10.05.2011, 16:00
Yangtse
…ist ein großes, sehr hübsches Restaurant mit chinesischer und monglischer Küche. Ich habe so das Gefühl, dass sie sich auch einwenig an der japanischen Küche versuchen – und als Laie würde ich sagen: Ja, es schmeckt sehr gut. Sie bieten eine All You Can Eat Option an, bei der man wirklich vier Stunden lang dort chillen und essen darf, wenn man denn will und kann. Leider passt nicht soviel in einen Magen rein, wie es dort Auswahl gibt. Aber zu ihrer All You Can Eat Option gehört auch wirklich leckerer Nachtisch. Die bieten da einen Tiramisu an, den ich leckerer noch nirgends gegessen habe. Außerdem haben sie sich bei der Deko und der Erschaffung einer angenehmen Atmosphäre sehr viel Mühe gegeben.

Eigentlich wollte ich das Bild nicht online stellen, weil es ein sehr schlechtes Foto geworden ist. Belichtung war eine Katastrophe und ich konnte aus dem Foto einfach nichts machen. Aber ich wollte Euch das Rezept für iranische “Frikadelle to go” nicht vorenthalten. Und ohne Foto geht das ja nicht. Rezept und Zubereitung seht Ihr unter dem Bild.

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Für solche Sätze liebe ich meine Dada:
“Hab’ grad’ ‘nen Nudelauflauf gemacht. Ich könnt’ mich reinsetzen und mich damit einreiben.”
Und das Schöne ist, wir schreiben einander mindestens 30 SMS am Tag. Peyman macht sich schon über uns lustig. “Hat die Nachrichtenzentrale sich wieder gemeldet? Und? Wann war sie denn nun auf Klo?” Oder “Wie? Du hast ihr nicht gesagt, dass Du Dir gerade die Zehennägel lackierst? Hol’ das schnell nach, sonst weiß sie nicht bescheid.” – Dass ich darauf panisch reagiere und die SMS tatsächlich nachhole, die ich unbedachterweise versäumt hatte, versteht er natürlich nicht.
Männer verstehen soetwas einfach nicht. Sie verstehen nicht, dass der neue Kirschrot-leicht-pink-nuancierte Nagellack auf den Zehen verdammt wichtig ist! Die haben eh nur Technik und Sex im Kopf. Wobei beides für sie das Selbe ist – aber dann nicht verstehen, warum Essen und Sex für uns das Selbe ist – und noch einwenig mehr. Vor allem mit Sex zusammen, aber schweifen wir mal nicht ab.
Seht Ihr? All diese Ergüsse nur deshalb, weil ich alles tun will, nur nicht lernen. Erinnert mich bitte am Sonntag noch einmal daran, dass ich die Klausur läppisch nannte, weil mich da wieder meine Selbstvorwürfe und “Asche-auf-Dein-Haupt-Sherry”-Sessions nicht aufhören wollen. Weil das eben der einzige Weg sein wird, mein Gewissen noch zu erleichtern, ohne zu lernen. Im Sinne von: “Wenigstens hast Du Dich ja dafür bestraft.”
Kann es sein, dass ich oft abschweife? Tut mir Leid. Ich geh’ mal Essen. Ich habe Hunger auf Nudelauflauf. Woher kommt das bloß wieder… Achja, Dada.
Nur ein Stück trockenes Brot mit Käse und zwei Oliven waren es, die mir zeigten, wie man mit Einfachem ein Festmahl feiern kann. Nur ein halbes Glas kalte Milch hatte ich noch, die goss ich mir ein und aß und trank wie eine Königin – nein, noch viel prächtiger: Ich aß wie ein Bettler, der nach langer Zeit das erste Mal wieder essen durfte. So, wie an jenem Abend, aß ich niewieder…
Das ist ein Tagebucheintrag von vor acht Jahren. Meine Eltern und Geschwister waren vereist, also war ich auf mich allein gestellt. Zu jener Zeit war ich oft sehr vertieft in meine Gedanken. Anders als heute – viel lebendiger, nicht so oberflächlich. Heute denke ich viele Gedanken nur mit dem Kopf, damals musste ich die sie erfahren, fühlen, schmecken, solange ausreizen, bis ich sie von grundauf verstanden hatte. So kam es manchmal vor, dass ich Tage lang nicht raus ging, weil ich mit einem Gedanken spielte. Meine komplette, innere Welt konnte sich verändern, wenn ein Gedanke bei ihm zu Gast war, den es galt, auszukosten.
