Posts Tagged ‘Lustiges’
31.10.2011, 18:29
Anti-Ausuferungs-Strategien

In der letzten Zeit kaufe ich mehr Bücher als ich lesen kann. Die Intervalle zwischen Kauf zu Kauf werden nämlich immer kürzer. Das ist mir heute bewusst geworden, nachdem meine Freundin mir das Buch “Little Bee” empfohlen hat. Mein erster Impuls war: “Kauf’ ich. Kauf’ ich sofort.” Also bin ich zu meinem Bücherregal gehopst und habe geschaut, was noch alles ungelesen ist – ganz in der Hoffnung, es sei nicht soviel. Das hätte mir erlaubt, das Buch doch noch zu holen. Aber wie es nun einmal so ist, wenn man hofft, kommt es genau anders. Der Bücherberg war nicht von schlechten Eltern. Ich entschied dennoch, zuzugreifen. Wie das? Ganz einfach eigentlich. Ein Buch mehr oder weniger würde auch nicht mehr viel ändern. Ob ich mir das nun jetzt hole oder erst, wenn ich den ganzen Berg lesend abgebaut habe, ist doch gleich, oder? Wobei, nein, nicht gleich – mir bleibt sogar ein Vorteil, wenn ich es jetzt kaufe. Ich habe mehr Auswahlmöglichkeiten, wenn ich zum nächsten Buch greifen möchte. Buch x, y oder z? Ach nein, ich nehme Buch k. Das ist doch vernünftig, finde ich. Immer das Selbe. Ich will mich davon abhalten, auszuufern und finde nach einer Anti-Ausuferungs-Strategie erst recht einen guten Grund, doch auszuufern. Das ist wie mit dem Essen. Willst du zunehmen? Dann diäte.

26.09.2011, 09:50
Belohnungsträume

In meiner Stadt gibt es seit gestern traumhaftes Spätsommer- Frühherbstwetter. Ich kann die Luft, die alle umtanzt, gar nicht beschreiben. Die Sonne scheint, aber nicht aggressiv, sondern zärtlich stubsend und herausfordernd. Sie hängt nicht an der höchsten Stelle des Himmels, sondern irgendwo seitlich tiefer unten, so dass sie gold schimmert anstatt beißend hell zu blenden. Die Temperaturen sind mild und ohne die Schwüle, die andere unmerklich aggressiv werden lässt, kommt man draußen sogar zur Ruhe. Da ich leider nicht dazu in der Lage bin, kurz vor Prüfungen irgendwelche Aktionen da draußen vollends zu genießen – außer, sie dauern nur eine Stunde – habe ich mich von der Wetterfee rückversichern lassen. Sie hat mir gesagt, dass meine kleine Welt bis einschließlich Sonntag so wunderbar bleiben wird, wie es heute der Fall ist. Ich vertraue ihr und plane schon Zoo, Picknick, Grillen, Botanischer Garten und vor allem das Fangen neuer Bilder, das ich so unglaublich vermisst habe. Bald bin ich erlöst. Ja, endlich. Dann hüpfe ich wieder rum und nerve meine Umgebung mit meiner gebündelten Energie. Solange ich das nicht tun kann, genieße ich meinen Latte und das helle, schöne Zimmer mit den schönen Farbkombinationen, die ich mühevoll gegen meinen weniger kitischigen Mann durchgesetzt habe. Bei der nächsten Wohnung, so habe ich ihm das versprochen, werde ich mehr Kompromisse mit ihm eingehen. (Mist!)

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16.09.2011, 09:43
Die Zuckermelone

Manchmal kommt es vor, dass ich in eine Frucht reinbeiße – in irgendeine – und mich ein Genuss überfraut, der mich kurz inne halten lässt. Ich denke dann nur “Oh mein Gott” und versuche das Geheimnis ihrer Wirkung zu erschließen. Greife in Gedanken und mit den Augen jedes noch so kleine und scheinbar unbedeutende Detail, das als hinreichender Grund dieser Geschmackspracht dienen könnte. Form, Konsistenz, Farbe, Süßanteil, Eigengeschmack – und noch vieles mehr, das sich nun gar nicht kategorisieren lässt. Ach, wäre ich doch ein Hund, ich könnte soviel mehr darüber schreiben. Dann wäre ich nicht so holprig in meiner Ode an – ja, die Zuckermelone.

