Posts Tagged ‘Grausamkeiten’
05.04.2010, 08:11
Die Therapiestunde

Er sitzt im Zimmer und schaut sich um. Die Wände sind klinisch weiß. Ein paar schöne, eingerahmte Drucke von Gustav Klimt schmücken die Wände, aber können ihr die sterile Kälte nicht nehmen. Er wendet sich von den Bildern ab, weil er die weiße Wand nicht mehr sehen will. Vor allem aber macht ihn die altmodische, tickende Uhr nervös. Sein Blick haftet an seinen Händen, die ruhelos auf seinem Schoß ineinander greifen und ein Daumen den anderen jagen lassen.

„Verfickt!“, denkt er sich. „Will hier raus!“

Er holt seine Zigarettenschachtel aus der Innentasche seiner Jacke heraus und wirft sich geübt eine Kippe in den Mund. Anzünden geht nicht. Rauchen verboten. Er ist kurz davor, die Regel zu ignorieren, als die Tür energisch aufgeht und eine adrett gekleidete Frau mittleren Alters mit zusammen gebundenen, braunen Haaren sich ihm gegenüber auf den Sessel setzt, nachdem sie ihn mit einem überraschend festen Händedruck begrüßt. Die Kälte ihrer Hand klingt in seiner noch nach, während er sie mustert. Sie ist attraktiv, aber dominant. Sie würdigt ihn keines Blickes, als sie seine Aktenmappe öffnet. Die Augen hinter der teuren Brille springen quer über die vor ihr liegenden Seiten. Sie murmelt gerade noch hörbar, als würde sie zu sich selbst reden.

„Hm hm. Schwere Körperverletzung, Zuhälterei, Vergewaltigung. Geht die Liste noch weiter, Herr Adorf?“, fragt sie ihn überraschend laut mit einem harten Unterton am Ende ihrer Sätze, die wie abgehackt und gebremst klingen.

„Hätten Sie gern, dass da noch was wär?“, fragt er grinsend.
„Finden Sie irgendetwas an der Frage witzig?“, fragt sie zurück.
„Finden Sie nicht? Ich sitz‘ hier und ‘ne Psychotante will was von mir. Du siehst gar nicht so übel aus, Puppe. Nur bisschen verkrampft. Aber das lässt sich ändern“ Er grinst weiter und beäugt sie an Stellen, die jede andere Frau verunsichert hätten. Aber nicht sie.

„Sie sind ein Vergewaltiger, Herr Adorf. Es macht Sie überhaupt nicht an, vor einer Frau zu sitzen, die Ihr Schicksal in den Händen hält – sprich‘ am längeren Hebel sitzt. Sie brauchen ein kleines, ängstliches Häschen, um Ihre schlaffe Männlichkeit in Fahrt zu bringen. Also lassen Sie Ihre Anspielungen. Sie haben ganz schön die Hosen voll. Kein Grund zur Scham, Herr Adorf. Ihre Hosen sollten auch voll sein“ Sie lächelt dünn. Weiterlesen… »

16.01.2009, 20:19
Die kleine Kardelen

Ihr habt das sicher alle mitbekommen. Ein kleines, türkisches Mädchen – gerade mal acht Jahre alt und am Anfang ihres Lebens – wurde in Paderborn sexuell missbraucht und ermordet. Ich habe es vorhin im TV gesehen, ihre schönen braunen Augen, ihre Unschuld, ihre Jugend, zigtausend unerfüllte Träume – und dann blenden sie plötzlich ihre Eltern bei der Beerdigung ein. Ich habe sie gesehen, diese Eltern, und versucht, mir vorzustellen, wie sie jemals den Gedanken ertragen können, dass ihr kleines hübsches Mädchen von einem Kranken, von einem *** auf eine Art geschändet worden ist, wie wir uns das niemals vorstellen wollen. Erst habe ich mich übergeben, dann sehr lange geweint. Jetzt fluche ich und ersticke an meinen niemals zu realisierenden Rachegelüsten.

