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Posts Tagged ‘Klinische Psychologie’
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19.01.2012, 09:08
Geschützt: Und jetzt?
04.08.2011, 04:44
Ich – und weiter?
Wir sprechen tagtäglich und selbstverständlich vom Ich. Ich fühle, ich denke, ich bin, ich will, Ich. Und dann posaunen wir sämtliche Pläne heraus. Pläne und Ansprüche vom Sich-Selbst-Verwirklichen. Vom Selbst haben. Vom Zu-Sich-Selbst-Finden. Von Selbstentfremdung. Von der Suche, nach sich Selbst. Selbstliebe. Selbst und Ich. Wir tun so, als sei unser Ich oder unser Selbst ein Konstrukt unseres eigenen Willens. Etwas, das wir formen können, wie es uns beliebt. Wir tun zudem so, als sei dieses Ich oder Selbst völlig individuell und so prägnant anders als das Ich von anderen, dass man uns auf jeden Fall unter all den anderen Menschen wiedererkennen würde. Und natürlich liegt das nicht an unserer äußeren Erscheinung und dem unglaublich guten Gesichtererkennungssystems des Gehirns (anderer, die uns erkennen), sondern an unserer Einzigartigkeit. Wir sind einzigartig. Unser Selbst ist es. Unser Ich. Deshalb erkennt man uns. Wir nehmen uns so wichtig mit der Erschaffung, Schöpfung und dem Pflegen unseres Selbst, dass wir uns kleiden und schmücken mit Attributen und Styles, die die Message unseres Selbst weitertragen. “Ich bin lebenskritisch, gesellschaftskritisch und eigentlich mag ich die Menschen nicht, deshalb bin ich ein Goth.” “Ich hasse mich, ich hasse das Leben, mein Leben ist scheiße, niemand versteht mich. Deshalb bin ich ein Emo.” “Ich bin ein Opfer der Gesellschaft, ein armer Kanacke, Deutschland will mich nicht, ich habe eine harte Kindheit hinter mir, deshalb bin ich ein Gangsta-Rapper.” Ich habe oft darüber nachgedacht, was an uns eigentlich uns selbst gehört. Welcher Teil unserer Persönlichkeit haben wir tatsächlich selbst erschaffen, rein aus dem Nichts, nur aus uns selbst? Damals schon blühte mir keine Antwort, die ich mögen würde. Und seit dem Studium werden die Konturen meiner damaligen ungewollten Ahnung immer deutlicher: Nichts. Nichts von uns gehört uns selbst. Nichts. Das Temperament, das wir haben, ist angeboren. Nahezu bei jedem Menschen. Verhaltenshemmung (Schüchternheit) oder Extraversion (Offenheit, Ausdrucksstärke) liegen auf irgendeinem Genstrang und sind wohlkodiert. Das ist sogar ein Merkmal, das sich im Laufe des Lebens kaum verändert, außer die Einschnitte sind so traumatisch, dass sich da etwas tut, aber das geht dann auch meistens mit einer Störung einher. Bleiben wir beim Normalfall. Durch diese angeborene Disposition werden die Erfahrungen, die ein temperamentvolles oder verhaltensgehemmtes Kind macht, fast vorgeschrieben. Zumindest die Tendenz wird es. Offene Kinder gehen auf die Welt zu und lernen viele Menschen kennen, verfeinern dadurch natürlich ihre sozialen Kompetenzen, werden deshalb gelobt und gemocht, lernen sich entsprechend darzustellen und im Berufsleben später zu verkaufen. Verhaltensgehemmte Kinder suchen weniger Kontakt zu anderen, bekommen weniger positive Bestätigung, bauen kein starkes Selbstbewusstsein auf und können sich später nicht so gut darstellen und verkaufen. Die Eigenschaften beider Kinder verstärken sich durch die Interaktion mit ihrer Umwelt quasi selbst. Das sind nun zwei Extreme, zugegeben. Es gibt natürlich auch Zwischentöne. Es geht aber nur darum, aufzuzeigen, wie sehr unsere Wege vorgeschrieben sind. Sogar die Art, wie wir unsere Umwelt gestalten (offen auf Menschen zugehen und mehr Erfahrungen mit ihnen sammeln oder der umgekehrte Fall). Der Einfluss der Erziehung und in der Schule gehören natürlich dazu, aber sie schwächen oder verstärken vorhandene Tendenzen, aber sie lassen sich nicht komplett wegerziehen. Weiterlesen… » 13.06.2011, 23:37
Die Last der Berufung
