07.07.2011, 19:06
Lieblingssnack
Wenn wir mal nicht warm essen, machen wir uns am Liebsten Mozarella und Tomaten auf Toast. Vorher natürlich mit Olivenöl und Balsamico Essig getränkt und gut gewürzt. Normalerweise gibt’s dazu noch frisches Basilikum oder einen Pesto-Aufstrich. Ich liebe das, und hab’ danach auch nie das Gefühl, mich überessen zu haben.

24.12.2010, 12:53
Neo-X-Mas

Lovers by Reginanegra
Draußen ist es schneeweiß. Pünktlich zu Weihnachten hat sich die ungünstige Verwandlung von Schnee in getautem Matsch, von getautem Schnee zu Eiszapfen, wieder in schönem Schnee vollzogen. Dieses Jahr sind die Menschen da draußen recht laut. Die sonst stille, besinnliche Atmosphäre hat sich in lautes, feierfröhliches Tun verwandelt. Zumindest hier. Moderne Weihnachtspartys, in denen man nicht den “christlichen Tugenden” frönt, sondern dem Gegenteil davon. Seine Freiheit – und oft auch seine Einsamkeit – teilt man mit gestellter Gemeinsamkeit und oft auch hungriger, zeitlich begrenzter Zweisamkeit.
Letztens las ich in einem Blog über ein Sexabenteuer, über ein Geplantes natürlich. Es gibt unendlich viele Sexclubs, Swinger-Clubs und orgienreiche Veranstaltungen in diesen Tagen. Immerhin kommt es selten vor, dass viele gemeinsam lange Zeit frei haben, also geht man dem Trieb seiner Neugierde nach und landet bei der Lust. Stolz erzählte jemand von der Hingabe mit einer jungen Frau, die er nicht liebte. Unfassbar fasziniert erzählte er darüber, dass er in jenem Moment alles bekommen hatte, was er hätte kriegen können und alles gegeben hatte, was er hätte geben können. Hatte er das wirklich? Mir schoss es in den Kopf “Nur die Hauptsache nicht. Ihr habt Euch nicht geliebt.” Weiterlesen… »
Nur ein Stück trockenes Brot mit Käse und zwei Oliven waren es, die mir zeigten, wie man mit Einfachem ein Festmahl feiern kann. Nur ein halbes Glas kalte Milch hatte ich noch, die goss ich mir ein und aß und trank wie eine Königin – nein, noch viel prächtiger: Ich aß wie ein Bettler, der nach langer Zeit das erste Mal wieder essen durfte. So, wie an jenem Abend, aß ich niewieder…
Das ist ein Tagebucheintrag von vor acht Jahren. Meine Eltern und Geschwister waren vereist, also war ich auf mich allein gestellt. Zu jener Zeit war ich oft sehr vertieft in meine Gedanken. Anders als heute – viel lebendiger, nicht so oberflächlich. Heute denke ich viele Gedanken nur mit dem Kopf, damals musste ich die sie erfahren, fühlen, schmecken, solange ausreizen, bis ich sie von grundauf verstanden hatte. So kam es manchmal vor, dass ich Tage lang nicht raus ging, weil ich mit einem Gedanken spielte. Meine komplette, innere Welt konnte sich verändern, wenn ein Gedanke bei ihm zu Gast war, den es galt, auszukosten.
Einmal riss mich ein heftiger Hunger aus meiner Vertiefung. Ich stürzte mich fast wie gedrängt zum Kühlschrank, riss ihn auf und sah… Nichts. Nichts – wirklich nichts. Nur ein Stück harter Käse, ein paar Oliven im Glas, ein halbes Glas kalte Milch und im Ofen ein Stück trockenes Mischbrot, das ich vor Tagen beim Aufwärmen im Ofen vergessen hatte. Es war abends – und die Geschäfte hatten alle geschlossen. Ich packte mir das Brot, die Scheibe Käse, die Oliven, das halbe Glas kalte Milch und biss rein. Ich biss herzhaft rein – und es knackste und bröselte, so trocken war das Brot. Der Käse war hart – und es gefiel mir. Ich war so dankbar um jedes Bissen, das meine Kehle reizte und um jeden Schluck Milch, der sich an meinen Magen schmiegte – alles in meinem Mund fühlte sich so rund an, so vollkommen. Ich kann’s noch heute nicht beschreiben.
Nach dieser Erfahrung damals fing ich an, heimlich etliche Packungen Toast zu kaufen mit Käse, Salami und Wurst. Wie besessen bereitete ich eine Sandwich-Komposition nach der anderen zu, steckte sie in eine große saubere Tüte und ging damit durch die Stadt. Jedesmal, wenn ich einen Obdachlosen sah, reichte ich ihm ein bis zwei Sandwiches und ging sehr schnell weg, weil mir ihr Strahlen in den Augen zwar das Herz in der Brust vor Glück zerspringen ließ, aber ihre Dankbarkeit mir unangenehm war. Und jedesmal, wenn ich – nachdem ich ihnen ein Sandwich gegeben hatte und ging – um die zwanzig Schritte von ihnen entfernt war, blieb ich kurz stehen, hielt inne und stellte mir genüsslichst vor, wie die Person in sein Sandwich reinbeißt und es genauso als vollkommen und wunderbar lecker empfindet wie ich damals das trockene Stück Brot mit hartem Käse.
