Posts Tagged ‘Kampf’
16.09.2011, 03:24
Deine ruhenden Hände

Manchmal frage ich mich, warum du die Melodien liebst, die du liebst, und warum sie immer so still und in sich vereint sind – so wie du es bist. Und ich frage mich, warum du so sehr damit wartest, einige deiner Träume zu erfüllen – sie stattdessen beim Hören deiner Lieder mit geschlossenen Augen auskostest, um sie auf einen anderen Morgen zu vertrösten. Manchmal denke ich, ich sei der Grund, dass du zu nichts kommst, was dein eigenes Herz begehrt. Pscht, sag’ jetzt nicht, ich sei alles, was dein Herz begehre. Du drehst dich viel zu sehr um mich. Tag ein, Tag aus. Stets en guard, um abzufangen, was mich zum Einstürzen bringen will – wie als sei ich ein antiques Gebäude aus den Resten einer alten Ruine. Während du mit der einen Hand meinen Feinden und Angstdämonen die Hände abschlägst, hältst du mit der anderen meinen müden Körper mit seinem hinaus fallenden Geist verzweifelt fest. Wovor hast du Angst? Dass er in wild verspielten Perlen in alle Windrichtungen auf den Boden aufprallt und sich fortstehlen könnte? So dem Wahn verfallen bin ich noch nicht, mein Herz. Pscht, glaub’ mir einfach, vertrau’ mir, sag’ jetzt nichts.

Manchmal denke ich, es sei besser, deine müden Hände zur Ruhe zu küssen. Sie zu entmachten, sie von all den Kämpfen los zu lösen und sie mir zu übergeben. Sie auf meine Wangen zu legen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe hin- und her zu wiegen. Sollen wir? Wenn du das nächste Mal wieder gegen die schwarzen Dämonen meiner Angst kämpfen willst, wirf dein Schwert einfach fort. Lass mich das erledigen, ich kenne ihre Schwächen gut, du wirst sehen. Schau’ dabei zu, wie deine Frau gar nicht mal so eine schlechte Kriegerin ist. Und pscht, sag’ nicht, du wüsstest das schon, nur wolltest du nicht, dass ich auch noch um mich kämpfen muss neben all den Kämpfen, die ich so schon führ’ um Gott und für die Welt. Für Gott und um die Welt. Gegen Gott und gegen die Welt. Doch glaub’ mir, mein Herz, ich werde niemandem helfen können, wenn ich meine eigenen Dämonen nicht einmal selbst besiegen kann. Lass also ab, schau’ das nächste Mal nur zu, damit wir danach mehr als nur einen Augenblick der Ruhe finden. Nur ich, nur ich kenne das dazu geschliffene Schwert, um diese dunklen Schatten in ihrem eigenen Schwarz zu ersticken und sie schreiende Galle bluten zu lassen. Nur ich. Pscht, sag’ nichts außer “Ja”. Lass deine müden Hände auf meinen Wangen ruhen und dein Herz vom Schutzmantel meiner Liebe in einen traumlosen Schlaf wiegen. Komm’. Jetzt. Komm’… Weiterlesen… »

22.08.2011, 01:45
Freiheit tut weh

Freiheit ist ein stetig sterbender Augenblick, weil er mit neuen Wünschen vergeht. Sie ist eine Illusion. Ohne echten Anfang, aber mit dramatischem Ende. Aber Freiheit gibt es nicht. Doch der Moment, in dem Du nach einem lebensopfernden Kampf die Axt des Diktators aus der Hand gerissen hast, um seine Werte vor aller Welt zu köpfen – das ist einer jener Momente, die Dich die Freiheit spüren lassen. Durch jede bebende Zelle Deines Körpers. Innig und tief – und allen voran: vergänglich. Was für ein Armutszeugnis für die Menschheit, dass Freiheit mit dem Geschmack vom Blut eines Diktators auf der Zunge einhergehen muss. Aber das ist ein anderes Thema.

