Posts Tagged ‘Freundschaft’
12.04.2012, 10:08
Als habe es sie nie gegeben

Ich weiß nicht, wann ich mich so verändert habe. Weder habe ich meine Entwicklung zum heutigen Punkt wahrgenommen, noch die Schlüsselereignisse bewusst erlebt, die dazu führten, dass ich zu dem wurde, der ich heute bin. Ich erinnere mich nur, dass ich anders war. Zugänglicher, anhänglicher und vor allem treuer. Heute ist es anders. Ich laufe oft das selbe Schema durch, wenn ich statt der Stecknadel, nur den Heuhaufen unter den Menschen begegne. Wir verbinden uns kurz, tauschen uns aus; und entsprechend meiner launischen, aber feinsinnigen Fähigkeiten, schaffe ich es meistens, mehr als ein Mal einen Blick hinter die Stirne der Anderen zu werfen. Gefällt mir, was ich sehe, verbinde ich mich und flechte mich skrupellos auf schleichenden Pfoten in ihren Alltag ein, so dass ich ihnen unentbehrlich werde. Gefallen sie mir nicht und zeigen sie mir mehr als drei Mal ihr grob- und stumpfsinniges Denken und Handeln, entziehe ich mich aus den mich eingebundenen Strukturen ihrer Seele, hinterlasse unsichtbare Risse und schweige.

Das Schweigen ist eine wunderbare Waffe. Sie erzeugt allein durch ihre bleischwere Abwesenheit Zweifel im anderen, die von einer kleinen Saat in ein Gigantum des Selbsthasses wachsen können, wenn sie diesem impulsstarken Wachstum nicht Einhalt gebieten. An der Leidensgrenze angekommen, verlassen sie mich dann teils theatralisch, teils mit einem Mindestmaß an Selbstachtung. Entweder tun sie das durch eine offizielle Kündigung unserer Freundschaft oder durch pure Ignoranz meiner Abwesenheit aus verletzter Eitelkeit. An diesem Punkt angelangt, beginnt meine Seele sich zu erheitern. Während die anderen nun auf eine Rettungsreaktion aus meiner Seite hoffen, eine, die ihnen klar machen soll, wie sehr ich sie schätze und wie falsch ich mich benommen habe, atme ich erleichtert auf und klopfe mir ob meiner neuen Leichtfüßigkeit durch die abgeworfene Personenlast auf die Schulter. Weiterlesen… »

28.03.2012, 11:44
Und dann ist es gut

Was ich in den letzten Wochen gelernt habe ist, dass es mich nicht umbringt, den Falschen zu vertrauen. Sie haben beim Lamentieren schon längst meinen wunden Punkt vergessen. Und erkannt habe ich, dass nichts dabei ist, wenn ich den Richtigen nicht vertraue. Denn sie stehen noch immer da, am Wegrand meines Blickes, und warten geduldig auf mich, bis ich endlich weiß, was zu sagen ist. Das ist ein schöner Monat, dieser März. Wir feiern das neue Jahr ganze dreizehn Tage lang. Und diese dreizehn Tage sind erst in vier vorbei. Dieser Frühling ist der Erste nach Jahren, den ich annähernd so lieben kann, wie es ein Frühling nun einmal verdient hat. Die Veränderungen geschehen {in mir} in rasanter Form. Und ich weiß, bald fängt ein neuer Lebensabschnitt an – und in der neuen Arbeit gehe ich wie eine kleine Sonne auf. Die Melancholie bleibt aus die letzten Tage. Das macht mich unkreativ, doch glücklich, weil ich nichts Schlechtes über mich zu berichten habe. Ich renne raus und alle lächeln {mich an}. Ich stehe in der Schlange, und das Warten ist ein kleiner Augentanz. Ich lauf’ zur Bahn, und der Fahrer wartet auf mich drei Ampelzyklen lang. Ich setz’ mich hin, und ein kleines Mädchen zeigt – seiner Mutter zugewandt – auf mich, fragt sie um Erlaubnis und setzt sich dann neugierig zu mir hin.

