Posts Tagged ‘Leidenschaft’
07.01.2012, 13:28
Woodkid – Iron

Hypnotisiert von diesem Stück. Hypnotisiert von diesem Video. Hypnotisiert von diesem Text.
Danke, Anderswolf.

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Okay, ich trau’ mich jetzt zu veröffentlichen, was heute morgen um fünf Uhr entstanden ist. Ohne das Lied zu hören, kann man’s nicht lesen. Der Rhythmus muss davon vorgegeben werden, sonst wirkt es nicht.

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❊ Josh Vietti – Street Violin ❊

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Ich wippe, ich tanze, ich wippe, ich tanze. Ich wippe deinen Beat, ich wippe deinen Beat, ich tanze die Weisheit deiner Generation gegen alle Wände hinein. Bringe Sauerstoff zum explodieren, die Luft, sie atmet meine Energie in sich hinein und lässt Epilepsien sedierend sein, weil kein Mensch hier weiß, was echte Krämpfe sind, packe ich das Kind (in uns) und schüttel es zum Beat. Ich wippe, ich tanze, ich wippe, ich tanze. Lass uns wippen, lass uns hippen, lass uns zum Beat der Violine die Welt verlieren und all die versengten Tage auf einem Schlag von unser’n Sternen klauen, ihnen ihr Licht nehmen und unsere Seelen an diesem Verbrechen verlieren. Hörst du die Beats, hörst du sie schlagen, ich will dabei sein, wenn sie aus mir mein Ich zerreißen. Hörst du die Beats, wie sie mich jagen, damit ich frei sein kann, frei von all den Gedanken, all den Morgenfragen, all dem Nachtschweißbaden, all den Kriegsverbrechen, all den Lebenssäften und den Liebesklagen?

Ich wippe, ich tanze, ich wippe, ich tanze. Lass meinen Kopf seinen Schädel zerbersten, lass den Vogel seinen Käfig sprengen, lass mein Herz im gleichen Takt wie den Puls von Mutter Erde Blut und Sauerstoff pumpen. Lass mich frei, ich wippe, ich tanze, ich wippe, ich tanze, weil alles stirbt, außer die Bewegung, die’s mein. Hörst du den Beat, er frisst die Gitter unserer Gedanken, den schwarzen Dunst unserer vergrabenen Zukunft, er peitscht uns nach draußen, damit wir tun, wozu wir geboren sind: Nämlich Leben und Tanzen. Wippen und Tanzen. Fühlen und Tanzen. Ja, ja, ja, ja! Gib’, was du nicht hast und ich werd’ dich entführen, von dir selbst nur weg, nur weg, dich führen, von dir selbst nur weg. Zu mir, zu mir, einem mir, das nicht mehr sich selbst gehört. Und was bindet, wenn niemand mehr gebunden ist? Die reinste Form der Liebe, nur die reinste. Denn sie ist ungebunden und ungebunden ist unbegrenzt und unbegrenzt ist Alles und Alles, das sind wir. Die reinste, so edel wie der Stoff, den du dir durch die Adern jagst, wenn du mit Beats jonglierst und am Ende sie es sind, die dich jonglieren. So rein wie das Weiß, das deinem Leben bis zum Abgrund folgt, so wahr wie ein Kreis, der nach sich selbst sucht und die Unendlichkeit entdeckt, so verloren wie Hachiko, wenn es auf sein Herrchen am Bahnhof wartet bis zu seinem Tod. Ja, ich wippe, ich tanze, ich wippe, ich tanze. Vergiss dein Herz, lass es dort vor sich hin schlagen, sich selbst verjagen, nach Fragen fragen und die Antworten versagen. Was wir brauchen, hat nur der Beat, keine Herzen, keine Regeln, kein Gewissen und erst recht nicht irgendein göttliches Wesen.