Ihr Revolutionären! In einer pseudo-moralisierten Welt, in der die Verbrechen in Anzug und Krawatte durch neue diplomatische oder außenpolitische Beschlüsse begangen werden und deshalb von der dummen Masse ungesehen bleiben, ist es schwer, sein kämpferisches Handeln zu rechtfertigen. In meiner bequemen Welt mit all ihrer Schöngeistigkeit (aus purem Luxus) besteht eine Distanz zu Eurem körperlichen Kampf mit Blut und Totschlag, die mit keinem Spagat der Welt zu überwinden ist. Wir ekeln uns. Wir finden das absurd. Wir lassen sinnentleerte Sätze heraus wie “Gewalt ist keine Lösung” und “Gewalt erzeugt nur Gegengewalt”, wenn wir Euch sehen. In meiner dekadenten Welt voller Fettärsche hättet Ihr genauso gut auch als “Radikale” und “Extremisten” hingestellt werden können, wenn die politische Agenda dieses Landes das so diktiert hätte. Und wir hätten den Medien Glauben geschenkt. Je nachdem wie der Wind der Mächtigen weht, seid Ihr Helden oder Mörder. Je nachdem, wie sehr sich einige Moralapostel langweilen, seid Ihr gefährlich, seid Ihr wütend, seid Ihr aggressiv, unkontrollierbar und vor allem primitiv. Man vergisst zu schnell, dass Ihr es seid, die man braucht, um Staaten von Monstern zu befreien. Man vergisst, dass Ihr es seid, die Ihr – so zerstört von Leid und Gewalt – Euer Leben zu opfern bereit seid. Für die Zukunft Eurer Kinder. Für die Zukunft überhaupt. Man vergisst als dickköpfiger Pazifist und selbsternannter zivilisierter Mensch oft das menschliche Grundrecht auf körperliche und geistige Unversehrtheit und eine minimale Freiheit, seine Meinung zu äußern. Schnell vergessen diese tagein tagaus philosophierenden Dünnschissdenker all das, was Ihr erleiden musstet mit der Forderung, dass Gewalt ein primitives Recht sei – und somit gar kein Recht.

Ich hingegen sage nur: Wie gut, dass Ihr nicht wie meine Landsleute Eure Leiber vor Eure Feinde geworfen habt, um sie vor der wütenden Masse zu schützen. Wie gut, dass Ihr reagiert habt, so wie man reagieren muss, wenn jemand vor einem steht, der einen zerfleischen will und jeder Bemühung, zu atmen, mit dem Seil den Hals zudreht. Wie gut. Ihr habt meinen Respekt. Ihr habt gekämpft, Ihr habt gekämpft bis zum Ende. Rückschläge hingenommen, Tage der Hoffnungslosigkeit einfach ausgeharrt und die vergeistigte, kränkelnde Moral von fetten Ärschen aus einer Luxus- und Konsumwelt einfach zur Seite gelegt, auch wenn Ihr während der Schlacht teilweise zu Bestien mutiert seid. Ihr habt vielen Generationen eine Beschleunigung in eine bessere Zukunft beschert. Davon bin ich überzeugt. Zumindest einige von Euch aus den verschiedenen Ländern. Leider war das bei meinen Landsleuten anders. Sie haben gegen einen weichen Diktator gekämpft und fanden sich mutig dabei, obwohl er nicht auf sie hat schießen lassen. Das waren sie auch, ja, das waren sie – doch sie haben das Land in den Ruin geritten. Nach 32 Jahren bluten wir noch immer aus. Weiterlesen… »

Die Schreibtischlampe surrt ihr weißes Licht auf meine müden Hände. Sie tippen wahllos weiter, ohne zu wissen, welche Vorgaben von Herz und Kopf kommen werden. Also beschließen sie, ohne ihr Zutun weiter zu tippen. Die Schreibtischlampe und ihr Licht. So habe ich mir das Licht einer abgelegenen Folterkammer immer vorgestellt, nur ist es dort in meiner Vorstellung ein aggressives, dumpfes Gelb. Ungreifbar, undefinierbar, brennend in den Augen und eiskalt wie ein Henker. Und das Surren ist nicht ein zufälliges Produkt von elektrischen Unregelmäßigkeiten, sondern ein bewusst eingesetztes Foltermittel, das dem Opfer die Zeit so unberechenbar und unwirklich erscheinen lässt, dass es Tage lang ausharren kann und trotzdem befürchten muss, es seien nur Sekunden vergangen.