Einmal riss mich ein heftiger Hunger aus meiner Vertiefung. Ich stürzte mich fast wie gedrängt zum Kühlschrank, riss ihn auf und sah… Nichts. Nichts – wirklich nichts. Nur ein Stück harter Käse, ein paar Oliven im Glas, ein halbes Glas kalte Milch und im Ofen ein Stück trockenes Mischbrot, das ich vor Tagen beim Aufwärmen im Ofen vergessen hatte. Es war abends – und die Geschäfte hatten alle geschlossen. Ich packte mir das Brot, die Scheibe Käse, die Oliven, das halbe Glas kalte Milch und biss rein. Ich biss herzhaft rein – und es knackste und bröselte, so trocken war das Brot. Der Käse war hart – und es gefiel mir. Ich war so dankbar um jedes Bissen, das meine Kehle reizte und um jeden Schluck Milch, der sich an meinen Magen schmiegte – alles in meinem Mund fühlte sich so rund an, so vollkommen. Ich kann’s noch heute nicht beschreiben.
Nach dieser Erfahrung damals fing ich an, heimlich etliche Packungen Toast zu kaufen mit Käse, Salami und Wurst. Wie besessen bereitete ich eine Sandwich-Komposition nach der anderen zu, steckte sie in eine große saubere Tüte und ging damit durch die Stadt. Jedesmal, wenn ich einen Obdachlosen sah, reichte ich ihm ein bis zwei Sandwiches und ging sehr schnell weg, weil mir ihr Strahlen in den Augen zwar das Herz in der Brust vor Glück zerspringen ließ, aber ihre Dankbarkeit mir unangenehm war. Und jedesmal, wenn ich – nachdem ich ihnen ein Sandwich gegeben hatte und ging – um die zwanzig Schritte von ihnen entfernt war, blieb ich kurz stehen, hielt inne und stellte mir genüsslichst vor, wie die Person in sein Sandwich reinbeißt und es genauso als vollkommen und wunderbar lecker empfindet wie ich damals das trockene Stück Brot mit hartem Käse.
Noch heute – acht Jahre später – mache ich das manchmal noch… Ich bereite Sandwiches vor, verteile sie und bleibe stehen und denke lächelnd an dieses Festmahl von einst.
23.07.2008, 00:07
Gebratenes Fleisch
Es riecht nach gebratenem Fleisch. Er kocht in der Küche. Ohne, dass meine Seele Appetit hat, bildet sich der Speichel in meinem Mund, aber ich werde nicht essen. All die Mühe wäre umsonst gewesen, wenn ich jetzt wieder anfangen würde, nach sechs Uhr abends die Sau rauszulassen, nachdem ich vorhin im Fitnessstudio viele hunderte Kalorien verbrannt habe. Der Geruch drängt sich auf, mein Körper vibriert vor Hunger, aber meine Seele bleibt weiterhin träge. Ich beobachte mich; und ich bin erstaunt. Läuft das normalerweise nicht umgekehrt ab? Mein satter Körper horcht auf die Begierden meiner Seele und ergibt sich der Wolllust beim Schlemmen. Schlemmen. Eigentlich passt dieses Wort nicht. Es ist eher eine Art Gaumentanz. Der Genuss trotz Sattheit findet am Meisten mit Süßigkeiten statt. Nicht wahllos, nicht kiloweise, nicht hineinstopfend, sondern sanft, liebevoll, erlesen, liebkosend. Ja, vor allem liebkosend.