Was passiert denn nur, wenn die Sonne scheint? Überhaupt war vieles anders in den letzten Wochen. Ich rede und hülle mich nicht in Schweigen ein, und das bei Themen, die mich direkt betreffen. Geknickte Freundschaften erheben sich gen Himmel wie Tulpen. Sie wollen einen Neuanfang, und ich sage “Ja”. Nie dagewesene Freundschaften werden endlich beendet. Ich entlasse mich aus der selbst auferlegten Pflicht, für immer da zu sein, und sage erleichtert “Nein”. Eine neue Energie erwacht aus meinem Schmerz heraus. Eine Botschaft, die mich aus der inneren Resignation befreit. So dass der reißende Fluss meines Handelns sich vom Sprudeln meiner Seele nähren kann, und ich endlich nicht – wie sonst – im Minus meiner Kräfte weile. Nichts kann bleiben, wie es ist. Die Veränderung ist die Mutter der Natur. Und Mutternatur? Sie nickt, wenn sie mich das hier schreiben sieht.

Seit nun mehr als einer Woche ist die Initiative “Israel loves Iran” und der darauf folgenden Antwort der jungen Iraner “Iran loves Israel” am blühen und trägt schon erste Früchte. Abgesehen davon, dass Israelis und Iraner sich über Emails, Kommentare und Facebook-Freundschaften gerade kennenlernen, ihre Kulturen miteinander vergleichen und eine gemeinsame Geschichte finden, anstatt die ewig propagierten Unterschiede, sind sie sich vor allem in dem Wunsch einig, dass sie – als Völker dieser beiden Länder – keinen Grund sehen, einander zu hassen und zu bekriegen.

Noch immer gibt es zynische Kritiker, die mit den Herzen, Solidaritätsbekundungen und Facebook nichts anfangen können, diese wunderbare Initiative all zu gern belächeln und meinen, sie sei absolut sinnlos, wenn sie einen Krieg nicht verhindern könne. Wer die Wichtigkeit der Völkerverständigung nicht anerkennt, hat nicht verstanden, warum Politiker, bevor sie einen Krieg führen, Monate bis Jahre vorher eine große Medienkampagne starten, um das andere Volk als feindlich gesonnen und vor allem die Regierungen als unhaltbar gefährlich für die eigene Sicherheit hinstellen. Um einen Krieg zu führen, bemühen sich Regierungen noch immer um den Rückhalt des Volkes, um neben einem militärischen Konflikt nicht auch noch einen Internen in Schach halten zu müssen. Das lässt sich durch die neuere Geschichte hinweg beobachten. Nichts desto Trotz sollte diese Initiative nicht erst dann als sinnvoll erachtet werden, wenn sie es durch ihre aus ehrlichen und kritischen Fragen entstandene Bekundung erreicht, dass die israelische Regierung keinen militärischen Angriff startet. Natürlich gibt es Grund für Zweifel daran, dass diese Aktion tatsächlich eine kurzfristiges Zurückrudern der israelischen Regierung bewirkt, aber längerfristig ist so eine Annäherung nur positiv zu bewerten. Wenn solch eine Saat des Friedens und des Miteinanders gelegt wird, bleibt sie selten ohne positive Konsequenzen. Schon jetzt sind genau diese zu sehen. Weiterlesen… »

18.03.2012, 16:30
Israel ❤ Iran

»To all the fathers, mothers, children, brothers and sisters

For there to be a war between us, first we must be afraid of each other, we must hate. I’m not afraid of you, I don’t hate you. I don t even know you. No Iranian ever did me no harm. I never even met an Iranian…Just one in Paris in a museum. Nice dude. I see sometime here, on the TV, an Iranian. He is talking about war. I’m sure he does not represent all the people of Iran. If you see someone on your TV talking about bombing you …be sure he does not represent all of us.