Wenn ich lange genug auf meine tippenden Finger schaue, sehe ich sie Klavier spielen. Obsessiv, voller Leidenschaft und teils hauend mit einem unmachbaren Ziel wie etwa der Flucht vor mir selbst. Wie eine Flucht aus den Grenzen des Körpers, des Gehirns, weit hinaus in dieses wunderschöne, kalte Universum, was der letzte Zufluchtsort sein soll und mich doch nur zurück spuckt und sagt: “Du bist doch schon im Universum, Fitzelhirnchen.” Oh, und wie sie spielen, diese Hände. In die Tasten hauen, als würden sie um ihr Leben spielen – und doch nur schreiben.

Ich war einst sehr talentiert. Mit neun Jahren kam ich aus der Schule, schmiss meinen Schulranzen in den Flur, riss meine Zimmertür auf – und ein Klavier stand in meinem Kinderzimmer. Einem ab dem Zeitpunkt unbedeutenden Kinderzimmer. Dort war nur noch ein Klavier, und drumherum ein Nebending, mein Zimmer. Mein Papa stand plötzlich hinter mir, ohne dass ich es merkte. Er legte seine warmen Hände auf meine Schultern und antwortete auf mein strahlendes “Warum, wie Papa?” mit: “Weil es ein Talent ist, wenn man mit sieben Jahren auf einem alten Keyboard kleine, neue Melodien entwirft, die so reif sind wie die traurigen Stücke der Großen, Tochter… Und sie soviel Seele haben, dass ich schon Texte und Lieder daraus machen konnte.” Also begann ich zu spielen. Es war unsere persönliche Liebe. Papas und meine. Die Musik. Er an seinem Schlagzeug und am Mikrophon, denn er konnte beides gleichzeitig und ich am Klavier oder am Keyboard, je nachdem, wo wir zusammen angaben. Bei der Familie, bei seinen Bandkollegen oder nur Zuhause für die Kinder aus der Siedlung. Im Zeitraffer rückblickend, war ich in einer unendlichen Spirale zwischen dem ehrlichen körperlichen Kampf auf dem “Fußballfeld” und dem ruhelosen Spielen auf dem Klavier in meinem Zimmer gefangen. Irgendwann saß die alte Klavierlehrerin neben mir, spielte Stücke, die ich aufzufressen schien mit jeder Zelle meines Körpers. Jene, die wir vierhändig spielten, waren mir die Liebsten. Das war wie das gemeinsame Andocken an unser beider Seelen, um mit größerer Kraft andere Seelen anlocken zu können. Und so war es dann, dass immer, wenn wir mit vier Händen spielten, Mama und Papa vorsichtig die Kinderzimmertür öffneten und dort stehen blieben. Egal wie lange. Sie standen dort und lauschten, bis sich unsere vier Hände auseinanderkeilten und jede Hand wieder zu seinem Besitzer zurück ging. Was für eine Zeit das war. Und wie verwundert meine Lehrerin damals war, als ich ihr nach zwei Jahren gestand, noch immer keine Noten lesen zu können, aber jedes Stück spielen konnte, wie sie es sich wünschte. Denn sie akzeptierte meine eigene Prägung der Stücke ohne Wenn und Aber. Und dennoch. Und dennoch tat ich etwas Unveständliches. Ich hörte auf. Der Sport übernahm meine Raserei. In ihm konnte ich mich stärker verausgaben. Die ewige Unruhe in mir in Erschöpfung umwandeln und wenigstens kurz in gedankenleere Ohnmacht fallen. Gefolgt von der ersten Verliebtheit in wen oder was und dem ersten Melancholiewahn, verblasste mein Klavier immer mehr – bis es irgendwann nicht mehr in meinem Zimmer stand. Und ich weinte ihm keine Träne nach, denn der Stift war nun mein bester Freund. Wenn ich rannte, dann nur auf dem Papier. Ich kleckste Tinte, gravierte Herzblut und Brustschmerz mit dem Kugelschreiber in jede Seite ein. Irgendwann sprengte ich die Seiten und musste einen anderen Weg für den inneren Drang finden, der Notwendigkeit, aus mir herauszuplatzen, bevor ich innerlich erstickte. Also schrieb ich Gedichte, malte Weltuntergänge und erschuf Paradiese mit Worten. Worte in Farben, Worte in Klängen, Worte in Täler, Worte in Liebe, Worte in Tode. Oasen des Glücks schrieb ich, von denen viele etwas haben wollten. Vor allem meine beste Freundin und meine Cousine. Also gehörte es irgendwann zu unserem Leben, dass ich ihnen aus meinen Tagebüchern vorlas, bis wir zufrieden einschliefen. Ich vergaß die Stücke, die ich einst mit meinen kleinen Klavierfingern komponiert hatte. Sie waren vergessen, obwohl meine summende Stimme immer wieder nach ihnen suchte, doch die Melodien brechen ab. Und heute noch, wenn ich mich an dieses Vergessen erinnere, trauere ich um diese Zeit und um mein verstorbenes Talent. Weiterlesen… »

