Posts Tagged ‘Leben’
13.05.2012, 14:02
Langweilig

Die Arena ist leer. Die Schaulustigen von der Mutter der Mütter gestillt, mit Blut. Sie schlafen und träumen treulos von feurigen Huren. Manchmal hegen wir Gelüste und halten sie der Sprachästhetik wegen zurück. Langweilig. Heute möchte ich vom Fleischlichen reden, doch das Meiste bleibt unausgesprochen. Bloß keinen Austausch provozieren, schon gar nicht mit Frauen. Mit Frauen führt das Thema immer nur zur Liebe. Langweilig. Dann trage ich Tüten für den alten Herrn Gauß. Er ist mein Nachbar, und seine Söhne scheren sich nicht, weil Scheren ratsch-ratsch machen und sie lieber pling-pling-geil die Beutel füllen. Und Herr Gauß dankt es mir, auch wenn er morgen wieder vergisst, wer ich bin. Und ich ärgere mich, weil er mir ja ohne Gedächtnis nicht lang genug ein gutes Karma wünschen kann. Langweilig. Kann ich nun zahlen, bitte? Ich bin fertig mit allem.

07.05.2012, 10:32
Eineinhalb Zimmer

Wir lebten in einer kleinen Wohnung in der engsten Gasse der Stadt. In den eineinhalb Zimmern hatte ich es uns so wohnlich wie möglich eingerichtet. Das Halbe war eigentlich als Spint gedacht. Es war zu groß für einen, aber zu klein für ein Zimmer. Doch es passte eine große Matratze hinein. Dort teilten wir Schlaf und manchmal auch Lust.

Meine Freundin Lucia schüttelte jedesmal den Kopf, wenn sie mich besuchen kam. Für gewöhnlich war Rafael zu der Zeit noch auf der Arbeit. Die beiden mochten sich nicht sonderlich. Lucia fand, Rafael müsse inzwischen genug auf dem Bau verdienen, um mir ein besseres Leben zu bieten; und Rafael befürchtete, sie würde mir Flausen in den Kopf setzen und den Haussegen zerstören. Beide hatten sie Unrecht. Ich machte mir nichts aus Luxus und auch nichts aus der Meinung von Lucia und ihren Freundinnen.

Oft kam er spät nach Hause. Vor allem die letzten Wochen setzten seinen Knochen zu. Oft war er zu müde, um über den Tag zu reden. Er wusch sich kurz die Hände, während ich ihm das Essen aufwärmte und aß konzentriert und mit Bedacht. Danach saßen wir oft noch vor dem kleinen Fernseher. Unsere Gegenseitigkeit zeigte sich selten in mehr als nur im Anlehnen. Oft streichelte ich dabei seine Hände. Ich liebte seine Hände, die er nie ganz sauber bekam. Hände, die nie lügten. Während man von anderen sagte, ihre Augen seien der Schlüssel zur Seele, waren es bei Rafael seine Hände. Wenn er schlief, küsste ich sie manchmal und hielt sie kurz an meine Wange. Weiterlesen… »

05.05.2012, 18:37
Seine gold’nen Flüsse

{Chopin – Prelude In C Minor}

Mein Herz verschwindet
Mein Herz zerstreut
über alle Weltenwüsten
Weit weg
Weit fort

Wenn der eine Traum
zum einz’gen Verwandten wird
und Wir ihn schmecken
wie den heimlichen
Honig im Napf
unter unser’n
Kinderkissen

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19.04.2012, 01:25
Geschützt: Entmachtung

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11.04.2012, 17:35
Zu weit gegangen

Wir waren verloren
Doch sahen sie’s nicht
Wir hatten gekämpft
Doch das Ende fanden
wir nicht

Das Leben das zeigte
All seine Schönheit uns
Obwohl wir ihm dankten
Verabschiedete es uns

Die Stimmen der Chöre
Vergingen im Staub
Die Geschichte war fahl
Die Wahrheit ging aus

Wenn die Lichter versinken
Das Laub auf uns fällt
Wenn Nachtgebete weinen
und keine frohe Botschaft mehr
unsere Häuser erhellt

Weiß ich doch eins:
Wir sind den einen Schritt
Zu zweit gegangen

Und sind am Ende aller Wege
noch den einen Schritt
Zu weit gegangen