Gestern biss ich in eine rein, unvorbereitet, da ich in Deutschland nie wirklich gute Kürbisgewächse gegessen habe. Hier schmeckt wirklich vieles nach Wasser, wenn ich das mit Tunesien, der Türkei oder meiner Heimat vergleiche, wo die Leute mit Gewohnheitseffekt in eine Frucht reinbeißen und gar nicht wissen, was für Essensgold sie da eigentlich schmecken dürfen. “Orgasmiert gefälligst mit euren Geschmacksrezptoren und kniet euch nieder vor dieser Frucht!”, fuchtele ich mit in Gedanken erhobenem Zeigefinger so vor mich hin. Wie kann das nur sein, dass sie nicht wissen, was sie da haben? Stattdessen gehen Weiße Pochahontas Volk abschlachten, weil sie denken, es gebe da hartes Gold, das viel mehr wert ist als Zuckermelonen und co. So gar nicht essbar, ohne Saat, ohne Einpflanzbarkeit und Vermehrungsfähigkeit. Beißt lieber in Zuckermelonen rein, vergesst das Gold! Oder in Bananen oder in Ananas (Oh Gott, die Ananas!), damit kann man etwas tun, damit kann man Menschen satt machen, glücklich machen, balzen und die schönste Braut gewinnen. (Wann sind Frauen eigentlich von Essen zu Gold als Kriterium rübergegangen bei der Partnerwahl? Unverständlich.)

Jedenfalls biss ich in eine rein (ich weiß, da waren wir schon), völlig unerwartet und geschmacksreizgeschockt. Ich wollte der Zuckermelone schon andichten, sie habe sich als blinde Passagierin irgendwie in ein Schiff nach Deutschland geschleust, weil sie sich in eine Kartoffel verliebt hatte und stellte mir vor, wie sich wohl der aller erste Mensch gefühlt haben muss, der die Zuckermelone entdeckt hat und dann zum aller ersten Mal reingebissen hat. Paaaaammm! Der muss doch ohnmächtig geworden sein! Oder was ist mit der Banane? Die Banane! Der muss doch völlig erleichtert gewesen sein, dass da ein inflantionäres Gewächs, erhältlich nach einer kleinen Klettereinlage auf einer Palme, genügen würde, um ihn ein Leben lang zu sättigen! Und dann ist sie auch noch so süß, lecker und schwer im Magen, so dass man Stunden lang ohne Hunger rumhüpfen, arbeiten, Strandhäuser aus Stroh und Bambus bauen kann und seine schöne Frau mit weiteren Kindern segnen kann. Geht ja jetzt, wo man nun genug Bananen hat, um alle am Leben zu erhalten. Oder was hat der erste Mensch mit der Ananas gemacht? Diese von Außen so trocken wirkende Gestalt, pieksig, leicht unangenehm und abweisend wie eine falsche Brünette, die sich dann als Blondine entpuppt. Hat er sie mit einem Bruce Lee Schlag entzweit (Handkante natürlich), ist durch das wasserreiche Innenleben nass geworden, hat seine Lippen sauber geleckt und entdeckt, was für eine geniale Frucht er da hat? Der erste Biss, oh nein, den will ich mir gar nicht vorstellen. Raaatsch und süß, sauer, durstlöschend, ohnmächtig, kabumm. Weiterlesen… »