27.05.2011, 01:06
Der Pazifist

Ein Held ist jemand, der für das Retten eines unschuldigen Lebens all seine Prinzipien über Board wirft. Jene Prinzipien, die ihn tragen, halten und mit einem erhobenen Haupt durch die Welt schreiten lassen. Die ihn als Teil einer Gemeinschaft stützen, schützen und ihm eine Art Existenzkredit leihen. Sie aufzugeben, ist die höchste Art der Selbstaufopferung. Doch so sind Helden. Sie sind vor allem eines: Einsam.

Die Pazifisten sind heutzutage jene, die sich für nichts rechtfertigen müssen. Jeder, der etwas darstellen will, predigt seine Friedfertigkeit und seinen Non-Militantismus. “Ich könnte keinem Menschen etwas zu Leide tun, nicht einmal, wenn er mich töten will.”

“Für mich bedeutet das, dass Dir Dein Ansehen als friedfertiger, perfekter Mensch wichtiger ist als der Schutz von Leben um Dich herum. Du hast Deine Instinkte verloren, Pazifist. Dich ihrer beschnitten, damit Du anerkannt wirst oder Deine Selbstverwirklichung leben kannst”, schleudert der Radikale dem Pazifisten entgegen.

“Dafür soll ich mich rechtfertigen? Ich möchte mich aus der animalischen, instinktgeprägten Verhaltensebene der Menschen erheben. Daher rühren doch all unsere Probleme, Du! Demnach ist es für mich keine Beleidigung, wenn Du mich dessen bezichtigst, meine Instinkte verloren zu haben. Genau das ist auch mein Ziel! Endlich meine animalischen Instinkte zu verlieren, die uns nur Ärger und Leid bringen!”

Recht hat der Pazifist. Dass die Welt so ist, wie sie ist, liegt daran, dass die Menschen noch zu instinktbasiert handeln und leben. Sie schnüffeln sich noch immer ihre Nahrung herbei und würden Tiere bei lebendigem Leibe aufreißen, wenn sie die Zähne dazu hätten. Heute halten sie sie stattdessen in engen Käfigen, schneiden ihnen Schnäbel ab, vergasen sie, lassen ihren Leib für ihre Nahrungsproduktion auskotzen. Sie leben noch immer am Liebsten aggressive Sexualität aus. Was sie nicht mehr beherrschen dürfen, beherrschen sie durch Bezahlung in Freudenhäusern. Sie erniedrigen noch immer gerne ihre Frauen dabei und loben ihr starkes Alpha-Glied für seine reife Eroberungs- und Unterwerfungsleistung. Weiterlesen… »

Du kleine, dreckige Missgeburt. Du wirst niewieder so mit meiner Mutter reden. Na? Sitzt Du immernoch dort mit den Beamten und pisst Dir ins Höschen? Derweil habe ich mich schon mit Deinen Vorgesetzten unterhalten, die sich bei mir 10000 Mal entschuldigt haben.

Tatort Postfiliale. Vorhin geschah Folgendes.

Ich sitze am Tisch, hatte mich fett ausgebreitet – meine Gedankenkleckse flatschten schon auf die große Pappe. Ich war zufrieden. Das Telefon klingelt, ich gehe ran. Meine Mama war total aufgebracht:

“Ich gehe niewieder zur Post! Niewieder! Deine Pakete bringst Du selber weg, Sherry!” – wer Mama kennt, weiß, dass diese Art der Lautstärke bei ihr nicht Wut war, sondern ein blutendes Herz.

“Mama, was ist passiert?” – ich war schon wütend. Ich war schon wütend, bevor ich wusste, was passiert war.

