklung zum heutigen Punkt wahrgenommen, noch die Schlüsselereignisse bewusst erlebt, die dazu führten, dass ich zu dem wurde, der ich heute bin. Ich erinnere mich nur, dass ich anders war. Zugänglicher, anhänglicher und vor allem treuer. Heute ist es anders. Ich laufe oft das selbe Schema durch, wenn ich statt der Stecknadel, nur den Heuhaufen unter den Menschen begegne. Wir verbinden uns kurz, tauschen uns aus; und entsprechend meiner launischen, aber feinsinnigen Fähigkeiten, schaffe ich es meistens, mehr als ein Mal einen Blick hinter die Stirne der Anderen zu werfen. Gefällt mir, was ich sehe, verbinde ich mich und flechte mich skrupellos auf schleichenden Pfoten in ihren Alltag ein, so dass ich ihnen unentbehrlich werde. Gefallen sie mir nicht und zeigen sie mir mehr als drei Mal ihr grob- und stumpfsinniges Denken und Handeln, entziehe ich mich aus den mich eingebundenen Strukturen ihrer Seele, hinterlasse unsichtbare Risse und schweige.

Das Schweigen ist eine wunderbare Waffe. Sie erzeugt allein durch ihre bleischwere Abwesenheit Zweifel im anderen, die von einer kleinen Saat in ein Gigantum des Selbsthasses wachsen können, wenn sie diesem impulsstarken Wachstum nicht Einhalt gebieten. An der Leidensgrenze angekommen, verlassen sie mich dann teils theatralisch, teils mit einem Mindestmaß an Selbstachtung. Entweder tun sie das durch eine offizielle Kündigung unserer Freundschaft oder durch pure Ignoranz meiner Abwesenheit aus verletzter Eitelkeit. An diesem Punkt angelangt, beginnt meine Seele sich zu erheitern. Während die anderen nun auf eine Rettungsreaktion aus meiner Seite hoffen, eine, die ihnen klar machen soll, wie sehr ich sie schätze und wie falsch ich mich benommen habe, atme ich erleichtert auf und klopfe mir ob meiner neuen Leichtfüßigkeit durch die abgeworfene Personenlast auf die Schulter. Weiterlesen… »

07.04.2012, 15:55
Versuch und Irrtum

Eine meiner typischen Eigenarten ist, dass ich alles ausprobieren muss. Dabei rede ich nicht von der Probierlust, bei der ich neue Dinge entdecke. Die ist bei mir zwar auch stark ausgeprägt, aber ich meine etwas anderes. Es ist oft vorgekommen, dass ich in einer Situation war, in der man mir sagte, es würde nicht mehr klappen, es sei unmöglich, ich solle die Angelegenheit loslassen, weiterziehen und es beim nächsten Mal versuchen. Und was tat ich? Ich hörte zwar zu, und ein großer Teil in mir verinnerlichte zwar die Zweck- und Hoffnungslosigkeit, aber ich konnte mit dem Tun, mit dem Handeln an einem Problem, einfach nicht aufhören. Immer fragte mich meine innere Stimme: “Ist es wirklich hoffnungslos? Hast du alles versucht? Gibt es tatsächlich keine Chance?” Dieses Anzweifeln des Offensichtlichen und der Kampf gegen die eigene Kapitulation waren immer ein starker Motor und Energiefresser in einem. Aber der Grund, warum ich dennoch an einer Sache bleibe und mich festbeiße, ist dieser: In den meisten Fällen habe ich tatsächlich alles gegeben und alles gewonnen, was andere für verloren hielten. Also kann ich damit nicht aufhören, mit Versuch und Irrtum, mit noch zehn Versuche und Ziel. Und das ist eine ganz bestimmte Abzweigung, die aus meiner angeborenen Sturheit entsprungen ist. Also ist sie manchmal doch zu etwas gut, diese Sturheit.

