Posts Tagged ‘Iraner’
06.12.2011, 11:20
Geschützt: Das Leben in uns

Dieser Artikel ist durch ein Passwort geschützt.
Um ihn anzusehen, trage es bitte hier ein:


27.11.2011, 13:42
Der Kelch ihres Lebens

“Das wollte ich nicht. So weit hätte es gar nicht kommen dürfen”, sagte er hastig und mit gequälten Augen. Er hatte es eilig. Die Eile eines Menschen, der aus einer unangenehmen Situation raus wollte, irritierte den Raum zwischen ihnen, die Luft, die sie voneinander einatmeten, wurde dünn. Dieser Satz schlug sie mitten in den Bauch. Er bedeutete Ende. Er bedeutete, sie war allein. Jetzt war sie wirklich die Einzige, die bereit war, weiter zu gehen, Zelte abzubrechen, raus aus dieser verzwickten Mühle aus ungesehenen Berührungen mit ihren Blicken, gedachten Liebkosungen des anderen, Feuerspuren in der Luft bei jedem Gedanken aneinander. Es war das Aus für das Treffen in den Hinterhöfen dieser Welt – an jenen Orten, an denen alles anonym und versteckt war, wo man Sätze flüstern musste und sie dennoch zu laut waren. Dort, wo man nicht hören musste, um zu verstehen, weil die Realität sie umzingelte wie eine Horde feindlicher Soldaten.

“Es hätte nicht soweit kommen dürfen”, wiederholte er und konnte seinen Blick doch nicht von ihren angstgepeinigten Augen wenden. “Schau mich nicht so an. Es muss enden, okay? Wir hatten die beste Zeit unseres Lebens, jetzt geht das normale Leben weiter”, beschloss er bestimmt. Sie schluckte, sagte nichts, wollte ihn auf der Stelle schütteln oder sterben. Auf der Stelle sterben.

“Hätten deine Augen doch bloß echte Dolche in mich reingerammt, dann hätte dieser Moment irgendwann einmal ein Ende. Stattdessen lässt du böse Gedanken, böse Geister aus ihnen heraus, die sich unmerklich um meinen Hals schlingen und meine Lebenskraft heraussaugen wie hungrige Schlangen. Ich werde gerade verdaut”, antwortete sie ihm trocken, leise, hart. Ihre zitternden Beine versteckte sie mit ihrer inneren Peitsche.

Er seufzte. Bei jeder anderen hätte er sich genervt abgewandt, das Verhalten als Übertreibung und Theatralik abgetan und wäre gegangen. Aber bei ihr konnte er nicht. Er wusste – und das war das Fesselnde an ihr – dass sie es ernst meinte. Dass sie es ernst fühlte, so sehr, bis sie nicht mehr konnte. Fühlen, bis man nicht mehr kann. Das kannte er nicht, erst jetzt, durch sie. Weiterlesen… »

Dieser Artikel ist durch ein Passwort geschützt.
Um ihn anzusehen, trage es bitte hier ein:


26.10.2011, 14:19
Der arabische Frühling

Ich kann gar nicht soviel essen, wie ich kotzen könnt’! Da gehen die Araber aus den verschiedenen Ländern auf die Straße und lassen durch ihre tapferen Herzen die westlichen Medien poetisch über den arabischen Frühling schwärmen (was mich persönlich schon skeptisch gemacht hat, aber egal!) – und alle jubeln mit, stellen mich Skeptikerin als neidische Verschwörungstheoretikerin hin, weil “Iran es nicht geschafft hat” – und was machen die Araber nach ihrer hart erkämpften Freiheit? Sie gehen hin und wählen, unterstützen, wünschen sich die Islamisten an die Macht. Wollen die Sharia etablieren. Die Sharia. Das bedeutet: Islamische Gesetze. Mehr Rechte für Männer als für Frauen. Steinigung bei Ehebruch, Hand abhacken bei Diebstahl, Frau darf geschlagen werden bei Ungehorsam, Frau ist halb so viel wert wie Mann, Polygamie für Männer, Todesstrafe für Homosexuelle und noch vieles mehr. Wo zum Teufel ist da bitte der Unterschied zwischen einem geisteskranken Ghaddafi und einer geisteskranken religiösen Rechtsprechung? Kann mir das bitte jemand erklären?