Ich bewundere Ärzte, Psychiater und klinische Psychologen. Wie halten sie das nur aus, jeden Tag mit größtem menschlichen Leid konfrontiert zu werden? Es gibt Tage, an denen bin ich so unglaublich müde davon. Von Depressionen, bipolaren Störungen, Psychopharmaka, Psychosen, Schizophrenien, Angststörungen, Panikstörungen, somatoforme Störungen, Substanzmissbrauch, Suiziden und dem Thema: Auffangen von Hinterbliebenen. Während man arbeitet, fühlt man sich stark. Die Verantwortung treibt einen bis zum Geht-nicht-mehr zu einer Selbstdisziplin, die ich mir gerade bei mir in der Form nicht vorstellen konnte. Aber wenn man beginnt, sich nur theoretisch anhand von klinikbezogenen Lehrbüchern, Studien und der Ätiologie dieser Krankheiten zu beschäftigen, kommt man irgendwann an einen Punkt, an dem man einfach nicht mehr kann. Man lässt die Bücher fallen, fasst sich an den Kopf, denkt an all die Faktoren, die ursächlich für soviele Krankheiten sind und fragt sich: Wie zum Teufel soll ich das hier jemals stoppen? Dieser Wahnsinn wird nie ein Ende nehmen. Soviele Faktoren. Wie soll das gehen? Heute ist so ein Tag bei mir. Klinische Psychologie deprimiert mich. Es deprimiert mich, dass soviele Menschen all das durchmachen müssen. Dass Menschen so verletzbar sind, so anfällig für Schmerzen, so anfällig bei schlechten Erfahrungen. So lähmbar bei Gewalt und Traumata. Und die Behandlungsmethoden gerade in diesem Bereich sind so kräftezehrend, sie erfordern so sehr die Mitarbeit des Patienten selbst, dass es allein schon an ihm scheitern kann, auch wenn man selber alles richtig macht. Leider kann man sie nicht betäuben und dann an ihnen rumschneiden oder Infusionen legen und gut ist. Sie gehören zum Therapiehandwerkzeug dazu. Heute deprimiert mich mein Fach. Heute ist die Berufung eine Last. 22.12.2010, 13:40
Über mein Köpfchen
Seit drei Tagen habe ich das Gefühl, dass ich einer zuverlässigen Fleißarbeitsmaschine gleiche, obwohl ich gerade wieder in meine obligatorische Insomnia Phase reingerutscht bin. Anstatt mich ständig zu drücken, begebe ich mich punktgenau um Uhrzeit xy an meinen Schreibtisch und erledige wie eine gewissenhafte, kleine Biene alles, was auf meiner überlebenswichtigen To-Do-Liste steht. Es ist interessant, zu beobachten, um wieviel leichter mir die Arbeit fällt, wenn mein AD(H)S (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Syndrom) durch ein bei mir recht niedrig dosiertes Medikament drei bis vier Stunden Pause hat und mich von der sonst dazugehörigen Reizüberflutung ruhen lässt. “Boah, so geht es also anderen! So einfach haben sie es, ihre Aufmerksamkeit zu fokussieren und ihre Dinge zu erledigen!”, war mein erster, erstaunter Gedanke. Einblick in eine neue Welt. Die Welt der gedämpften Reize, der Welt des leichten Tunnelblickes, ohne die irrelevante Peripherie all zu sehr zu beachten. Aufgaben, für die ich durch meine verminderte Fähigkeit, irrelevante Reize auszuklammern und die relevanten für mich zu isolieren und anzufokussieren, einen ganzen Tag lang brauchte, erledige ich nun in ungefähr zwei Stunden. Da ich ein Mensch bin, der sehr ungern Medikamente nimmt, nehme ich das nur am Wochenende, was auch völlig ausreicht, weil ich ja jetzt das Dreifache in der Zeit schaffe. Psychopharmakologie ist wirklich ein Feld, das mich sehr fasziniert, ich denke, ich werde definitiv ein paar Extraseminare darin investieren. Es ist echt interessant, zu erkennen, wie ich gewesen wäre, hätte ich dieses chemische Ungleichgewicht in meinem Gehirn nicht. Ich wäre weniger emotional, weniger impulsiv, würde weniger zu ausuferndem (Konsum- und Kauf)-Verhalten neigen. Ich wäre aber auch weniger begeisterungsfähig, würde mich weniger über Ungerechtigkeiten aufregen und sie wirklich direkt anpacken, wäre unkreativer und könnte nicht so gut Zusammenhänge erfassen, ohne sie vorher detailliert analysiert zu haben, wie es jetzt geht. Mein Dopamin würde also langsamer abgebaut werden, was jetzt dieses Medikament übernimmt. Welche Effekte das hat? Hier eine kleine Auflistung: Weiterlesen… » 21.09.2010, 10:47