Ich will auch nichts von humanistischem Geschwafel hören, ich will diesen und viele andere Dreckskerle in die Finger kriegen und ihnen solange in ihre dreckige Fresse treten und schlagen, bis sie winselnd verrecken! Meine Fantasien haben gerade keine Grenzen, aber ich kann sie hier nicht äußern. Ich weiß nur, dass ich keine Sekunde Mitleid haben werde, sollten die Menschen in so einer Situation Selbstjustiz üben. Wenn die Justiz solchen Tätern auch noch die Eier krault, dann scheiße ich auf diese Justiz. Man wird in Deutschland für Steuerhinterziehung oder Raubkopien härter bestraft als für solche Taten.

Irgendwann kriegt Ihr paar auf die Fresse. Irgendwann kriege ich irgendeinen von Euch feigen Wixern in die Finger. Irgendwann.

Es tut mir so Leid, kleine Schönheit… Es tut mir so Leid. :wilted:

Kaderlen

02.09.2007, 02:35
Der Morgen danach

In den deutschen Medien ist der Streik der Busfahrer und die brutale Verhaftung von Menschen, die sich gegen die Islamische Republik Irans auflehnten, nicht zu finden – geschweige denn ein Bericht darüber, was den Insassen für Demütigungen und Folter bevorstehen, damit sie niewieder “zuviel reden”. Nicht einmal eine Meldung am Rande ist sie wert, vielleicht in der Unterkategorie der Unterkategorie der Unterkategorie der Unterkategorie der “Internationelen Nachrichten”? – Nein. Stattdessen wird der Dacheinsturz in Polen erwähnt und im Nachhinein zur Entspannung die neue Frisur von Bill von Tokio Hotel diskutiert.

Aus diesem uns verzweifelnden und auch demütigenden Anlass heraus werden wir unsere Landsleute und anderen Iraninteressierten mit den aktuellen Ereignissen füttern, wie es nur geht. Sie aus jeder erdenklichen Perspektive, unter jeder Berücksichtigung, aus jedem noch so möglichen, wie auch unmöglichem Ansatz heraus, erklären.

Der Morgen nach dem erstickten Streik

Heute Morgen habe ich ein Interview auf “Radio Farda” gehört. In dem berichtet einer der Organisatoren des Streikes Yaghub Salimi mit verzweifelt bebender Stimme über die Ereignisse der Nacht zuvor.

„Sie haben meine Frau und meine 10-jährige Tochter mit heftigen Tritten aus dem Schlaf geweckt und mit Schlagstöcken auf sie eingeschlagen. Meine Frau umarmte das 2-jährige Kind und sah einen Beamten mit einer Spraydose in der Hand vor sich“, erklärt Salimi mit verzweifelt zitternder Stimme. „Du willst Gas sprühen? Sprüh doch! Das Kind ist zwei Jahre alte, 2″, habe seine Frau gerufen. Daraufhin hätte der Beamte das Gesicht des Kindes besprüht und verletzt.

Wissen Sie, wie ein 2 jähriges Kind aussieht, wenn es gerade aufwacht? Es hat rote, weiche Wangen und große glasige Augen. Es reibt sie sich mit seinem kleinen, geballten Fäustchen und schmiegt sich an die warme Brust der Mutter, um den anstrengenden Übergang zwischen Eindrücken der Nacht und dem hellen Morgen gut zu überstehen. Es wird langsam, aber sicher durch die vertraute Stimme der Mutter und ihren liebevollen Geruch beruhigt – und der Tag kann beginnen.

Wissen Sie denn auch, liebe Leser und Leserinnen, wie ein 2 jähriges Kind aussieht, wenn es durch die Schmerzensschreie der Mutter aufwacht, weil sie gerade von einer Horde Basijis getreten wird? Wie dieses 2 jährige Kind aussieht, wenn diese Mutter schreiend und von Todesangst befallen ihre Kinder schützt und in ihrer Naivität und Hoffnung darauf hinweist, dass die Kleine in ihren Armen erst 2 Jahre alt ist? Und wissen Sie, wie das Gesicht eines 2 jährigen Kindes aussieht, das in dem Schockzustand durch die Schreie mitten in der Nacht um 4 Uhr auffwacht? Das Spray in Augen und Nase gesprüht bekommt und an einen “unbekannten Ort” verschleppt wird?