Ich weiß jetzt, warum einige autoritär orientierte Politikinteressierte darauf bestehen, dass man sich die Freiheit, zu wählen, erst einmal durch Reife und Bildung verdienen muss. Dass man sonst auch seinen Untergang wählen kann und es meistens auch tut. So, wie meine Landsleute sich 1979 mit einem Wahlzettel “Islamische Republik [ja] | [nein]” zufrieden gaben, so laufen die Araber gerade wie die Lemminge in einen freiheitsraubenden, religiös-fundamental orientierten Abgrund. Wir lassen Suizidgefährdete doch auch nicht frei über ihr Leben oder Nichtleben entscheiden und halten sie zu ihrem eigenen Schutz einige Zeit lang juristisch besiegelt in einer Klinik fest, oder? Und wir sagen unseren Kleinkindern ja auch nicht, sie sollen selber entscheiden, was richtig ist oder falsch ist, und ob sie nun doch vom Balkongerüst springen oder nicht, das dürfen sie ganz frei wählen, nicht wahr? Auch lassen wir in demokratischen Ländern wie Deutschland – so gut es geht – keine verfassungswidrigen Parteien zu, oder? Selbst in Freiheit muss die Freiheit geschützt werden, auch wenn man dafür ein paar Abstriche von ihr machen muss wie zum Beispiel: Nein, wir lassen keine islamistischen oder andere extremistischen Parteien hier zur Wahl. Weiterlesen… »

22.08.2011, 01:45
Freiheit tut weh

Freiheit ist ein stetig sterbender Augenblick, weil er mit neuen Wünschen vergeht. Sie ist eine Illusion. Ohne echten Anfang, aber mit dramatischem Ende. Aber Freiheit gibt es nicht. Doch der Moment, in dem Du nach einem lebensopfernden Kampf die Axt des Diktators aus der Hand gerissen hast, um seine Werte vor aller Welt zu köpfen – das ist einer jener Momente, die Dich die Freiheit spüren lassen. Durch jede bebende Zelle Deines Körpers. Innig und tief – und allen voran: vergänglich. Was für ein Armutszeugnis für die Menschheit, dass Freiheit mit dem Geschmack vom Blut eines Diktators auf der Zunge einhergehen muss. Aber das ist ein anderes Thema.

Ihr Revolutionären! In einer pseudo-moralisierten Welt, in der die Verbrechen in Anzug und Krawatte durch neue diplomatische oder außenpolitische Beschlüsse begangen werden und deshalb von der dummen Masse ungesehen bleiben, ist es schwer, sein kämpferisches Handeln zu rechtfertigen. In meiner bequemen Welt mit all ihrer Schöngeistigkeit (aus purem Luxus) besteht eine Distanz zu Eurem körperlichen Kampf mit Blut und Totschlag, die mit keinem Spagat der Welt zu überwinden ist. Wir ekeln uns. Wir finden das absurd. Wir lassen sinnentleerte Sätze heraus wie “Gewalt ist keine Lösung” und “Gewalt erzeugt nur Gegengewalt”, wenn wir Euch sehen. In meiner dekadenten Welt voller Fettärsche hättet Ihr genauso gut auch als “Radikale” und “Extremisten” hingestellt werden können, wenn die politische Agenda dieses Landes das so diktiert hätte. Und wir hätten den Medien Glauben geschenkt. Je nachdem wie der Wind der Mächtigen weht, seid Ihr Helden oder Mörder. Je nachdem, wie sehr sich einige Moralapostel langweilen, seid Ihr gefährlich, seid Ihr wütend, seid Ihr aggressiv, unkontrollierbar und vor allem primitiv. Man vergisst zu schnell, dass Ihr es seid, die man braucht, um Staaten von Monstern zu befreien. Man vergisst, dass Ihr es seid, die Ihr – so zerstört von Leid und Gewalt – Euer Leben zu opfern bereit seid. Für die Zukunft Eurer Kinder. Für die Zukunft überhaupt. Man vergisst als dickköpfiger Pazifist und selbsternannter zivilisierter Mensch oft das menschliche Grundrecht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und eine minimale Freiheit, seine Meinung zu äußern. Schnell vergessen diese tagein tagaus philosophierenden Dünnschissdenker all das, was Ihr erleiden musstet mit der Forderung, dass Gewalt ein primitives Recht sei – und somit gar kein Recht.

Ich hingegen sage nur: Wie gut, dass Ihr nicht wie meine Landsleute Eure Leiber vor Eure Feinde geworfen habt, um sie vor der wütenden Masse zu schützen. Wie gut, dass Ihr reagiert habt, so wie man reagieren muss, wenn jemand vor einem steht, der einen zerfleischen will und jeder Bemühung, zu atmen, mit dem Seil den Hals zudreht. Wie gut. Ihr habt meinen Respekt. Ihr habt gekämpft, Ihr habt gekämpft bis zum Ende. Rückschläge hingenommen, Tage der Hoffnungslosigkeit einfach ausgeharrt und die vergeistigte, kränkelnde Moral von fetten Ärschen aus einer Luxus- und Konsumwelt einfach zur Seite gelegt, auch wenn Ihr während der Schlacht teilweise zu Bestien mutiert seid. Ihr habt vielen Generationen eine Beschleunigung in eine bessere Zukunft beschert. Davon bin ich überzeugt. Zumindest einige von Euch aus den verschiedenen Ländern. Leider war das bei meinen Landsleuten anders. Sie haben gegen einen weichen Diktator gekämpft und fanden sich mutig dabei, obwohl er nicht auf sie hat schießen lassen. Das waren sie auch, ja, das waren sie – doch sie haben das Land in den Ruin geritten. Nach 32 Jahren bluten wir noch immer aus. Weiterlesen… »