“Ich war dort bei der Post” (so langsam hörte ich sie schluchzen) – “und wie Du sagtest, habe ich der Frau am Schalter die Adresse vom Päckchen gegeben, damit sie sie aufschreibt.” (Anmerkung: Ich hatte sie darum gebeten, die Adresse auf das Etikett aufschreiben zu lassen, weil ihre rechte Hand schmerzte und ich nicht wollte, dass das Päckchen sein Ziel nicht erreicht, nur weil die Schrift unlerserlich war)

“Und dann?”, atmete ich schwer. (So ist Sherry kurz vor der Explosion)
“Sie hat gesagt, ich soll deutsch lernen gehen. Ich soll deutsch lernen gehn’ oder jemanden finden, der das für mich tut und mir das aufschreibt, sie habe keine Zeit.” – (Ich knirschte mit den Zähnen) – Ich dachte, das sei alles gewesen, also legte ich schon auf, wollte mich anziehen und zur Post. “Ich fick’ die dreckige Missgeburt tot.”, hab’ ich nur gedacht.

Das Handy klingelte. Ich ging ran.

“Ja?”, rief ich rein.
“Warum legst Du auf? Ich war noch nicht fertig.” – Mama’s Stimme zitterte.
“Ist da nochwas gewesen?”, fragte ich wieder ruhig mit knirschenden Zähnen bis hin in mein Gehirn.

“Ja.”, sagte sie geknickt. “Ich bin zum anderen Schalter gegangen. Da war eine andere Frau. Und ich dachte, sie sei netter.” – Ich wurde wütend.

“Mama…”, ich hielt mich zurück.
“Ja, ich weiß. Ich hätte nicht mehr fragen müssen. Aber… Und sie hat genau das Selbe gesagt. Sie hat das Selbe gesagt und dann haben sie mich ausgelacht. Sie dachten, nur weil ich einen Akzent habe, sei ich dumm oder könne kein Deutsch. Sie haben gesagt, ich soll Deutsch lernen gehen.” (Ich hab’ nur gehofft, dass Papa das jetzt nicht mitbekommt.)

“WAS haben die gesagt, Mama?” – ich wurde ungehalten.
“Ja… Ich solle deutsch lernen gehen. Sie haben mich einfach ausgelacht. Ich verstehe das nicht, Sherry. Wieso sind die so?” – jetzt fing sie an, zu weinen.

“Mama!”, sagte ich hart.
“Mama, ich ziehe mich an. Ist meine Schwester da?”
“Ja, sie ist da. Sie zieht sich auch gerade an, sie will dahin.”
“Oke, wir gehen zusammen. Sag’ ihr das. Bin in 5 Minuten unten.”

Unten wartete meine Schwester schon auf mich. Sie war wütend, aber ich hatte schon Mordgedanken.

“Hast Du das Päckchen mit, Shasha?”, fragte ich.
“Ja, natürlich.”
“Super. Das schmeiß’ ich der noch in die Fresse.”

Wir gingen zielstrebig zur Filiale. Als wir ankamen am Schaltern, klatschte ich mein Päckchen drauf, füllte das Formblatt zum Aufkleben drauf und zahlte. Dann kam meine Frage:

“Wer bitte ist Frau W.? Können Sie sie mir bitte mal zeigen?”, fragte ich.

Die Dame am Schalter zeigte auf genau jene Fresse, die ich – seit ich sie bei der Post kenne – unerträglich fand. Ich wusste, dass es sich um diese Fresse handelte. Ich wusste es schon vorher und freute mich, es dieser Fresse zu zeigen. Dieser faschistischen Fresse, der die braune Scheiße schon aus der Nase rausquillt. Kalte Augen, durchdringend, gemein. Eine Falte unter’m fliehenden Kinn, die vor ein paar Monaten noch mit Fett gefüllt war. Die sonst käsige, picklige Haut war inzwischen sonnenbankgebräunt – die Pickel waren aber immernoch da. Sie war nicht mehr dick, aber ihre Konsistenz glich der einer Puddingwampe im Fall auf den Bordstein. Jedesmal, wenn sie irgendwo gegen stieß, hatte man das Gefühl, gleich “FLATSCH” zu hören. Sie war nicht auffällig hässlich, zumal ich solchen Attribute nicht einmal wirklich Beachtung schenkte, wenn Augen strahlen – aber bei ihr war es so, dass Ihr Äußeres ihre innere Hässlichkeit und ihren Armut unterstrich.

Ich ging auf sie zu und meinte:
“Frau W?” (Meine Schwester stand neben mir)
“Ja, bitte?”