04.09.2011, 15:36
Hämmern bis zur Erkenntnis

Ihr seht, meine Texte in diesem Blog sind manchmal von einer ausweglosen Ernsthaftigkeit und einem Vorwurf gegen die Regeln dieses Lebens belastet, dass mir manchmal beim Lesen selber die Luft weg bleibt. Dennoch bin ich mir dessen bewusst, dass es richtig ist, nach all dem “It’s all fun”, “Let’s party!” und unserer Komsumgeilheit (ich gehöre definitiv dazu) Dinge anzusprechen, die man sehr gerne verdrängt. Ich bin mir dessen beuwsst, dass ich sie nicht nur anspreche, sondern in einer sehr harten Sprache benenne, so dass viele sich angegriffen fühlen, die sich eigentlich gar nicht angegriffen fühlen brauchen. Fast so, als würde ich der Menschheit – jedem einzelnen von uns – reine Dummheit und Ignoranz bescheinigen. Und ehrlichgesagt: Vielleicht tue ich das auch. Wir müssen bedenken, dass wir als Masse viel dümmer sind, als wir es als Individuen oder kleine Gruppen sind. Wie sollen ein paar Helldenker denn die trottende Richtung der trägen doch zähen Masse Richtung Konsum, Politikverdrossenheit, Geschichtsignoranz und Oberflächlichkeit lenken? Höchstens, indem sie selbst aufschreien und das erste Wort, das es in die Menge wirft ein “Du bist scheiße, Menschheit! Fick dich!” ist. Mit einem intellektuell einleitenden, diplomatischen, wenig beleidigenden Satz wird man kein Gehör finden, im Gegenteil: Haben wir nicht alle genug von all den versnobten Klardenker-Theoretikern und abstrakten Philosophen, die irgendetwas daherreden, in überkomplizierten Konstruktionen von Wort und Satz, die aber von der schlammigen Praxis des Kämpfens und Überlebens (oder des Konsumierens und Wegsaufens) nicht die geringste Ahnung haben? Manche reden von subtilen Denkwegen, abstrahieren die Realität in einer Form, in der nur noch Zahlen und Formeln übrig bleiben und schreiben nur noch für sich selbst, um den intellektuellen Kampf gegen die Kollegen zu gewinnen. “Yes indeed, das hier war ein Erfolg. Mein Buch wurde am wenigsten von der Masse verstanden. Vorzüglich.” Doch von uns, von uns Lebenden, von uns Tuenden, von uns Greifenden, von uns Konsumierenden, von uns Leidenden, von uns Feiernden, von uns Gröhlenden, von uns, die sich tagtäglich von den Medien tatsächlich verarschen lassen, haben sie nicht wirklich Ahnung, nicht irgendeine, denn sie fühlen sich über alles erhaben und sehen nicht ein, wie man uns diese Erhabenheit auch beibringen könnte. Es interessiert sie gar nicht, sonst wären ihre Schriften und Ergüsse nicht so unverständlich und narzisstisch-krank. Weg damit. Weiterlesen… »

15.08.2011, 15:36
Die gelockerte Zunge

Der Tee, den ich gerade trinke, ist der Beste, den ich kenne. Es ist nämlich kein Tee. Es ist nur heißes Wasser mit viel Kandis. Für meinen Papa ist heißes Wasser mit Kandis die Lösung für viele körperliche Beschwerden. Wie die, die ich jetzt habe: Eine Magen-Darm-Grippe. Und ja, er hat Recht, ich habe zum ersten Mal an diesem Tag einen glücklichen Bauch. Er rüttelt sich und mich nicht, zwingt mich nicht auf Knien zum Bad zu kriechen und von der Übelkeit geschüttelt zu werden. Er lächelt nur. Ja, es ist geschehen. Ich habe nach 7 Jahren meine erste Grippe am Hals, und mein Körper reagiert panisch, weil er einfach nicht grippenerprobt ist. Als Beobachterin ist das so unfassbar lustig, ich muss über mich selber lachen.

Wie manche von Euch wissen, ist Englisch nicht unbedingt meine Lieblingssprache. Nicht, dass ich sie besonders schwer finden würde, aber irgendwie erzeugt sie Knoten in meiner Zunge. Ich komme mir so unglaublich drollig vor, wenn ich die Wörter ausspreche. Dabei ist mein Akzent um einiges weniger ausgeprägt als bei meinen Studienkollegen, aber dafür können sie es sprechen. Durch die Vermeidung von Englisch hat sich das natürlich alles nicht verbessert – eher im Gegenteil. Nun besuche ich aber seit einiger Zeit einen Englisch-Sprachkurs, weil ich schon vorhabe, meine Masterarbeit auch auf Englisch zu verfassen. Auswandern ist immerhin eine Option bei mir. Jedenfalls, gestern, so im fiebrigen Delirium, fange ich an, mit Pepe alles auf Englisch zu besprechen. Einfachso. Egal, was mir auf dem Herzen lag, der ganze Wortfluss plätscherte auf Englisch auf ihn ein. Und das auch noch flüssig. Flüssig wie Fluss, ja. Pepe war so perplex, dass er nur zugehört hat und nichts gesagt hat. Ich fühlte mich in der Sprache noch nie so frei und ausdrucksstark wie gestern, als mein Körper überhitzt war und mein Immunsystem um die Vorherrschaft kämpfte. Vermutlich lockert Fieber die Assoziationsfähigkeit, so dass bestimmte Inhalte leichter zugreifbar sind. Natürlich würde ich heute wieder etwas holpern, weil ich tagsüber kein Fieber habe. Aber: Es ist wirklich wunderbar zu wissen, dass ich tief irgendwo in meinem kleinen Gehirn, flüssig Englisch reden kann. Yeah.