Ich weiß nicht, warum wir das nicht vorher schon gemacht haben. Aber gewollt haben wir das schon lange. Und Gott sei Dank etabliert sich da gerade eine kleine Tradition des Immerwiederzueinanderfindens, die hoffentlich noch lange anhalten wird. Meine zwei Cousinen und ich haben im selben Jahr alle drei geheiratet. Patpatpat. Fertig. Und wir haben alle Drei Männer geheiratet, die von der Großfamilie sofort an die Brust gedrückt worden sind, wie unbezahlbare Schätze. [Wenn die wüssten!] Seit drei Jahren hören wir Mädels uns an, was für ein riesen Glück wir gehabt haben, dass wir so gute Männer gefunden haben. Dabei vergaß unsere Familie manchmal zu erwähnen, dass es doch sie waren – also unsere Liebsten – die wirklich mehr als Glück gehabt haben, uns gefunden zu haben. Aber Schwamm drüber, vermutlich wird unser Glück höher bewertet, weil Männer eher zum Arschlochseinismus neigen als Frauen. Hihi. Höhö. Haha.

Jedenfalls, ich erinnere mich noch an den Tag meiner Trauung. Sowieso ein seltsamer Tag mit einer Oktobersonne, einer goldenen Umgebung und einem magischen uns umspielenden Herbstlaub, das mir heute bei der Erinnerung noch den Atem verschlägt. Ich war die Letzte von uns Dreien, die sich endlich getraut hatte, sich zu trauen. Das war bei mir auch schon immer eine schwierige Geburt, mein Cousin K. hat da einige Anekdoten zu erzählen, die ich immer schön abwürge. Egal. Irgendwann, als wir nach dem anstrengenden, aber unfassbar zauberhaften Trauungstag- und Fest nachts alle im McDonalds landeten [wie immer] – völlig overdressed, aber was soll’s – meinten meine Cousins nur: “Gott sei Dank, jetzt haben wir drei Sorgen weniger” [Damit meinten sie uns. Ts.], machten eine kleine Pause, bis Cousin K. leise-sentimental-zum-Erdrücken-lieb meinte: “Und drei gute Freunde mehr.” Lange Rede, noch größerer Sinn: Die Jungs sind jetzt ein Herz und eine Seele, was richtig nervig sein kann. Und bei Familientreffs unter uns “jungen Leuten”, gibt es immer so eine Art Battle zwischen Frauen und Männern in sämtlichen Partyspielen und Grundsatzdiskussionen. In Scharade haben wir sie das vorletzte Mal plattgemattet, so dass sie danach noch eine Woche lang alle Punkte aufzählten, die unfair waren und die bedingt haben, dass wir Frauen gewonnen haben. Nur Empathie, gute Antennen, Kreativität und Intelligenz gehörten nicht dazu. Letztens bei TABU, da sind die Armen wirklich in den Boden versunken, nachdem wir ihnen zehn ganze Felder Vorsprung gelassen haben und dann einfach in zwei Schlägen zwölf Felder bis zum Sieg aufgeholt haben. Sie warfen uns Hexenkräfte vor! Schwarz-magische Kräfte, für die wir unsere Seele an den Teufel verkauft haben und im Mittelalter verbrannt worden wären. Wir nickten wissend und antworteten kühl, dass wir einfach nur intelligenter seien, forderten unser McFlurry ein und die Schulden vom letzten Treffen, was sie natürlich nicht beglichen mit den Worten: “Aber wir kaufen Euch doch ständig Essen!”, was mein Liebster natürlich noch toppen musste mit einem kleinlauten: “Sieht man doch!” Egal, auch Schwamm drüber, sie waren verzweifelt. Haha. Was ich sagen will, diese ganzen liebevollen Sticheleien haben bewirkt, dass wir das hier nun mindestens ein Mal im Monat wiederholen wollen, auch wenn wir leider nicht alle in meiner tollen Stadt leben [aber dennoch nur 1 Stunde Autofahrt entfernt voneinander].
Weiterlesen… »