Noch heute – acht Jahre später – mache ich das manchmal noch… Ich bereite Sandwiches vor, verteile sie und bleibe stehen und denke lächelnd an dieses Festmahl von einst.
12.04.2008, 12:16
Tischtennis
Pepe macht sich die ganze Zeit über mich lustig, dass ich jedem erzähle, dass ich im Tischtennis gegen ihn gewonnen habe – 21 zu 18, um genau zu sein. Was weiß ich, wie sehr er damit angegeben hat, dass er vor 15 Jahren im Verein war und sogar an Turnieren teilgenommen und Urkunden gewonnen hat. Ich hingegen kann nur auf eine “Spielplatzkarriere” verweisen, was ich auch sehr trotzig tat. Großkotzig sagt er: “Wenn Dir beim Spiel das Gewinnen am wichtigsten ist, Schatz, dann spiel’ lieber nicht mit mir. Das ist dann nicht so gut für Dein Selbstbewusstsein.” – sein selbstzufriedenes Grinsen danach kann ich nicht beschreiben, das muss man gesehen haben. Eine Pfanne hätte die Sache nicht zurecht rücken können. Ich musste mir etwas anderes einfallen lassen. Und die einzig gute Rache sah eben so aus, dass ich einfach gewinne. Schlicht und einfach gewinne.
Auf dem Weg zurück nach Hause, kauften wir uns Tischtennisschläger und Bälle. Ohne zu Hause Halt zu machen, damit wir uns wenigstens Sportschuhe anziehen, fingen wir an, zu spielen. Anfangs merkte ich, wie sehr ich eingerostet war. Ich rechnete nebenbei nach, wie lange ich schon nicht mehr gespielt hatte – und das waren wirklich 10 Jahre. Damals schlief ich sogar mit meinem Tischtennisschläger unter meiner Wange ein, der Fußball lag direkt neben meinem Bett und meine Zimmerdecke war schon ganz vergilbt von meinen Sprungübungen für’s Volleyball. Mein ganzes Leben bestand damals aus diversen Team-Sportarten, in denen ich gerade dafür, dass ich ein Mädchen war, extrem glänzte.
Pepe konnte sich das bis jetzt nicht so richtig vorstellen. Nach dem Abi wurde es nämlich immer schwerer, die alte Truppe rauszukriegen und mit ihr draußen zu “spielen”. Die Mädchen haben sich irgendwann gar nicht mehr für’s Teamsport interessiert und die Jungs sind alle umgezogen – also war’s das mit dem Sport. Tischtennis- und Badmintonschläger kamen immer weniger dazu, von mir benutzt und geliebt zu werden – vom Volley- und Fußball gar nicht mehr zu sprechen.
Deshalb dachte Pepe bis gestern, ich würde schlicht und einfach gemäß meiner manchmal auftretenden Macho-Allüren übertreiben. Doch ich konnte ihn schon im Sportgeschäft skeptisch und verwundert gucken lassen, als ich mit meinen dämlichen Stiefeln den Fußball einige male hochgehalten habe, weil ich den Ball mal “antesten” wollte. Die psychologische Angriffsfläche war also aufgebaut durch meinen Umgang mit dem Fußball, der Rest würde bald mit dem Tischtennisschläger geschehen.
Tatort Tischtennisplatte. Wir fingen mit dem Match an. Es dauerte bei uns beiden, bis wir warm wurden, weil wir ewig nicht mehr gespielt hatten – aber dann ging’s los. Egal, wie Pepe die Bälle angedreht hatte, ich versuchte es weiter mit meiner recht einfachen und straighten Spielweise. Ich hasste es, Bälle anzudrehen, da sie das Spiel kaputt machten. Vielen Jungs ging es beim Tischtennis immer darum, schnell zu punkten – ich hingegen liebte es, wenn der Ballwechsel so lang und spannend wie aufrechterhalten wird. Einmal schmetterte ich einen Ball auf seine Seite des Tisches, den er nicht für “schmetterbar” hielt. Er schaute mich daraufhin sehr verwundert an und brachte ein klägliches: “Gar nicht mal so übel, Schatz.” raus. (Das ist das höchste an Anerkennung, die ich in einer Sache kriegen würde, in der er gegen mich verliert).
Wir gingen mit 21 zu 18 aus dem Match – und ich frage mich nun, ob ich je wieder mit ihm Tischtennis spielen soll oder lieber bis ans Ende meiner Tage überall rum erzählen soll, dass ich Pepe besiegt habe. Seine Ausflüchte nach dem Spiel machen es mir natürlich sehr schwer, nie wieder mit ihm zu spielen: “Naja, ich wollte Dich mal gewinnen lassen! Ich konnte Dich nicht einschätzen und wollte noch nicht alles geben. Aber ich weiß ja jetzt, dass Du ein ernst zu nehmender Gegner bist, also spiele ich das nächste Mal auch anders. Wirst schon sehen.” – Diese verdammten Sätze fordern mich und meinen Stolz natürlich heraus. Und so, wie’s aussieht, werden wir heute oder morgen wieder spielen. Was will er sagen, wenn er diesmal verliert? Dass er seine Tage hatte?
Ich kenne meine Ausrede jedenfalls schon: “Na und? Ich bin ja auch ein Mädchen.”
Text, Design & Photos by Sherry Iranique. Copyright © 2010 Sherry Iranique. All rights reserved.
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