Jede Nacht,
legtest Du mir
einen Napf Honig
auf meinen Nachttisch, Maman –
damit ihr schwerer Duft
meine Träume
versüßt…
Still, wie ein Engel,
hieltest Du inne neben mir,
um jede Fliege
fern zu halten,
die es wagte,
mein ruhiges Seufzen
zu stören…
Als ich heranwuchs,
lehrtest Du mich,
eine stolze Frau zu sein, Maman -
jedoch ohne kalt zu sein
Dein aufrechter Gang
und Dein mildes Lächeln,
zeigten mir den Weg
in die Weiblichkeit…
Meine ersten Tränen
wegen Papa
küsstest Du mir weg, Maman…
Doch statt über ihn zu schimpfen,
erzähltest Du mir
von seiner Liebe
von seiner Sorge
zu mir…
Nie klagtest Du, Maman…
Nie zweifeltest Du an mir -
Und nun,
wo ich versuche,
eine Frau zu sein,
willst Du die Härteste
Deiner Pflichten erfüllen:
Mich loslassen,
Mich fliegen lassen,
Maman…
Deine smaragdgrünen Engelsaugen
voller Freudentränen
sehnen sich wehmütig
nach dem kleinen Mädchen
an Deiner weichen Mutterbrust
zurück -
doch lässt Du los, Maman…
doch lässt Du tapfer los…
Aber Maman, ich bleibe…
Fliegen ist nicht mein Talent -
denn es waren stets Deine Flügel,
die uns alle trugen…
Aber Maman, ich bleibe…
Wir brauchen keine Engel mehr -
denn es war stets Dein mildes Lächeln,
das uns Freiheit schenkte -
und das smaragdgrüne Meer
voller ewig fließender
Muttertränen…


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