Ich lächelte. Ich dachte nur: Da ist sie.
“Frau W. Sie haben meine Mutter beleidigt.”, sagte ich in hartem Ton.
“Ich habe Ihre Mutter nicht beleidigt.”, antwortete sie noch härter und wurde auch etwas lauter.
“Woher wisse Sie, von wem ich rede, Frau W.?”, fragte ich mit zugeneigtem Kopf. Die Leute standen noch in der Schlange.

“Ich möchte Kunden bedienen, gehen Sie bitte.”
“Ich bin eine Kundin, Frau W. Und ich gebe Ihnen 2 Tage Zeit, sich bei meiner Mutter schriftlich zu entschuldigen.”

Die Wampe wurde rot, wollte aber ein unterkühltes Verhalten an den Tag legen, sah einwenig schizophren und unglaubwürdig aus. Also schaute ich sie fest an und hob eine Augenbraue. Und gegen eine hochgehobene Augenbraue von mir sieht einfach jeder, wirklich jeder, ARM aus.

“Ich habe Ihre Mutter…”
“Stop! Sie sind jetzt ruhig. ICH sage Ihnen jetzt, was Sie alles getan haben.
“Blablabla”
“Ruhe, sagte ich. Wenn ich Sie unterbreche, bleiben Sie ruhig.” (Den Spruch habe ich gestern noch bei StudiVZ gelesen und habe ihn natürlich sofort – ganz unbewusst angewandt. Meine Stimme wurde laut, die Leute guckten, die andere Missgestalt, die meine Mutter das 2. Mal weggeschickt hatte, wollte einlenken.

“Hallo! Kann ich bitte Kunden bedienen?”
“Sie sind jetzt still. SIE und Kunden bedienen – dass ich nicht lache. Sie hatten vorhin die Möglichkeit, eine Kundin entsprechend zu bedienen, aber sie haben Sie rausgeekelt mit Ihrer rassistischen Beleidigung. Ich bleibe jetzt hier, und meine Lautstärke hängt von der Bereitschaft Fau W’s ab, mit mir zu reden. Ist das klar? Danke.”

Ich schaute wieder rüber zu Frau W., die im Begriff war, zu gehen.
“Abhauen geht nicht, Frau W. Sie bleiben jetzt hier und reden mit mir.”
“Ich tu’ gar nichts.”
“Doch, tun Sie. Sonst haben Sie a) die Polizei gleich am Hals, b) eine Anzeige wegen Beleidigung nach StGb § 185 und Folgende, c) haben Sie einen dicken Artikel in unserem Online Magazin am Hals, in der ich Postfiliale, Ihren Namen und Ihr rassistisches Verhalten veröffentlichen werde. Ist das klar?

Sie winkte ab, wollte völlig unbeeindruckt wirken, aber ihr wabbelndes Kinn zitterte jetzt noch mehr und ihre Augen wurden rot unterlaufen. Fettes Monster.

“Haben Sie mich verstanden, Frau W.?”
“Ich rede kein Wort mehr mit Ihnen.”
“Wie heißt Ihr Vorgesetzter?”, fragte ich laut und hart.
“ICH bin hier die Filialleiterin.”
“Umso besser, Frau W. Dann haben Sie ja noch mehr zu verlieren, als ich dachte. Ich will irgendeinen Vorgesetzten von Ihnen. Name, Adresse, Telefonnummer. Sie sind sicherlich nicht der Big Boss der Post AG.”

Sie schmiss mir eine Karte rüber, doch da war die normale DHL Hotline zu sehen.

“Verarschen lasse ich mich nicht, Frau W.”, sagte ich. “Ihren Vorgesetzten. Jetzt. Danke. Ich werde Sie auch wegen rassistischen Äußerungen vor Gericht ziehen, dass das klar ist. Die Post hat einen Ruf zu verlieren, wenn Sie sich nicht selber entschuldigen.”

“Ich entschuldige mich nicht! Gehen Sie raus.”, sie verzog sich in eine andere Ecke.

“Sie kommen jetzt zurück und reden mit mir. Ist_das_klar? Sie bewegen sich hier an den Schalter und betreuen eine Kundin oder ich rufe jetzt umgehend die Polizei.”