Homosexualität
Aus einer Forumsdiskussion ging hervor, dass einige Menschen tatsächlich noch denken, dass Homosexuelle doch selber Schuld sind an ihrer sexuellen Orientierung und sich hätten anders entscheiden müssen. Außerdem gingen diese tollen Schlussfolgerungen mit Kriminalisierung, großer Abneigung und Intoleranz einher. Dass viele Männer einen z.T. “natürlichen Ekel” vor homosexuellen Handlungen haben, ist nicht schlimm, solange sie vernunftsbezogen wissen, dass sich niemand diesen schwierigen Weg der Homosexualität aussucht, wenn er einen leichteren hätte haben können. Diesen Beitrag hier habe ich für die Diskussion verfasst und dachte, dass ich ihn auch hiereinposten kann zur allgemeinen Information. Hier werden einige organische Faktoren, die die Ausprägung von Homosexualität begünstigen und mitbeeinflussen aufgezählt in der Hoffnung, dass homosexuellen Menschen keine “Schuld” mehr gegeben wird. Diese anatomischen und genetischen Unterschiede implizieren nicht, dass es sich bei Homosexualität um eine Krankheit handelt. Das einzige, was krank macht, ist der Umgang der Gesellschaft mit homosexuellen Menschen. Also auf geht’s: Zur allgemeinen Information zum Thema sexuelle Orientierung, Hormone, Gehirn und Gene Ich werde versuchen, das hier so knapp wie möglich zu halten, aber es wird dennoch länger ausfallen. Ich finde es wichtig, dass wir Menschen wissen, wie wir beeinflusst werden und warum wir zum Teil so werden, wie wir sind. Wir werden niemals alle Einflussfaktoren mit in unsere “Berechnungen” integrieren können, weil vieles außerhalb unserer Wahrnehmung ist und wohl immer bleiben wird. Dennoch reicht dieses bisher gewonnene Wissen dazu aus, dass jeder vernünftige Mensch es so langsam aber sicher unterlassen sollte, Homosexualität zu kriminalisieren, Menschen mit dieser Neigung zu degradieren oder auch nur implizit als Menschen zweiter Klasse zu sehen. Gegen die extreme Zurschaustellung von Sexualität in TV und anderen Medien bin ich auch, aber nicht nur bei Homosexuellen, sondern auch bei Heteroangelegenheiten. Fangen wir an. Weiterlesen… » 28.07.2010, 20:30
Eine Welt – viele Spuren
Mensch 1: Er hat keine Haare auf dem Kopf. Auf dem ersten Blick erkenne ich nicht, ob sie ihm alle ausgefallen sind oder ob er sie wegrasiert hat. Er ist dunkel, hat einen französischen Akzent, spricht weich und klingt energisch. Er redet in einem unaufhörlichen Fluss mit seiner Frau – oder ist sie seine Freundin? Er gestikuliert wild mit seinen Händen, als würde er flehen, als würde er betteln, als wolle er schreien. Er ringt nach Worten. Auf Französisch, auf Arabisch, auf Deutsch – und auf Seelisch; bis er den Atem anhält, seinen verbalen Fluss stoppt und kurz darauf anfängt zu weinen. Er wird lauter. Er schluchzt. Er hört nicht mehr auf. Er setzt sich auf den Boden – und die Worte, die er sich abringt, sind unverständlich. Sind es überhaupt Worte oder doch die Ur-Laute, die Neugeborene von sich geben, wenn sie nach der Brust und der Geborgenheit der Mutter rufen? Seine Frau wiegt seinen Kopf an ihre Brust und weint mit. Er wird ruhiger. Wie ein Neugeborenes an der Brust seiner Mutter. Ein anderer Tag – der selbe Ort. Er spricht mich an: „Woher kommen Sie?“ „Ich bin Algerier… Ich schlafe nicht mehr, wissen Sie? Ich kann einfach nicht mehr schlafen. Ganz plötzlich. Ich kriege sogar starke Schlaftabletten. Aber nur mein Kopf wird komisch und durcheinander, mein Körper wird müde, ich atme schlecht, aber ich kann nicht schlafen.“ Er schaut mich fragend an – ich schaue fragend zurück. Meine Gedanken verpurzeln sich von der Gegenwart in die Vergangenheit und wieder zurück zu ihm. Ich sehe ihn in meinem inneren Auge, seine absolute Unwissenheit über sein Zustand berührt mich so sehr, dass ich innerlich sinke. Mein Mund bewegt sich und sagt etwas – irgendetwas. Ich weiß in jenem Moment nicht, was – aber er spricht: Weiterlesen… »
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