Wir lebten in einer kleinen Wohnung in der engsten Gasse der Stadt. In den eineinhalb Zimmern hatte ich es uns so wohnlich wie möglich eingerichtet. Das Halbe war eigentlich als Spint gedacht. Es war zu groß für einen, aber zu klein für ein Zimmer. Doch es passte eine große Matratze hinein. Dort teilten wir Schlaf und manchmal auch Lust.
Meine Freundin Lucia schüttelte jedesmal den Kopf, wenn sie mich besuchen kam. Für gewöhnlich war Rafael zu der Zeit noch auf der Arbeit. Die beiden mochten sich nicht sonderlich. Lucia fand, Rafael müsse inzwischen genug auf dem Bau verdienen, um mir ein besseres Leben zu bieten; und Rafael befürchtete, sie würde mir Flausen in den Kopf setzen und den Haussegen zerstören. Beide hatten sie Unrecht. Ich machte mir nichts aus Luxus und auch nichts aus der Meinung von Lucia und ihren Freundinnen.
Oft kam er spät nach Hause. Vor allem die letzten Wochen setzten seinen Knochen zu. Oft war er zu müde, um über den Tag zu reden. Er wusch sich kurz die Hände, während ich ihm das Essen aufwärmte und aß konzentriert und mit Bedacht. Danach saßen wir oft noch vor dem kleinen Fernseher. Unsere Gegenseitigkeit zeigte sich selten in mehr als nur im Anlehnen. Oft streichelte ich dabei seine Hände. Ich liebte seine Hände, die er nie ganz sauber bekam. Hände, die nie lügten. Während man von anderen sagte, ihre Augen seien der Schlüssel zur Seele, waren es bei Rafael seine Hände. Wenn er schlief, küsste ich sie manchmal und hielt sie kurz an meine Wange. Weiterlesen… »

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