Sie glaubte mir nicht. Sie meinte, ich solle verschwinden. Ich nahm mein Handy aus der Tasche und sagte: “Sie haben jetzt noch die Möglichkeit, hierhin zu kommen und zu allem zu stehen, was Sie heute veranstaltet haben.” – Ihre dämliche Kollegin sah total geschockt aus. Ihr Gesichtsausdruck hat 1000 Gedanken entblößt, die ich sofort aufgegriffen habe.

“Natürlich gehören Sie dazu. Auch Sie werde ich anzeigen. Aber ich dachte, ich spreche erstmal Ihr Alpha-Männchen an, von dem Sie sich immer so gerne leiten lassen, Frau So und So.”

Frau W. wurde sauer. Sich dessen bewusst, dass egal, was sie tat, sie immer dieses Männliche, Grobe ausstrahlen würde und ich das auch noch zum Ausdruck brachte, machte sie fertig. Sie kam zurück zum Schalter, um mir nochmal zu sagen, ich solle verschwinden, sonst würde sie die Polizei rufen. Meine Schwester warf auch noch einige Dinge ein, aber ich weiß ehrlichgesagt nicht mehr was, denn ich war total auf sie konzentriert. Ich lachte, nahm mein Handy und rief die Polizei an.

“Polizei.”
“Ja, hallo. Wir haben ein Problem. Hier ist eine Dame, die meine Mutter rassistisch beleidigt hat. In der Postfiliale, Adresse, blah. Wir warten hier auf Sie, damit wir die Sache geklärt kriegen.”
“Oke, wir sind gleich da.”

Ich sah sie triumphierend an.
“Ups, ich war schneller, Frau W.”, sah ich sie fest an.
“Und Sie machen hier nicht zu, bis die Polizei da war. Feierabend gibt’s heute nicht so schnell.”

Meine Schwester und ich lachten. Wir gingen raus vor die Tür, weil wir die Polizei zuerst abfangen wollten. Ich rief Mama derweil an und sagte, was geschah. Sie musste plötzlich lachen und meinte “Ich komme gleich, ich bin immerhin die Betroffene.” – Mama und Polizei kamen zeitgleich an. Wir redeten mit den Beamten, ich rasselte sie voll, interpretierte ihre Gesetze (LOL) und erstattete Anzeige. Die seelische Missgestalt wollte die Tür zumachen, die Filiale schließen, als der Beamte laut sagte “Ey, wir sind noch nicht fertig. Wir kommen gleich zu Ihnen.”

Auf dem Rückweg waren wir sehr gut gelaunt. Sie wird mindestens 2 Wochen nicht schlafen können. Sehr gut möglich, dass unsere Anzeige von der Staatsanwaltschaft abgewiesen wird, weil sie zu “belanglos” ist, aber dennoch: Wir haben ihr ihren Tag gänzlich versaut, sie wird 2 Wochen darüber nachdenken, was denn jetzt passiert, wenn das vor Gericht geht. Ich habe zur Sicherheit vorhin noch bei der Post AG angerufen und habe den Fall geschildert. Ich habe gesagt, dass ich darauf verzichten möchte, eine Sammelklage zu organisieren, weil viele ausländische Menschen in unserer Siedlung schon beleidigt worden sind von ihr. Und ich habe ihm gesagt, dass ich in einem Magazin arbeite und darüber einen bösen Artikel schreiben muss, wenn da nichts geschieht – was mir sehr Leid tun würde, weil Sie ja eigentlich nichts dafür können, aber sich bitte darum zu bemühen haben, die richtige Auswahl ihrer Mitarbeiter zu treffen, denn immerhin agiert sie ja in Namen dieser Firma. Der Vorstand gab mir jedenfalls Recht und entschuldigte sich tausend Mal. Er meinte: “Wir werden uns darum kümmern, versprochen. Einmal bekommen Sie nochmal Post und die Filialleiterin der Stelle wird von uns hören. So geht das natürlich nicht.”

Ich war zufrieden, rief Mama an, erzählte ihr das und registrierte erleichtert, dass sie ganz vergnügt war. Sie meinte: “Ich bin so froh, dass ich solche Kinder habe. Ich bin so froh, dass Ihr nicht erlaubt, dass auch nur irgendwer ein Haar des Anderen krümmt…”

Ja, so ist es. Ab heute wird sie nicht nur nicht unfreundlich sein zu “Kanacken”, sondern jedem Einzelnen die Eier lutschen. Punkt. Seelische Missgeburt.