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08.07.2011, 11:19
Meine große Schwester

In den letzten Tagen der niederprasselnden Ereignisse auf einen Schlag, hatte ich eine innige Sehnsucht. Eine, die ich sogar benennen konnte, greifen und aussprechen konnte: Ich wünschte mir eine große Schwester. Eine, die mindestens zehn Jahre älter ist als ich und mir zeigt, wie man die Wege, die vor mir liegen, zu gehen hat und welchen ich denn überhaupt gehen soll. Gewiss, ich schrieb letztens noch, wie froh ich sei, autark zu sein – doch müsste ich das doch gar nicht sein, wenn ich sie hätte. Die große Schwester, auf die ich mich verlassen kann. Ich beneide jeden, der einen beschützenden großen Bruder oder eine entschlossene große Schwester hat, die in den turbulentesten Zeiten, in der die Handtücher der Familie synchron zu Boden am fallen sind, diese in der Luft noch auffangen, sie allen zurückreichen und sagen: “Nicht aufgeben. Ich bin da, das schaffen wir!” – Ich habe gestern, anstatt zu schlafen, ein Wunschbild meiner großen Schwester komponiert, und ich glaube, ich möchte sie – meine Schwester – gerne mit Euch teilen.

Meine große Schwester soll körperlich größer sein als ich, am Liebsten fast zehn Zentimeter. Mir scheint es am Schönsten, wenn ihre geistige, emotionale, biografische Überlegenheit sich auch in ihrer Physiognomie manifestiert, weil mir das Sicherheit verleihen wird. Am Besten, sie sieht aus wie Lucy Lawless (Xena-Darstellerin). Sie ist anders genug als ich, um sie lieben zu können, ist mir aber durch ihre schwarzen Haare ähnlich genug, um als meine Schwester durchzugehen – wenn auch nur ansatzweise. Sie sollte auch den Willen und die Unbeirrbarkeit wie Xena haben. Einfache, praktische Prinzipien und Regeln über die Dinge, die gut für uns sind und die Dinge, die schlecht für uns sind. Dennoch sollte sie sich dessen bewusst sein, dass all unsere Ideale und Regeln eben nur aus uns selbst entspringen und sie keine universale Gültigkeit haben. Sie soll hart durchgreifen können, wenn es sein muss. Sie soll kämpfen können, wenn Resignation und Hinnahme falsch sind. Nicht nur physisch, sondern mental. Zermürbend soll sie gegen unsere Feinde sein, beschützend uns gegenüber.

Meine große Schwester soll trotz ihrer Stärke, moralische Überlegenheit zeigen, indem sie ihrer Wut und ihrem aufleuchtenden Hass nicht sofort nachgibt, indem sie rächt, was uns verletzt, sondern erst versucht, andere zu erreichen, um Versöhnung zu erlangen, ohne ihn mit Krieg durchzusetzen. Das heißt, hier soll sie anders als Xena sein. Hier soll sie wie Mama sein. Wie Mama, nur nicht in einem Maße sanftmütig, dass sie ihre Gutmütigkeit ausnutzen lässt und jederzeit Zähne fletscht, wenn man versucht, sie und uns zu übervorteilen. Weiterlesen… »

29.01.2009, 02:19
Mach’ auf…

Ich habe damals immer die “Liebe” gepredigt. Ich war so überzeugt davon, dass jeder Mensch die Liebe verdient hat und Liebe verschenken kann. Ich war davon überzeugt, dass der Kern eines jeden Menschen gut ist und nur die “Umstände” einen Menschen schlecht machen. Ich war damals der Überzeugung, dass jeder Mensch mit einigen innigen, seelentiefen Umarmungen zu ändern ist – einfach zu ändern ist, indem man ihn berührt und ihm sagt, dass er etwas wert ist. Soviel wert ist.

Man kann sich gar nicht vorstellen, wie sehr ich davon überzeugt war. Während manche dachten, ich sei bescheuert, naiv oder leide an einem Helfersyndrom (ich will ja nichts davon leugnen), dachte ich, ich habe die allgemeingültige Wahrheit über das Universum gefunden: Die Liebe. Es ging soweit, dass für mich Gott & Liebe ein und das Selbe waren. Das Leben war damals schön, egal wie schwierig die Phasen sein konnten – mit der Einstellung war alles erträglich. Alles war mit einem Lächeln der Vorfreude auf später zu ertragen. Mein Fundament war so sicher, obwohl es so weich und schwebend war.

Ich war davon überzeugt, dass eines Tages alles gut wird. Ich war davon überzeugt, dass alle Wege zur Liebe (zu Gott) führen werden – manche gelangen durch Umwege dahin, manche direkt, wie in einem Labyrinth – wir suchten alle das Eine, und früher oder später würden wir es finden. Ich war davon überzeugt, dass Menschen nur füreinander da zu sein brauchen – und alles würde gut werden. Ich war davon überzeugt, wirklich davon überzeugt, ich war so überzeugt… Versteht Ihr? So tief darin verankert. Weiterlesen… »