Wissen Sie das, liebe deutsche Nachrichtenagenturen? Ist es Ihnen wirklich entfallen bei all den Recherchen darüber, wieviele deutsche Firmen tragischerweise aufgrund des störenden Atomkonfliktes nun auf der Kippe stehen?

Yaghub Salimis Frau und seine zwei Töchter befinden sich gerade an einem “unbekannten Ort” – und das hier ist die Stelle, an der viele Menschen entweder schreiend fortlaufen möchten bei dem Gedanken, was ihnen gerade widerfährt oder eben weiterhin ohne große Regung und in Resignation verharrend gar nicht daran denken, sich die Ausmaße eines einzigen Einzelschicksales auszumalen – die tiefenpsychologischen Aspekte so einer Belastung berücksichtigend, kann man sogar auch dafür Verständnis aufbringen, aber das würde hier zu weit gehen.

Cut

Gestern rief ich aus einer Sorge meine Bekannten in Teheran an. Mit aufgeregter Stimme erzählte ich über die Ereignisse in Teheran und dass ich nur nachfragen wollte, ob es dem und dem gut ginge und was los sei draußen? Die Antwort war die Antwort eines ganzen Volkes, das schon längst aufgegeben hat: “Ach was! Soetwas gibt es immerwieder! Ihr Iraner im Ausland bewertet alles über und macht es groß, es ist alles ruhig und die Unruhen sind bald zu Ende. Nicht der Rede wert. Keine Sorge.”

Was als Beruhigung dienen sollte, war für meine Wenigkeit mehr ein Schlag ins Gesicht. Wie abgestumpft ist das iranische Volk schon? Wie sehr haben sie schon auf das fundamentale Recht auf freie Meinungsäßerung, ein warmes Heim, ihren eigenen Wert vor dem Gesetz, vor dem Staat und den in der Gesellschaft schon aufgegeben? Aber was ist mit dem Recht darauf, homosexuell zu sein, ohne danach öffentlich am Kran gehängt zu werden? Was ist mit dem Recht eines Menschen, Fehler zu machen, ohne dabei gesteinigt zu werden? Was ist mit dem Recht eines Menschen, gegen die soziale Ungerechtigkeit zu kämpfen, ohne dabei “an einem unbekannten Ort” gefoltert zu werden und damit bedroht zu werden, dass “alle weiblichen Familienmitglieder vor den eigenen Augen vergewaltigt” werden? Um wieviel schlimmer müssen die Zustände werden, damit eine Schmerzgrenze erreicht ist, die alle aufschreien lässt? Kurzum: Was wird meine Bekannten in Teheran sagen lassen: “Die Lage ist wirklich besorgniserregend. Wir wissen selber nicht mehr weiter, aber es muss bald etwas geschehen. Bald, so geht das einfach nicht mehr. Wir können nicht mehr! Mein Mann hat 3 Jobs und ich arbeite auch, aber wir kommen gerade noch so über die Runden.” Was muss geschehen?

Uns Iranern wird sehr oft vorgeworfen, dass wir xenophil (gharib-parast) sind. Diese Eigenschaft zieht sich durch die ganze Geschichte unserer Kultur durch und erlaubte einigen Völkern – nicht zuletzt den Arabern – uns auszubeuten und unserer Hochkultur ein groteskes Gesicht zu verleihen. Auch noch heute sieht man zu Aschura junge Menschen, die sich für Imam Hossein, einem Araber, geißeln – aus tiefer Trauer um seinen Tod vor mehr als 1000 Jahren.

Cut

Erinnern Sie sich an meine Beschreibung oben, liebe Leser, liebe Leserinnen? An das Gesicht des 2 jährigen Kindes, das gerade aufgewacht ist? Mit den weichen, roten Wangen und den glasigen Augen. Das Kind das versucht, sich in den Tag zu orientieren nach der langen Nacht und den liebevollen Geruch der Mutter sucht? Und erinnern Sie sich an die Männer, die ihr erbarmungslos das Spray in die großen Augen und in die kleine Nase gesprüht haben? Das waren Iraner! Die Männer, die Frau und Kinder aus dem Schlaf getreten haben, waren Iraner! Die Männer, die unsere Jugendlichen öffentlich an einen Kran erhängen, waren Iraner!

