Die letzten zwei Tage sind von mir weggelernt worden. Wann war Tag und wann war Nacht? Wann habe ich gegessen und habe ich überhaupt gegessen? Oder habe ich auch einmal nicht gegessen? Angeblich sind Frauen multi-tasking-fähiger als Männer. Der Forschung nach sind sie es nicht, wenn es um Aufgaben geht, die tatsächlich kognitive Ressourcen benötigen. Pech gehabt. Geht es um automatisierte Handlungsweisen, sind sie tatsächlich besser. Aber ich nicht. Ich bin sehr begrenzt in diesen Dingen, außer, was das Tippen von SMS und Texten am Notebook angeht, da schauen mich alle immer ziemlich empört über die Geschwindigkeit meiner Tipperei an – vor allem, wenn ich noch nicht einmal draufschauen muss und währenddessen eine Unterhaltung mit völlig anderen Wortinhalten führen kann. Wie Ihr seht, haben wir wieder einen Fall von “themenlos” + “mitteilungsbedürftig”, aber eben trotzdem themenlos. Das müssen wir nun aushalten, wir haben viel miteinander durchlebt, liebe Leser/innen, das kriegen wir auch noch hin.
Ich gehe gleich – wie damals in meiner Jugend – auf den Spielplatz und werde Tagebuch schreiben. Mit einem Stift auf Papier, in ein wunderschönes Paperblanks Notizbuch. Schön wird sein, dass ich beim Schreiben auf den Wind und die Bäume hören darf und mich nicht irgendwelche E-Mail, MSN und Facebookmeldungen stören werden. Tragisch wird sein, dass das Schreiben mit dem Stift um soviel langsamer sein wird und mein Arbeitsgedächtnis überstrapazieren wird. Während ich fast so schnell tippen kann, wie ich denke, schreibe ich drei Mal langsamer, als ich denke und vergesse die Hälfte oft wieder. Das ist nicht schlimm, das muss geübt werden. Und eigentlich dachte ich, das wird es mit dem Studium automatisch. Aber auch das hat sich verändert. Die Dozenten machen fein säuberliche Power Point Präsentationen, die sie uns ins Netz hochladen, damit wir alles nochmal konkret vor uns haben. Ob man’s glauben will oder nicht: Aber durch diese Methode gehen kaum noch Informationen verloren. Damals, in der Uni, bei meinem ersten Studienfach, habe ich nach fünfzehn Minuten schon das Notieren aufgegeben, weil ich bemerkt habe, ich bekomme soviel mehr mit, wenn ich zuhöre. Was mir das brachte? Auch nicht wirklich viel, denn ohne Notizen vergaß ich es auch schnell. Vielleicht lag’s aber auch einfach nur an meinem Fach. Es war langweilig. Ich hasste es von Semester zu Semester mehr.
Nun verabschiede ich mich von meiner geliebten MacBook Tastatur, nehme Kulli und Tagebuch in die Hand und gehe raus in den Wind. Einwenig unfreundlich hört er sich heute schon an, aber das liebe ich umso mehr. Unser Nachbarkater wird mir folgen, das weiß ich jetzt schon. Damals war es unser eigener Toppoli, der sich elegant zu mir setzte, wenn ich schreiben wollte. Heute ist er im Paradies und isst seine Steaks ohne mich. Das iPhone schießt auch schöne Bilder. Nicht wahr? Immerhin etwas nach dem sinnlosen Geschreibsel hier.


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