I’m not an official representative of my country. I m a father and a teacher. I know the streets of my town, I talk with my neighbors, my family, my students, my friends and in the name of all these people …we love you. We mean you no harm. On the contrary, we want to meet, have some coffee and talk about sports. To all those who feel the same, share this message and help it reach the Iranian people.

Ronny, Tel Aviv«

Diese “Kampagne” geht gerade durch die virtuelle Welt, die immer mehr dafür sorgt, dass wir auf dieser Seite der Welt erleben, was die andere Seite der Welt denkt. Viele Israelis haben sich angeschlossen, haben Fotos geschossen und ihre Gesichter dieser Kampagne geschenkt. Ich poste hier eines, die anderen findet ihr auf der unten verlinkten Website. (Achtung, Text geht weiter).

Die Antwort der jungen Iraner ließ nicht lange auf sich warten:

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13.11.2011, 01:30
Aiolos und seine Freunde

“Und wenn wir einfach abhauen? Wir müssen nicht zurückschauen. Zurückschauen ist wie die leckerste Süßspeise im Gaumen schmeckend und seufzend zu kauen und dann auszuspucken.” Das war der Schlussteil ihres Appels an ihre Freunde. Sie will nicht mehr zurück in ihr altes Leben und hofft, in den Gesichtern ihrer Gefährten, die durch ein seltsames Schicksal zusammen gefunden haben, den selben, militanten Fluchtreflex zu entdecken, den sie nicht mehr zurück halten kann – und der sie nicht mehr los lässt.

“Aber was ist mit …”, wirft Aiolos ein und stockt, weil ihm dann doch nichts einfällt. Gäbe es in dieser Gruppe einen Anführer, wäre er es gewesen. Seine wachen Augen sahen alles. “Das geht nicht, Seda. Wir sind gebunden. Alle.” Sie schüttelt den Kopf. Woran genau waren sie gebunden?, denkt sie und vergisst diesmal das Sprechen nicht. “Woran? Woran Aiolos!”, setzt sie ihn unter Druck und schaut in die Runde rein. “Im Ernst. Denkt alle nach. Bitte. Denkt jetzt nach. Heute ist die Nacht der Nächte. Wir können alle unsere sinnlosen Leben beenden und neu beginnen. Gemeinsam. Ohne Gruppensuizid – den wir eh niemals umsetzen würden, wenn Plan A nicht klappt. Doch wie soll Plan A klappen, wenn wir ihn meiden? Unsere Geschichte kann nur ein Happy End haben, wenn wir uns aus diesem Kriegsgebiet unseres Lebens hinaushauen. Zusammen. Wir. Gemeinsam. Wir“, wiederholt sie verzweifelt, denn sie findet kein innigeres Wort, das ihre Verbundenheit beschreiben kann. “Ist das etwa unsere Freundschaft? Soll alles hier enden? Soll das hier alles sein? Wir wollten die Welt verändern. Wir wollten Grenzen durchbrechen, wir wollten der Liebe einen neuen Namen geben, wir wollten tausend Schleier im Flug gen Himmel zerreißen, und wir wollten uns in altes Pergament werfen und in den Gedichten der Alten unsere Träume wieder finden und mit ihnen tanzen. Wir wollten unsere Seelen wieder finden und müde in ihre Arme fallen. Hast du nicht gesagt, Aiolos, hast du nicht gesagt, solange die Träume eines Menschen schöner sind als sein Leben, hat er etwas falsch gemacht? Lasst uns hier weg. Lasst unser Leben schöner sein als unsere Träume, weil wir uns unsere Träume endlich nehmen. Wir nehmen sie uns, so wie sich das Leben nimmt, was es will, so nehmen wir uns, was uns zusteht. Wir wollten soviel tun. Wir wollten alles. Und nicht weniger. Wir wollten die Welt verändern, wir wollten dieses Haus am Meer …” Der Drang ihrer Lunge, Luft zu schnappen, unterbricht sie. Weiterlesen… »