Verstehen Sie jetzt, warum viele junge Menschen des iranischen Volkes xenophil sind? Warum einige von ihnen entweder insgeheim oder auch ganz offen auf den Einmarsch der Amerikaner hoffen? Die Antwort ist bitter: Weil sie selbst ihre internationalen Feinde für humaner halten als ihre “eigenen Landsleute”, als die eigenen “Volksvertreter” – selbst in einem möglichen Krieg gegen sie.

Und jetzt hören Sie sich bitte das Interview an. Das geht vorallem an Sie, liebe deutsche Nachrichtenagenturen. Vielleicht ist es Ihnen dann doch eine Nachricht wert: Interview mit Yaghub Salimi

© INN Redaktion

24.06.2007, 23:00
Angststörungen

Ist jemandem schon einmal aufgefallen, dass Angststörungen an sich keine irrationalen Ängste erzeugen, sondern lediglich die gründlichste und alle-faktoren-mit-einbeziehendsten Ängste überhaupt? Wenn Du bei einem Spaziergang Deiner Schwester sofort die Angst hegst, dass sie überfahren wird, dann ist das nichts Surreales, keine Fantasterei, keine Unmöglichkeit, die Du erfindest und die Dir dann Angst macht – sondern eine von vielen realen Möglichkeiten im Alltag, die der Verstand ohne Pause und ohne auf irgendeinen Power Off Befehl zu hören, immerwieder und in den “witzigsten” Kombinationen heraufbeschwört und Dir damit die zwanghafte Panik entlockt. Angststörungen sind demnach keine irrationalen Ängste, beruhend auf Fantasie und Unlogik, sondern viel eher durch den pausenlosen Verstand an sich begründet.

Durch einen Verstand, der Dich beherrscht, anstatt Du ihn. Ein ratterndes Folterinstrument, das Deine Emotionen dazu zwingt, physisch in Erscheinung zu treten und ohne Skrupel Dein Herz einkrallt, bis die Erlösung kommt. In diesem Beispiel z.B. ein Anruf Deiner Schwester, dass sie heil angekommen ist.

08.05.2007, 11:42
Braune Brühe

Ich verstehe, warum manche Menschen Gebäude in die Luft sprengen. Ich verstehe es inzwischen sehr wohl. Und das ganz ohne die angeblich unbedingte Voraussetzung, Muslim zu sein, um solches Gedankengut zu hegen. Ich verstehe sehr gut. Bei soviel Machtlosigkeit und Ungerechtigkeit, gegen die man mit aller Liebe, allen Worten, einem aufrechten und fairen Kampf nicht weiterkommt und einem immer mehr das Mark der Existenz und alle anderen Grundlagen genommen wird, kann ich verstehen, warum außer roher Gewalt nichts mehr übrigbleibt, um an sein Recht zu kommen. Und wenn man mit dieser rohen Gewalt auch nicht an sein Recht gelangt, so scheißt man drauf, denn auf anderem Wege hätte man es eh nicht geschafft. Aber mit dieser rohen, knallenden Gewalt hast Du wenigstens die Genugtuung, dass man diesen langsamern Mördern in “ehrenwerter Kutte” und mit Beamtenstatus wenigstens so richtig die hässliche Fratzen-Visage demoliert hat.

Ein paar gebrochene Gesichtsknochen unter meiner Faust, ein paar gebrochene Rippen, ein Ur-Schrei mitten in deren Fresse rein – wie sehr würde das meine Seele befreien. Ich scheiße auf Deutschland. Ihr da oben an den Hebeln der Macht ward braun, Ihr seid braun, Ihr werdet immer braun bleiben! Immer! Ich scheiße auf Euch.

P.S.: Da ich befürchte, dass das hier missverstanden wird und meine deutschen Freunde denken, ich würde sie damit auch meinen, betone ich hier nocheinmal: Ich rede von bestimmten “Menschen”, die hier in Deutschland große Hebel in der Hand haben. Meine lieben Freunde und das normale Volk an sich ist nicht damit gemeint. Danke.