03.04.2012, 13:23
Verflechtungen

Sehr gelacht habe ich heute. Es gibt Dinge, die bringen mich, ob ich nun will oder nicht, einfach so dermaßen zum lachen, dass ich in dem Augenblick denke, das Leben sei das Schönste, was uns je hätte passieren können. Diese Momente sind welche, in denen die geistige Naivität der ersten Lebensjahre wieder Besitz von mir ergreift. Momente des Friedens waren das, weil man noch nicht so viel über das Leben und seine Regelmechanismen wusste. Momente der Hoffnung, weil man sich sagen konnte, sobald ich Erwachsen werde, stehen mir alle Möglichkeiten offen. Dass das Sehen offener Türen eher darin begründet lag, dass wir meinten, wir seien noch nicht zu unserer kompletten Größe herangewachsen und hinter uns und unserem tapsigen Schritten verberge sich mehr und mehr, das wussten wir nicht. Sind wir am Ende unseres Zieles angelangt; sprich, sind wir erwachsen, sind wir mündig und ausgebildet, gibt es diesen Weg weiter zum Horizont bis zum Tag {x} der phönixartigen Auferstehung nicht mehr; zumindest nicht, ohne dass wir einige Eigenarten des verpflichtenden Alltags ignorieren. Wir wissen {im Grunde}, wir sind am Zenit unseres Lebens angelangt, alles ab den Dreißigern beginnt, schwächer zu werden, langsamer, aber dafür bedachter und sorgsamer. Unsere Denkfähigkeit, unsere Merkfähigkeit, unsere Lernfähigkeit und die Fähigkeit, aus unseren festgefahrenen Mustern herauszukommen, nimmt ab. Dann sitzen wir hier, sind erwachsen, fühlen uns um unsere Hoffnungen und unsere Zukunft betrogen, aber arbeiten weiter wie fleißige Bienen für die Königin – den Staat – um uns wenigstens nützlich zu fühlen. Dinge zu tun, das hält uns davon ab, zu sterben, denken wir. Und ein wenig ist es auch so, zumindest hören wir die Zeit dann nicht mehr ungenutzt ticken. Und trotzdem, kommt mit diesen Erkenntnissen wundersamer Weise auch eine Gelassenheit in unsere Leben, die den Reiferen vor den Jüngeren einen Vorteil gibt. Sie entspringt aus der Erkenntnis, dass es jedem so gehen wird und niemand davon verschont bleibt, dass das Werden und Gehen einander ablösen wie guten Freunde bei der Nachtwache am Lagerfeuer. Weiterlesen… »

28.03.2012, 11:44
Und dann ist es gut

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe ist, dass es mich nicht umbringt, den Falschen zu vertrauen. Sie haben beim Lamentieren schon längst meinen wunden Punkt vergessen. Und erkannt habe ich, dass nichts dabei ist, wenn ich den Richtigen nicht vertraue. Denn sie stehen noch immer da, am Wegrand meines Blickes, und warten geduldig auf mich, bis ich endlich weiß, was zu sagen ist. Das ist ein schöner Monat, dieser März. Wir feiern das neue Jahr ganze dreizehn Tage lang. Und diese dreizehn Tage sind erst in vier vorbei. Dieser Frühling ist der Erste nach Jahren, den ich annähernd so lieben kann, wie es ein Frühling nun einmal verdient hat. Die Veränderungen geschehen {in mir} in rasanter Form. Und ich weiß, bald fängt ein neuer Lebensabschnitt an – und in der neuen Arbeit gehe ich wie eine kleine Sonne auf. Die Melancholie bleibt aus die letzten Tage. Das macht mich unkreativ, doch glücklich, weil ich nichts Schlechtes über mich zu berichten habe. Ich renne raus und alle lächeln {mich an}. Ich stehe in der Schlange, und das Warten ist ein kleiner Augentanz. Ich lauf’ zur Bahn, und der Fahrer wartet auf mich drei Ampelzyklen lang. Ich setz’ mich hin, und ein kleines Mädchen zeigt – seiner Mutter zugewandt – auf mich, fragt sie um Erlaubnis und setzt sich dann neugierig zu mir hin.

Was passiert denn nur, wenn die Sonne scheint? Überhaupt war vieles anders in den letzten Wochen. Ich rede und hülle mich nicht in Schweigen ein, und das bei Themen, die mich direkt betreffen. Geknickte Freundschaften erheben sich gen Himmel wie Tulpen. Sie wollen einen Neuanfang, und ich sage “Ja”. Nie dagewesene Freundschaften werden endlich beendet. Ich entlasse mich aus der selbst auferlegten Pflicht, für immer da zu sein, und sage erleichtert “Nein”. Eine neue Energie erwacht aus meinem Schmerz heraus. Eine Botschaft, die mich aus der inneren Resignation befreit. So dass der reißende Fluss meines Handelns sich vom Sprudeln meiner Seele nähren kann, und ich endlich nicht – wie sonst – im Minus meiner Kräfte weile. Nichts kann bleiben, wie es ist. Die Veränderung ist die Mutter der Natur. Und Mutternatur? Sie nickt, wenn sie mich das hier schreiben sieht.