Ich war müde, als wir im Fitnessstudio ankamen. Mehrere Hochzeiten stehen in ein paar Wochen bevor, ich wollte unbedingt in ein herausragendes Kleid hineinpassen. Es sollte herausragend sein, damit niemandem auffällt, wie tollpatschig ich in Kleidern und Röcken eigentlich aussehe. Noch immer eher zum “natürlichen” Typ von “Mädchen” zugehörig (ich sollte diese Bezeichnung “Mädchen” auf mich bezogen so langsam aber sicher abstreifen und mich endlich als “Frau” ansehen), komme ich mir in Kleidern und Pumps vor wie ein großer, blonder Mann inmitten von einem Haufen kleiner Chinesen. Jedenfalls: Je herausragender das Kleid, desto bedeutungsloser das unsichere Mädchen – nein, die Frau.
Beim Strampeln hilft mir mein iPod ungemein, obwohl ich dieses Gerät über alle Maßen hasse. Das Einzige, was Apple zu bieten hat, ist eine umwerfende Optik bei all seinen Produkten, wobei ich finde, dass Apple zum ersten Mal beim iPhone sogar bezüglich Optik versagt hat. Mein iPod ist – wie soll es auch anders sein – knallpink wie ein Schimpansenarsch und tut seine Arbeit ganz gut, auch wenn ich jedes Mal die unpraktische Menühaltung verfluche (von der Datei-Übertragungs-Software gar nicht zu sprechen). Ich schweife ab. Lasst mich weiterdenken.
Jedenfalls geschehen beim Sport einige seltsame Dinge, die mir ein vergnügliches Stirnrunzeln bereiten. Ungefähr nach zehn Minuten setzen die ersten trance-artigen Fantasien ein, die mich von einer Etappe in die Nächste schmeißen, ganz so, als würde ich von einem bunten Hügel zum Nächsten springen – und jeden Hügel als eigenartige Welt neu entdecken. Das geschieht mit offenen Augen, doch vor allem mit geschlossenen Augen begegne ich den seltsamsten Situationen. Mal renne ich mit einem Puma um die Wette und lasse mich von ihm in den Dschungel locken (wo dann auch schon die nächste Etappe beginnt), mal fliege ich mit einem Adler um die Wette und verliere wohlwollend alle Zügel aus meinen nichtvorhandenen Federn und lasse mich von ihm aufpicken, auf seinen Rücken werfen und durch seine Welt stürmen. Mal springe ich in die Sonne hinein, die zwar brennend heiß ist, aber mich nicht verbrennt, mal begegne ich geliebten Menschen, die nicht mehr irdisch verweilen, und lasse mich von ihnen in einem Aufstand an Applaus zum Tanzen zwingen und schwingen. Alles in einem Tempo, dass mir fast die Sinne vergehen. Lasst mich die Farben beschreiben… Nein, lasst mich es nicht tun, es wäre hoffnungslos unmöglich.
Mitten in einer Konversation mit einer Flutwelle aus einem goldenen Ozean tippt mir jemand auf die Schulter. Ich erschrecke, schrecke auf, schrecke die Augen auf und sehe Peyman irgendetwas sagen. Sein Mund scheint stumm, ich höre ihn nicht. Bis mir einfällt, dass die Stöpsel von meinem iPod noch in meinen Ohren hängen. Ich pocke sie raus, sage atemlos “Hm?” und ernte ein lobendes Nicken.
“Schatz, Du bist über eine Stunde auf Schwierigkeitsstufe 7 gebiked. Willst Du nicht langsam aufhören?”
Erstaunt stelle ich fest, dass die Welt außerhalb der allgemein Bekannten, soetwas wie Zeit gar nicht kennt. Wir fahren nach Hause – und nach der Dusche liege ich matt und fast vom Schlaf geküsst im Bett. Es riecht nach gebratenem Fleisch, mein Körper wacht auf – und ich beginne zu schreiben.
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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