Ich fragte Ariadne einmal, warum sie klassische Philologie studiere und warum sie Latein so liebe. Ich tat es vermutlich, weil ich ihre Antwort erahnen konnte, aber dennoch wollte ich so gerne teilhaben an der Leidenschaft, die sie beim Erklären ihrer Gründe zeigen würde. Jetzt, einige Wochen später, hat sie einen Beitrag dazu verfasst, der mein Herz vor Freude im 2Step schlagen ließ. Denn ich durfte lesen, dass sie die lateinische Sprache tatsächlich aus dem selben Grund liebte, aus dem ich die Naturwissenschaften und die wissenschaftliche Psychologie liebte. Lest ihre runden, konturreichen Worte. Satzanreihungen, Wortwahlen, Algorithmen, die mich daran erinnern, warum ich die deutsche Sprache so wunderbar finde.

“Ich studiere klassische Philologie. Und so schwer es für viele zu verstehen, ist – ich liebe mein Fach. Ich liebe es, Texte nach Stilmitteln aufzudröseln, Satzgefüge zu entwirren, genau zu untersuchen, wie und warum ein Wort in diesem oder jenem Kasus gebraucht wird. Ich liebe das Versmaß in der Aenaeis, die verschachtelten Sätze bei Tacitus, die bildhaften Argumentationen Ciceros, die tiefe Würde Senecas, die wunderbaren Metamorphosen Ovids. Für mich ist Latein keine tote Sprache, sondern eine unsterblich gewordene.” [Weiterlesen ...]

27.11.2011, 13:42
Der Kelch ihres Lebens

“Das wollte ich nicht. So weit hätte es gar nicht kommen dürfen”, sagte er hastig und mit gequälten Augen. Er hatte es eilig. Die Eile eines Menschen, der aus einer unangenehmen Situation raus wollte, irritierte den Raum zwischen ihnen, die Luft, die sie voneinander einatmeten, wurde dünn. Dieser Satz schlug sie mitten in den Bauch. Er bedeutete Ende. Er bedeutete, sie war allein. Jetzt war sie wirklich die Einzige, die bereit war, weiter zu gehen, Zelte abzubrechen, raus aus dieser verzwickten Mühle aus ungesehenen Berührungen mit ihren Blicken, gedachten Liebkosungen des anderen, Feuerspuren in der Luft bei jedem Gedanken aneinander. Es war das Aus für das Treffen in den Hinterhöfen dieser Welt – an jenen Orten, an denen alles anonym und versteckt war, wo man Sätze flüstern musste und sie dennoch zu laut waren. Dort, wo man nicht hören musste, um zu verstehen, weil die Realität sie umzingelte wie eine Horde feindlicher Soldaten.

“Es hätte nicht soweit kommen dürfen”, wiederholte er und konnte seinen Blick doch nicht von ihren angstgepeinigten Augen wenden. “Schau mich nicht so an. Es muss enden, okay? Wir hatten die beste Zeit unseres Lebens, jetzt geht das normale Leben weiter”, beschloss er bestimmt. Sie schluckte, sagte nichts, wollte ihn auf der Stelle schütteln oder sterben. Auf der Stelle sterben.

“Hätten deine Augen doch bloß echte Dolche in mich reingerammt, dann hätte dieser Moment irgendwann einmal ein Ende. Stattdessen lässt du böse Gedanken, böse Geister aus ihnen heraus, die sich unmerklich um meinen Hals schlingen und meine Lebenskraft heraussaugen wie hungrige Schlangen. Ich werde gerade verdaut”, antwortete sie ihm trocken, leise, hart. Ihre zitternden Beine versteckte sie mit ihrer inneren Peitsche.

Er seufzte. Bei jeder anderen hätte er sich genervt abgewandt, das Verhalten als Übertreibung und Theatralik abgetan und wäre gegangen. Aber bei ihr konnte er nicht. Er wusste – und das war das Fesselnde an ihr – dass sie es ernst meinte. Dass sie es ernst fühlte, so sehr, bis sie nicht mehr konnte. Fühlen, bis man nicht mehr kann. Das kannte er nicht, erst jetzt, durch sie. Weiterlesen… »

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25.10.2011, 11:51
Vollendung

In der Stille
deiner Arme
beginnt mein
Traum

Vergiss
wer du bist
und ich vergess’
was ich haben
will

Lass!
Lass uns
eins
nur sein:
Eins

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